4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Versicherungen sind unsichtbare Produkte, die in der Herstellung außer Verwaltungsgebäuden und Rechenzentren sowie einer Vertriebsinfrastruktur keine natürlichen Ressourcen benötigen. Den größten Teil der Wertschöpfung, nämlich die Produktentwicklung, die Kapitalanlage und den Kundenservice, erbringen wir als Versicherungsunternehmen selbst. Im Bereich der Beratung von Endkunden und im Vertrieb arbeiten wir größtenteils mit unabhängigen, bei uns registrierten Vermittlern zusammen. Für verschiedene Aufgaben und Beschaffungen vergeben wir aber auch immer wieder Aufträge an Lieferanten, Berater, Händler oder sonstige Anbieter von Waren und Dienstleistungen, die in der Regel zentral über unseren Einkauf gesteuert werden.

Bei der Produktentwicklung achten wir bereits früh auf die langfristige Erfüllbarkeit der Verträge und auf Beitragsstabilität, indem wir potentielle Risiken (beispielsweise durch den Klimawandel) analysieren und bei Bedarf entsprechende Gegenmaßnahmen treffen (s. auch Kriterium 6 – Regeln und Prozesse). Daneben werden auch ökologische und soziale Aspekte bei der Produktentwicklung berücksichtigt (s. auch Kriterium 10 – Innovations- und Produktmanagement). Der Produktentwicklungsprozess wurde in 2020 überarbeitet, um Nachhaltigkeitsaspekte und -risiken systematisch und strukturiert zu berücksichtigen.

Die ALH Gruppe gehört zu den großen Versicherungsgruppen in Deutschland. Unser Kapitalanlagevolumen wollen wir verantwortungsvoll einsetzen – allein und im Verbund mit anderen Investoren. Bei der Kapitalanlage berücksichtigen wir daher neben den Aspekten Rendite, Sicherheit und Liquidität auch zunehmend nachhaltige Aspekte als Entscheidungskriterien. Dabei spielen die für uns besonders relevanten Sustainable Development Goals 1 (Armutsbekämpfung), 3 (Gesundheitsförderung), 8 (Nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit) und 13 (Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkung) eine zentrale Rolle.

Im Rahmen der Betrachtung des Sustainable Development Goals 13 haben wir für unser Portfolio an Staatsanleihen und Aktien eine Bestandsaufnahme der Scope 1 und 2 Emissionen von CO2-Äquivalenten durchgeführt. Die absoluten Mengen haben wir je nach Assetklasse mit unterschiedlichen Kennzahlen ins Verhältnis gesetzt, um die besser vergleichbare CO2-Intensität zu ermitteln. Bei Staatsanleihen haben wir für jedes Land, in das wir investiert sind, die Emissionen mit dem Bruttoinlandsprodukt des Landes ins Verhältnis gesetzt. Anschließend haben wir die Intensitäten mit ihrem Anteil am Portfolio gewichtet und somit eine mittlere CO2-Intensität für unser Portfolio an Staatsanleihen ermittelt. Für unsere Aktieninvestments haben wir verschiedene Tools herangezogen, um die CO2-Intensität bezogen auf den Umsatz zu bestimmen und entsprechend ihrem Anteil zu gewichten. Dabei haben wir ein Bloomberg-Tool, das Paris Agreement Capital Transition Assessment (PACTA)-Tool sowie Auswertungen eines externen Dienstleisters verwendet. Die gewonnenen Auswertungen haben wir im Zeitverlauf betrachtet um Trends zu erkennen.
Die Haupterkenntnis dabei war, dass unsere CO2-Intensität im Bereich der Staatsanleihen aufgrund der Tatsache, dass wir hauptsächlich in hochentwickelte Industriestaaten investiert sind, relativ hoch ist.  Allerdings haben alle Staaten das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und glaubhaft entsprechende 5-Jahres-Ziele (Nationally Determined Contributions) beschlossen, die darauf abzielen bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Unsere Aktieninvestments bilden große, breit diversifizierte Indizes nach und haben demnach eine im Vergleich zu nachhaltigen Indizes höhere CO2-Intensität. Diese Erkenntnisse sind in die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie für die Kapitalanlage eingeflossen, die im Weiteren näher beschrieben wird.  

Im Bereich Staatsanleihen investieren wir ausschließlich in Staaten, die sich durch die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens das Ziel gesetzt haben, den globalen Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 auf möglichst 1,5° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Konsequent vom Investment ausgeschlossen haben wir daher Staaten, die nicht das Pariser Abkommen zum globalen Klimaschutz ratifiziert haben.
Zudem investieren wir nur in Anleihen von Emittenten aus Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der International Labour Organization (ILO). Damit unterstützen wir das erklärte Ziel der OECD, eine Politik zu befördern, die das Leben der Menschen weltweit in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht verbessert. Die OECD ist ein Forum, in dem Regierungen ihre Erfahrungen austauschen und Lösungen für gemeinsame Herausforderungen erarbeiten. Beispielsweise wurden und werden im Rahmen der OECD Standards erarbeitet, um den negativen Seiten der Globalisierung entgegenzutreten. Dazu gehören die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen. Diese sind weltweit ein wichtiges Instrument zur Förderung von verantwortungsvoller Unternehmensführung. Für Unternehmen bieten sie einen Verhaltenskodex bei Auslandsinvestitionen und für die Zusammenarbeit mit ausländischen Zulieferern. Sie beschreiben, was von Unternehmen bei ihren weltweiten Aktivitäten im Umgang mit Gewerkschaften, im Umweltschutz, bei der Korruptionsbekämpfung oder der Wahrung von Verbraucherinteressen erwartet wird.
Ebenfalls von Bedeutung ist die OECD-Konvention gegen Bestechung, sowie Standards zur Verhinderung von Geldwäsche und Steuerflucht. Schwerpunkte der Arbeit der ILO sind die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen, insbesondere der Kernarbeitsnormen, die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit als eine zentrale Voraussetzung für die Armutsbekämpfung.
Die ALH Gruppe beabsichtigt darüber hinaus den Ausbau von Investitionen in Green, Social und Sustainability Anleihen. Dies sind Anleiheinstrumente, bei dem der Erlös ausschließlich für förderfähige Umwelt- und/oder Sozialprojekte verwendet wird.

Im Bereich der Aktienanlage bringt sich die Alte Leipziger Trust als Vermögensverwalter der ALH Gruppe gemeinsam mit einem externen Dienstleister durch aktives Engagement und Abstimmungsverhalten ein. Dabei werden Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte berücksichtigt. Die Gespräche mit der Unternehmensleitung und die Stimmrechtsausübung in den Gesellschaften dienen dem Ziel, das Management von Nachhaltigkeitsrisiken und –Chancen im Unternehmen zu verbessern und darauf hinzuwirken, dass Verfahrensweisen einer guten Unternehmensführung angewendet werden.
Die Engagement-Schwerpunkte lagen 2020 auf den Themen Arbeitsbedingungen, Klimawandel und Corporate Governance. Hier konnten auch die meisten Meilensteine im Austausch mit den Unternehmen erreicht werden. Im Rahmen der Stimmrechtsausübung wurde 2020 auf insgesamt 201 Hauptversammlungen über 2.671 Anträge abgestimmt. Dabei lag u.a. ein Fokus auf dem Thema Klimawandel und Unternehmen aus besonders betroffenen Sektoren, die noch keine ausreichende klimafreundliche Geschäftsstrategie aufweisen. Durch Ablehnung von Anträgen der Geschäftsleitung wie etwa zu Geschäftsberichten und Abschlüssen, zur Wiederwahl von Boardmitgliedern und zu Kapitalmaßnahmen wird der Druck auf die Geschäftsleitung erhöht. Auch in Bezug auf die Förderung der Diversität wurde darauf hingewirkt, dass die Quote von weiblichen Boardmitgliedern weltweit erhöht wird. Im Bereich Corporate Governance wurden insbesondere die Wiederbestellung von Wirtschaftsprüfern und die Führungskräftevergütung kritisch geprüft und entsprechende Ablehnungen erteilt.
Diese Stimmrechtsausübungen und Engagement-Projekte stehen im Zusammenhang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG). Die Prozesse fokussierten sich 2020 insbesondere auf SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und 12 (nachhaltiger Konsum und Produktion).

Nachhaltigkeitsfaktoren sind ein Teil unserer Due-Diligence bei Neu-Investitionen in Immobilien. Wir investieren lediglich in Immobilien in Deutschland und stellen damit sicher, dass unser Portfolio strenge gesetzliche Nachhaltigkeits-Vorgaben, z.B. zur Energieeffizienz, erfüllt.

Ein Anlageschwerpunkt unserer Investitionen in Infrastruktur liegt bei erneuerbaren Energien, Energie-, Kommunikations- und Verkehrs-Netzen (z.B. Mobilfunk, Glasfaser, Fernwärme), Umwelt sowie sozialer Infrastruktur (z.B. Recyclinganlage, Anlage für betreutes Wohnen). Insbesondere mit der Investition in Erneuerbare Energien leisten wir einen Beitrag zur CO2-Reduktion. Investitionen in die Energieerzeugung durch die Verbrennung sowie die Gewinnung von Kohle schließen wir explizit aus, sofern über die Investition kein Beitrag zur CO2-Reduktion geleistet wird. Darüber hinaus werden Infrastrukturinvestitionen in Kernenergie und Erdölraffinerien ausgeschlossen.

In diesem Jahr haben wir die Principles for Responsible Investment (PRI) unterschrieben und damit begonnen diese umzusetzen. Die PRIs beinhalten unter anderem Verpflichtungen zu ESG-Kriterien in der Anlage, eine aktive Eigentümerschaft, Transparenz über die eigenen Aktivitäten und die Kooperation mit gleichgesinnten Partnern.

So fördern und fordern wir als Investor den Gedanken des nachhaltigen Investierens. Weitere Informationen zu unserer Kapitelanlage finden Sie im Leistungsindikator GRI G4 - FS11 (Kriterium 10) sowie im Kriterium 17 – Menschenrechte.

Im Vertrieb setzen wir uns dafür ein, dass unsere Vertriebspartner langfristig mit uns zusammenarbeiten. Durch Anwendung des Verhaltenskodex des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft für den Vertrieb von Versicherungsprodukten sowie durch weitere Maßnahmen des Qualitätsmanagements sichern wir eine hohe Beratungsqualität. Darüber hinaus bieten wir unseren Vermittlern elektronische Unterstützung im Antragsprozess an (z. B. Online-Antrag, E-Signatur, e-Votum, individualisierte Online-Abschluss-Module zur Einbindung auf der Vermittlerwebseite) und informieren sie regelmäßig in Mails und Webinaren über Neuerungen im Produktportfolio und im Konzern. Das erleichtert die Abläufe für die Vermittler, erhöht die Servicequalität und reduziert den Papierverbrauch. Über unsere digitalen Services und skalierbaren Schnittstellen zum Empfang von Daten und Dokumenten können die Vertriebspartner zusätzlich beispielsweise in Echtzeit Informationen zum Vertrag abrufen oder Teile des Antragsprozesses automatisieren. In 2020 haben wir zudem begonnen unsere Vertriebspartner umfassender über und deren Vorteile in Interviews, Mails, Pressemitteilungen, Webinaren und auf Messen zu informieren. 

Auch in der Beschaffung achten wir auf Integrität und soziale, ökologische und ethische Geschäftspraktiken. So haben wir Grundsätze zur nachhaltigen Beschaffung seit 2018 in unserer Beschaffungsrichtlinie festgeschrieben. Sie sieht eine regelkonforme, faire und partnerschaftliche Beziehung zu unseren Lieferanten und Geschäftspartnern vor, die neben ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte der Beschaffung umfasst. So achten wir beim Kauf von IT-Geräten beispielsweise neben dem Anschaffungspreis auch auf die Energieeffizienz oder umweltgerechte Entsorgungsmöglichkeiten der Geräte nach der Nutzung. Seit 2019 werden alle Lieferanten und Geschäftspartner bei Neuverträgen oder Vertragsnachträgen zur Beachtung unseres 2018 in Kraft getretenen Lieferanten-Verhaltenskodex aufgefordert. Dieser enthält allgemeine Prinzipien zu Compliance, Mitarbeiterschutz, Menschenrechten (einschließlich ILO-Grundkonventionen und UN-Menschenrechtscharta), Umweltschutz, Transparenz, Kartellrecht und Datenschutz.