2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die Verfügbarkeit ausreichender Grundwasservorkommen in guter Beschaffenheit als Ressource für die Trinkwassergewinnung ist in der Rhein-Main-Region, wie in anderen deutschen Ballungsräumen, lokal unterschiedlich ausgeprägt.  

Viele Städte und Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet können ihren Trinkwasserbedarf nicht mehr aus lokalen Ressourcen allein decken und sind auf Wasserzulieferungen aus dem Umland angewiesen (regionaler Leitungsverbund). Zur Gewährleistung einer nachhaltigen und ökologischen Wassergewinnung wurden Techniken etabliert, um mit aufbereitetem Flusswasser das Grundwasser aktiv zu bewirtschaften (Integriertes Wasserressourcen-Management).  

Dank des Integrierten Wasserressourcen-Management können wir auch für zukünftige Generationen in der gesamten Region genügend Wasser in einwandfreier Qualität zur Verfügung stellen. Die Herausforderungen wachsen jedoch, denn die globalen Trends Klimawandel und Urbanisierung machen sich auch im Rhein-Main-Gebiet stark bemerkbar. Besonders in jüngster Zeit kam es zu einer Abfolge von extremen Wetterlagen mit langen heißen und trockenen Perioden im Sommer zum Teil in Kombination mit niederschlagsarmen Wintern. Diese Wetterextreme, die nach allgemeinem Verständnis als Folgen des Klimawandels gedeutet werden, haben einen negativen Einfluss auf das natürliche Dargebot von Wasser mit unmittelbaren Folgen für die Land- und Forstwirtschaft, aber auch mit indirekten Folgen für die Wasserversorgung.  

Neben dem Einfluss des Klimawandels nehmen im Kern unseres Versorgungsgebietes auch die Bevölkerungszahlen in den letzten Jahren deutlich zu. Damit steigt auch der Trinkwassergebrauch. Die Nutzung der Grundwasserressourcen im Ballungsraum wird auch hinsichtlich der Qualität seit Jahrzehnten vielerorts zunehmend kritisch. Der Eintrag von Spurenstoffen aus Industrie, Verkehr und Siedlungstätigkeit sowie aus der Landwirtschaft schränkt die Aufbereitung des Grundwassers zu Trinkwasser mittels einfacher Aufbereitungsverfahren (Belüftung, Sandfiltration) immer mehr ein.

Diese Herausforderungen zeigen, dass Nachhaltigkeit einen Kernaspekt unserer Tätigkeit darstellt. Im Fokus all unserer Maßnahmen stehen die langfristig sichere Wasserversorgung, die Trinkwasserqualität, die nachhaltige Nutzung der lebensnotwendigen Wasserressourcen und der Schutz der Ökologie in den Wassergewinnungsgebieten.

Wesentlichkeitsanalyse

Im Jahr 2019 führte Hessenwasser erstmals eine Wesentlichkeitsanalyse durch. Hierfür werteten wir Nachhaltigkeitsstandards, insbesondere die Global Reporting Initiative Standards und den Deutschen Nachhaltigkeitskodex, sowie Nachhaltigkeitsthemen vergleichbarer Unternehmen aus. Zudem berücksichtigten wir die Zukunftsthemen aus dem Nationalen Wasserdialog des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Auf Grundlage dieser Vorarbeit wählte ein bereichsübergreifendes Team in einem Workshop die 20 relevantesten Themen aus und ordnete diese vier Handlungsfeldern zu:

Handlungsfelder Wesentliche Themen
Verantwortungsvolle Unternehmensführung
  • IT- Sicherheit und Datenschutz
  • Antikorruption und Compliance
  • Wirtschaftlichkeit und effiziente Leistungserbringung
  • Innovationen für Nachhaltigkeit
  • Nachhaltige Beschaffung
Sichere, effiziente und nachhaltige Wasserversorgung
  • Anlagenbetrieb und Infrastruktur
  • Wasserqualität
  • Auswirkungen des Klimawandels
  • Digitalisierung und Vernetzung
  • Vorsorgender Gewässerschutz
  • Versorgungssicherheit und klimaunabhängige Wasserversorgung
Sorgsamer Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen
  • Energiemanagement und Klimaschutz
  • Gewässer- und Naturschutz an Standorten und Anlagen
  • Betriebliches Umweltmanagement
  • Sensibilisierung der Verbraucher*innen
Engagement für unsere Mitarbeiter*innen
  • Arbeitgeberattraktivität
  • Beteiligung der Beschäftigten am Nachhaltigkeitsmanagement
  • Aus- und Weiterbildung
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
  • Betriebliche Mitbestimmung

Anschließen wurden die wesentlichen Themen nach ihrer Bedeutung für Hessenwasser aus Unternehmenssicht unter Berücksichtigung der Outside-in und der Inside-out-Perspektive sowie nach den Erwartungen der Stakeholder*innen bewertet. Die Ergebnisse der Priorisierung sind in der Wesentlichkeitsmatrix dargestellt:

Eine Aktualisierung der Wesentlichkeitsanalyse ist für Ende 2021 angesetzt.  

Risiken

Die wesentlichen Risiken, welche sich im Umgang mit den beschriebenen Nachhaltigkeitsthemen ergeben, stehen in Verbindung mit den Auswirkungen des Klimawandels (siehe Kriterium 12), Gefährdungen am Arbeitsplatz (siehe Kriterium 14), dem demografischen Wandel (siehe Kriterium 16) sowie Compliance-Risiken (siehe Kriterium 20). Der Umgang mit diesen Risiken sowie die Schlussfolgerungen, welche sich für das Nachhaltigkeitsmanagement ergeben, werden jeweils in Kriterium 12, 14, 16 und 20 erläutert.