11. Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen

Das Unternehmen legt offen, in welchem Umfang natürliche Ressourcen für die Geschäftstätigkeit in Anspruch genommen werden. Infrage kommen hier Materialien sowie der Input und Output von Wasser, Boden, Abfall, Energie, Fläche, Biodiversität sowie Emissionen für den Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen.

Durch unsere Schlüsselaktivitäten (s. Kriterium 4) haben wir einen wesentlichen Einfluss auf natürliche Ressourcen. Der Schwerpunkt liegt dabei für uns als Stadtentwässerungsbetriebe auf der Ressource Wasser, doch auch andere Ressourcen wie Energie, Abfälle, Düngemittel oder die Biodiversität beeinflussen wir durch unsere Arbeit. Nicht immer lässt sich unser Einfluss hier mit geeigneten Maßeinheiten beschreiben, weshalb wir im Folgenden teilweise auf qualitative Beschreibungen zurückgreifen. Weitere Details zu unserem Umgang mit diesen Ressourcen sind in Kriterium 12 beschrieben.

Energie und Ressourcen aus Abwasser
2019 reinigten wir 72 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser. Dabei holten wir 728 Tonnen Sand, 5.793 Tonnen Rechengut und 78.532 Tonnen Klärschlamm mit Phosphor, Stickstoff, Kohlenstoff und anderen Stoffen aus dem Wasser, bevor wir es in den Rhein leiteten. Wir reinigen erheblich mehr als gesetzlich gefordert und arbeiten gleichzeitig an weiteren Verbesserungen. So halten wir beispielsweise 90 Prozent des ankommenden Mikroplastiks zurück. Um Plastik in unserem Reinigungsprozess noch besser entfernen zu können, planen wir einen zusätzlichen Filter.

Rechengut und Klärschlamm sind für uns nicht einfach Abfall, sondern eine Quelle, um Energie und Rohstoffe, insbesondere Phosphor, zurückzugewinnen. Die Energiegewinnung gehört bereits heute zu unserem Tagesgeschäft (s. Kriterium 12), die Phosphorrückgewinnung ist noch in der Entwicklungsphase. Gemeinsam mit der Klärschlammkooperation Rheinland (KKR) planen wir für die Phosphorrückgewinnung eine Klärschlammverbrennungsanlage nach strengen ökologischen Vorgaben, die 2028 in Betrieb gehen wird.

In unserem Nachhaltigkeitsbericht 2019 zeigen wir in zwei anschaulichen Grafiken, wie wir in unserem Tagesgeschäft Wasserkreisläufe schließen (Seiten 10-11) und wie wir in unseren Klärwerken mit Ressourcen umgehen (Seiten 18-19).

Wassersensible Stadt
Die Klimaverhältnisse in der Stadt Köln unterscheiden sich deutlich von jenen im Umland: Versiegelte Flächen absorbieren die Sonneneinstrahlung; Industrie, Autos und Heizungen setzen zusätzlich Wärme frei. Die Folge sind lokale Hitzeinseln, die Mensch und Natur in der Stadt zu schaffen machen. Auch bei Starkregenereignissen kommt die versiegelte Stadt an ihre Grenzen, denn Wasser kann nicht versickern.

Da diese Wassermassen die Bemessungsgrenzen der Kanäle übersteigen, kommt es so oft zu oberflächlichen Überflutungen, häufig mit entsprechenden Schäden. Eine wassersensible Stadt mit ausreichend Grünflächen bietet neben dringend notwendiger Kühlung auch Möglichkeiten, anfallende Wassermengen abzuleiten und ins Grundwasser zurückzuführen.

Mit Starkregen-, Hochwasser- und Hitzegefahrenkarten, Schutzstrategien, Checklisten, Broschüren, Infoveranstaltungen, Ausstellungen, individueller Beratung und einem Servicetelefon stellen wir den Menschen in Köln Instrumente für die Vorsorge und den Schutz ihrer Immobilien zur Verfügung. Seit Jahren beraten wir gemeinsam mit der Stadt außerdem Bauleitungen und Planer durch Informationen, Leitfäden, Veranstaltungen und Online-Tools. Bereits 2017 identifizierten wir für das Stadtplanungsamt beispielsweise 1.400 Hektar Potenzialflächen, die multifunktional genutzt werden können. Multifunktionale Flächen speichern Regenwasser, schützen bei Starkregen vor Überflutung, kühlen die Stadt und verbessern die Lebensqualität, da sie als Grünflächen genutzt werden können. Durch gezielte Beratung zum Thema Entsiegelung erreichten wir in den letzten Jahren trotz steigender Einwohnendenzahlen zudem einen Rückgang der Versiegelung im Bestand. Der Erfolg gibt uns Recht, denn seit 2015 konnten wir 415.000 Quadratmeter Fläche vom Kanalnetz abkoppeln. So halten wir Regenwasser in der Stadt, verbessern das Mikroklima und senken sogar die Niederschlagsgebühren.

Weitere Beispiele dazu, wie wir uns gezielt für das Thema wassersensible Stadt engagieren, ist in unserem Nachhaltigkeitsbericht ab Seite 26 dargestellt.

Biodiversität
In Köln pflegen wir 15 Parkweiher, 75 Kilometer offenes und 15 Kilometer verrohrtes Gewässer. Unser Ziel ist es, diese Gewässer dort, wo es möglich ist, wieder natürlich zu gestalten. Dazu legen wir verrohrte Gewässerläufe frei und vernetzen Biotope.

Auch unsere Betriebsflächen im Stadtgebiet bauen wir mit Blühwiesen und Bienenvölkern nach und nach für mehr Biodiversität und ein besseres Stadtklima um. Gemeinsam mit dem Kölner Zoo schaffen wir außerdem Lebensräume für eine gefährdete Krötenart. Die Wechselkröte ist europaweit stark bedroht. In Nordrhein-Westfalen ist sie nur in der Kölner Bucht heimisch. Gemeinsam mit NABU, Kölner Zoo und der TU Braunschweig haben wir ein Schutzkonzept entwickelt: Nach Erfassung der Bestände und Erforschung der Ursachen des Rückgangs betreibt der Kölner Zoo eine artgerechte Aufzucht. Wir haben auf unseren Flächen vernetzte Biotope für eine Rückführung der Jungkröten in die Natur eingerichtet. So stabilisieren wir Lebensräume und erhöhen die Populationsgröße.

Für unseren Geschäftsbetrieb benötigen wir auch selbst Ressourcen, die meisten davon für den Betrieb unserer Klärwerke (s. Leistungsindikator GRI SRS-301-1). Wie wir diese Ressourcen verwenden, ist in unserem Nachhaltigkeitsbericht 2019 auf den Seiten 18 und 19 grafisch dargestellt.