20. Gesetzes- und richtlinienkonformes Verhalten

Das Unternehmen legt offen, welche Maßnahmen, Standards, Systeme und Prozesse zur Vermeidung von rechtswidrigem Verhalten und insbesondere von Korruption existieren, wie sie geprüft werden, welche Ergebnisse hierzu vorliegen und wo Risiken liegen. Es stellt dar, wie Korruption und andere Gesetzesverstöße im Unternehmen verhindert, aufgedeckt und sanktioniert werden.

Richtlinie für das tägliche Handeln am Flughafen ist die Corporate Governance und Compliance: Verantwortungsvolle Unternehmensführung, wie in den Empfehlungen des Public Corporate Governance Kodex Baden-Württemberg (PCGK) definiert, sowie die Einhaltung von Gesetzen, Regeln und Verhaltensweisen sind elementarer Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie.

Der fairport-Kodex ist bekannt

Der unternehmenseigene fairport-Kodex, der zugleich als Code of Conduct gilt, legt Werte und Verhaltensstandards für alle Airport-Beschäftigten fest. Er ist für sämtliche Unternehmen am Standort, an denen die Flughafengesellschaft mehrheitlich beteiligt ist, verbindlich. Teil dieses Regelwerks ist auch die Umweltpolitik der FSG und ihrer EMAS-zertifizierten Tochterunternehmen SAG und Flughafen Stuttgart Energie GmbH (FSEG).

Daten sicher und sensibel handhaben

Die FSG schult ihre Belegschaft regelmäßig zu Compliance-Themen – sowohl bei Seminarveranstaltungen als auch über E-Learning-Trainings. Diese behandeln Korruptionsprävention, Arbeitsschutz und Vergaberecht. Für das Jahr 2018 setzte sich die FSG in ihrem fairport-Programm zum Ziel, ein neues Compliance-Schulungsprogramm einzuführen. Das Jahr stand ganz im Zeichen des Datenschutzes und der Informationssicherheit. Schon bevor im Mai die Datenschutz- Grundverordnung (DSGVO) wirksam wurde, bereitete sich die FSG intensiv darauf vor, ihre Prozesse gesetzeskonform zu gestalten. Damit die Beschäftigten alle Daten und Informationen auch sicher und sensibel handhaben, führte die FSG dazu zwei neue Trainingsmodule ein. Zur Umsetzung der gesetzlichen Compliance-Anforderungen hat die FSG zusätzliche Managementsysteme zum Datenschutz und zur Informationssicherheit aufgebaut. Neben organisatorischen Strukturen wurden dort zahlreiche Prozesse implementiert. Als ein wichtiger
Baustein wurden zum Beispiel in den einzelnen Abteilungen dezentrale Koordinatoren für Datenschutz und Informationssicherheit benannt.

Hinweisen konsequent nachgehen

Damit Compliance die Unternehmenssteuerung vollständig durchdringt, etablierte die FSG sowohl ein Risiko- und Pflichtenmanagement als auch ein Richtlinienmanagement sowie eine entsprechende Aufbau- und Ablauforganisation. Teil des Compliance-Managementsystems sind verschiedene Bausteine, die insbesondere die Ermittlung und das Management von Pflichten und Risiken als auch ein zentrales Richtlinienmanagement sowie eine entsprechende Aufbau- und Ablauforganisation mit entsprechenden Regelwerken umfassen.

Das Compliance-Management der Flughafengesellschaft hat zum Ziel, Risiken frühzeitig zu erkennen und das Unternehmen entsprechend darauf vorzubereiten. Dies hat die FSG in ihrem fairport-Programm verankert. In einer sich immer schneller wandelnden Welt ist das eine große Herausforderung, an der die FSG fortlaufend arbeitet. Denn die Risikolandschaft einer Organisation verändert sich ständig. Um sich immer weiter zu verbessern, baut die Flughafengesellschaft derzeit auch Ressourcen in der internen Revision auf. Um steuerliche Risiken systematisch im Blick zu behalten und zu minimieren, führt die FSG aktuell ein umfassendes Tax Compliance Management ein, es soll 2020 implementiert werden. Dieses hilft Unternehmen mit komplexen Prozessen - wie einem internationalen Flughafen -, alle steuerlichen Pflichten zu überblicken und so Rechtsverstöße zu vermeiden.

Die Einhaltung aller Standards verantwortet die Geschäftsführung, die an die Gesellschafter und den Aufsichtsrat berichtet. Letzterer setzt sich aus Vertretern des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart sowie Arbeitnehmern des Flughafenkonzerns
zusammen. Das Kontrollgremium tagte im Jahr 2018 fünfmal. Ihr Vorsitzender besetzt keine weitere Position innerhalb der FSG.

Gibt es einen Verdacht auf unternehmensbezogene Straftaten, Ordnungswidrigkeiten oder Regelverstöße, nimmt der Compliance-Ausschuss diese schriftlich und gegebenenfalls auch anonym entgegen. Die vier Mitglieder des Komitees sind die Bereichs- und Abteilungsleiter für Recht und Compliance (Vorsitzender), Personal und Soziales, Controlling und Finanzen sowie der Unternehmenskommunikation. Außerdem hat die FSG einen externen Vertrauensanwalt berufen, der telefonisch und per E-Mail erreichbar ist. Seine Kontaktdaten stehen im fairport-Kodex. Wer einen Hinweis gibt, kann sich darauf verlassen, dass die Verantwortlichen diesen diskret behandeln.

Von Luft- bis Umweltrecht

Mehrere Tausend Rechtspflichten müssen internationale Verkehrsflughäfen erfüllen: Diese umfassen insbesondere deutsches und europäisches Luftrecht, Anlagensicherheits- und Infrastrukturrecht,
Wettbewerbsrecht, Umweltrecht, Sektorenvergaberecht, Bau- und Planungsrecht,
Datenschutzrecht, Betreiberverantwortung, Security und Safety. Die Anforderungen, die sich daraus für den Flughafen Stuttgart ergeben, fließen in eine zentrale Compliance-Datenbank ein oder werden über weitere Managementsysteme befolgt. Die korrekte Umsetzung aller Gesetze, Regeln und Richtlinien im vergangenen Jahr befindet sich derzeit in der Prüfung. Geldbußen fielen 2018 nicht an.

Apropos europäisches Luftrecht: Für Airports der Europäischen Union (EU) gelten die Sicherheits- und Umweltstandards der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Wie alle EU-Flughäfen ist auch
der Standort Stuttgart EASA-zertifiziert. Das unternehmenseigene EASA-Managementsystem etabliert einheitliche Abläufe sowie technische und organisatorische Standards.

Mit ihrem zentralen Vertrags- und Dokumentenmanagement verfügt die FSG über eine effiziente Infrastruktur für ihre Geschäftsprozesse: Verwaltungsarbeit – beispielsweise die Archivierung von Verträgen oder Genehmigungen – erfolgt nun weitgehend elektronisch. Das hatte sich die FSG in ihrem fairport-Programm vorgenommen.

Siehe auch: Bericht 2018 S. 12-14