2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Elemente einer Wesentlichkeitsanalyse für das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ gemäß DNK-Leitfaden (2020, S. 20ff.) sind durch verschiedene Prozesse in den letzten Jahren entstanden und dokumentiert (z.B. GFZ-Strategieprozess 2014, LeNa-Handreichung 2015, wissenschaftliche und strategische Evaluationen 2018 bzw. 2019, Helmholtz Sustainability Summit 2019). Sie ermöglichen die Bestimmung der für das GFZ besonders wichtigen Nachhaltigkeitsthemen, die sowohl durch das GFZ beeinflusst werden („Inside-­out“-­Perspektive: z.B. nachhaltige Ressourcennutzung, Anpassung an den Klimawandel, Erdbeobachtung), als auch auf das GFZ einwirken („Outside-in“-Perspektive: z.B. Lage in einem Denkmalensemble und Wasserschutzgebiet, gesellschaftliche Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit in der Forschung). Damit ist auch die Bestimmung der wesentlichen Stakeholder-Gruppen des GFZ verbunden (siehe Kriterium 9: Beteiligung von Anspruchsgruppen). Eine weitergehende systematische Wesentlichkeitsanalyse für das GFZ ist im Rahmen der für 2021 geplanten Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie vorgesehen.

Die Aufgaben, Struktur und Lage des GFZ bedingen eine Reihe von Besonderheiten, die wesentliche Nachhaltigkeitsthemen strukturieren. Die wissenschaftliche Arbeit des GFZ zielt allgemein u.a. auf Erkenntnisse für ein besseres Verständnis des Systems Erde sowie für eine nachhaltige Nutzung der Erde. Gegenstand der Arbeit des GFZ ist die Erde, woraus hervorgeht, dass seine Arbeit per se international ausgerichtet ist. Das GFZ arbeitet dafür global mit regionalen Schwerpunkten in Europa, Asien und Südamerika. Sein Hauptsitz, der Wissenschaftspark „Albert Einstein“ auf dem Potsdamer Telegrafenberg, ist ein 27 ha großer Park-Campus mit einer Vielzahl von historischen und neuen Gebäuden. Die Lage in einem Denkmalensemble und Wasserschutzgebiet stellt besondere Anforderungen an Campusbetrieb und -entwicklung. Als öffentlich finanzierte Einrichtung ist das GFZ an die forschungspolitischen Vorgaben seiner Mittelgeber (Bund/Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Land Brandenburg/Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) gebunden. Dies bedeutet, dass die Politik und weitere Rahmenbedingungen einen unmittelbaren Einfluss auf die Nachhaltigkeitspraxis am GFZ haben.

 Das GFZ leistet mit Nachhaltigkeitsbezug wissenschaftliche Beiträge insbesondere für eine nachhaltige Ressourcennutzung, zum Verständnis und zur Anpassung an den Klimawandel sowie zur Erdbeobachtung. Durch Wissens- und Technologietransfer stellt das GFZ der Gesellschaft Wissen in einem breiten Spektrum zur Verfügung. Dem GFZ ist bewusst, dass der Bau und Betrieb von Forschungsinfrastrukturen und Campus sowie die dienstlichen Reisen seiner MitarbeiterInnen finanzielle, stoffliche bzw. energetische Ressourcen in Anspruch genommen werden und zur Entstehung erheblicher Mengen an Abfall und klimawirksamen Kohlendioxid-Äquivalenten führen (siehe Kriterien 11-13: Umwelt).

Das GFZ ist wie auch andere Zuwendungsempfänger durch das BMBF aufgerufen worden, sich verstärkt an den Zielen und Herausforderungen einer globalen nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Das bedeutet, dass neben einer weiteren Profilierung des GFZ in der Nachhaltigkeitsforschung, ein auf nachhaltige Organisationsentwicklung ausgerichteter Kurs die soweit mögliche Klimaneutralität als hochrangiges Ziel einschließt. Weitere Herausforderungen für die Nachhaltigkeitspraxis des GFZ bestehen im personellen Bereich (z.B. die Erreichung von Zielquoten für die Beschäftigung von Frauen) und in der Campusentwicklung (Energieversorgung, Gebäudesanierung und -neubau).

Eine stärkere Positionierung der modernen Geoforschung zur Stärkung von nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen lässt erwarten, dass die Arbeit des GFZ von der Gesellschaft als noch bedeutsamer eingeschätzt und damit noch stärker gewürdigt wird. Weitere Chancen einer verstärkten Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsgedankens in Organisationsführung, Personal, Gebäude und Infrastrukturen sowie unterstützende Prozesse bestehen in einer potenziell höheren Zufriedenheit und einem höheren Engagement der MitarbeiterInnen. Die oben formulierten Herausforderungen bedürfen eines teilweise verstärkten Mitteleinsatzes und erfordern ein strategisches Nachhaltigkeits-management inkl. systematischer Dialog- und Partizipationsangebote, nicht zuletzt auch deshalb, weil eine verstärkt nachhaltige Organisationsführung auch finanzielle Ressourcen des GFZ bindet.