14. Arbeitnehmerrechte

Das Unternehmen berichtet, wie es national und international anerkannte Standards zu Arbeitnehmerrechten einhält sowie die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen und am Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens fördert, welche Ziele es sich hierbei setzt, welche Ergebnisse bisher erzielt wurden und wo es Risiken sieht.

Das Alfred-Wegener-Institut wendet für die ganz überwiegende Mehrheit seiner Mitarbeitenden den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Bundes (TVöD Bund) an. Wir erkennen die für uns geltenden nationalen und internationalen Gesetze und Vorschriften des Arbeitsrechts an. Dabei berücksichtigen wir selbstverständlich die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Insbesondere dulden wir keine Zwangsarbeit, Kinderarbeit oder Schwarzarbeit. Wir garantieren unseren Mitarbeitenden das Recht auf Versammlungsfreiheit und darauf, ihre Vertreterinnen und Vertreter frei und unabhängig zu wählen. Am Alfred-Wegener-Institut vertritt ein Personalrat die Anliegen der Beschäftigten. Dieser ist die gewählte Vertretung der Beschäftigten des Instituts. Die Personalräte vertreten die Interessen und Rechte der Mitarbeitenden gegenüber der Leitung des AWI. Zu den Aufgaben gehört auch die Beratung von Kolleginnen und Kollegen bei Fragen zu ihrem täglichen Arbeitsablauf oder ihrem Beschäftigungsverhältnis.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Interessenvertretungen. Der Wissenschaftliche Rat ist dabei als Selbstverwaltungsorgan der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Fragen der wissenschaftlich-strategischen Ausrichtung des Instituts von großer Bedeutung.

Über die formale Vertretung der Rechte und Interessen der Beschäftigten durch die genannten Gremien hinaus besteht ein kontinuierlicher Kontakt der Institutsleitung zur Belegschaft u.a. im Rahmen von Mitarbeiterversammlungen. 2013 fand zudem eine breit angelegte Mitarbeiter-Befragung statt, die einen vielfältigen Diskussions- und Maßnahmenprozess in Gang setzte. Eine Wiederholung ist grundsätzlich geplant.

Die Beteiligung der Mitarbeitenden am Nachhaltigkeitsmanagement des AWI wird durch das „Forum für Nachhaltigkeit“ gefördert, das u.a. einen Vernetzungs- und Austauschbereich im Intranet bietet.

Da in der Regel die beschriebenen Tätigkeiten innerhalb Deutschlands durchgeführt werden, kommt nur die nationale Betrachtung der Arbeitnehmerrechte in Frage. Die wenigen längerfristig im Ausland beschäftigten Mitarbeitenden des AWI (z.B. Überwinterer auf Spitzbergen oder in der Antarktis) werden entsandt und unterliegen somit weiterhin deutschem Arbeitsrecht.

Risiken, die sich aus unserer Geschäftstätigkeit, aus unseren Geschäftsbeziehungen oder aus unseren Produkten und Dienstleistungen ergeben und wahrscheinlich negative Auswirkungen auf Arbeitnehmerrechte haben könnten, sind uns nicht bekannt. Konkrete Zielsetzungen wurden zu diesem Themenkomplex nicht definiert.

15. Chancengerechtigkeit

Das Unternehmen legt offen, wie es national und international Prozesse implementiert und welche Ziele es hat, um Chancengerechtigkeit und Vielfalt (Diversity), Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Mitbestimmung, Integration von Migranten und Menschen mit Behinderung, angemessene Bezahlung sowie Vereinbarung von Familie und Beruf zu fördern, und wie es diese umsetzt.

Vielfalt und Chancengerechtigkeit sehen wir als elementare Voraussetzung für unseren Erfolg. Selbstverständlich beachten wir die Vorgaben des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). In Konfliktfällen bieten Anlaufstellen wie das Mediationsteam, der Personalrat oder die psychosoziale Beratung jederzeit Unterstützung. In Zukunft sollen auch Seminare zum Thema „unconscious bias“ im Rahmen von Personalauswahl und -entwicklung angeboten werden.

Insgesamt konzentriert sich das AWI im Bereich Diversität v.a. auf die Dimensionen Geschlecht und Herkunft. Eine übergeordnete Strategie zum Umgang mit Diversität besteht bisher nicht. Die Leitlinie der Helmholtz-Gemeinschaft zu Diversität und Inklusion (https://www.helmholtz.de/fileadmin/user_upload/publikationen/Leitlinie_Diversitaet_Inklusion.pdf) erkennen wir als Grundlage für weitere Überlegungen an.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zentraler Baustein der Personalpolitik des AWI. Durch die nachhaltige Beschäftigung und strategische Ausrichtung des Familienbüros ist es gelungen, aus einem Projekt zur Chancengleichheit eine Haltung auf allen Ebenen des AWI zu erreichen. Konkrete Angebote sind u.a. eine betriebliche Kinderkrippe, ein regelmäßiges Ferienprogramm und Beratung zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Das International Office des AWI bietet wichtige Services für die Mitarbeitende, die aus dem Ausland zu uns kommen und das deutsche System nicht kennen und / oder nicht Deutsch sprechen. Am AWI arbeiten Menschen aus insgesamt 31 Ländern. Das International Office bietet Deutschkurse (auch für Familienmitglieder), individuelle Beratung zum Leben in Deutschland und zur Arbeit am AWI sowie Veranstaltungen zur Vernetzung.

Seit 2013 wird am AWI das Nippon Foundation (NF) - Partnership for Observation of the Global Ocean (POGO) Centre of Excellence durchgeführt, bei dem jährlich zehn Stipendien an Forschende aus Schwellen- und Entwicklungsländern vergeben werden. Diese werden nachhaltig in Meereskunde qualifiziert und in ein internationales Netzwerk eingeführt werden.

Das AWI hat bei Promovierenden und Postdocs ein weitgehend konstant ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. In der Verwaltung sind hingegen mehr Frauen beschäftigt, in den technischen Bereichen mehr Männer. Auch bei den Senior Scientists und Führungskräften sind Frauen im Vergleich zu den Anteilen der PhD und Postdoc unterrepräsentiert, aber höher als im deutschen Durchschnitt: So lag bei den wissenschaftlichen Stellen der Frauenanteil Ende 2019 bei 29% (EG 15), 31% (W2), 15% (W3) und 15% (Führungskräfte). Die in 2015 für Ende 2020 festgelegten Zielquoten für die genannten Mitarbeitergruppen werden verfehlt, da ein viel größerer Stellenzuwachs postuliert wurde als finanzierbar war. Das AWI hat zu 2025 neue Ziele formuliert, die grundsätzlich erreichbar sind, wenn bei allen Einstellungs- und Höhergrupierungs-Vorgängen 50% Frauen berücksichtigt werden. Dafür werden umfängliche Prozesse erarbeitet. Bei der Rekrutierung und bei Höhergruppierungen nach EG15 wird daher in Zukunft noch intensiver auf das bewusste, aktive Identifizieren geeigneter Kandidatinnen geachtet, u.a. durch die gezielte Nutzung von Instrumenten wie dem Helmholtz-Rekrutierungs-Programm.

Die Bezahlung am AWI richtet sich nach der Entgeltordnung des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst des Bundes. Damit wird für gleiche Aufgaben grundsätzlich auch die gleiche Vergütung gezahlt.

16. Qualifizierung

Das Unternehmen legt offen, welche Ziele es gesetzt und welche Maßnahmen es ergriffen hat, um die Beschäftigungsfähigkeit, d. h. die Fähigkeit zur Teilhabe an der Arbeits- und Berufswelt aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu fördern und im Hinblick auf die demografische Entwicklung anzupassen, und wo es Risiken sieht.

Wir entwickeln und fördern unsere Mitarbeitenden mit vielfältigen Weiterbildungsangeboten für fachliche und überfachliche Kompetenzen. Die Planung der Weiterbildung liegt dabei zunächst bei den Führungskräften. Das wichtigste Instrument in diesem Kontext ist das jährliche Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräch (MVG), in dem Aufgaben und Ziele besprochen werden und die Qualifizierungs- und Karriereplanung stattfindet. Bei den Promovierenden findet die Planung und strategische Begleitung der Karriere-Entwicklung im Thesis Advisory Committee statt, mit dem sich Promovierende alle sechs Monate treffen. Für Postdocs werden die MVGs ergänzt durch Career Planning Reviews durch das Postdoc Office PROCEED.

Darüber hinaus tragen Coaching- und Teamentwicklungsangebote wesentlich dazu bei, Ziele in den jeweiligen Teams zu vereinbaren und Aufgaben festzulegen. Qualifizierungsbedarfe können in der Folge leichter definiert und zielgerichteter umgesetzt werden.

Die Personalentwicklung, die Graduiertenschule POLMAR und PROCEED unterstützen Führungskräfte und Mitarbeitende bei der Umsetzung der Bedarfe, beraten zu passenden Maßnahmen und Instrumenten und bieten proaktive, häufig zielgruppenorientierte Angebote.

Auch die berufliche Ausbildung ist ein wichtiger Bestandteil der Personalentwicklung: Wir bilden an drei Standorten in acht Ausbildungsberufen aus und beschäftigen aktuell 36 Auszubildende.

Das Durchschnittsalter unserer Belegschaft liegt bei 42,3 Jahren.  Viele unserer Arbeitsplätze stellen weniger ausgeprägte körperliche Anforderungen, so dass Mitarbeitende (v.a. auf wissenschaftlichen Stellen) teils ihre Tätigkeit für das AWI auf freiwilliger Basis über die Renten-Regelaltersgrenze hinaus fortsetzen (als „Senior Advisor“), wenn dies fürs AWI einen Gewinn darstellt und jüngere Mitarbeitende nicht in ihrer Entwicklung behindert.

Das betriebliche Gesundheitsmanagement stellt aufgrund der diversen, teils ungewöhnlichen Arbeitsorte (u.a. im Expeditionsbetrieb) eine besondere Herausforderung dar. Die Bereiche Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Prävention werden durch die Stabsstelle HSE (Health, Safety and Environment) auf Basis aktueller Vorgaben und gesetzlicher Bestimmungen systematisch geplant, organisiert und auf dem aktuellen Stand gehalten. Im Arbeitskreis „Gesundheitszirkel“ werden mögliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung identifiziert, abgestimmt und zugänglich gemacht. Das AWI bietet seinen Mitarbeitenden u.a. eine individuelle medizinische Beratung durch den Betriebsarzt, eine psychosoziale Beratung, ein Firmenfitness-Programm, eine „Aktive Pause“ sowie Autogenes Training. Regelmäßig aktualisierte Informationen stehen für allen Mitarbeitenden auf der HSE-Intranetseite jederzeit zur Verfügung.

Risiken, die sich aus unserer Geschäftstätigkeit, unseren Geschäftsbeziehungen o.ä. ergeben und wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Qualifizierung haben könnten, sind uns nicht bekannt. Konkrete Zielsetzungen wurden für diesen Bereich bisher nicht definiert.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 14 bis 16

Leistungsindikator GRI SRS-403-9: Arbeitsbedingte Verletzungen
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Für alle Angestellten:
i. Anzahl und Rate der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen;
ii. Anzahl und Rate arbeitsbedingter Verletzungen mit schweren Folgen (mit Ausnahme von Todesfällen);
iii. Anzahl und Rate der dokumentierbaren arbeitsbedingten Verletzungen;
iv. die wichtigsten Arten arbeitsbedingter Verletzungen;
v. Anzahl der gearbeiteten Stunden.

b. Für alle Mitarbeiter, die keine Angestellten sind, deren Arbeit und/oder Arbeitsplatz jedoch von der Organisation kontrolliert werden:
i. Anzahl und Rate der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen;
ii. Anzahl und Rate arbeitsbedingter Verletzungen mit schweren Folgen (mit Ausnahme von Todesfällen);
iii. Anzahl und Rate der dokumentierbaren arbeitsbedingten Verletzungen;
iv. die wichtigsten Arten arbeitsbedingter Verletzungen;
v. Anzahl der gearbeiteten Stunden.

Die Punkte c-g des Indikators SRS 403-9 können Sie entsprechend GRI entnehmen und an dieser Stelle freiwillig berichten.


Leistungsindikator GRI SRS-403-10: Arbeitsbedingte Erkrankungen
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Für alle Angestellten:
i. Anzahl und Rate der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Erkrankungen;
ii. Anzahl der dokumentierbaren arbeitsbedingten Erkrankungen;
iii. die wichtigsten Arten arbeitsbedingter Erkrankungen;
b. Für alle Mitarbeiter, die keine Angestellten sind, deren Arbeit und/oder Arbeitsplatz jedoch von der Organisation kontrolliert werden:
i. Anzahl der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Erkrankungen;
ii. Anzahl der dokumentierbaren arbeitsbedingten Erkrankungen;
iii. die wichtigsten Arten arbeitsbedingter Erkrankungen.

Die Punkte c-e des Indikators SRS 403-10 können Sie entsprechend GRI entnehmen und an dieser Stelle freiwillig berichten.

Das Alfred-Wegener-Institut beschäftigte im Berichtsjahr 2019 an fünf innerdeutschen Standorten (sowie mehreren Forschungsstationen in Arktis und Antarktis) insgesamt 1262 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 11 meldepflichtige Unfälle (> 3 Tage Ausfallzeit) erfasst, dazu kamen 6 nicht meldepflichtige Unfälle (≤ 3 Tage Ausfallzeit). Unfälle mit Todesfolge kamen am AWI erfreulicherweise nicht vor.

Detailliert betrachtet zeigen die erfassten Unfälle folgendes:
  • Von 11 meldepflichtigen Unfällen sind 3 (27,3 %) Arbeitsunfälle und 8 (72,7 %) Wegeunfälle.
  • Von 6 nicht meldepflichtigen Unfällen sind 4 (66,7 %) Arbeitsunfälle und 2 (33,3 %) Wegeunfälle.

Zur besseren Vergleichbarkeit der Zahlen mit anderen Unternehmen / Branchen werden hier spezielle Unfallkennzahlen betrachtet:
  • 1.000-Personen-Quote - meldepflichtige Arbeitsunfälle:
    • AWI 2,38 (Vergleichswerte Æ 2018 – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): 23,1; Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI): 18,5; Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG): 18,04).
  • 1.000-Personen-Quote - meldepflichtige Wegeunfälle:
    • AWI: 6,34 (Vergleichswerte Æ 2018 – DGUV: 3,64; BG RCI: 3,39; VBG: 3,34).
  • Rate / 1.000.000 Arbeitsstunden* - meldepflichtige Arbeitsunfälle:
    • AWI 1,69 (Vergleichswerte Æ 2018 – DGUV: 14,81; BG RCI: 11,64; VBG: 11,56).

* Als Richtwert flossen dabei 1703,9 Arbeitsstunden / Mitarbeiter / Jahr (Urlaubstage abgezogen) in die Berechnung ein.

Die niedrige 1.000-Personen Quote und die niedrige Rate pro 1.000.000 Arbeitsstunden gegenüber den o.g. Vergleichszahlen – besonders der VBG als Versicherer – spiegeln ein erfreulich geringes Unfallgeschehen am AWI wider.

Als häufigste Arten arbeitsbedingter Verletzungen (ermittelt aufgrund der Anzahl meldepflichtiger Arbeitsunfälle n=3) zeigten sich Platzwunde und Fraktur an Oberschenkelhals und Fuß, was bei der relativ geringen Zahl von n=3 sicher nicht aussagekräftig und verallgemeinerbar ist.

Meldungen über arbeitsbedingte Erkrankungen im eigentlichen Sinne (Gesundheitsstörungen, die ganz oder teilweise durch die Arbeitsumstände verursacht werden) oder über Berufskrankheiten im Sinne des VII. Sozialgesetzbuches liegen im Berichtszeitraum am AWI nicht vor.

Leistungsindikator GRI SRS-403-4: Mitarbeiterbeteiligung zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
Die berichtende Organisation muss für Angestellte und Mitarbeiter, die keine Angestellten sind, deren Arbeit und/oder Arbeitsplatz jedoch von der Organisation kontrolliert werden, folgende Informationen offenlegen:

a. Eine Beschreibung der Verfahren zur Mitarbeiterbeteiligung und Konsultation bei der Entwicklung, Umsetzung und Leistungsbewertung des Managementsystems für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz und zur Bereitstellung des Zugriffs auf sowie zur Kommunikation von relevanten Informationen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz gegenüber den Mitarbeitern.

b. Wenn es formelle Arbeitgeber-Mitarbeiter-Ausschüsse für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz gibt, eine Beschreibung ihrer Zuständigkeiten, der Häufigkeit der Treffen, der Entscheidungsgewalt und, ob und gegebenenfalls warum Mitarbeiter in diesen Ausschüssen nicht vertreten sind.

In Deutschland hat jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin eines Betriebes Anspruch auf Arbeitsschutz bzw. eine angemessene Arbeitssicherheit. Die Grundlage dafür bildet das deutsche Arbeitsschutzgesetz, das den Arbeitgeber verpflichtet, entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit seiner Beschäftigten umzusetzen. Rechte der Mitarbeitenden auf eine Beteiligung im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz sind u.a. in § 17 ArbSchuG, im deutschen Arbeitssicherheitsgesetz und im Betriebsverfassungsgesetz geregelt.

Das Alfred-Wegener-Institut wendet den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes an. Dieser gibt ebenfalls Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz vor, enthält aber keine konkreten Regelungen zur Mitarbeiterbeteiligung im Arbeitsschutz.

Zur Umsetzung der vom Gesetzgeber geforderten Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz implementiert das Alfred-Wegener-Institut ein umfangreiches Arbeitsschutz-Managementsystem, das von der Pflichtenübertragung über verschiedene Delegationsebenen über die Gestellung eines Betriebsarztes und den Einsatz von Sicherheitsbeauftragten in den einzelnen Abteilungen bis hin zu innerbetrieblichen und externen Weiterbildungsangeboten für die Mitarbeitenden reicht. Federführend hierbei ist die Stabsstelle HSE (Health, Safety and Environment), die das Direktorium mit ausgebildeten Sicherheitsfachkräften mit unterschiedlichen Schwerpunkten unterstützt und berät. Um eine Mitarbeiterbeteiligung im Arbeits- und Gesundheitsschutz sicherzustellen, finden regelmäßig (vierteljährlich) Arbeitsschutz-Ausschusssitzungen statt, in denen Mitarbeiterfragen, anstehende Änderungen sowie zukünftige Planungen diskutiert werden. Bei wesentlichen Entscheidungen wie z.B. der Inkraftsetzung neuer oder überarbeiteter interner Dienstvereinbarungen, Ordnungen und Regelungen sind Personalrat, Frauenbeauftragte und Schwerbehindertenvertretung involviert.

Um eine Weiterbildung und Qualifikation der Beschäftigten sicherzustellen sowie um diese ständig in die laufende Entwicklung des Arbeitsschutzes einzubeziehen, bietet das AWI seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit, an internen Treffen und Seminaren (Laborleitungs-Seminar, SiBa-Treffen, o.ä.) teilzunehmen, sowie je nach Aufgabenbereich auch externe Fort- und Weiterbildungen (z.B. über die Verwaltungsberufsgenossenschaft) zu besuchen.

Als wesentliche Plattform zur direkten Kommunikation mit allen Beschäftigten wurde eine HSE-eigene Website im AWI-Intranet aufgebaut, die jedem Mitarbeitenden zugänglich ist und wesentliche Entwicklungen, Neuerungen und Informationen aus dem Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz aktuell zur Verfügung stellt. Neben grundlegenden Informationen zu Arbeitsschutz, Brandschutz, Erster Hilfe, Rechtsvorschriften und berufsgenossenschaftlichen Regelungen werden hier auch arbeitsschutzrelevante Unterlagen und Formulare in der jeweils neuesten Version sowie Informationen und Termine z.B. zu wiederkehrenden Prüfungen zur Verfügung gestellt.

Des Weiteren finden sich hier spezialisierte Ansprechpersonen für konkrete Fragestellungen aus ihrem direkten Arbeitsbereich und können konkrete Fragen, Beratungsgespräche, Begehungen und Vor-Ort Termine absprechen.

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements bietet das Alfred-Wegener-Institut seinen Beschäftigten neben der Möglichkeit zu Beratungsgesprächen beim Betriebsarzt auch zielgerichtete gesundheitsfördernde Maßnahmen sowie Angebote zu sportlichen Aktivitäten (Aktive Pause, Autogenes Training, Firmenfitness mit externen Anbietern) an und unterstützt diese.

Leistungsindikator GRI SRS-404-1 (siehe G4-LA9): Stundenzahl der Aus- und Weiterbildungen
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. durchschnittliche Stundenzahl, die die Angestellten einer Organisation während des Berichtszeitraums für die Aus- und Weiterbildung aufgewendet haben, aufgeschlüsselt nach:
i. Geschlecht;
ii. Angestelltenkategorie.

Im Berichtsjahr 2019 haben Mitarbeitende im Rahmen von inhouse durchgeführten Seminaren und weiteren Maßnahmen insgesamt 2.417 Stunden für ihre Aus- und Weiterbildung aufgewendet. Davon entfielen 1.052 Stunden auf Männer und 1.365 Stunden auf Frauen. 2.115 Stunden entfielen auf Teilnehmende aus den Bereichen Technik/ Infrastruktur/ Verwaltung, 302 Stunden auf Teilnehmende aus dem Bereich Wissenschaft. Zu beachten ist, dass diese Daten nur die inhouse stattfindenden und von der zentralen Personalentwicklung organisierten Seminare und Veranstaltungen umfassen.

Darüber hinaus existiert zum einen ein breites Angebot der Graduiertenschule POLMAR und des Postdoc Office PROCEED speziell für Promovierende und Postdocs. Dieses umfasste in 2019 insgesamt 61 Kurstage mit mehr als 370 Teilnehmenden. Eine Erfassung der genauen Stundenzahl dieser Maßnahmen oder eine detaillierte Erfassung nach männlichen und weiblichen Teilnehmenden erfolgte nicht.

Zum anderen werden seitens der zentralen Personalentwicklung zahlreiche individuelle externe Weiterbildungen vermittelt, deren genauer zeitlicher Umfang allerdings nicht erfasst wurde.

Nicht zuletzt werden fachspezifische Weiterbildungen und Seminare häufig direkt von der Abteilung oder Sektion des betroffenen Mitarbeitenden gebucht und finanziert. Diese werden nicht zentral erfasst. Der tatsächliche Umfang an Weiterbildung liegt also deutlich höher als die o.g. konkreten Zahlen, ist aber leider nicht im Detail zu beziffern.

Leistungsindikator GRI SRS-405-1: Diversität
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Prozentsatz der Personen in den Kontrollorganen einer Organisation in jeder der folgenden Diversitätskategorien:
i. Geschlecht;
ii. Altersgruppe: unter 30 Jahre alt, 30-50 Jahre alt, über 50 Jahre alt;
iii. Gegebenenfalls andere Diversitätsindikatoren (wie z. B. Minderheiten oder schutzbedürftige Gruppen).

b. Prozentsatz der Angestellten pro Angestelltenkategorie in jeder der folgenden Diversitätskategorien:
i. Geschlecht;
ii. Altersgruppe: unter 30 Jahre alt, 30-50 Jahre alt, über 50 Jahre alt;
iii. Gegebenenfalls andere Diversitätsindikatoren (wie z. B. Minderheiten oder schutzbedürftige Gruppen).

Zum Stichtag 31.12.2019 hatte das Kontrollorgan des AWI, das Kuratorium, 13 Mitglieder – davon fünf Männer und acht Frauen. Altersgruppen und andere Diversitätsindikatoren werden nicht ermittelt.

Insgesamt waren am 31.12.2019 1.262 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am AWI beschäftigt (inkl. studentischen Hilfskräften, Praktikant/innen und Teilnehmenden am Freiwilligen Ökologischen Jahr). Studentische Hilfskräfte sowie Praktikant/innen lassen sich nicht klar den Bereichen Wissenschaft oder Technik/ Infrastruktur/ Verwaltung zuordnen, so dass sie in der folgenden prozentualen Aufgliederung nicht erfasst sind. Zum Stichtag…

… beträgt der Frauenanteil in der Wissenschaft 41,6%, in den Bereichen Technik/ Infrastruktur/ Verwaltung 52,3%.
… ist die Gliederung nach Altersgruppen in der Wissenschaft: unter 30 – 18,6%, 30 bis 50 – 52,2%, über 50 – 29,2%
… ist die Gliederung nach Altersgruppen in den Bereichen Technik/ Infrastruktur/ Verwaltung: unter 30 – 18,2%, 30 bis 50 – 47,2%, über 50 – 34,6%.
… beträgt der Anteil der Beschäftigten mit nicht-deutscher Nationalität in der Wissenschaft 22,3%, in den Bereichen Technik/ Infrastruktur/ Verwaltung 7,5%.

Leistungsindikator GRI SRS-406-1: Diskriminierungsvorfälle
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Gesamtzahl der Diskriminierungsvorfälle während des Berichtszeitraums.

b. Status der Vorfälle und ergriffene Maßnahmen mit Bezug auf die folgenden Punkte:
i. Von der Organisation geprüfter Vorfall;
ii. Umgesetzte Abhilfepläne;
iii. Abhilfepläne, die umgesetzt wurden und deren Ergebnisse im Rahmen eines routinemäßigen internen Managementprüfverfahrens bewertet wurden;
iv. Vorfall ist nicht mehr Gegenstand einer Maßnahme oder Klage.

Während des Berichtszeitraums war die AGG-Beschwerdestelle mit genau einem Fall befasst. Dabei ging es um eine Diskriminierung wegen des Geschlechts. Der Fall wurde geprüft, es wurden mehrere Gespräche geführt und Schulungsmaßnahmen wurden vereinbart. Eine Klage folgte nicht. Der Fall ist aktuell nicht mehr Gegenstand einer Maßnahme.

Über die AGG-Beschwerdestelle hinaus gibt es im AWI zahlreiche weitere niedrigschwellige Kontaktstellen, an die sich Beschäftigte wenden können, wenn ein Konflikt vorliegt oder sie sich diskriminiert fühlen, so z.B. den Personalrat, das Frauenbeauftragten-Team, die Schwerbehindertenvertretung, das Mediationsteam oder die Graduiertenschule POLMAR. Die Zahl der an diese Stellen herangetragenen Diskriminierungsfälle wurde allerdings im Berichtszeitraum nicht erfasst. Erfahrungsgemäß wird im Rahmen dieser niedrigschwelligen Kontakte häufig zunächst eine Beratung gewünscht, oft vertraulich. In keinem der nicht der AGG-Beschwerdestelle vorgebrachten Fälle erfolgte eine Klage.

17. Menschenrechte

Das Unternehmen legt offen, welche Maßnahmen, Strategien und Zielsetzungen für das Unternehmen und seine Lieferkette ergriffen werden, um zu erreichen, dass Menschenrechte weltweit geachtet und Zwangs- und Kinderarbeit sowie jegliche Form der Ausbeutung verhindert werden. Hierbei ist auch auf Ergebnisse der Maßnahmen und etwaige Risiken einzugehen.

In der AWI-Nachhaltigkeitsrichtlinie verpflichtet sich das AWI dazu, neben der Wirtschaftlichkeit in allen Phasen des Vergabeverfahrens auch soziale und umweltbezogene Aspekte zu berücksichtigen. Im Rahmen der Leistungsbeschreibung werden entsprechende Kriterien an Lieferanten vermittelt und anschließend über die Eignungs- und Wertungskriterien in die Vergabeentscheidungen einbezogen. Menschenrechtsaspekte werden bei einzelnen Ausschreibungen beispielsweise in Form der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) oder durch Fair-Trade-Siegel in die Bewertung mit einbezogen. Konkrete Standards für alle Vergaben oder konkrete Zielsetzungen gibt es bisher nicht.

Eine systematische Ermittlung von wesentlichen Risiken in Bezug auf Menschenrechte wurde nicht durchgeführt.

Leistungsindikatoren zu Kriterium 17

Leistungsindikator GRI SRS-412-3: Auf Menschenrechtsaspekte geprüfte Investitionsvereinbarungen
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Gesamtzahl und Prozentsatz der erheblichen Investitionsvereinbarungen und -verträge, die Menschenrechtsklauseln enthalten oder auf Menschenrechtsaspekte geprüft wurden.

b. Die verwendete Definition für „erhebliche Investitionsvereinbarungen“.

Investitionsvereinbarungen werden am AWI bisher nicht unter Menschenrechtsaspekten geprüft. Dieser Aspekt wird für das AWI als Forschungseinrichtung als nicht wesentlich eingestuft.

Leistungsindikator GRI SRS-412-1: Auf Menschenrechtsaspekte geprüfte Betriebsstätten
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Gesamtzahl und Prozentsatz der Geschäftsstandorte, an denen eine Prüfung auf Einhaltung der Menschenrechte oder eine menschenrechtliche Folgenabschätzung durchgeführt wurde, aufgeschlüsselt nach Ländern.

Die Betriebsstätten des AWI werden bisher nicht unter Menschenrechtsaspekten geprüft. Dieser Aspekt wird für das AWI als Forschungseinrichtung als nicht wesentlich eingestuft.

Leistungsindikator GRI SRS-414-1: Auf soziale Aspekte geprüfte, neue Lieferanten
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Prozentsatz der neuen Lieferanten, die anhand von sozialen Kriterien bewertet wurden.

Eine systematische Prüfung neuer Lieferanten anhand von sozialen Aspekten führt das AWI bisher nicht durch. Bei einzelnen Ausschreibungen werden Menschenrechtsaspekte wie beispielsweise die ILO-Kernarbeitsnormen oder Fair-Trade-Siegel in die Bewertung mit einbezogen.

Leistungsindikator GRI SRS-414-2: Soziale Auswirkungen in der Lieferkette
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Zahl der Lieferanten, die auf soziale Auswirkungen überprüft wurden.

b. Zahl der Lieferanten, bei denen erhebliche tatsächliche und potenzielle negative soziale Auswirkungen ermittelt wurden.

c. Erhebliche tatsächliche und potenzielle negative soziale Auswirkungen, die in der Lieferkette ermittelt wurden.

d. Prozentsatz der Lieferanten, bei denen erhebliche tatsächliche und potenzielle negative soziale Auswirkungen erkannt und infolge der Bewertung Verbesserungen vereinbart wurden.

e. Prozentsatz der Lieferanten, bei denen erhebliche tatsächliche und potenzielle negative soziale Auswirkungen erkannt wurden und infolgedessen die Geschäftsbeziehung beendet wurde, sowie Gründe für diese Entscheidung.

Es wurde bisher keine systematische Prüfung der Lieferanten anhand von sozialen Aspekten durchgeführt.

18. Gemeinwesen

Das Unternehmen legt offen, wie es zum Gemeinwesen in den Regionen beiträgt, in denen es wesentliche Geschäftstätigkeiten ausübt.

Die Programme HIGHSEA, SEASIDE und OPENSEA sind Bausteine der frühen Nachwuchsförderung am AWI. Sie richten sich an Lernende verschiedener Schulformen.

Im Rahmen von HIGHSEA lernen jährlich etwa 24 Jugendliche in den letzten drei Schuljahren zwei Tage pro Woche am AWI von und mit Forschenden des Instituts. Im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens steht die Bearbeitung von drei oder vier großen Fragestellungen, die aus aktuellen Forschungsbereichen des AWI abgeleitet werden. Die Fächergrenzen (Biologie, Chemie, Physik, Englisch, Mathematik) sind dabei weitgehend aufgelöst.

Das Bremerhavener Schülerlabor SEASIDE bietet Besuchsserien (typischerweise fünf bis sechs Besuche) für alle Klassenstufen ab Klasse 3 an. Voraussetzung ist die Einbettung in den Unterricht in der Schule.

Das Schülerlabor OPENSEA auf Helgoland bietet fünftägige Projektwochen für Schulklassen der gymnasialen Oberstufe an. Die Lernmodule sind nach den Kriterien der Bildung für Nachhaltige Entwicklung zur Förderung von Wissen, Bewertungs- und Handlungskompetenz konzipiert und evaluiert.

Im Rahmen spezieller Förderprogramme für Geflüchtete bietet das AWI Kurzpraktika oder auch mehrjährige Arbeitsverhältnisse an.

Weiterhin betreibt das AWI zahlreiche Initiativen im Bereich des Wissens- und Technologietransfers, die sich über die typischen Forschungsaktivitäten hinaus auf das Gemeinwesen der Region positiv auswirken. Folgende Aspekte standen dabei 2019 im Vordergrund:
  1. Ausgründungen: Eine schwer planbare, aber wichtige Komponente sind Firmengründungen, die im günstigsten Fall auch standortnah erfolgen können. Sie können große Wirkung entfalten, indem sie nachhaltige Produkte/Technologien auf den Markt bringen und entsprechende Arbeitsplätze schaffen. Im Berichtsjahr unterstützte das AWI die 2018 gegründete ELISE GmbH, aktiv im Bereich des bionischen Leichtbaus, im Rahmen einer EXIST-Förderung in Bremerhaven durch eine sehr effiziente Begleitung der Übergangszeit bis hin zum Bezug neuer Geschäftsräume in Bremen Anfang 2020.
  2. Strategische Kooperationen im Technologietransfer: Das AWI führte Innnovationsprojekte mit Wirtschaftsunternehmen aus der Region durch. Hier handelt es sich in der Regel um Projekte, die Nachhaltigkeit als wichtige Zielkomponente haben (u.a. durch Bezüge zur Windkraft, nachhaltigen Lebensmitteln, Leichtbau).
  3. Der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Gesellschaft einschließlich verschiedener dialogischer Komponenten mit unseren Stakeholdern (kurz: Wissenstransfer WT) wird am AWI auf vielfältige Weise realisiert. Neben den dauerhaften, unterstützenden Einrichtungen wie Klimabüro, Nordseebüro und Arktisbüro sowie dem AWI-Beitrag zur Earth System Knowledge Plattform (ESKP) der Helmholtz-Gemeinschaft werden unterschiedliche Aktivitäten von der Ebene einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis hin zu integrativen Projekten unter Beteiligung von Behörden, Landesämtern und anderen gesellschaftlichen Akteuren u.a. zur Unterstützung von Entscheidungsträgern durchgeführt (etwa in Form strukturierter Dialoge, maßgeschneiderter Produkte und Bewertungen auf Länder-, Bundes-, EU- und internationaler Ebene).

Einen weiteren Beitrag zum Gemeinwesen leistet das AWI auch durch eine aktive Beteiligung an der Stadtentwicklung an den Standorten. Exemplarisch ist hier das Werftquartier in Bremerhaven zu nennen. Hier beteiligte sich das AWI im Rahmen der Erstellung eines städtebaulichen Rahmenplans an der Begleitung des mit sechs internationalen Architekturbüros durchgeführten Realisierungswettbewerbs und beriet die Jury des Wettbewerbs als Sachverständiger.

Derzeit findet hierzu die Konkretisierung des Rahmenplans statt. Der Siegerentwurf hat hier auch nachhaltige Aspekte – insbesondere energetische Aspekte des Bauens und Nutzens sowie Aspekte der Lebensqualität - herausgearbeitet. Das AWI könnte im Planungsgebiet im Bereich der für Forschungseinrichtungen und wissenschaftsnahe Dienstleistungen vorgesehenen Flächen Erweiterungsmöglichkeiten finden. Die Bezugspunkte zum bereits vom AWI genutzten Gebiet im Bereich des nördlichen Fischereihafens werden derzeit zusammen mit der von der Stadt beauftragten Projektbetreuungsgesellschaft (BIS Bremerhaven) herausgearbeitet.

Exemplarisch für das Engagement des AWI in der Region steht auch seine Mitarbeit bei der Entwicklung einer Wasserstoffstrategie für die Metropolregion Nordwest. Das AWI selbst fungiert hierbei potentiell als Pilotanwender für spezifische H2-Technologien bzw. eFuels (z.B. Methanolbetrieb für den Forschungskutter Uthörn II).

Leistungsindikatoren zu Kriterium 18

Leistungsindikator GRI SRS-201-1: Unmittelbar erzeugter und ausgeschütteter wirtschaftlicher Wert
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. den zeitanteilig abgegrenzten, unmittelbar erzeugten und ausgeschütteten wirtschaftlichen Wert, einschließlich der grundlegenden Komponenten der globalen Tätigkeiten der Organisation, wie nachfolgend aufgeführt. Werden Daten als Einnahmen‑Ausgaben‑Rechnung dargestellt, muss zusätzlich zur Offenlegung folgender grundlegender Komponenten auch die Begründung für diese Entscheidung offengelegt werden:
i. unmittelbar erzeugter wirtschaftlicher Wert: Erlöse;
ii. ausgeschütteter wirtschaftlicher Wert: Betriebskosten, Löhne und Leistungen für Angestellte, Zahlungen an Kapitalgeber, nach Ländern aufgeschlüsselte Zahlungen an den Staat und Investitionen auf kommunaler Ebene;
iii. beibehaltener wirtschaftlicher Wert: „unmittelbar erzeugter wirtschaftlicher Wert“ abzüglich des „ausgeschütteten wirtschaftlichen Werts“.

b. Der erzeugte und ausgeschüttete wirtschaftliche Wert muss getrennt auf nationaler, regionaler oder Marktebene angegeben werden, wo dies von Bedeutung ist, und es müssen die Kriterien, die für die Bestimmung der Bedeutsamkeit angewandt wurden, genannt werden.

Das Gesamtbudget des AWI betrug im Jahr 2019 TEUR 176.386 im Soll. Davon betrug die institutionelle Förderung TEUR 144.986. Mit TEUR 31.400 stellten die Drittmittel rd. 18 Prozent des Sollansatzes dar.

Die institutionelle Förderung des AWI wird zu 90 Prozent durch Mittel des Bundes, genauer des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, finanziert. 10 Prozent der institutionellen Förderung tragen die Sitzländer des AWI. Dies waren im Jahr 2019 Bremen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Diese Mittelgeber erhalten im Rahmen des Jahresabschlusses eine umfassende Berichterstattung zum Haushalt des AWI und zur Mittelverwendung. Weiterhin erfolgt eine Berichterstattung an die Helmholtz-Gemeinschaft.

19. Politische Einflussnahme

Alle wesentlichen Eingaben bei Gesetzgebungsverfahren, alle Einträge in Lobbylisten, alle wesentlichen Zahlungen von Mitgliedsbeiträgen, alle Zuwendungen an Regierungen sowie alle Spenden an Parteien und Politiker sollen nach Ländern differenziert offengelegt werden.

Gesetzgebungsverfahren
Derzeit laufen keine übergeordneten Gesetzgebungsverfahren, mit denen die Rahmenbedingungen des AWI erheblich verändert werden. Größeren Einfluss auf die Forschungstätigkeit des AWI hat das Nagoya-Protokoll, ggf. auch die Entwicklung von Klimagesetzen. [Denkbar wären weiterhin Gesetzgebungsverfahren die zu einer wesentlichen Steigerung oder Reduktion von Forschungsmitteln führen, die Wissenschaftsfreiheit einschränken, die Auswirkungen auf das Urheberrecht, Internationalität oder weitere Rahmenbedingungen von Forschung haben.]

Ausüben von Einfluss
Der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Gesellschaft einschließlich verschiedener dialogischer Komponenten mit Stakeholdern wird am AWI auf vielfältige Weise realisiert. Neben den dauerhaften, unterstützenden Einrichtungen wie Klimabüro, Nordseebüro und Arktisbüro sowie dem AWI-Beitrag zur Earth System Knowledge Plattform (ESKP) der Helmholtz-Gemeinschaft werden unterschiedliche Aktivitäten von der Ebene des Direktoriums sowie einzelner Forschenden bis hin zu integrativen Projekten unter Beteiligung von Behörden, Landesämtern und anderen gesellschaftlichen Akteuren u.a. zur Unterstützung von Entscheidungsträgern durchgeführt (etwa in Form strukturierter Dialoge, maßgeschneiderter Produkte und Bewertungen auf Länder-, Bundes-, EU- und internationaler Ebene). Zunehmend ist auch die Wissenschaftskommunikation ein wesentliches Element der Transferaktivitäten, da die Anfragen aus der Gesellschaft an das AWI für dialogische Formate stark gestiegen ist. So wird eine Vielzahl von öffentlichen Vorträgen zum Thema Klimawandel aus der polaren/marinen Perspektive geleistet, die eine hohe Wahrnehmung und Wirkung in der Gesellschaft erzielen.

Dem AWI ist es als Stiftung des öffentlichen Rechts nicht erlaubt, Spenden zu tätigen, auch nicht an politische Parteien.

Politisches Engagement
Das AWI engagiert sich nicht direkt politisch jenseits von extern angeforderter Politikberatung und ist parteipolitisch neutral. Die Mitarbeitenden können sich privat politisch engagieren. So gibt es beispielsweise eine sehr aktive „Scientists4Future“-Gruppe unter den Mitarbeitenden und eine aktive Gruppe der Gewerkschaft verdi.

Mitgliedschaften in politisch aktiven Organisationen
Das AWI ist Mitglied der überwiegend durch Bund und Länder mit öffentlichen Mitteln finanzierten Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V., die nicht als politisch aktive Organisation im engeren Sinne (wie eine Partei, eine parteinahe Stiftung) zu verstehen ist, sondern als Wissenschaftsorganisation.

Leistungsindikatoren zu Kriterium 19

Leistungsindikator GRI SRS-415-1: Parteispenden
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Monetären Gesamtwert der Parteispenden in Form von finanziellen Beiträgen und Sachzuwendungen, die direkt oder indirekt von der Organisation geleistet wurden, nach Land und Empfänger/Begünstigtem.

b. Gegebenenfalls wie der monetäre Wert von Sachzuwendungen geschätzt wurde.

Dem AWI ist es als Stiftung des öffentlichen Rechts nicht erlaubt, Spenden zu tätigen, auch nicht an politische Parteien.

20. Gesetzes- und richtlinienkonformes Verhalten

Das Unternehmen legt offen, welche Maßnahmen, Standards, Systeme und Prozesse zur Vermeidung von rechtswidrigem Verhalten und insbesondere von Korruption existieren, wie sie geprüft werden, welche Ergebnisse hierzu vorliegen und wo Risiken liegen. Es stellt dar, wie Korruption und andere Gesetzesverstöße im Unternehmen verhindert, aufgedeckt und sanktioniert werden.

Die Arbeit des AWI als Stiftung des öffentlichen Rechts ist in die gültigen Gesetze und Vorschriften auf Bundes- und Landesebene eingebunden. Für die Umsetzung besteht eine austarierte Struktur an Regelwerken für gesetzes- und regelungskonformes Verhalten, das die Bekanntmachung und Einhaltung der Gesetze im täglichen Arbeitsleben gewährleisten soll. Als Forschungseinrichtung obliegt die Arbeit außerdem wissenschaftlichen Richt- und Leitlinien.

Die Akteure, die am AWI Kontroll- und Beratungsfunktionen wahrnehmen, sind in ihren Aufgaben und Funktionsbezeichnungen vielfältig: Die Innenrevision ist für die Sicherstellung eines ordnungsgemäß und effektiv funktionierenden Verwaltungs- und Kontrollsystems zuständig. Hinzu kommen eine Rechtsabteilung, die Stabsstellen „Health, Safety and Environment“ (HSE) und „Umweltpolitik“ sowie zahlreiche Beauftragte, u.a. Ansprechpersonen für das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, Korruption, Datenschutz, Exportkontrolle, Risikomanagement etc. 

Sogenannte Ombudspersonen sind als Vertrauensperson für die Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis zuständig. Hinzukommt kommt das Risk Assessment Committee als Beratungseinheit zu möglichen Risiken von Forschungsprojekten im Zuge der Antragstellung.

Zur Gewährleistung der Standards und Maßnahmen zählen detaillierte Jahresabschlussprüfungen (Wirtschaftsprüfer), Revision und Kontrollprozesse sowie Beratungs- und Schulungsangebote (u.a. Fort- und Weiterbildungen). Code of Conducts regeln die Belange der Mitarbeitenden und die Zusammenarbeit untereinander. Seit 2020 bestehen Verschwiegenheitserklärungen bei sensiblen Vergabeverfahren. Alle Ansprechpersonen für gesetzes- und richtlinienkonformes Verhalten sind im Intranet sowie Internet transparent einsehbar.

Aktive Aufklärungsarbeit erfolgt durch damit beauftragte Stellen. Falls ein Verstoß gegen Gesetze sanktioniert werden muss, greifen personalrechtliche Maßnahmen und bedarfsweise eine Unterstützung der Behörden bei strafrechtlicher Aufarbeitung schwerer Fälle.

Als wesentliche Risiken mit möglichen negativen Auswirkungen für den Institutsbetrieb gelten eine allgemeine Verringerung der Wertschätzung der Wissenschaft, ein Rückgang der Zuwendungen (institutionelle Förderung und Drittmittel) sowie nicht nutzbare Forschungsinfrastrukturen. Auch mangelndes Risikomanagement und damit oder mit anderen Auslösern verbundene Reputationsschäden werden als Risiken angesehen.

Die Umsetzung der bestehenden Regelungen unterliegen kontinuierlicher (Selbst-)Überprüfung: Intern durch die Innenrevision sowie extern durch das Kuratorium als Aufsichtsrat, durch die Zuwendungsgeber und die Helmholtz-Gemeinschaft. Außerdem erfolgen Überprüfungen durch den Europäischen Rechnungshof (EuRH), den Bundesrechnungshof (BRH) und Wirtschaftsprüfer.

Insgesamt liegt die Gesamt­ und Letztverantwortung für die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben beim Direktorium. Es kann die Gesamt­ bzw. Letztverantwortung nicht delegieren, überträgt allerdings Unternehmerpflichten in Bezug auf Arbeitsschutz auf Führungskräfte. Verschiedene weitere interne wie externe Akteure beraten und unterstützen das Direktorium im Bereich Compliance. 

Die beschriebenen Maßnahmen und Strukturen haben zu einer starken Sensibilisierung für die Vermeidung von rechtswidrigem Verhalten geführt. Konkrete Zielsetzungen für den Bereich Compliance wurden nicht definiert.

Leistungsindikatoren zu Kriterium 20

Leistungsindikator GRI SRS-205-1: Auf Korruptionsrisiken geprüfte Betriebsstätten
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Gesamtzahl und Prozentsatz der Betriebsstätten, die auf Korruptionsrisiken geprüft wurden.

b. Erhebliche Korruptionsrisiken, die im Rahmen der Risikobewertung ermittelt wurden.

Mit Sensibilisierungen und Schulungen zum Thema Korruptionsprävention wurden relevante Grundlagen für systematische Prüfungen einzelner Organisationseinheiten mit Blick auf Korruptionsrisiken gelegt. 

Leistungsindikator GRI SRS-205-3: Korruptionsvorfälle
Die berichtende Organisation muss über folgende Informationen berichten:

a. Gesamtzahl und Art der bestätigten Korruptionsvorfälle.

b. Gesamtzahl der bestätigten Vorfälle, in denen Angestellte aufgrund von Korruption entlassen oder abgemahnt wurden.

c. Gesamtzahl der bestätigten Vorfälle, in denen Verträge mit Geschäftspartnern aufgrund von Verstößen im Zusammenhang mit Korruption gekündigt oder nicht verlängert wurden.

d. Öffentliche rechtliche Verfahren im Zusammenhang mit Korruption, die im Berichtszeitraum gegen die Organisation oder deren Angestellte eingeleitet wurden, sowie die Ergebnisse dieser Verfahren.

Im Berichtszeitraum lagen keine bekannten Fälle von Korruption vor.

Leistungsindikator GRI SRS-419-1: Nichteinhaltung von Gesetzen und Vorschriften
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Erhebliche Bußgelder und nicht-monetäre Sanktionen aufgrund von Nichteinhaltung von Gesetzen und/oder Vorschriften im sozialen und wirtschaftlichen Bereich, und zwar:
i. Gesamtgeldwert erheblicher Bußgelder;
ii. Gesamtanzahl nicht-monetärer Sanktionen;
iii. Fälle, die im Rahmen von Streitbeilegungsverfahren vorgebracht wurden.

b. Wenn die Organisation keinen Fall von Nichteinhaltung der Gesetze und/oder Vorschriften ermittelt hat, reicht eine kurze Erklärung über diese Tatsache aus.

c. Der Kontext, in dem erhebliche Bußgelder und nicht-monetäre Sanktionen auferlegt wurden.

Ein Fall von Nichteinhaltung der Gesetze und/oder Vorschriften wurde im Berichtszeitraum nicht ermittelt.