2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Als genossenschaftlicher Prüfungsverband sind wir der Förderung der Wirtschaftlichkeit (Ökonomie) und den ordnungsgemäßen Aufsichtsstrukturen (Governance) unserer Genossenschaften verpflichtet und somit Hüter des Genossenschaftswesens. Auf dieser Basis tragen wir diesen Grundgedanken über unsere Partnerunternehmen, die ihr Handeln ebenfalls an der genossenschaftlichen Leitidee ausrichten, über die Grenzen des Genossenschaftswesens hinaus. Im Rahmen unseres Satzungsauftrages können wir auf alle Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und haben hierauf unsere Wesentlichkeitsanalyse gestützt.

Bereits vor Errichtung einer Genossenschaft beschäftigten wir uns mit den von den Gründern beabsichtigten Vorhaben, da der Anmeldung einer Genossenschaft beim Registergericht unsere gutachterliche Äußerung beizufügen ist. Hierbei beurteilen wir, ob nach den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen, insbesondere der Vermögenslage der Genossenschaft, eine Gefährdung der Belange der Mitglieder oder der Gläubiger der Genossenschaft gegeben sein kann. Dieses Gutachten stellt ein präventives Schutzsystem für die Beteiligten dar.

 
Bei unseren bestehenden Mitgliedsgenossenschaften haben wir das Recht und die gesetzliche Aufgabe zur Vornahme der genossenschaftlichen Pflichtprüfung; besondere vertragliche Regelungen sind nicht erforderlich. Der Gegenstand unserer Pflichtprüfungen ist in § 53 des Genossenschaftsgesetzes (GenG) geregelt. So haben wir bei jeder Prüfung die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung festzustellen. Hierzu haben wir die Einrichtungen, die Vermögenslage sowie die Geschäftsführung einer Genossenschaft mindestens in jedem zweiten Geschäftsjahr zu prüfen (§ 53 Abs. 1 S. 1 GenG). Bei Genossenschaften mit mehr als zwei Millionen Euro Bilanzsumme ist die Prüfung in jedem Geschäftsjahr durchzuführen. Die gesetzliche Pflicht zur Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung ist dabei einzigartig im Gesellschaftsrecht.

Bei Genossenschaften mit mehr als 1,5 Millionen Euro Bilanzsumme und mehr als 3 Millionen Euro Umsatzerlösen ist zusätzlich der Jahresabschluss unter Einbeziehung der Buchführung und, soweit vorhanden, der Lagebericht Gegenstand der Prüfung (§ 53 Abs. 2 S. 1 HGB). Durch die Einbeziehung der Einrichtungen, der Vermögenslage und der Geschäftsführung der Genossenschaft ist die Prüfung deutlich weitgehender als die Prüfung einer mittelgroßen oder großen Kapitalgesellschaft nach den §§ 316 ff. HGB, bei denen die Prüfungspflicht zudem grundsätzlich erst bei Überschreiten von zwei der drei folgenden Kriterien besteht:
Ebenso fördern wir unsere Mitglieder mit dem Ziel der Sicherung der Existenz und der Verbesserung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit durch die Weiterentwicklung des Genossenschaftswesens sowie die Pflege des genossenschaftlichen Gedankens. Neben der Prüfung sind Beratung, Bildung, die Unterstützung der Mitglieder in allen Fragen der Unternehmensführung sowie die Betreuung und Vertretung der fachlichen, wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Interessen der Mitglieder unsere Haupttätigkeitsfelder.

Unmittelbar zahlen wir damit im Wesentlichen auf die Nachhaltigkeitsaspekte Ökonomie und Governance ein. Mittelbar wirken wir durch die Förderung und Prüfung unserer Mitglieder auch auf die Ökologie und das Soziale.

Durch die genossenschaftliche Idee bestehen für uns viele Chancen zur mittelbaren Förderung sozialer und ökologischer Aspekte. Dagegen sind unsere eigenen Wirkungen eher untergeordnet. Dennoch nehmen wir die Verantwortung für die sozialen Aspekte unserer Beschäftigten wahr.

Chancen bestehen für uns als Genossenschaftsverband und für unsere Mitgliedsgenossenschaften darüber hinaus darin, die positive Wirkung der Genossenschaftsbewegung im Zuge der vielfältigen Nachhaltigkeitsdiskussionen hervorzuheben. Denn die derzeit sogenannte Sharing Economy ist nichts anderes als das, was Genossenschaften seit über 150 Jahren antreibt.

Ein Risiko für das gute Ansehen von Genossenschaften besteht in der missbräuchlichen Verwendung der Rechtsform durch sogenannte „Schein-Genossenschaften“. Unseriöse Trittbrettfahrer werben mit dem guten Renommee der Genossenschaft um das Kapital potenzieller Anleger. Im Rahmen der Förderung und Prüfung unserer Genossenschaften stellen wir uns diesen Marktakteuren entschieden entgegen. Dazu haben wir u. a. auf unserer Homepage Kriterien definiert, die helfen, echte Genossenschaften von dubiosen Trittbrettfahrern zu unterscheiden.