10. Innovations- und Produktmanagement

Das Unternehmen legt offen, wie es durch geeignete Prozesse dazu beiträgt, dass Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen die Nachhaltigkeit bei der eigenen Ressourcennutzung und bei Nutzern verbessern. Ebenso wird für die wesentlichen Produkte und Dienstleistungen dargelegt, ob und wie deren aktuelle und zukünftige Wirkung in der Wertschöpfungskette und im Produktlebenszyklus bewertet wird.

Wir wollen verstärkt Produkte anbieten, die Unternehmer unterstützen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere derzeitigen Service- und hoheitlichen Produkte daraufhin untersucht, inwieweit sie schon nachhaltige Aspekte fördern. Um das bewerten zu können, haben wir sie dafür auf die 20 Kriterien des DNK gemappt. In einem zweiten Schritt haben wir bewertet, welchen Impact sie beim Unternehmer erzeugen können (1-nur Information, 2-vertiefte Kenntnisse und Know-how, 3-führt zu Entscheidungen).  Dabei sind einige erste Erkenntnisse zu Tage getreten:
Die Definition von Nachhaltigkeit bei Serviceprodukten wird aktuell geschärft. Wir haben uns im Zuge des Prozesses entschieden, mit einer eher engeren bzw. strengeren Nachhaltigkeitsdefinition zu arbeiten, sodass der Ausgangsimpact z.B. bei gesetzeskonformem Verhalten sich ändert bzw. noch einmal neu eingeschätzt wird.

In den nächsten Jahren wird es Aufgabe sein, sowohl die Zahl der nachhaltig wirkenden Produkte als auch den Impact der einzelnen Produkte zu erhöhen, sowie eine Kennzahlensystematik für die Nachhaltigkeit unseres Produktportfolios zu entwickeln.

Das Ziel für 2021 und 2022 ist es, die bestehenden Serviceprodukte um Angebote, die Unternehmen bei nachhaltigerem Wirtschaften unterstützen, zu erweitern. Ausgangspunkt waren die Bedarfe der IHK-Kunden, die uns durch Interviews des Innovation Offices bekannt sind. Es konnten 12 für den Service besonders relevante Bedarfe identifiziert werden. Darauffolgend wurden alle 78 IHKs auf Serviceangebote zu nachhaltigen Themen gescannt und die gewonnenen Ideen dann auf die Bedarfe gematcht. Die besten Produkte werden nun im Geschäftsfeld Service & Beratung umgesetzt und so der Impact des Services erhöht.

Ein Beispiel ist die Beratung zu Finanzierung und Förderung. Die Finanzierungsberater der IHK Berlin haben sich Wissen zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten zum Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen angeeignet und eine Übersicht für unsere Website erstellt, die die potentiell wichtigsten Förderprogramme darstellt.

Ein weiteres Beispiel sind die Erstinformationen für Existenzgründer. Module zum Thema Nachhaltigkeit werden in die Einstiegsberatung und die englischsprachige Start-up Class integriert. Außerdem wird es ein bewährtes Veranstaltungsformat mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit („Pitch me!“) und Informationen in der IHK-Broschüre für Gründer geben. Darüber hinaus ist die IHK Berlin über das Projekt „Social Economy Berlin“ der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe mit relevanten Akteuren in der Stadt vernetzt, um Wissen aufzubauen und zukünftigen Social Entrepreneurs nützliche Kontakte an die Hand zu geben.


Das Innovation Office

Das Innovation Office steuert und begleitet die innovative, kundenzentrierte Produktentwicklung in der IHK Berlin und ist dabei Wegbereiter für die Mitarbeiter bei der Produktentwicklung. Das Innovation Office hat im Herbst 2019 seine Arbeit aufgenommen. Kernaufgaben sind Aufbau der Innovationstruktur in der IHK Berlin, die Betreuung der bestehenden Innovationsteams sowie die Anpassung, Umsetzung und Operationalisierung des Produktentwicklungsprozesses (genannt Innovationsprozess) im Haus. Aus den strategischen Fokusthemen wurden für die Produktentwicklung im Innovation Office Schwerpunkte auf die Themen Nachhaltigkeit und Talente gelegt. Die Innovationsteams bearbeiten daher ausschließlich Kundenbedarfe, die sich diesen beiden Fokusthemen zuordnen lassen.

Neben der Erarbeitung von grundlegenden Definitionen (Nachhaltigkeit für Unternehmen, was sind nachhaltige Produkte der IHK) hat das Team die Entwicklung neuer nachhaltiger Produkte in Angriff genommen. Als Leitplanke wurden die Unternehmer nach ihrer Awareness im Bereich Nachhaltigkeit unterteilt. Unsere Annahme war, dass die Unternehmerschaft in Berlin insbesondere in diesem Bereich sehr divers ist und die Zielgruppe je nach Awareness auch ganz unterschiedliche Produkte von uns in Anspruch nehmen würde. Wir haben daher die „Awareness-Ladder“, ein Konzept aus dem E-Commerce, auf das Thema Nachhaltigkeit adaptiert und fünf Stufen der Awareness definiert. Insgesamt drei Innovationsteams für unterschiedliche Awareness-Stufen gingen an den Start.

In der Produktentwicklung wollen wir auf möglichst konkreten und bekannten Bedarfen der Zielgruppe aufbauen. Zum Thema Nachhaltigkeit waren uns noch keine Bedarfe bekannt, daher wurden Unternehmer aller Awareness-Stufen in explorativen Interviews befragt und wir konnten daraus über 250 Einzelimpulse zu Nachhaltigkeit erfassen und zu Bedarfen kondensieren.

Die Produktentwicklung für Unternehmer mittlerer Awareness ist am weitesten fortgeschritten. In dieser Zielgruppe sind uns die meisten Bedarfe bekannt und die Bedarfe „Verständlichkeit von Nachhaltigkeit“, „Sichtbarkeit nachhaltiger Unternehmer“ und „Was kann ich tun?“ mit dem prototypischen Angebot nachhaltig-wirtschaften.berlin adressiert worden (veröffentlicht im April 2021). Das Angebot soll in der Form von Juli 2021 in das ständige IHK-Angebot integriert werden und wird fortgesetzt.

Die Produktentwicklung für Unternehmer hoher Awareness fokussiert sich aktuell darauf, die komplexe Informations- und Anforderungslage nachhaltiger Themen und Nachhaltigkeitsregelungen abzubilden und befindet sich in der Prototypenphase. Auch hier gibt es weitere Bedarfe der Unternehmerschaft, die wir in Zukunft aufgreifen können. Dazu zählen zum Beispiel Peer-Vernetzungsangebote oder das Finden nachhaltiger Partner und Kooperationen.

Auch Unternehmern geringer Awareness möchten wir ein Angebot machen. Da wir nicht auf Bedarfen dieser Unternehmer aufbauen können, mussten wir unseren Entwicklungsprozess anpassen. Allerdings stellt uns die Erreichbarkeit der Unternehmer immer wieder vor Herausforderungen, sodass wir 2021 entschieden haben, für den Moment keine kundenzentrierte Produktentwicklung für diese Zielgruppe voranzutreiben. Wir gehen davon aus, dass wir mehr über diese Zielgruppe lernen und diese besser verstehen, sobald wir insgesamt mehr Angebote rund um das Thema Nachhaltigkeit insgesamt haben und dadurch in Kontakt kommen.

Mit dem innovativen Produktentwicklungsprozess und die bereits erfassten Bedarfe zum Thema Nachhaltigkeit haben wir eine gute Grundlage, um die Ausrichtung des Produktportfolios (vor allem Service-Angebote, Beratung, Information) weiter voranzubringen und an den Bedarfen der Berliner Unternehmer weiterzuentwickeln. Die Systematik, die hierfür gerade erarbeitet wird, kann auch für weitere Optimierungen des Portfolios immer wieder herangezogen werden.