2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Im Zuge der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts hat F&W einen Workshop zur Analyse der wesentlichen Aspekte der Nachhaltigkeit bei F&W durchgeführt. Dabei wurden die vier Felder Soziales, Umwelt, Mitarbeitende und Unternehmensführung hinsichtlich wesentlicher Themen analysiert. Diese Themen wurden vor dem Hintergrund der Outside-In- sowie der Inside-Out Betrachtung bewertet. Der Outside-In-Betrachtung liegen Wettbewerb/Benchmark, Gesetzgebung, Medien, Klientinnen und Klienten sowie Freiwillige als Bewertungskriterien zugrunde. Die Inside-out-Betrachtung basiert auf den Sustainable Development Goals (SDGs) und der Einschätzung der Unternehmensbereiche von F&W.   

In der nachfolgenden Grafik sind die Ergebnisse dieser doppelten Wesentlichkeitsanalyse in einer Matrix dargestellt zu sehen (X-Achse: Outside-in, Y-Achse: Inside-out). Hierbei ist zu beachten, dass je weiter oben und rechts ein Aspekt liegt, desto höher ist seine Wesentlichkeit insgesamt. Liegt ein Aspekt auf der X-Achse weit rechts, auf der Y-Achse jedoch weit unten, ist seine Wesentlichkeit lediglich auf den Bereich Outside-in, also die Wesentlichkeit im Wettbewerb/Benchmark, Gesetzgebung Medien, Klientinnen und Klienten sowie Freiwilligen zu sehen. Entsprechend gilt dies bei einem hohen Wert auf der Y-Achse und einem niedrigen auf der X-Achse für die Wesentlichkeit im Betrachtungsbereich der Inside-Out-Bewertung (Sustainable Development Goals (SDGs) und der Einschätzung der Unternehmensbereiche von F&W):

 
   
Abbildung 1: Wesentlichkeit einzelner Themen bei F&W  

Soziales
F&W ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen der Stadt Hamburg und übernimmt Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge. Durch den Zuzug vieler geflüchteter Menschen nach Hamburg im Jahr 2015 ist F&W immens gewachsen und hat in sehr kurzer Zeit Kapazitäten für die Unterbringung einer sehr hohen Zahl von Menschen errichten müssen. Bürgerverträge zwischen der Hamburgischen Bürgerschaft und Bürgerinitiativen trugen F&W wiederum auf, die Platzzahl pro Standort auf maximal 300 zu senken. Kritische Erfahrungen, prekäre Lebensumstände und nicht zuletzt kulturelle Besonderheiten der Unterzubringenden stellen an F&W hohe und spezifische Herausforderungen und bilden potentielle Risikofaktoren in der alltäglichen Arbeit mit den Klientinnen und Klienten. Sowohl im Binnenverhältnis wie auch hinsichtlich der Interaktion mit dem gesellschaftlichen Umfeld gibt es somit eine Reihe von sozialen Aspekten, die als Risikofaktoren besondere Berücksichtigung erfordern.   

Demensprechend konnten bei der Wesentlichkeitsanalyse Integration und Inklusion als zentrale Themen im Bereich Soziales identifiziert werden. Wesentlich ist für F&W auch die Quartiersentwicklung, die eine bedeutende Chance darstellt. Die Vielzahl an Klientinnen und Klienten sowie deren Besonderheiten machen lokale Stakeholder-Dialoge zu einem wichtigen Instrument, um Verbindungen zur Nachbarschaft herzustellen und Verständnis, Akzeptanz und wechselseitige Rücksicht zu fördern. Nur so kann der soziale Frieden zwischen dieser Vielzahl an unterschiedlichen Menschen und Lebensumständen erhalten und gestärkt werden.   

Die Einbindung und Unterstützung vieler Freiwilliger trägt entscheidend dazu bei, diese Aufgaben zu erfüllen und stellt somit eine wichtige Chance zur Bewältigung potentieller Risiken dar. Denn Freiwillige haben unmittelbaren Kontakt zu allen Akteuren der unterschiedlichen Ebenen (Klientinnen- und Klientenebene, Nachbarschaftsebene, Mitarbeitendenebene) ebenfalls ein wesentliches Thema für F&W.   

Umwelt
Mit der Verabschiedung des Klimaabkommens von Paris 2015 hat sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Im Dezember 2020 hat die EU ihren festgelegten Klimaschutzbeitrag auf Basis des Reduktionsziels von 55 % bis 2030 im Vergleich zu 1990 neu bestimmt. Auf dieser Basis hat die Bundesregierung eine Klimaschutzstrategie entwickelt, die für den Immobiliensektor in Deutschland eine klare Zielsetzung beinhaltet. Der Gebäudebestand in Deutschland soll bis 2050 weitgehend klimaneutral sein. Der Umwelt- und Klimaschutz steht auch mit etlichen der 17 globalen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung der Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDGs) in unmittelbarem Zusammenhang. Deutschland soll, wie alle G20-Staaten, eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der Agenda 2030 spielen. Von der Bundes- über die Länder- und Gemeindeebene sollen alle privaten und öffentlichen Akteure einen Beitrag leisten. Das gilt somit auch für F&W in seiner Rolle als soziales Dienstleistungsunternehmen der Freien Hansestadt Hamburg.   

Im Bereich Umwelt stellen das Management eines großen Immobilienbestands, die Rolle als Bauherr sowie als Wohn-Dienstleister für eine Vielzahl von Menschen (Bewohnerinnen und Bewohner bzw. Klientinnen und Klienten) zentrale Merkmale von F&W dar, anhand derer sich Handlungsbedarf und -optionen identifizieren lassen.   

Als soziales Dienstleistungsunternehmen und Umweltpartner der Stadt Hamburg kann F&W auf etliche der SDGs einzahlen, indem es im Umweltbereich aktiv Verbesserungen und Effizienzsteigerungen verfolgt.   

Grundsätzlich bietet der Bereich Umwelt für F&W ein hohes Verbesserungspotential, da der Fokus bislang auf der unternehmerischen Tätigkeit aufgrund externer Erfordernisse der letzten Jahre (v. a. Notversorgung von Geflüchteten und entsprechender Kapazitätsaufbau) überwiegend auf betrieblichen Themen lag. Zugleich ist der Umweltbereich zunehmend reguliert, nicht zuletzt sind Verbesserungen gesellschaftlich und politisch gewünscht, was eine große Chance für F&W hinsichtlich des Handlungsspielraums als auch der Ausschöpfung des Verbesserungspotentials birgt.   

Anhand einer Wesentlichkeitsanalyse konnten „Energieeffizienz“, „Regenerative Energien“ sowie „Material- und Ressourceneffizienz“ als wesentliche Themen identifiziert werden, die insbesondere in Bezug auf die Klimaschutzziele eine wichtige Rolle spielen. Wesentlich sind darüber hinaus die Abfalleffizienz und die Kreislaufwirtschaft. Das Thema Biodiversität ist angesichts seiner zunehmenden Bedeutung in der öffentlichen Debatte relevant und für F&W durch den hohen Flächenverbrauch als Risikofaktor im Zusammenhang mit Umweltverantwortlichkeit als wesentlich einzuschätzen.   

F&W hat im Laufe des Berichtsjahres sowohl eine Klimaschutzmanagerin als auch eine Energiemanagerin eingestellt und damit die Basis für eine kontinuierliche Verfolgung und Bearbeitung der Klimaschutzthemen gelegt. Die Schaffung dieser zusätzlichen personellen Ressourcen erhöht die Chance auf zeitnahe Umsetzung relevanter Ziele. So konnte in diesem Zuge im Jahr 2020 auch die erste Klimabilanz von F&W für das Berichtsjahr 2019 als Basisjahr erstellt werden. In dieser jährlichen Klimabilanz werden die Energieverbräuche von F&W ermittelt. Näheres dazu ist unter dem Leistungsindikator GRI SRS-302 sowie Kriterium 12 und 13 zu finden.   

Im Rahmen der strategischen Ausrichtung des Klimaschutzmanagements von F&W sind folgende Schritte geplant: Zunächst werden die Mitarbeitenden in der Unternehmenszentrale und dem Unterkunftsmanagement hinsichtlich Ressourceneffizienz geschult und sensibilisiert, dann wird diese Maßnahme auf die Klientinnen und Klienten von F&W ausgeweitet.   

Mitarbeitende
Der Zuzug vieler geflüchteter Menschen nach Hamburg im Jahr 2015 sowie entsprechender Auswirkungen auf die Folgejahre führten zu einem enormen Wachstum von F&W, denn abgesehen von wenigen Erstaufnahme-Einrichtungen in den Jahren 2015 bis 2017 und aktuell zwei Folgeunterkünften ist F&W der alleinige Dienstleister der Stadt Hamburg zur Bewältigung des Unterbringungsbedarfs von über 30.000 Menschen. In Folge dessen stieg die Zahl der Mitarbeitenden um etwa das dreifache gegenüber den Jahren davor. Viele, überwiegend jüngere Mitarbeitende kamen hochmotiviert zu F&W, um insbesondere im Unterkunfts- und Sozialmanagement der Erstaufnahmen und Wohnunterkünfte Beiträge zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderung durch die Zuwanderung zu leisten.    

Durch den dynamischen Anstieg der Zahl der Geflüchteten, die es unterzubringen und zu beraten gilt sowie die hohe Diversität an Kulturen, Religionen und Lebensgewohnheiten, die hier zusammenkommen, sind die Anforderungen an die Mitarbeitenden nach wie vor sehr hoch. Im Jahr 2020 folgte mit der Corona-Pandemie abermals eine schwere Krisensituation, bei der es darum ging, die 32.000 Menschen auf corona-konformes Verhalten umzustellen, die Unterbringungssituation zu entzerren und die Infektionsquote in den standardmäßig eng belegten Unterkünften möglichst gering zu halten. Der Ad-hoc-Aufbau von speziellen Quarantänestandorten und Quarantänemaßnahmen an regulären Standorten kam hinzu. Das Unternehmen kann auf sehr engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen, für die die Rahmenbedingungen jedoch angesichts der Herausforderungen in der täglichen Arbeit im Blick behalten werden müssen. Überbelastung, Krankheit oder Unzufriedenheit von Mitarbeitenden stellen mögliche Risiken dar. Demgegenüber steht die Chance, neue qualifizierte und motivierte Mitarbeitende zu gewinnen sowie durch ein gutes Management und gute Führung Mitarbeitende zu stärken und den Zusammenhalt unter diesen zu fördern. Als wesentliche Themen in diesem Kontext konnten in der doppelten Wesentlichkeitsanalyse somit Mitarbeitendenzufriedenheit, Personalentwicklung, Vielfalt und Chancengleichheit sowie Mitarbeitendenfürsorge festgestellt werden. 

Unternehmensführung

Ein soziales Dienstleistungsunternehmen wie F&W sieht sich in besonderer Weise der Erwartung ausgesetzt, eine nachhaltige Unternehmensführung zu verfolgen. Dabei ist F&W Zielkonflikten ausgesetzt, wodurch Risiken wie Verzögerung von Vorgängen oder negative Presse auftreten können, sich aber auch Chancen wie Synergieeffekte und kreativen Lösungsansätze ergeben können. Als öffentlich finanzierter Dienstleister der Stadt Hamburg ist F&W den Grundsätzen einer wirtschaftlichen und sparsamen Verwendung öffentlicher Mittel verpflichtet. Es geht darum, ein großes Volumen an Unterkunfts- und Wohnplätzen sowie Begleitung und Teilhabe-Angebote zu Kosten bereitzustellen, die auf der Basis der derzeitigen fachlichen und politischen Rahmensetzungen von der Stadt akzeptiert werden. Dabei sind gleichzeitig soziale sowie ökologische Aspekte zu berücksichtigen. In diesem Spannungsfeld wurden folgende Themen der Unternehmensführung als wesentlich identifiziert: Die Bereitstellung bedarfsgerechter Wohnunterkünfte bzw. Wohnungen, Eingliederungshilfe, Transparenz, nachhaltige Beschaffung, faire Geschäftsbeziehungen sowie das Risiko- und Compliancemanagement.