5. Verantwortung

Die Verantwortlichkeiten in der Unternehmensführung für Nachhaltigkeit werden offengelegt.

Es ist für die Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) selbstverständlich, auch in der Unternehmenssteuerung ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Über das Controlling integriert die Flughafengesellschaft ihre Nachhaltigkeitsziele in die strategische und operative Planung, Steuerung und Kontrolle, Investitionsrechnung sowie das interne und externe Reporting.

Die FSG versteht nachhaltiges Wirtschaften als die Aufgabe aller im Unternehmen. Jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter ist dazu angehalten, in seinem Verantwortungsbereich umweltbewusst und sozial zu handelt. Seine Belegschaft sensibilisiert der Flughafen für fairport-Themen per Intranet, Mitarbeiterzeitung, Aushänge und Schulungen.

Die Nachhaltigkeitsziele des Flughafens sind im fairport-Programm gebündelt. Sie sind fester Bestandteil der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Ein bereichsübergreifendes fairport-Team berät die Geschäftsführung bei der Festlegung und Realisierung dieser Ziele. Einmal jährlich informiert die FSG die Öffentlichkeit in ihrem Bericht zum Status quo und über neue Entwicklungen.  

Gibt es einen Verdacht auf unternehmensbezogene Straftaten, Ordnungswidrigkeiten oder Regelverstöße, nimmt der Compliance-Ausschuss diese schriftlich und gegebenenfalls auch anonym entgegen. Die vier Mitglieder des Komitees sind die Bereichs- und Abteilungsleiter für Recht und Compliance (Vorsitzender), Personal und Soziales, Controlling und Finanzen sowie der Unternehmenskommunikation.

Verantwortlich für das Umweltmanagementsystem ist die Abteilung Umwelt und Versorgungstechnik der FSG. Sie steuert zentral alle Umweltaktivitäten von FSG, FSEG und Stuttgart Airport Ground Handling GmbH (SAG). In enger Zusammenarbeit mit der FSEG ist diese Abteilung für das Management der Energiedaten zuständig, behält den Verbrauch im Blick und achtet darauf, dass technische Anlagen effizient betrieben werden. Das Team Umwelt koordiniert, steuert und kontrolliert alle betrieblichen Energie- und Umweltaktivitäten. Es besteht aus der Umweltmanagementbeauftragten und aus Experten für Fluglärm, Energie, CO2 sowie Luft- und Bodenschadstoffe.

Um das strategische Feintuning des Flughafens in Umweltfragen kümmert sich der Lenkungskreis Umwelt. Dieser besteht aus den sieben Mitgliedern der Geschäftsführung und dem Leiter der Unternehmenskommunikation. Das Gremium ist das Kontrollorgan des Umweltmanagementsystems und verabschiedet das Umweltprogramm. Das regelmäßig aktualisierte Umwelthandbuch enthält alle Verfahrens- und Arbeitsanweisungen sowie Prozessbeschreibungen. Es ist sowohl gedruckt als auch digital im Intranet verfügbar.

Als Schnittstelle zu den Beschäftigten dient das Umweltteam. Ihm gehören Umweltkoordinatoren aus allen Geschäftsbereichen, die Nachhaltigkeitskommunikation und die Referenten der Geschäftsführung an. Rolle des Umweltteams ist es, Vorschläge und Anregungen des Personals in das Umweltmanagement einzubringen. Es koordiniert den unternehmensweiten Informationsaustausch, analysiert jährlich die Umweltaspekte und organisiert die internen Umweltaudits. In einem gemeinsamen Prozess prüfen Mitarbeiter und Umweltteam, ob es Lücken bei den Anweisungen im Umwelthandbuch gibt. So unterstützen sie die Abteilungen dabei, diesen Folge zu leisten.  

Fachspezifische Aufgaben – wie Abfallentsorgung, Gefahrgutmanagement, Strahlen- oder Gewässerschutz – überwachen einzelne Beauftragte. Sie überprüfen, ob das operativ zuständige Personal gesetzliche Vorgaben einhält, und werden beratend tätig.

Siehe auch: Bericht 2018 Seite 7, 13, 52-55 sowie Grafik Umweltauswirkungen des Flughafenbetriebs

6. Regeln und Prozesse

Das Unternehmen legt offen, wie die Nachhaltigkeitsstrategie durch Regeln und Prozesse im operativen Geschäft implementiert wird.

Der integrierte Bericht ist zugleich Fortschrittsbericht für den Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC), dessen Prinzipien die FSG ausdrücklich unterstützt. Die Fortschrittsmitteilungen an den Global Compact sind im GRI-Inhaltsindex (siehe Bericht 2018, Seite 100) kenntlich gemacht. Gleichzeitig dient der Bericht auch als Grundlage für unsere Entsprechenserklärung gemäß dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Die Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen sollen so mit einer höheren Verbindlichkeit transparent und vergleichbar gemacht werden.

Der fairport-Radar fängt ganzjährig die Stimmung der Stakeholder ein: Die FSG lädt ihre internen und externen Anspruchsgruppen ein, die Nachhaltigkeitsstrategie des Airports zu bewerten und weiterzuentwickeln. Über 900 Menschen nahmen 2018 an der Online-Umfrage teil. Sie sind Fluggäste, Anwohner, Flughafenangehörige, Geschäftspartner, Wissenschaftler sowie Vertreter staatlicher Einrichtungen, von Interessenverbänden und der Presse. Sie beurteilten die Relevanz der acht Handlungsfelder des Flughafens aus ihrer jeweiligen Sicht.

Siehe auch: Bericht 2018 S. 8, 106

7. Kontrolle

Das Unternehmen legt offen, wie und welche Leistungsindikatoren zur Nachhaltigkeit in der regelmäßigen internen Planung und Kontrolle genutzt werden. Es legt dar, wie geeignete Prozesse Zuverlässigkeit, Vergleichbarkeit und Konsistenz der Daten zur internen Steuerung und externen Kommunikation sichern.

Über das Controlling integriert die Flughafengesellschaft ihre Nachhaltigkeitsziele in die strategische und operative Planung, Steuerung und Kontrolle, Investitionsrechnung sowie das interne und externe Reporting.

Über Mitarbeiterbefragungen und das Personalmanagement werden Daten wie die Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterqualifizierung erfasst. Diese haben ebenso wie die mithilfe eines Informationssystems erfassten Umweltkennzahlen direkten Einfluss auf die Entscheidungsprozesse. Prognosen über Verbrauchs- und Emissionsveränderungen und die Bewertung einzelner Investitionen nach ökologischen Maßstäben werden so über das Controlling möglich.

Die FSG orientiert sich in der Berichterstattung ihrer Nachhaltigkeitsleistungen an den von der Global Reporting Initiative (GRI) veröffentlichten GRI Standards (Kern Option) sowie an den branchenspezifischen Angaben für Flughafenbetreiber (AO). Externe Gutachter beglaubigen die im Unternehmensbericht offengelegten Finanz- und Umweltdaten.

Siehe auch: Bericht 2018 S. 7, 106, GRI-Inhaltsindex im Bericht 2018 S.100-105

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 5 bis 7

Leistungsindikator GRI SRS-102-16: Werte
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. eine Beschreibung der Werte, Grundsätze, Standards und Verhaltensnormen der Organisation.

Wir haben unsere Grundsätze in unserem fairport-Kodex festgeschrieben. Dieser umfasst die Werte und Standards für das Verhalten unserer Mitarbeiter untereinander sowie gegenüber Kunden, Wettbewerbern, Geschäftspartnern, Behörden und anderen Stakeholdern. Für alle Beschäftigten gilt der fairport-Kodex verbindlich und unternehmensweit.

Folgende Handlungsgrundsätze gelten:  

Verantwortung und Integrität: Wir übernehmen Verantwortung und handeln verlässlich, fair und
ehrlich.

Leistung und Qualität: Wir sind flexibel und arbeiten qualitätsorientiert. Damit schaffen wir die Basis
für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg.

Umwelt und Ressourcen: Wir schützen die Umwelt und schonen Ressourcen und nehmen dabei eine
Vorbildfunktion ein.

Führungsverständnis und Zusammenarbeit: Wir schaffen ein Umfeld, das von Fairness, Respekt und Chancengleichheit geprägt ist.

Arbeits- und Gesundheitsschutz: Wir stehen für hohe Standards bei Sicherheit und Gesundheit.  

Vertraulichkeit und Datenschutz: Wir gehen verantwortungsbewusst mit Informationen und Daten
um.

Dialog und Gesellschaft: Wir informieren über unser Handeln und führen einen aktiven Dialog mit unseren Interessengruppen.




Den firport-Kodex in voller Auflösung finden Sie hier.

Weitere Informationen zu Werten und Grundsätzen finden Sie im fairport-Kodex der FSG.

Siehe auch: Bericht 2018 S. 12 – 14

8. Anreizsysteme

Das Unternehmen legt offen, wie sich die Zielvereinbarungen und Vergütungen für Führungskräfte und Mitarbeiter auch am Erreichen von Nachhaltigkeitszielen und an der langfristigen Wertschöpfung orientieren. Es wird offengelegt, inwiefern die Erreichung dieser Ziele Teil der Evaluation der obersten Führungsebene (Vorstand/ Geschäftsführung) durch das Kontrollorgan (Aufsichtsrat/Beirat) ist.

Das kontinuierliche Wachstum am Flughafen Stuttgart hat Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Region. Der großen Verantwortung, die sich daraus ergibt, sind sich Geschäftsführung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr bewusst. Bei Unternehmensentscheidungen steht daher nicht ausschließlich der wirtschaftliche Erfolg des Flughafens im Mittelpunkt, sie sollen gleichzeitig auch sozial verantwortlich und ökologisch verträglich sein. Durch hohe Investitionen und sichere Arbeitsplätze leistet die Flughafengesellschaft kontinuierlich einen positiven Beitrag zur lokalen Wertschöpfung und zum Gemeinwohl. „Wir wollen dauerhaft einer der leistungsstärksten und nachhaltigsten Flughäfen in Europa sein“, so der strategische Leitgedanke des fairport STR. Unter dieser Dachmarke bündelt die FSG ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten.

Der unternehmenseigene fairport-Kodex, der zugleich als Code of Conduct gilt, legt Werte und Verhaltensstandards für alle Airport-Beschäftigten fest. Er ist für sämtliche Unternehmen am Standort, an denen die Flughafengesellschaft mehrheitlich beteiligt ist, verbindlich.

Darüber hinaus profitieren die tariflich Beschäftigten in wirtschaftlich erfolgreichen Jahren von einer Beteiligung am Unternehmensgewinn. Diese Ertragsbeteiligung orientiert sich am bereinigten Geschäftsergebnis der Vorjahre und beinhaltet einen pauschalen Bonus von bis zu 700 €. Gehaltskomponenten mit langfristiger Anreizwirkung bzw. mit Bezug auf Nachhaltigkeitsziele bestehen nicht.
     
Siehe auch: Bericht 2018 7, 12, 38 sowie fairport-Kodex

Leistungsindikatoren zu Kriterium 8

Leistungsindikator GRI SRS-102-35: Vergütungspolitik
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Vergütungspolitik für das höchste Kontrollorgan und Führungskräfte, aufgeschlüsselt nach folgenden Vergütungsarten:
i. Grundgehalt und variable Vergütung, einschließlich leistungsbasierter Vergütung, aktienbasierter Vergütung, Boni und aufgeschoben oder bedingt zugeteilter Aktien;
ii. Anstellungsprämien oder Zahlungen als Einstellungsanreiz;
iii. Abfindungen;
iv. Rückforderungen;
v. Altersversorgungsleistungen, einschließlich der Unterscheidung zwischen Vorsorgeplänen und Beitragssätzen für das höchste Kontrollorgan, Führungskräfte und alle sonstigen Angestellten.

b. wie Leistungskriterien der Vergütungspolitik in Beziehung zu den Zielen des höchsten Kontrollorgans und der Führungskräfte für ökonomische, ökologische und soziale Themen stehen.

Die Gesamtbezüge der Geschäftsführung (einschließlich von Dritten gewährter Vergütungen) beliefen sich im Geschäftsjahr 2018 auf 661 T€. Gehaltskomponenten mit langfristiger Anreizwirkung bestehen nicht. An weitere ehemalige Mitglieder der Geschäftsführung sowie deren Hinterbliebene wurden im Geschäftsjahr 2018 320 T€ bezahlt; für diesen Personenkreis bestehen Pensionsrückstellungen in Höhe von 3.459 T€. Die Gesamtbezüge des Aufsichtsrats beliefen sich im Geschäftsjahr 2018 auf 21 T€.

Mehr Informationen zur Vergütungspolitik der FSG finden Sie im Bericht 2018 auf S.78

Leistungsindikator GRI SRS-102-38: Verhältnis der Jahresgesamtvergütung
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. Verhältnis der Jahresgesamtvergütung der am höchsten bezahlten Person der Organisation in jedem einzelnen Land mit einer wichtigen Betriebsstätte zum Median der Jahresgesamtvergütung für alle Angestellten (mit Ausnahme der am höchsten bezahlten Person) im gleichen Land.

Mehrheitlich arbeiten die Beschäftigten der Flughafengesellschaft auf Basis des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD, Entgeltordnung vom 01. Januar 2017) – dies sind 95,2 % des Personals. Ausgenommen sind leitende Führungskräfte. Die Feuerwehr und Rettungsdienste haben einen ergänzenden Haustarifvertrag.

Daten zum Verhältnis der Vergütung wurden bisher nicht erfasst. Sowohl die Entgeltordnung nach TVöD als auch die Bezüge der Geschäftsführung sind öffentlich.

Siehe auch: Bericht 2018 S. 44

9. Beteiligung von Anspruchsgruppen

Das Unternehmen legt offen, wie gesellschaftliche und wirtschaftlich relevante Anspruchsgruppen identifiziert und in den Nachhaltigkeitsprozess integriert werden. Es legt offen, ob und wie ein kontinuierlicher Dialog mit ihnen gepflegt und seine Ergebnisse in den Nachhaltigkeitsprozess integriert werden.

Die FSG will sich kontinuierlich im Sinne ihrer Stakeholder verbessern. Das gelingt nur durch einen offenen und konstruktiven Dialog mit allen Seiten. Die Anspruchsgruppen wurden anhand einer Stakeholderanalyse gemeinsam mit der Universität Hohenheim identifiziert. Die im Austausch zwischen Flughafengesellschaft und vielen verschiedenen Anspruchsgruppen ermittelten Bedürfnisse fließen in Unternehmensentscheidungen und in das operative Geschäft ein.

Der Flughafen Stuttgart steht im unmittelbaren Interesse der Öffentlichkeit. Darum versteht die FSG es als ihre Pflicht, ihr Handeln transparent zu machen und die Meinung ihrer Stakeholder dazu ernst zu nehmen. Im vorliegenden integrierten Bericht legt sie sowohl über ihre finanzielle Lage als auch über ihre Nachhaltigkeitsleistung Rechenschaft ab.

fairport-Radar – alles auf dem Schirm

Der fairport-Radar fängt ganzjährig die Stimmung der Stakeholder ein: Die FSG lädt ihre internen und externen Anspruchsgruppen ein, die Nachhaltigkeitsstrategie des Airports zu bewerten und weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit der Universität Hohenheim hat sie acht Handlungsfelder und die wichtigsten Interessengruppen identifiziert, die die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen und damit den Kern der fairport-Strategie bilden. Über 900 Menschen nahmen 2018 an der Online-Umfrage unter stuttgart-airport.com/fairport-radar teil. Sie sind Fluggäste, Anwohner, Flughafenangehörige, Geschäftspartner, Wissenschaftler sowie Vertreter staatlicher Einrichtungen, von Interessenverbänden und der Presse. Sie beurteilen die Relevanz der acht Handlungsfelder des Flughafens in den Bereichen Wirtschaft, Soziales und Umwelt aus ihrer Sicht.

Dialog über zahlreiche Kanäle

Direkt, einfach und zügig: Das Gespräch mit seinen Anspruchsgruppen sucht der Flughafen über viele Kanäle – über Social-Media-Dienste wie Facebook, Twitter und Instagram sowie über die Unternehmensseite stuttgart-airport.com.

Im regelmäßigen Austausch befindet sich die FSG auch mit den politischen Vertretungen der Kommunen und Kreise. Im Fokus stehen dabei meist Bau- oder Infrastrukturprojekte. Bei größeren Vorhaben bezieht die FSG die direkte Nachbarschaft und die interessierte Öffentlichkeit mit ein, beispielsweise bei der im Frühjahr 2020 anstehenden Teilerneuerung der Betondecke der Start- und Landebahn auf rund 1.200 m. Im März 2019 lud die FSG die von den Bauarbeiten betroffenen Anwohner zu einer Veranstaltung ein, um frühzeitig über den Planungsstand zu informieren und Fragen aller Anwesenden zu beantworten. Details zu den geplanten Bauarbeiten finden sich auf stuttgart-airport.com/runway.

Wenn Passagiere, Besucher, Anwohner oder andere Interessierte den Flughafen kontaktieren, weil sie mit Leistungen oder Services unzufrieden waren, kümmert sich schnellstmöglich die zentrale Stelle Stakeholder Relations darum. Sie verantwortet den Austausch mit den verschiedenen Anspruchsgruppen des Airports; Ziel ist es, persönliche Beziehungen aufzubauen und zu halten. 1.300 Beschwerden zählte die FSG 2018 – genauso viele wie im Vorjahr. Den größten Teil des Feedbacks (rund 200 Meldungen) gab es zur Situation im Terminal und auf dem Vorfeld. Rund 170 Rückmeldungen betrafen das Verhalten von Beschäftigten am Flughafenstandort. Die FSG greift Anregungen gerne auf, um Verbesserungspotenzial unter anderem bei An- und Abreiseprozessen auszuschöpfen. 2018 installierte die FSG beispielsweise Infoscreens in den Passagierbussen auf dem Vorfeld.

Experten beraten den Airport

Bei der Ausgestaltung seiner Nachhaltigkeitsstrategie setzt der Stuttgarter Airport auf die Fachkompetenz seines wissenschaftlichen Beirates. Einmal jährlich tagt er gemeinsam mit der Geschäftsführung der FSG, um die strategischen Nachhaltigkeitsthemen weiterzuentwickeln. Die letzte Sitzung fand Anfang 2019 statt; auf der Agenda standen Anreize für synthetisches Kerosin und elektrisches Fliegen, das Wachstum des Flugverkehrs und CO2-Kompensationen.

Die fünf Mitglieder des fairport-Beirates sind: der Bremer Logistikexperte Prof. Dr. Hans-Dietrich Haasis als ihr Sprecher, Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Graßl, langjähriger Experte für Klimaforschung und ehemaliger Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Dr. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer der atmosfair GmbH, Prof. Dr. Ralf Isenmann, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre am Institut für Projektmanagement und Innovation (IPMI) sowie im Technologie-Zentrum Informatik (TZI) der Universität Bremen, und Prof. Dr. Martin Müller, Leiter des Instituts für Nachhaltige Unternehmensführung an der Universität Ulm.

Politische Mitwirkung

Um die politische Meinungsbildung bei Themen wie Infrastruktur und Luftverkehrsregelungen mitzugestalten, ist die FSG Mitglied in verschiedenen Branchen- und Fachverbänden sowie Vereinigungen: der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Baden-Württemberg (KAV) und seines Dachverbandes, der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA).

Siehe auch: Bericht 2018 Seite 8/9

Leistungsindikatoren zu Kriterium 9

Leistungsindikator GRI SRS-102-44: Wichtige Themen und Anliegen
Die berichtende Organisation muss folgende Informationen offenlegen:

a. wichtige, im Rahmen der Einbindung der Stakeholder geäußerte Themen und Anliegen, unter anderem:
i. wie die Organisation auf diese wichtigen Themen und Anliegen − auch über ihre Berichterstattung − reagiert hat;
ii. die Stakeholder‑Gruppen, die die wichtigen Themen und Anliegen im Einzelnen geäußert haben.

Gemeinsam mit der Universität Hohenheim hat der Flughafen Stuttgart acht Handlungsfelder identifiziert, die die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen und damit den Kern der fairport-Strategie bilden. Bei Unternehmensentscheidungen steht daher nicht ausschließlich der wirtschaftliche Erfolg des Flughafens im Mittelpunkt, sie sollen gleichzeitig auch sozial verantwortlich und ökologisch verträglich sein.

Die wichtigsten Interessengruppen des Landesairports sind Passagiere, Mitarbeiter, Anwohner,
Anteilseigner, Geschäftspartner, Politik sowie die allgemeine Öffentlichkeit. 2018 haben über 900 Stakeholder aus diesen Kreisen mit ihrer Teilnahme an der jährlichen Online-Befragung fairport-Radar dazu beigetragen, die Relevanz der einzelnen Handlungsfelder aus externer Sicht besser beurteilen zu können. Die Aspekte „Mitarbeiter & Arbeitsumfeld", „Corporate Governance & Compliance" sowie „Umweltschutz & Ressourcen" haben für sie den höchsten Stellenwert. Diese Rückmeldung nutzt die FSG für die Weiterentwicklung ihrer Strategie auf dem Weg zum fairport STR.

In ihrem Reporting verfolgt die FSG den Grundsatz der Wesentlichkeit. Das bedeutet, dass sie sich in ihren Berichten auf die acht Handlungsfelder konzentriert. 

Die Handlungsfelder der FSG in voller Auflösung finden Sie hier.

Siehe auch: Bericht 2018 S.30/31

10. Innovations- und Produktmanagement

Das Unternehmen legt offen, wie es durch geeignete Prozesse dazu beiträgt, dass Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen die Nachhaltigkeit bei der eigenen Ressourcennutzung und bei Nutzern verbessern. Ebenso wird für die wesentlichen Produkte und Dienstleistungen dargelegt, ob und wie deren aktuelle und zukünftige Wirkung in der Wertschöpfungskette und im Produktlebenszyklus bewertet wird.

Externe Umwelteinflüsse wie der Klimawandel oder die Entwicklung innovativer Technologien können Chancen und Gefahren für das Geschäft des Flughafens bringen. Aufgabe des Umweltmanagements ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen sowie zu vermeiden und Chancen im Sinne des Umweltschutzes zu nutzen.

Die Umweltauswirkungen des Flughafenbetriebs in voller Auflösung finden Sie hier.

Die Flughafen Stuttgart GmbH (FSG), Flughafen Stuttgart Energie GmbH (FSEG) und Stuttgart Airport Ground Handling GmbH (SAG) haben ihre wichtigsten Umweltaspekte identifiziert und risikobasiert bewertet. Diese Analyse erfolgt jährlich und ist die Grundlage für das Umweltmanagement. Konkrete Schritte, wie FSG, FSEG und SAG einen positiven ökologischen Beitrag leisten wollen, sind im fairport-
Programm gebündelt. Die Grafik zu den Umweltauswirkungen des Flughafenbetriebs zeigt die Aspekte mit dem größten Umwelteffekt und die mit ihnen verbundenen Chancen und Risiken. Der Einflussgrad der Unternehmen variiert dabei – auf manche kann der Flughafen unmittelbar einwirken, auf andere nur indirekt. Ein Beispiel: Es liegt nicht in der Macht des Airport-Betreibers, Fluggeräusche zu verringern. Mit ihren Möglichkeiten setzt sich die FSG aber aktiv dafür ein, die Lärmbelastung durch den Luftverkehr so gering wie möglich zu halten. In ihrem Nachhaltigkeitsprogramm nimmt sie sich vor, mit einer regulativen Gebührenpolitik höhere Anreize für Airlines zu setzen und die Transparenz der Fluglärmdaten für die Bevölkerung zu erhöhen.

Damit der Airport effizient funktioniert, kontrolliert die Flughafengesellschaft regelmäßig und systematisch alle Prozesse vor Ort. Sie überprüft die Dienstleistungen rund um Abfertigung, Sicherheitskontrollen und Barrierefreiheit, vergleicht die Wartedauer an der Gepäckausgabe mit ihren Zielvorgaben und wertet Ursachen für Flugverspätungen aus. Die Gesamtpünktlichkeit am STR sank 2018 von 82,0 % auf 78,5 %. Im gesamten deutschen Luftraum kam es zu mehr Verspätungen und Ausfällen. Gründe dafür waren beispielsweise Kapazitätsengpässe. Der Unterschied zwischen der sogenannten Inboundpünktlichkeit (78,0 %) und der Outboundpünktlichkeit (78,9 %) zeigt aber, dass der STR dank reibungsloser Abläufe etwas Zeit aufholen konnte, wenn Flieger verspätet landeten. Alle Systempartner – Airlines, Flugsicherung, Bundespolizei und Flughäfen – arbeiten gemeinsam daran, wieder für mehr Verlässlichkeit im Flugverkehr zu sorgen.

Wenn Passagiere pünktlich und entspannt zu ihrem Flugzeug kommen, wirkt sich das positiv auf die Prozesse im Terminal und auf dem Vorfeld aus. Darauf zielen die bereits realisierten und die geplanten Projekte der Qualitätsoffensive #feelSTR ab. Der Airport will damit praktische Reiseinformationen auf dem Smartphone, automatisierte Abläufe vom Check-in bis zum Boarding und eine angenehme Aufenthaltszeit bieten. Für die Verwirklichung von #feelSTR hat die FSG drei Schwerpunkte festgelegt:

1. Smarte An- und Abreise: Digitale Informationen auf dem Smartphone sorgen dafür, den Weg zum STR so stressfrei wie möglich zu gestalten.
2. Shopping und Gastronomie: Angebote und Öffnungszeiten der Läden und Restaurants passen sich idealerweise an die Fluggäste an, um die Aufenthaltsqualität am Airport zu erhöhen.
3. Verbesserte Abläufe rund um die Passagiere: Neue Fluggastkontrollstellen sind bereits
eingerichtet und weitere folgen. Innovative Möblierungen und Neugestaltungen der Gates werden getestet. Ab 2020 werden die Flugsteige modernisiert, beginnend mit digitalisierten Self-Boarding-Gates und neuen Countern.

Die Grafik zu den Bedürfnissen der Fluggäste in voller Auflösung finden Sie hier.

Menschen mit Behinderung können ab Stuttgart bequem reisen, denn der Airport ist barrierefrei zugänglich. Das beginnt in den Parkhäusern mit großen, gut erreichbaren und gekennzeichneten Stellplätzen. Zwischen Terminal und Flugzeug stehen spezielle Fahrzeuge zur Verfügung. Samt Begleitperson oder Sanitäter gewährleisten sie einen sicheren Transfer. In ihren Qualitätsstandards hat die Flughafengesellschaft maximale Zeiten definiert, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität auf Unterstützung oder Weiterbeförderung warten dürfen.

Strenge Vorgaben für höchste Sicherheit

Sicherheit hat im Luftverkehr stets die höchste Priorität, da sind sich Airport-Betreiber und Reisende einig. Die Gesetzgebungen der Bundesrepublik und der Europäischen Union setzen mit zahlreichen Vorgaben klare Grenzen. Auch die Zuständigkeiten sind geklärt: Die FSG kontrolliert Personal und Waren, die Bundespolizei überprüft die Passagiere und ihr Gepäck, bevor sie die sogenannte „Luftseite“ des Flughafens betreten dürfen. Regelmäßige hauseigene Qualitätsprüfungen sowie behördliche Audits gewährleisten das Luftsicherheitsniveau.

Die hohen Sicherheitsstandards des Flughafen Stuttgart werden auch durch das Ergebnis des Flughafenchecks 2018 der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) untermauert: Mit einer Note von 1,7 belegte Stuttgart erneut einen der ersten Plätze. Die Flugkapitäne bewerten die für die Flugsicherheit relevante technische Airport-Ausstattung.

STR als Innovationsplattform

Die FSG entwickelt den Airport kontinuierlich weiter, um ihn für die Zukunft fit zu machen. Neue technologische Entwicklungen begreift sie als Chance. So diente der Flughafen bereits als Testfeld für innovative Lösungen rund um Elektromobilität, Energiemanagement und Gebäudeautomation. Damit flankiert die FSG auch die Verkehrs- und Energiewende in Baden-Württemberg. Gemeinsam mit verschiedenen Herstellern verfolgt der Landesairport derzeit das Ziel, autonome Nutzfahrzeuge für den sicheren Flughafeneinsatz zu entwickeln. Die Besonderheit: Diese werden auf dem Vorfeld, den Rollwegen und der Start- und Landebahn getestet. Die Programmierung der voll automatisierten Prototypen abseits von Straßenmarkierungen und in der Nähe zu Flugzeugen gilt als sehr herausfordernd. Die Geräte müssen sich in die komplexen Arbeitsprozesse am Boden integrieren. Geplant ist, dass bereits in wenigen Jahren die ersten selbstfahrenden Gepäckschlepper und Kehrblasgeräte für den Winterdienst auf dem Stuttgarter Vorfeld unterwegs sind. Das Projekt wird
gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Alternativen Antrieben gehört die Zukunft

Die FSG ist davon überzeugt, dass synthetische, strombasierte Kraftstoffe und neue Antriebe den entscheidenden Beitrag für CO2-neutrale Flüge leisten werden. Sie setzt alle ihre Hebel in Bewegung, um den technologischen Fortschritt dahingehend voranzutreiben. Mit seiner Innovationsförderung setzt der Flughafen Stuttgart bundesweit Maßstäbe. Ab Mitte 2019 verstärkt er mittels seiner Entgeltordnung die Anreize für Airlines, emissionsärmere und leisere Maschinen zu nutzen. Auch nachhaltig produziertes Kerosin ist keine reine Zukunftsmusik mehr. Den Einsatz solcher Treibstoffe bezuschusst die FSG von nun an. Flüssiger Kraftstoff, aus erneuerbarem Strom erzeugt, kann schon heute im sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren hergestellt werden – bislang in geringem Umfang.

Mit Forschungsgeldern fördert die FSG darüber hinaus die Arbeit des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Universität Ulm am elektrischen Fliegen. E-Passagierflugzeuge dürfen für ein Jahr kostenlos in Stuttgart starten und landen. Noch wird es einige Zeit dauern, bis diese Innovationen zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sind. Um für nichtfossiles Fliegen die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, bedarf es einer industriepolitischen Strategie. Sie müsste zum Beispiel darauf abzielen, dass ausreichende Mengen an alternativem Kerosin nachhaltig produziert werden.

Siehe auch: Bericht 2018 S. 10/11, 32 – 36, 54/55 sowie fairport-Programm

Leistungsindikatoren zu Kriterium 10

Leistungsindikator G4-FS11
Prozentsatz der Finanzanlagen, die eine positive oder negative Auswahlprüfung nach Umwelt- oder sozialen Faktoren durchlaufen. Link (Seite 38)

(Hinweis: der Indikator ist auch bei einer Berichterstattung nach GRI SRS zu berichten)

Diesen Indikator berichtet die FSG nicht, da er für den Flughafen Stuttgart nicht wesentlich ist. Die Finanzbeteiligungen der FSG orientieren sich ausschließlich am Gegenstand des Unternehmens.