9. Beteiligung von Anspruchsgruppen

Das Unternehmen legt offen, wie gesellschaftliche und wirtschaftlich relevante Anspruchsgruppen identifiziert und in den Nachhaltigkeitsprozess integriert werden. Es legt offen, ob und wie ein kontinuierlicher Dialog mit ihnen gepflegt und seine Ergebnisse in den Nachhaltigkeitsprozess integriert werden.

Eine systematische Erfassung der Stakeholder des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ erfolgte letztmalig im Jahr 2019 durch den Wissenschaftlichen Vorstandsbereich in Vorbereitung auf die sog. strategische Evaluierung der vierten Förderphase der Programmorientierten Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft („PoF IV“, 2021-2027). Die Stakeholder wurden dabei in interne und externe Personengruppen klassifiziert.    

Beschäftigte: Diese bilden mit 1291 Personen (2019) die zentrale Gruppe der internen Stakeholder und bestehen aus wissenschaftlichem, technischem und administrativem Personal. Teil dieser Gruppe sind auch Auszubildende, studentische Hilfskräfte und PraktikantInnen sowie Gäste (vorwiegend GastwissenschaftlerInnen).  

Kuratorium und Wissenschaftlicher Beirat: Beide Gremien gehören zu den internen Stakeholdern und beaufsichtigen bzw. beraten das GFZ. Das Kuratorium des GFZ, zusammengesetzt aus neun VertreterInnen der sog. Zuwendungsgeber, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft, entscheidet über die allgemeinen und finanziellen Angelegenheiten des GFZ, das 1992 in der Rechtsform einer Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet wurde. Der Wissenschaftliche Beirat berät das Kuratorium und den Vorstand auf allen Gebieten von Forschung und Entwicklung. Er umfasst 12 internationale renommierte VertreterInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Beide Gremien treffen sich regelmäßig und jeweils mindestens zweimal pro Jahr zu einem intensiven Austausch mit dem Vorstand und der wissenschaftlichen Führungsebene im GFZ.

Externe Stakeholder: Generell lässt sich die Gesamtpersonenanzahl der externen Stakeholder nicht exakt beziffern. Es dürfte sich um einige tausend bis zehntausend Personen handeln. Zu diesen zählen ganz allgemein vor allem die geowissenschaftliche Gemeinschaft bzw. nationale und internationale geowissenschaftliche Netzwerke. Hinzu kommen PolitikerInnen (MdB, MdL, MDEP) vorwiegend aus brandenburgischen Wahlkreisen, Umwelt-NGOs, LehrerInnen und ErzieherInnen sowie SchülerInnen (Geo-/MINT-Bezug) und Vorschulkinder, MedienvertreterInnen, MitarbeiterInnen anderer Helmholtz-Zentren und der Helmholtz-Geschäftsstelle, WirtschaftsvertreterInnen (im Rahmen von FuE-Vorhaben und Technologietransfer) und ganz allgemein die geowissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit. Eine für das GFZ wichtige wissenschaftliche Stakeholdergruppe in der näheren Region bilden die in der Initiative „Geo.X“ zusammengeschlossenen geowissenschaftlichen Institutionen im Großraum Berlin-Potsdam. Als Teil des Wissenschaftsparks „Albert Einstein“ bildet das GFZ am Standort Telegrafenberg mit weiteren Institutionen (Alfred-Wegener-Institut/AWI, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung/PIK, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam/AIP) eine Nutzergemeinschaft, die hier auf vielfältige Weise auch Nachhaltigkeitsaspekte fördert (z.B. Bezug von Ökostrom, Gewährleistung der öffentlichen Mobilität, Campusentwicklung). Eine weitere Gruppe der externen Stakeholder umfasst Produzenten, Lieferanten und Dienstleister aller Art (z.B. Geräte, Werkstoffe, Chemikalien, Grünanlagenpflege, Gebäudereinigung, Kantine). Die Stadt Potsdam mit diversen Behörden, Eigenbetrieben, Planungsprozessen und Initiativen ist weiterer wichtiger externer Stakeholder, der mit dem GFZ u.a. in der Initiative „100 % Klimaschutz bis 2050 in der Landeshauptstadt Potsdam“, bei der Campusentwicklung und im Rahmen des öffentlichen Nahverkehrs kooperiert.        

Für den kontinuierlichen Dialog mit den Beschäftigten im GFZ gibt es eine Reihe von Aktivitäten und Formaten. Bereits 2014 wurde ein die grundlegende Strategie des GFZ (u.a. Mission, Leitbild, Ziele, zentrale Fragen) betreffender Beteiligungsprozess zum Abschluss gebracht, der in einer Strategieschrift mündete. Hier wird als eines der wesentlichen Forschungsziele des GFZ die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für eine nachhaltige Nutzung der Erde genannt. In diesem Zusammenhang wurde das mündliche Beteiligungsformat „GFZ-Forum“ entwickelt, welches seitdem wiederholt anlässlich wichtiger, das gesamte Zentrum betreffender Ereignisse genutzt wurde (z.B. Evaluierungen, Entwicklung einer neuen Forschungsagenda für die vierte Phase der programmorientierten Forschung/POF IV, Ergebnisbekanntgabe Beschäftigtenbefragung). Weitere Aktivitäten/Formate von unterschiedlichem Umfang der Beteiligten bzw. Reichweite sind beispielsweise der monatliche Austausch von Vorstand und Personalrat, die Betriebszeitung („GeoForschungsZeitung“), die Beschäftigtenbefragungen (2015, 2020), der Wissenschaftliche Rat (Gremium von wissenschaftlich Beschäftigten, das den Vorstand berät), die Doktorandenvertretung und die Beschäftigteninitiative Campusentwicklung und Nachhaltigkeit („GreenCampus“), die auf eine Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens im Arbeitsalltag zielt (z.B. mit Blick auf Mobilität und Betriebsverpflegung). Die aus diesen Dialogen resultierenden Ergebnisse finden auch Anwendung bei der Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements am GFZ (z.B. Weiter- bzw. Neuentwicklung von Dienstvorschriften und Grundsätzen, Berücksichtigung bei Planungsvorhaben, individuell-freiwillige Nachhaltigkeitsinitiativen).

Der Dialog mit den externen Stakeholdern ist entsprechend deren Vielfalt äußerst mannigfaltig und reicht u.a. von wissenschaftlichen und öffentlichen Veranstaltungen, parlamentarischen Abenden im Brandenburgischen Landtag, Durchführung bzw. Unterstützung von Ausstellungsvorhaben, systematischer Öffentlichkeitsarbeit, internationalen bzw. nationalen Schulungsangeboten für spezielle wissenschaftliche und behördliche Interessenten sowie PädagogenInnen bis hin zum Betrieb eines Schülerlabors („GeoWunderWerkstatt“). Der Dialog mit den Stakeholdern bzw. die Erfahrungen in der Zusammenarbeit wirken auf die praktische Arbeit des GFZ inkl. Reflexion des Forschungsprozesses und auf die Formulierung neuer Forschungsvorhaben und Transferansätze zurück.