2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die Geschäftstätigkeit der Flughafen München GmbH (FMG) hat erheblichen Einfluss auf viele verschiedene Bereiche und Akteure: die Wirtschaftsstandorte München, Bayern und Deutschland, die Region und ihre Einwohner, die Mitarbeiter, die Passagiere sowie die am und um das zweitgrößte deutsche Drehkreuz angesiedelten Unternehmen und andere Stakeholder-Gruppen. Eigentümer der FMG sind der Freistaat Bayern mit 51,0 %, die Bundesrepublik Deutschland mit 26,0 % und die Landeshauptstadt München mit 23,0 %.

Die für den Flughafen München wesentlichen Themen wurden auf Basis einer Wesentlichkeitsanalyse ermittelt und im Zuge der Verzahnung  mit der ACI Nachhaltigkeitsstrategie (ACI internationale Vereinigung der Flughafenbetreiber mit Sitz in Montreal). im Jahr 2020 aktualisiert, erweitert und teilweise zusammengelegt. Die konzernweite Wesentlichkeitsanalyse orientiert sich an den Standards der Global Reporting Initiative (GRI-Standards). Sie ist ein bedeutendes Instrument des strategischen Nachhaltigkeitsmanagements. Auf dieser Grundlage kann die Geschäftsführung über zentrale Weichenstellungen für eine nachhaltige Entwicklung des Konzerns entscheiden. Die wesentlichen Themen korrespondieren mit den Kapitalarten. Der Wertschöpfungsprozess basiert auf sechs Kapitalarten (Input), die der Flughafen nutzt, um neue Werte zu generieren (Outcome). In den Geschäftsfeldern werden verschiedene Angebote und Dienstleistungen erzeugt (Output)
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Abbildung: Outcome kurzfristig und langfristig zu den aufgeführten Maßnahmen


Weiterführende Infos: Geschäftsmodell Input - Outcome - Wirkung

Die Outside-In Betrachtung verankert im Risikomanagement
Die Geschäftsführung der FMG und aller Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ist für die Früherkennung und Abwendung von Risiken, die den Fortbestand des Verkehrsflughafens und der Beteiligungen gefährden, verantwortlich. Die Konzernleitung trägt die Gesamtverantwortung für ein effektives Risikomanagementsystem und legt mit der Kommunikation und Definition der Unternehmensstrategie und -ziele die wesentliche Grundlage dafür fest. Sie formuliert Vorgaben für den Prozess und die organisatorische Ausgestaltung des Risikomanagements.Mit dem Risikomanagementsystem sollen Ereignisse und Entwicklungen, die sich negativ auf die strategische und operative Zielerreichung auswirken können, rechtzeitig erkannt und geeignete Gegensteuerungsmaß-nahmen entwickelt werden. Es berücksichtigt alle Dimensionen der unternehmerischen Tätigkeit – sowohl ökonomische als auch ökologische und gesellschaftliche.Die allgemeinen Grundsätze des Risikomanagements im Konzern sowie die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der im Risikomanagement beteiligten Funktionsträger regelt die Risikomanagement-richtlinie. Diese ist auf das international anerkannte Rahmenmodell »COSO ERM« (Committee of Sponsoring Organisations of the Treadway Commission – Enterprise Risk Management) ausgerichtet.Als zusätzliche unterstützende Steuerungs-, Kontroll- und Überwachungsinstanz innerhalb des Risikomanagementsystems dient der Risikomanagementausschuss. Als ranghöchstes Organ des Risikomanagements ist er direkt der Geschäftsführung unterstellt und besteht aus dem Geschäftsführer Finanzen und Infrastruktur, den Leitern der Geschäftsbereiche Aviation, Commercial Activities und Real Estate, den Leitern der Konzernbereiche Recht, Gremien, Compliance und Umwelt, Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement, Konzernsicherheit und Corporate Communication & Politics, dem Leiter des Servicebereichs IT sowie dem Risikomanager. Die Leitung Compliance ist im Risikomanagement-ausschuss als Gast beteiligt. Aufgabe des Risikomanagementausschusses ist es, die Risiken aus Konzernperspektive zu analysieren und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen zu überwachen. Er unterstützt bei der Entwicklung des Risikomanagementsystems sowie bei der Risikoidentifikation, -beurteilung und -steuerung. Der Risikomanagementausschuss tagt vierteljährlich und beschließt den Risikobericht, der anschließend der Geschäftsführung und den Gesellschaftern vorgelegt wird.  

Als Grundlage für einen bewussten Umgang mit Risiken ist jeder einzelne Mitarbeiter in das unternehmensweite Risikomanagement involviert. Jeder Mitarbeiter trägt die Verantwortung, Gefahren in seinem Bereich zu beseitigen und Hinweise auf bestehende Risiken unverzüglich an seinen Vorgesetzten zu melden.
 
 
Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Natur­katastrophen Langanhaltende und intensive Niederschläge verbunden mit Schneeschmelze und wassergesättigten Böden südlich von München bis zu den Alpen können entsprechende Hochwasserabflüsse in der Isar verursachen. Hierdurch könnte ein bedingter Bruch der Isardämme sowie der Hochwasserschutzdeiche bei Freising zu einer Überflutung der Terminals führen. Sukzessive Erneuerung der Isardämme durch das Wasserwirtschaftsamt. In Teilen sind diese bereits saniert. Darüber hinaus plant der Freistaat Bayern, die Hochwasserschutzdeiche zurückzuverlegen. Zusätzlich überwacht der Flughafen München dauerhaft das Abwasserabflussgeschehen und führt Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen durch. Eine im Jahr 2019 durchgeführte Untersuchung des Hochwasserschutzes hat zudem ergeben, dass dieser auch bei intensiven Niederschlägen und Sturzfluten, welche bei entsprechenden Wetterlagen auftreten können, ausreichend ist. Durch ein Krisen- und Risikomanagement am Flughafen München werden die Gegenmaßnahmen auf operativer Ebene verstärkt. Die Ereignisse Erdbeben, Sturm, Hagel und Hochwasser sind versichert.
Markteinbruch durch Seuche/
Krankheit
Der Flughafen München ist Ein-, Aus- und Umsteigeplatz für Millionen von Fluggästen und somit ein möglicher Einfallort von Bakterien und Viren aus aller Welt. Der Ausbruch von Epidemien/Krankheiten kann zu Markteinbrüchen mit reduzierten Flugbewegungen und Passagierzahlen führen. Infolge der Corona-Pandemie gewinnt dieses Risiko besonders an Bedeutung. Aktuell ist erkennbar, dass durch die Pandemie am Flughafen München enorme wirtschaftliche Belastungen entstehen, was 2020 einen sehr hohen Ergebniseinbruch verursachte. Die Auswirkungen auf die Folgejahre sind derzeit wegen der hohen Unsicherheit nicht seriös abschätzbar. Der Flughafen München unterliegt dem Gesetz zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV-DG) und bedient sich einer Tochtergesellschaft zur Erfüllung der notwendigen Funktionen. Ebenso werden die von der EASA vorgegebenen Regeln zum Thema »Notfallplan« erfüllt. Dazu gehören unter anderem die Wahrnehmung der Einsatzleitung durch den Flughafenmedizinischen Dienst und die Berücksichtigung von Gesetzen und Vorgaben (zum Beispiel Infektionsschutzgesetz).
Aktuell werden beziehungsweise wurden zur Vermeidung von Ansteckungen bereits eine Reihe von Maßnahmen geplant beziehungsweise umgesetzt. Hierzu gehören unter anderem Schutzwände, berührungslose Zugänge und Armaturen, regelmäßige Hygieneinspektionsprüfungen für Lüftungsanlagen, Anpassung der Reinigungsqualität/-intervalle sowie das Projekt »Touchless Travel« mit zwei »eGates« zur berührungslosen Identifikation mittels Gesichtserkennung.
Von der EASA sowie von der europäischen Gesundheitsbehörde (ECDC) sind Empfehlungen ausgesprochen worden, die für ein sicheres Reisen in Zeiten der Corona-Pandemie stehen. Diese Empfehlungen wurden in einem »Hygieneschutzkonzept« berücksichtigt und umgesetzt.
Zu den wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen finden sich Erläuterungen im Risiko »Konjunktur«.
Personalsituation
(Vorjahr: Personal-beschaffung/
Rekrutierung)
Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie befindet sich der Flughafen München im Krisenmodus. Wegen der massiven Verkehrseinbrüche geht der Konzern derzeit von einem deutlich niedrigeren Personalbedarf aus.
Die Problematik aus dem Vorjahr bezüglich Rekrutierung/Personalbeschaffung ist von nachgelagerter Bedeutung.
Der Flughafen München konzentriert sich auf die Bewältigung der Krise und ergreift Maßnahmen, die einerseits die Gesundheit der Mitarbeiter sicherstellen sollen und andererseits dazu dienen, die wirtschaftlichen Konsequenzen abzufedern.
Durch personalwirtschaftliche Maßnahmen kann es zu Know-how-Verlust kommen. Der Flughafen München ist bestrebt, trotz der eingeleiteten Gegenmaßnahmen bestehende Fachkräfte zu halten.
Die eingeleiteten Gegenmaßnahmen zielen auf Liquiditätssicherung und Begrenzung der negativen Ergebnisauswirkungen ab. Dazu wird die Personalkapazität an die sinkende Arbeitsmenge angepasst. Hierzu zählen vor allem der Abbau von Zeitguthaben sowie die im April 2020 eingeführte Kurzarbeit, die bis Ende 2021 verlängert wurde.
Darüber hinaus wurde, wie unter dem Risiko »Sanierung Ground Handling« beschrieben, das FMG-übergreifende Veränderungsprogramm »Restart« initiiert. Hier werden organisatorische und effizienzsteigernde Maßnahmen entwickelt sowie die Anpassung der Personalkapazität fokussiert.
Zusätzlich tritt zum 1. Januar 2021 der Notlagentarifvertrag in Kraft, der auf Bundesebene zwischen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und Verdi/Beamtenbund dbb für die Flughafen München GmbH abgeschlossen wurde.


Weitere Infos:
Risikomanagement