15. Chancengerechtigkeit

Das Unternehmen legt offen, wie es national und international Prozesse implementiert und welche Ziele es hat, um Chancengerechtigkeit und Vielfalt (Diversity), Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Mitbestimmung, Integration von Migranten und Menschen mit Behinderung, angemessene Bezahlung sowie Vereinbarung von Familie und Beruf zu fördern, und wie es diese umsetzt.

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit 203 Mitarbeitern an zwei Standorten. Wir haben in Diepholz 92 weibliche und 74 männliche Beschäftigte und in Gronau 15 weibliche und 22 männliche. 27 von 166 Mitarbeitern in Diepholz haben Migrationshintergrund. In Gronau sind es sieben von 37 Mitarbeitern.

Wir sind vom Typ her eher norddeutsch-pragmatisch. Selbstverständlich haben wir zu Themen wie z.B. Chancengerechtigkeit grundlegende Regeln formuliert und z.B. in einer Betriebsvereinbarung zur Vermeidung von Ungleichbehandlung niedergeschrieben. Dass bei uns Gleichbehandlungsgrundsätze gelten wie derjenige, dass bei vergleichbaren Positionen gleiches Gehalt geschlechterneutral gezahlt wird, sollte eigentlich nicht mehr der Rede wert sein. Standard-Eintrittsgehälter beginnen bei Lebensbaum bei 120 Prozent des Mindestlohns.

Unsere Ziele zu Chancengerechtigkeit und deren aktueller Status sind in unserem Nachhaltigkeitsbericht einzusehen.

Fürsorge jenseits von Programmen

Für uns gilt: Unsere Mitarbeiter sind uns wichtig. Große, ausgeklügelte Programme zur Mitarbeiterfürsorge und Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie sie in vielen Großunternehmen üblich sind, machen in unserem Fall jedoch oft noch keinen Sinn und ersetzen keine individuell auf einzelne Situationen und Mitarbeiter zugeschnittenen Lösungen. Wir stecken unsere Ressourcen grundsätzlich lieber in die Lösung von Problemen als in große Programme. Beispiele:

Die Ehefrau eines Mitarbeiters bricht sich den Fuß und hat obendrein noch ein kleines Kind? Selbstverständlich finden wir sofort eine temporäre Home-Office-Lösung. Und das ist nur ein Beispiel. Die Liste der Individuallösungen ist lang:

Von der Angehörigenpflege wie im Fall des genannten Mitarbeiters und vergleichbaren Fällen über die Freistellung von Mitarbeitern z.B. für soziales Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr bis hin zum Betriebsrat gehen wir auf die Belange von Mitarbeitern ein. Auch Aus- und Weiterbildung sind selbstverständlich. In Einzelfällen gibt es Home-Office-Plätze – da, wo es möglich ist und sich mit dem Firmenalltag vereinbaren lässt. Dasselbe gilt zum Beispiel für Sabbaticals. Denn, solche Möglichkeiten sind schön für den jeweiligen Mitarbeiter, dürfen aber nach unserem Verständnis nicht auf den Schultern seiner Kollegen lasten. Niemandem ist geholfen, wenn sich ein Einzelner verwirklicht und andere darunter leiden müssen.

Wir haben sowohl kurzfristige Überbrückungsdarlehen als auch längerfristige Darlehen an Mitarbeiter vergeben. In unserem Bistro am Standort Diepholz gehen wir auf Lebensmittelunverträglichkeiten Einzelner ein und ermöglichen ihnen den vollen Speiseplan ohne zusätzliche Kosten.

Wir haben keinen Ruheraum, dafür aber einen wunderschönen Garten mit Terrasse, die zum Verschnaufen einlädt. Wir haben keinen Fitnessraum. Brauchen wir auch nicht, denn direkt hinter unserem Gebäude lädt ein malerischer Weg zum Gang ins Moor ein; eine Möglichkeit, die von vielen Mitarbeitern gerne nach dem Mittagessen genutzt wird. Und wem das als Sport nicht reicht, der kann sich über das Unternehmen ein Lebensbaum Mitarbeiter-Rad zulegen oder sich seit 2017 dem Firmenfitness-Programm Hansefit anschließen.

Und obwohl wir generell in Vollzeit beschäftigen, haben wir immer wieder individuelle Teilzeitregelungen zwischen zehn und 35 Stunden Wochenarbeitszeit. Manche für einen längeren Zeitraum, zum Beispiel aus Gründen der Kinderbetreuung, manche auch dauerhaft. Immer gibt es dafür gute Gründe. So gelingt auch der Wiedereinstieg nach der Elternzeit reibungslos.

Auch für andere Themen lässt sich die Liste fortsetzen: Sprachen lernen jenseits der in ländlichen Regionen oft spärlichen Angebote der Volkshochschulen ist auf dem platten Land gar nicht so einfach. Im Herbst 2014 wendete sich ein Mitarbeiter an die Geschäftsführung mit der Frage, ob man nicht eine Lösung hätte. Die war schnell gefunden. An der Universität des Nachbarortes gab es die Sprachlehrerin, Lebensbaum erklärte sich bereit, die Kosten zu übernehmen. Außerdem stellte das Unternehmen die Räumlichkeiten und den Kopierer zur Verfügung. Nur das Lehrbuch mussten sich die Teilnehmer kaufen. Dann konnte das Pilotprojekt „Sprachunterricht im Unternehmen" starten. Die zehn Teilnehmerplätze wurden per Los verteilt und seitdem steht mittwochs abends um 17 Uhr Spanisch auf dem Programm. Im Januar 2017 endet das Pilotprojekt. Ob weitere Sprachlernangebote folgen, werden wir dann sehen.

Partnerschaften mit Behindertenwerkstätten

Chancengerechtigkeit ist jedoch auch ein Thema, das für uns nicht nur in den eigenen vier Wänden relevant ist. Auch außerhalb, z.B. durch unsere Kooperationen mit den Bersenbrücker Gemeinnützigen Werkstätten und den Diakoniewerkstätten Neubrandenburg, können wir zu Chancengerechtigkeit beitragen: Viele Lebensbaum Gewürze und Tees lassen sich mit Maschinen abfüllen. Bei einigen Produkten ist die anschließende Konfektionierung, also das Verpacken in die passenden Schachteln, allerdings so komplex, dass Handarbeit die bessere Lösung ist. Zum Beispiel beim Verpacken unseres Adventskalenders: 24 verschiedene, einzeln kuvertierte Teebeutel müssen in einer bestimmten Reihenfolge in die Faltschachtel gesteckt werden.

Leiharbeiter wären zwar eine Lösung für die temporären Spitzen durch diese Art der Handkonfektionierung gewesen, müssten aber immer wieder bezüglich Handhabung und Qualitätskontrolle neu eingearbeitet werden. Außerdem freuen wir uns, Menschen mit Behinderung in unsere Arbeitsprozesse einbeziehen zu können. Seit über zwölf Jahren arbeiten wir daher mit den nahe gelegenen Bersenbrücker Gemeinnützigen Werkstätten zusammen, die Menschen mit Behinderung fördern und ihnen selbstständiges Arbeiten ermöglichen. Sie übernehmen heute sämtliche Handkonfektionierungen, die bei Lebensbaum anfallen.

Wie viel Fingerfertigkeit und Feingefühl oftmals nötig sind, konnten wir im Rahmen einer unserer Azubi-Fahrten zu den Werkstätten feststellen: Schon beim Auffalten des Karton-Deckels für eine unserer Teeverpackungen sind viele von uns gescheitert. Es machte verblüffend schnell knack und der Deckel war hinüber.

Ausschuss gibt es bei unseren Kollegen in den Werkstätten so gut wie gar nicht. Außer, wir sind selbst vor Ort und versuchen mitzuhelfen.