4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Wertschöpfungskette des Restmüllheizkraftwerks

Im Folgenden wird beispielhaft die Wertschöpfungskette des Restmüllheizkraftwerks vorgestellt. Die Nachhaltigkeitsaspekte sowie die ökologischen und sozialen Probleme bzw. Lösungen werden integriert behandelt:

Anlieferung

Die Anlieferungen setzen sich im Durchschnitt zu 72 Prozent aus Hausmüll, zu 7 Prozent aus Sperrmüll sowie zu 21 Prozent aus Gewerbe- und Baustellenabfällen aus dem Entsorgungsgebiet zusammen.

Strom- und Fernwärmeerzeugung


Die bei der Verbrennung freigesetzte Energie erzeugt Dampf. Der erzeugte Strom wird zum größten Teil in das öffentliche Stromversorgungsnetz eingespeist. Nur ein geringer Anteil wird als Eigenbedarf zum Betrieb der Anlage genutzt.
Seit 2002/2003 wird nicht nur Strom produziert, sondern auch das höchstmögliche Potenzial an Fernwärme, welches das Restmüllheizkraftwerk erzeugen kann, in die Netze von Böblingen und Sindelfingen ausgekoppelt.

Abgasreinigung

Die Abscheidung der säurebildenden Schadstoffe im Abgas (vor allem Chlorwasserstoff und Schwefeldioxid) erfolgt in mehreren Stufen.
Zunächst sind zwei Gewebefilter in Reihe geschaltet. Vor dem ersten Gewebefilter wird Kalkhydrat in den Abgasstrom dosiert. Die entstehenden Reaktionsprodukte, hier vor allem Kalziumchlorid und Kalziumsulfat, werden zusammen mit dem Flugstaub aus dem Kessel im ersten Gewebefilter abgeschieden. Über den Flugstaub werden zusätzlich die daran gebundenen Schadstoffe wie z.B. Schwermetalle und unverbrannte Kohlenwasserstoffe abgeschieden.


Vor dem zweiten Gewebefilter wird dem Abgas Bicarbonat zudosiert. Zur Erhöhung der Verweilzeit des Abgases und damit der vollständigen Reaktion ist der Abgaskanal zu einem Reaktionsraum aufgeweitet. Im folgenden zweiten Gewebefilter werden die entstehenden Reaktionsprodukte (Natriumsalze, hauptsächlich Natriumchlorid und Natriumsulfat) abgeschieden.

Das Abgas hat hinter dem zweiten Gewebefilter noch eine Temperatur von ca 180°C.  In einem anschließenden Abgas-Wärmetauscher wird das Abgas auf ca. 125°C abgekühlt. Die Wärme wird als Fernwärme zur Verfügung gestellt.


Zur Nachreinigung des Abgases durchströmt es anschließend einen mit Aktivkoks gefüllten Filter. In diesem Filter werden Restmengen der säurebildenden Schadstoffe, der Schwermetalle und der Dioxine, Furane abgeschieden.


Zur Entstickung der gereinigten Abgase durchströmen die Abgase im nächsten Schritt einen SCR-Katalysator. Als Betriebsmittel wird an dieser Stelle Ammoniakwasser eingesetzt. Das Ammoniak reagiert mit den im Abgas enthaltenen Stickoxiden zu Stickstoff und Wasser.


Hinter dem SCR-Katalysator wird das Abgas noch einmal gekühlt, bevor es über den Kamin gereinigt an die Umgebung abgegeben wird.
Auch diese ausgekoppelte Wärme wird als Fernwärme genutzt.
 

Reststoffe

Schlacke und Flugstaub werden als Material für den Bergbauversatz oder den Deponiebau weitergegeben und das verbrauchte Katalysatormaterial wird vom Hersteller zurückgenommen. Das für Sanitär, Werkstatt und Kessel verbrauchte Wasser wird in der Kläranlage Böblingen-Sindelfingen gereinigt. Lediglich geringe Mengen Ionenaustausch­material und beladene Aktivkohle können nicht verwertet werden. Das bedeutet, dass deutlich weniger als 1 Prozent, bezogen auf den Restmülleinsatz von 140.000 Jahrestonnen, als Sondermüll entsorgt werden muss.

Die Wertschöpfungskette der Klärschlammverwertungsanlage wird vereinfacht in Kriterium 12 dargestellt.

Kommunikation mit den Geschäftspartnern  

Der RBB arbeitet in erster Linie mit regionalen Geschäftspartnern (regionale Wertschöpfung und kurze Anfahrtswege) und zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben (Qualitätsorientierung) zusammen.
Allgemeine Einkaufsbedingungen sowie eine Fremdfirmenverordnung des RBB regeln wesentliche Teile der Zusammenarbeit.
Die Geschäftspartner werden über den DNK-Prozess des RBB informiert, um die Nachhaltigkeitsstrategie des RBB transparent zu machen und eine weitere Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsfragen in der Liefer- und Wertschöpfungskette zu erzielen.