4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Spezifische Wertschöpfung
Die Inhalteproduktion eines auf nationaler Ebene agierenden Fernsehsenders weist im Vergleich zu anderen Branchen einen wenig komplexen Wertschöpfungsprozess auf. Schlüsselressourcen in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld sind hier eher immaterielle Produktionsfaktoren wie Kreativität, Innovationsfähigkeit und Flexibilität mit Blick auf sich stetig wandelnde Rahmenbedingungen in der digitalen Welt. Die Wertschöpfungskette des ZDF bedarf also nur wenig komplexer Lieferkettenstrukturen und basiert im Einkaufs- und Beschaffungsmanagement unter Einhaltung aller relevanten vergaberechtlichen Vorgaben auf einem eher nationalen Sourcing. Vornehmlich in Deutschland produziert, in erster Linie selbst erstellt oder direkt redaktionell betreut, beim Erwerb von Urheber- und Leitungsschutzrechten für die fiktionalen und non-fiktionalen Produktionen des ZDF, unterscheidet man bei den Beschaffungsarten zwischen Eigen- und Auftragsproduktionen, Lizenzeinkäufen, Übernahmen sowie kofinanzierten Sendungen. Etwa zwei Drittel der Sendeminuten und Sendungen werden dabei durch Eigenproduktionen bestritten.  

Eine detaillierte Betrachtung, Analyse und Beurteilung von sozialen und ökologischen Problemen mit Blick auf ihre spezifische Relevanz für die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette erfolgt nicht. Gleichwohl werden einzelne Aspekte und Problemfelder in den nachfolgenden Abschnitten beschrieben und Maßnahmen erläutert. Sowohl im institutionalisierten Stakeholderdialog (Gremien, Branchenvertreter, Rechnungshof, Rezipienten etc.) wie auch in spezifischen Initiativen wie dem Arbeitskreis Green Shooting, in dem Sender, Förderer, Dienstleister und Produktionsunternehmen vertreten sind, werden beispielsweise Herausforderungen grüner Produktionen thematisiert und Lösungen zugeführt (Ökologische Mindeststandards).  

Verlässlicher Partner der Kreativwirtschaft
Wichtige Akteure der für das ZDF relevanten Wertschöpfungskette mit Blick auf den für Medienproduktion essentiellen Faktor Kreativität sind etwa die Drehbuchautor*innen, mit denen gemeinsam „Grundsätze für eine faire Zusammenarbeit“ entwickelt und verabschiedet wurden. „Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren schaffen mit ihrer Arbeit die wesentliche Grundlage für jeden Film und jede Serie. Die Produktion wiederum entsteht im kreativen Zusammenwirken von Drehbuchautor*in, Regisseur*in, Produzent*in und ZDF-Redaktion mit allen weiteren Gewerken und Beteiligten. Das ZDF als größter Einzelauftraggeber des deutschen TV-Produktionsmarktes versteht sich als verlässlicher Partner auf Augenhöhe und erster Ansprechpartner der Kreativen. Das ZDF fördert Drehbuchautor*innen und bemüht sich um einen kontinuierlichen Dialog zur fortwährenden Modernisierung des fiktionalen Programmangebots und zur gemeinsamen Entwicklung von Innovationen, die den sich verändernden Nutzungsgewohnheiten Rechnung tragen.“  

Im der jüngsten Selbstverpflichtung des ZDF gegenüber den Produzent*innen werden unter anderem Regelungen zum ressourcenschonenden und nachhaltigen Produzieren festgehalten. Neben der Aufnahme eines Green Consultants wird auch hier festgehalten, dass das ZDF das ressourcenschonende Produzieren fördert und bis 2023 mehr als 50 % seines fiktionalen Auftragsvolumens ressourcenschonend und nachhaltig umsetzen wird. Entsprechende Vereinbarungen werden mit den Produzentinnen und Produzenten im Rahmen des Kalkulationsgesprächs getroffen und im Vertrag festgehalten. Nach Prüfung vergibt das ZDF für diese Produktionen das Label „green motion“. Detaillierte Informationen zur “Zusammenarbeit mit Produzent*innen und der Kreativwirtschaft” finden sich im Transparenzportal des ZDF unter https://www.zdf.de/zdfunternehmen/transparenz-100.html.

Nachhaltiger Rahmen für Produktionsunternehmen
Klare Rahmenbedingungen für die Fernsehproduzenten, die als wichtige Partner in der Wertschöpfungskette des ZDF fungieren, sind explizit formuliert und tragen dabei der Protokollerklärung der Länder zum 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrag Rechnung. Darin haben die Länder die Fortschritte hinsichtlich ausgewogener Vertragsbedingungen zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Film- und Fernsehproduktionsunternehmen anerkannt, die in den letzten Jahren durch Vereinbarungen der Partner erreicht wurden, und eine Fortschreibung angemessener Vertragsbedingungen eingefordert. Mit den vorliegenden Rahmenbedingungen verpflichtet sich das ZDF zu fairen und angemessenen Vertrags­bedingungen mit Produzenten. Sie berücksichtigen einen intensiven und konstruktiven Dialog mit deutschen Produzentenverbänden, insbesondere der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e. V.  

Nachhaltige Produktion und ökologische Mindeststandards
Das ZDF steigert den Anteil nachhaltiger Produktionen kontinuierlich. Das ZDF ist seit 2015 Mitglied des Arbeitskreises „Green Shooting“. In den Jahren 2020 und 2021 beteiligte sich das ZDF gemeinsam mit den Mitgliedern des Arbeitskreises an der Nachhaltigkeitsinitiative der 100 grünen Produktionen. Hier waren einheitliche ökologische Kriterien für nachhaltige Produktionen einzuhalten. Aus den Erfahrungen dieser Nachhaltigkeitsinitiative entwickelte der AK Green Shooting ökologische Mindeststandards für deutsche Kino-, TV- und Online-/VoD-Produktionen. Das ZDF hat sich in einer Selbstverpflichtungserklärung ab dem 01.01.2022 zu deren Einhaltung zunächst bei über 50 % der fiktionalen Produktionen verpflichtet. Die abgestimmten ökologischen Mindeststandards umfassen 15 Bereiche, die in Muss- und Soll-Vorgaben unterteilt sind. Von den 21 Muss-Vorgaben sind zwingend 18 Kriterien zu erfüllen. Die so hergestellten Produktionen werden zukünftig mit dem vom AK Green Shooting eigens entwickelten Label “green motion” gekennzeichnet (siehe auch im Detail https://www.oekologische-mindeststandards-greenmotion.de/). Die Kriterien des Arbeitskreis Green Shooting bieten aber zudem eine zunächst grundsätzliche und künftig stärker auch verbindliche Orientierung für sämtliche Eigen- und Auftragsproduktionen des ZDF in allen Genres.  

Nachhaltigkeit im Beschaffungsprozess
Aspekte der Qualität, Innovation sowie soziale und umweltbezogene Aspekte finden in den Beschaffungsvorhaben des ZDF in allen Stufen des Beschaffungsprozesses und der Vergabeverfahren Berücksichtigung. Von der Bedarfsanalyse, über die Leistungsbeschreibung bis hin zur Festlegung der Eignungs- und Zuschlags­kriterien sowie den Ausführungsbedingungen und Verträgen des ZDF. Bei der Analyse des Bedarfs wird beispielsweise auch hinterfragt, ob eine bestimmte Leistung überhaupt beschafft werden muss oder nachhaltigere Alternativen in Frage kommen, wie etwa die Nutzung von Videokonferenzsystemen anstelle von Dienstreisen. Auch wird bei der Frage der Neubeschaffung in der Bedarfsanalyse u. a. abgewogen, ob nicht etwa die Reparatur eines Arbeitsmittels anstelle einer Neuanschaffung die nachhaltigere Variante darstellt. In der Leistungsbeschreibung werden auftragsbezogene nachhaltige Aspekte vergaberechtskonform integriert, gleiches gilt für die Festlegung von Eignungs- und Zuschlagskriterien. Das Vorliegen zwingender und fakultativer Ausschlussgründe, auch mit Nachhaltigkeitsbezug, kann (soweit gesetzlich vorgesehen) im Rahmen der Ermessensausübung des ZDF als öffentliche Auftraggeberin zum Ausschluss von Bietern führen. Nachhaltige Aspekte werden nicht nur im Rahmen der Gestaltung der vertraglichen Regelungen berücksichtigt. Der Beschaffungsprozess erfolgt weitestgehend digital und ressourcenschonend. Die Bedarfsanforderungen werden elektronisch durchgeführt. Der Großteil der Bestellungen erfolgt in Textform und im Oberschwellenbereich über eine elektronische Vergabeplattform. Die Aktenführung findet im Rahmen eines Dokumentenmanagementsystems statt. Zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Kompetenzen der nachhaltigen Beschaffung wird u. a. auch auf Angebote von Institutionen oder Portalen wie die der Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung, des Umweltbundesamtes, des Kompetenzzentrums innovative Beschaffung, Forum Vergabe e. V. oder Plattform Kompass Nachhaltigkeit zurückgegriffen.

So wird etwa die Anzahl von Printpublikationen stetig reduziert: Einladungen zu Veranstaltungen werden digital verschickt. Auch Pressemappen werden hauptsächlich digital erstellt. Print-Pressemappen werden fast nur noch zu Präsenz-Presseterminen hergestellt. Bei der Herstellung der wenigen Printprodukte wurde auf zertifiziertes Papier und auf eine Zertifizierung der Druckereien geachtet. Auflagen wurden nach einer genauen Bedarfseinschätzung gewählt. Außerdem wurde ein klimafreundlicher Versand gewählt.  

Bei Veranstaltungen und Events, bei Shootings, bei der Durchführung von Presseterminen, bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern sowie bei der Auswahl und Produktion der Werbemittel sowie bei der Herstellung von Pressepublikationen wird auf Nachhaltigkeit geachtet.  

Bei der Beschaffung von Endgeräten wie Notebooks, Tablets, Druckern oder Bildschirmen stellen ZDF-Vorgaben besondere Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Hardware bzw. den Hersteller, deren Erfüllung durch entsprechende Produkt-Zertifizierungsstandards vom Hersteller nachzuweisen sind. Gleichzeitig wird für die Zukunft der Einsatz von bereits im Bereich des ZDF erstgenutzter Hardware ermöglicht, anstelle stets Neugeräte im Bedarfsfall an den Endnutzer auszuliefern. Dieser Mehrfacheinsatz von initial für das ZDF angeschaffter Endgeräte-Hardware führt zu einem verminderten Verbrauch an neu zu produzierender Hardware insgesamt und unterstützt damit ein nachhaltiges Wirtschaften innerhalb des IT-Endgerätebetriebs. Bei der Auswahl von Dienstleistern wurde im Rahmen der Ausschreibung besonderes Augenmerk auf transparentes, nachhaltiges und nachweisbares, möglichst umweltverträgliches Wirtschaften des künftigen Marktpartners gelegt. Zur Sicherstellung wurden im Bereich der Wertungs- und Zuschlagskriterien eine Reihe von Kriterien eingeführt, die ein nachhaltiges Wirtschaften des Anbieters im Rahmen der Vergabe unter Beweis stellen und darüber hinaus über die Vertragslaufzeit, soweit möglich, messbar machen.