2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Umfeld der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH
Über das ökologische, sozioökonomische und politische Umfeld wird in Kriterium 1 „Strategische Analyse und Maßnahmen" berichtet.

Potenzielle wesentliche Themen
  
In einem ersten Schritt haben Mitarbeiter*innen der VHH im Rahmen eines internen Auftaktworkshops potenzielle wesentliche Themen in den vier Handlungsfeldern Kund*innen, Umwelt/Klimaschutz, Mitarbeiter*innen und Management gesammelt:
  1. Angebotsausweitung
    Ausweitung des ÖPNV-Angebots in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen durch die Erweiterung des VHH-Netzes sowie die Erhöhung des Taktes. Nachhaltigkeitsaspekt: Je attraktiver das ÖPNV-Angebot gestaltet wird, desto mehr potenzielle Kund*innen werden angesprochen, was in Zukunft weniger Autofahrer*innen entsprechen könnte.
  2. Innovative Lösungen
    Entwicklung und Einführung innovativer Lösungen im Bereich Elektromobilität für einen zukunftsfähigen ÖPNV. Die sukzessive Umstellung von dieselbetriebenen Bussen auf Elektrobusse. Nachhaltigkeitsaspekt: Eine lokale Reduktion von COEmissionen, da zukünftig nur noch Elektrobusse eingesetzt werden sollen, sowie die Transformation der Betriebshöfe, die mit der Implementierung eines passenden Ladeinfrastruktur-Managementsystems einhergeht und je nach Standort variiert. 
  3. Kund*innen-Sicherheit
    Schutz der Fahrgäste vor Sicherheitsrisiken und Gesundheitsgefahren in den Fahrzeugen und Einrichtungen der VHH. Der Schutz der Fahrgäste wird durch Piktogramme, farblich hervorgehobene Haltestangen und Sicherheitsgurte gewährleistet. Bei Bussen mit Bodenerhöhungen werden die Stufen farblich markiert. Zusätzlich erfolgt eine tägliche Innen- und Außenreinigung der Busse. Somit wird eine hygienische Umgebung für die Kund*innen gewährleistet. Auf den Betriebshöfen der VHH herrscht für alle Fahrzeuge Schrittgeschwindigkeit. Bestimmte Arbeitsbereiche sind nur für geschultes Personal zugänglich (Werkstatt, Pflegehalle).   
  4. Kund*innen-Zufriedenheit
    Erhaltung einer stetigen Zufriedenheit der Kund*innen mit dem Angebot und dem Service der VHH. Das beinhaltet das Optimieren des Fahrplans durch die Betriebsplanung sowie die Adaptierung auf besondere Ereignisse wie zum Beispiel Umleitungen durch Bauarbeiten. Die VHH arbeitet dafür gemeinsam mit den zuständigen Behörden, um die Kund*innen-Zufriedenheit in jeglicher Lage aufrechtzuerhalten. Je besser die Kund*innen-Erfahrungen mit unserer Dienstleistung sind, desto mehr potenzielle Fahrgäste wird es in Zukunft geben.
  5. Aus- und Weiterbildung
    Angebot für fachliche, persönliche und akademische Weiterentwicklung und Fortbildungsmöglichkeiten der Beschäftigten sowie ein attraktives Ausbildungsprogramm für Menschen jeden Alters. Die IHK-zertifizierten Ausbildungen, 
    welche die VHH anbietet, sind vielfältig, da diese Angebote folgende Bereiche umfassen: Administration, Technik, Informatik und den Fahrbetrieb. Die VHH möchte auch in Zukunft längerfristige Beschäftigungsverhältnisse für alle Angestellten bieten und fördert daher den Nachwuchs. Zudem legt die VHH ihren Fokus auf ein nachhaltiges Personalmanagement, um einen beständigen Personalbestand zu schaffen. 
  6. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
    Arbeitsumfeld, das auf persönliche Belange Rücksicht nimmt, sowie Beteiligung der Beschäftigten an neuen, flexiblen Arbeitsmodellen. Die Personalabteilung der VHH arbeitet kontinuierlich an einer Optimierung der Systemgestaltung, um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben anbieten zu können.
  7. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
    Schutz der Beschäftigten der VHH und von Partner*innen-Unternehmen vor arbeitsbedingten Sicherheitsrisiken und Gesundheitsgefahren, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Der Sicherheitsbeauftragte kontrolliert regelmäßig die Einhaltung der Vorschriften.
  8. Chancengleichheit und Vielfalt
    Gewährleistung gleicher Voraussetzungen und Bedingungen für alle Beschäftigten und Förderung der Vielfalt. Die VHH hat im Jahr 2010 die 
    „Charta der Vielfalt“ unterschrieben und zelebriert jedes Jahr den „Diversity Day“ mit internen und externen Marketing-Maßnahmen. Der „Diversity Day“soll auch in Zukunft weiterhin noch stattfinden. Die VHH erhofft sich durch die „Charta der Vielfalt“ eine diverse Zielgruppe zu überzeugen, um die Attraktivität der VHH als Arbeitgeberin bei der Mitarbeiter*innen-Akquise zu steigern.
  9. Werte und Unternehmenskultur
    Identitätsstiftende Unternehmenskultur, sodass die eigene Arbeit als sinnstiftend empfunden wird. Die VHH hat seit Dezember 2018 eine Mitarbeiter*innen-App eingeführt, um alle Mitarbeiter*innen über Neuigkeiten zu informieren. Zudem soll die App die Unternehmenskultur stärken und den gemeinsamen Austausch ermöglichen. Für die nächsten Jahre sollen weitere Maßnahmen zur Stärkung der Unternehmenskultur ausgearbeitet werden.
  10. Attraktives Arbeitsumfeld und Mitarbeiter*innen-Fürsorge
    Angebot eines angenehmen Arbeitsumfeldes und von betrieblichen Zusatzleistungen sowie Wertschätzung der Beschäftigten durch Angebote wie zum Beispiel eine Sozialberatung. Die Mitarbeiter*innen der VHH erhalten viele Vorteile, die das Arbeitsumfeld attraktiver machen.
    Dazu zählen Aspekte wie ein unbefristeter Arbeitsvertrag nach einer Probezeit von sechs Monaten. Zukünftig sollen noch weitere Vorteile für Mitarbeiter*innen entstehen.
  11. Reduktion Energieverbrauch
    Reduktion des Energieverbrauchs sowie Streben nach größtmöglicher Energieeffizienz.
  12. Reduktion Emissionen
    Reduktion der durch die Geschäftstätigkeit der VHH erzeugten Treibhausgasemissionen.
    Ab dem Jahr 2020 ist eine hundertprozentige Beschaffung von Elektrobussen geplant. Aktuell plant man, dass in Hamburg die Dieselbusse im Jahr 2033/2034 ausgemustert werden.
  13. Ressourcenschonung
    Reduktion des Materialverbrauchs sowie Ersatz des nicht reduzierbaren Materialeinsatzes durch umweltschonendere Alternativen. Bei der VHH wird das bei der Buswäsche anfallende Brauchwasser nach der Wäsche aufbereitet und erneut verwendet. Der ausgefilterte Schmutz wird gesammelt, in Containern als Feststoff gelagert und schließlich umweltgerecht entsorgt. Außerdem werden Busse bei der VHH auch mit Regenwasser gewaschen.
  14. Naturschutz
    Erhaltung und Schutz der natürlichen Lebensräume auf den Betriebsflächen und Verwaltungsstandorten der VHH sowie Vermeidung von Leckagen und anderen Schadstoffaustritten in die Natur.
    Bei dem Einkauf und Einsatz von Papier und Verpackungsmaterial wird streng darauf geachtet, dass nur umweltschonende Produkte beschafft werden. Derzeit gibt es keine weiteren Pläne und Ziele zur Umstrukturierung von Papier und Verpackungsmaterial, da die VHH bereits auf umweltfreundliche Materialien zurückgreift.
  15. Lärmreduktion
    Verringerung der Lärmbelastung, die durch die Geschäftstätigkeit der VHH verursacht wird. Durch die Umstellung unserer Busflotte auf Elektromobilität werden sich die Lärmemissionen, die durch unsere Busse verursacht werden, spürbar reduzieren, da Elektrobusse deutlich geräuscharmer unterwegs sind als Dieselbusse. 
  16. Wirtschaftlichkeit
    Etablierung von wirtschaftlich tragfähigen Prozessen zum langfristigen Erhalt der Geschäftstätigkeit der VHH. Bewusster Umgang mit den eingesetzten finanziellen Mitteln in allen Bereichen (zum Beispiel Umlaufplanung, Fahrzeiten). Zusätzlich gibt es eine Etat- und Budgetplanung, die mit der jeweiligen Abteilungsleitung und der Geschäftsführung abgestimmt wird. Das Controlling der VHH prüft alle Kennzahlen des Unternehmens und behält diese Daten im Überblick.
  17. Nachhaltige Unternehmensführung
    Integration von Nachhaltigkeit in die Managementprozesse zum Beispiel durch an Nachhaltigkeitskriterien geknüpfte Zielvereinbarungen und Incentivierung des Nachhaltigkeitsengagements von Führungskräften.
  18. Compliance
    Korruptionsprävention, transparentes Management von Compliance-Fällen sowie Förderung von integrem Verhalten. Bei der VHH prüft die Revision alle möglich auftretenden finanziellen Unstimmigkeiten. Für das Jahr 2021 wird geplant, eine neue Stelle eines Compliance Managers zu besetzen, der ein Konzept für die Korruptionsprävention erstellt.
  19. Dialog
    Regelmäßiger Austausch und gemeinsame Initiativen mit relevanten Stakeholdern (zum Beispiel kommunalen Partner*innen) und Einbindung der hervorgebrachten Anliegen in die Entscheidungsfindung. In Zukunft möchte die VHH sich mit anderen kommunalen Verkehrsunternehmen unter „One Face to the Customer“ präsentieren.
  20. Ökologisch und sozial verantwortungsvolle Beschaffung
    Sozial und ökologisch verantwortungsvolle Auswahl von Produkten und Lieferanten beim Einkauf und dem Transport von Betriebsmitteln sowie bei Dienstleistungen. Die VHH fokussiert sich nicht auf einen Lieferanten, sondern entscheidet nach einem bestimmten Auswahlverfahren der Einkaufsabteilung.
  21. Datenschutz und IT-Sicherheit
    Schutz von sensiblen Daten von Beschäftigten und Kund*innen sowie Sicherheit der unternehmensweiten IT-Infrastruktur. In nächster Zeit sollen „IT-Sicherheitsschulungen“ für Mitarbeiter*innen in der Verwaltung stattfinden. Diese Schulung soll zur Sensibilisierung im Umgang mit Unternehmensdaten 
    dienen.

Risiken und Chancen

Als wesentliche Risiken wurden identifiziert: Risiken aus IT- und Internetkriminalität, Diebstahlsrisiken (Entwendung von Bussen und Betriebsmitteln), Vergabekonformität bei Regelbeschaffung und Förderprojekten, Unterschlagungsrisiken (Bargeldeinnahmen im Fahr- und Prüfdienst), Verstoß gegen Lenk- und Ruhezeiten. Als Chance sieht die VHH die jährliche Angebotsausweitung: Durch die kontinuierliche Ausweitung des Angebots wird eine attraktive Alternative zum Individualverkehr geschaffen und es besteht die Chance, das mehr Menschen auf das eigene Auto verzichten. Als eine weitere Chance begreift die VHH die Umrüstung auf Elektromobilität.

Stakeholderbefragung  
Im Sommer 2020 führte die VHH eine erste Wesentlichkeitsanalyse durch. Als Basis der Auswertung diente eine Stakeholderbefragung unter Einbeziehung von insgesamt fünfzehn internen und externen Anspruchsgruppen. Die wesentlichen Themen aus Stakeholdersicht wurden in qualitativen Einzelinterviews ermittelt. Als Interviewpartner*innen standen sowohl direkte Stakeholder als auch Vertreter*innen der VHH-Anspruchsgruppen – Aufsichtsrat, Eigentümervertreter*innen, Auftraggeber*innen, verkehrspolitische Sprecher*innen der Hamburger Bürgerschaftsfraktionen, Kund*innen und Arbeitnehmervertreter*innen – zur Verfügung.  
Die Interviews waren in zwei Teile untergliedert. 
Teil 1 beschäftigte sich mit den Nachhaltigkeitsaktivitäten der VHH im Jahr 2019.
In Teil 2 nahmen die Befragten ein Ranking der potenziellen wesentlichen Themen der VHH (siehe oben) vor, um so zu den als zentrale Herausforderung geltenden Themen zu gelangen.  

Ergebnisworkshop
Die Ergebnisse der Interviews wurden in einem unternehmensinternen Workshop mit der VHH-Geschäftsführung, Abteilungsleiter*innen und Consultants aus einer beauftragten Agentur diskutiert und abermals nach Wichtigkeit beziehungsweise Relevanz gerankt. Hinweis: Das vorliegende Ranking der zwanzig wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen der VHH wurde an dieser Stelle nicht, wie sonst üblich, in die Kategorien „wichtig“ und „unwichtig“ unterteilt, da die VHH alle aufgeführten Themen als wichtig erachtet. Die Unterteilung erfolgte aus diesem Grund in die Kategorien „Themen mit Handlungsbedarf/großem Hebel“ und „Themen mit aktuell weniger Handlungsbedarf/geringerem Hebel“.  

Validierung
Zusammenfassend lässt sich herausstellen, dass es wesentliche Themen gibt, die sowohl von der VHH selbst als auch von ihren Stakeholdern als wichtig wahrgenommen werden. 
Eine besonders hohe Übereinstimmung ist bei den Themen „Angebotsausweitung“ und „
Kund*innen-Zufriedenheit“ festzustellen. Aber auch die Themen „Attraktives Arbeitsumfeld und Mitarbeiter*innen-Fürsorge“ sowie „Energieverbrauch und Emissionen“ schätzten beide Seiten als besonders relevant ein.  

Fazit: Dem Kerngeschäft wird eine besonders hohe Relevanz ausgestellt.