12. Ressourcenmanagement

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und quantitativen Ziele es sich für seine Ressourceneffizienz, insbesondere den Einsatz erneuerbarer Energien, die Steigerung der Rohstoffproduktivität und die Verringerung der Inanspruchnahme von Ökosystemdienstleistungen gesetzt hat, welche Maßnahmen und Strategien es hierzu verfolgt, wie diese erfüllt wurden bzw. in Zukunft erfüllt werden sollen und wo es Risiken sieht.

Wie in Kriterium 11 beschrieben, ist unser Einfluss auf die natürlichen Ressourcen der Stadt Köln vielfältig. Wesentliche Chancen und Risiken in Bezug auf diesen Einfluss sind in Kriterium 2 beschrieben. Der verantwortliche Umgang mit diesen Ressourcen ist seit Jahren ein integraler Bestandteil unseres Handelns. Im Rahmen unseres nach EMAS III zertifizierten Umweltmanagementsystems erfassen wir deshalb seit 20 Jahren jährlich unsere In- und Outputmengen zu Abfällen, Energie, Wasser und Emissionen und veröffentlichen diese und unseren Umgang damit in unserer Umwelterklärung. Unsere Zielsetzungen zum Thema Ressourcenmanagement sind in Kriterium 3 dargestellt. Im Folgenden stellen wir unsere Ziele und Maßnahmen zum Umgang mit Ressourcen zusätzlich exemplarisch dar.

Abwasser reinigen
Der derzeitige Standard zur Klärung von Abwasser besteht aus drei Stufen: Auf die mechanische Reinigung mit Rechen und Sandfang folgt die zweite Reinigungsstufe mit einer mechanischen Vorklärung. In der dritten Stufe werden zunächst in der biologischen Reinigung mit Fäll- und Flockungsmitteln und durch Sauerstoffzufuhr organische und andere Stoffe aus dem Abwasser entfernt. In der Nachklärung wird das Wasser dann weiter geklärt. Das so geklärte Wasser enthält immer noch Spurenstoffe aus Kosmetik, Medizin und Haushaltschemikalien, an deren Entfernung wir intensiv arbeiten. 2014 haben wir begonnen, im Klärwerk Rodenkirchen eine vierte Klärstufe mit einer halb-technischen Anlage zur Schadstoffeliminierung zu testen. Seit 2017 setzen wir die dort erprobte granulierte Aktivkohle auch in einer Versuchssäule im Großklärwerk Köln-Stammheim ein. Derzeit läuft das Nachfolge-Forschungsprojekt, in dem wir die Ergebnisse der Aktivkohlefiltration mit dem alternativen Verfahren der Ozonung vergleichen. Die ersten Versuche zeigen, dass die Nutzung nur einer Verfahrenstechnik (Aktivkohle oder Ozonung) die Potenziale nicht ausschöpft und nicht ressourceneffizient ist. Deshalb wird nun eine Kombination beider Verfahren untersucht. Die wichtigste Maßnahme zur Reduzierung der Gewässerbelastung ist es jedoch, unser Abwasser erst gar nicht mit Medikamenten, Chemikalien oder anderen Schadstoffen zu belasten. Wie wir die Verbraucher dazu sensibilisieren, beschreiben wir in den Kriterien 4 und 18.

Energie und Ressourcen gewinnen
Das Abwasser enthält viele biogene Stoffe – Essensreste, Fett, Toilettenpapier –, und die wiederum enthalten jede Menge regenerative Energie. Da wir für die Wasserreinigung selbst sehr viel Energie benötigen, liegt es nahe, uns mit dem, was wir haben, selbst zu versorgen. Im Jahr 2019 benötigten wir 48 Gigawattstunden Strom und 22 Gigawattstunden Wärme. Unser Ziel: Im Jahr 2030 sind wir klimaneutral und produzieren auch Energie für die Stadt Köln. 2019 deckten wir knapp 81 Prozent des Gesamtstromverbrauchs mit regenerativer Eigenstromerzeugung, auf den Klärwerken waren es sogar 89 Prozent (8 Prozent mehr als 2018). Bis 2023 möchten wir die regenerative Energieproduktion um weitere 15 Prozent im Vergleich zu 2017 steigern und gleichzeitig den Energieverbrauch der Pump- und Klärwerke um 15 Prozent senken. Die Abwärme der Stromerzeugung nutzen wir ebenfalls selbst oder speisen sie ins Fernwärmenetz der Rheinenergie ein.

Den größten Teil der Energie gewinnen wir aus unserem Klärschlamm. Er wird in allen fünf Klärwerken in Faultürmen ausgefault. So gewinnen wir beispielsweise in unserem Großklärwerk Köln-Stammheim jährlich mehr als zwölf Millionen Kubikmeter Faulgas, mit dem wir in unserem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme herstellen. Seit Ende 2015 führen wir den Faultürmen zusätzlich Bioabfälle zu und vergären diese mit. Durch diese Co-Fermentation steigern wir die Faulgasmenge um knapp 6 Prozent. So können wir einen regionalen Kreislauf klimapositiv integrieren: 21.000 Tonnen regionale Bioabfälle bringen zusätzlich 3.300 Megawattstunden Strom und Wärme pro Jahr. Im Vergleich zur Nutzung von Erdgas sparen wir damit 900 Tonnen CO2-Äquivalente jährlich. Bis 2023 möchten wir diese Menge auf 50.000 Tonnen Bioabfall oder 2,3 Millionen Kubikmeter Faulgas erhöhen, das entspricht einer Einsparung von 2.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Ein weiterer Energielieferant ist das Rechengut, von dem wir 2019 knapp 5.800 Tonnen aus dem Wasser geholt haben. Um das Rechengut nicht einfach zu entsorgen, zerkleinern wir einen Teil davon in einem aufwendigen Prozess in unserem Klärwerk in Stammheim. Langfristig ist vorgesehen, das Rechengut so mit dem Klärschlamm ausfaulen zu können. Durch diese Rechengutverwertung entstehen nicht nur sieben Prozent weniger zu entsorgender Abfall, sondern wir gewinnen auch zusätzliche Energie. Über das Abwassernetzwerk Rheinland, das 19 weitere Kommunen umfasst, diskutieren wir derzeit eine Skalierung der Rechengutzerkleinerung auf weitere Klärwerke.

Weitere Details zu unserer Energiegewinnung sind in den nachfolgenden Indikatoren, Kriterium 13, in unserem Nachhaltigkeitsbericht ab Seite 16 und in unserer Umwelterklärung dargestellt.

Gewässer pflegen und verbessern
Zurzeit prüfen wir, ob das Gewässersystem Strunde/Flehbach durch Offenlegungen wieder mit dem Rhein verbunden werden kann. Außerdem erhöhen wir den Anteil der naturnahen Uferflächen entlang der Bachläufe. 86 Prozent der Flächen sind unbefestigt – und bis 2027 entwickeln wir 45 Prozent dieser Fläche naturnah. Dabei haben wir die Lebensräume für die Gewässerbewohner im Blick, die natürlich am liebsten ungestört sein wollen. Gleichzeitig liegen uns auch die Bedürfnisse der Menschen in Köln am Herzen, die den Zugang zum Wasser als Ort der Naherholung suchen. Durch Schutzzonen und ausgewiesene Zugangsstellen richten wir Lebensräume für alle Spezies ein und bitten die Menschen in der Stadt um Rücksichtnahme.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen haben wir für die Gewässer in Köln ein fischereiliches Pflegekonzept erarbeitet. In allen Weihern prüfen wir regelmäßig den Fischbestand und die ökologische Qualität. Mit Brutzonen für Wasservögel und neuen, von unseren Mitarbeitenden entwickelten Pflanzinseln sorgen wir außerdem für mehr Artenreichtum bei Fischen, Vögeln und Insekten. Da die Pflanzen auf den Inseln ihre Nährstoffe direkt aus dem Wasser aufnehmen, wird außerdem übermäßiges Algenwachstum verhindert. Durch die zunehmende Hitze in der Stadt erhöht sich jedoch auch die Temperatur der Gewässer. Das verschlechtert die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen. Deshalb führen wir regelmäßig Wasser zu, um Temperatur und Wasserstand zu regulieren. Seit 2019 nutzen wir dafür umweltfreundlicheres Grundwasser statt Trinkwasser. Unser langfristiges Ziel ist es, die Weiher in einen möglichst naturnahen Zustand mit einer stabilen Flora und Fauna zu versetzen.