2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen in Bezug auf die Geschäftstätigkeit
Als Kreissparkasse gestalten wir Veränderungen so mit, dass möglichst viele Menschen davon profitieren können. Die Sparkassenidee ist in Zeiten großer Umbrüche entstanden. Gesellschaftlichen, technologischen und auch politischen Wandel haben die Sparkassen immer aktiv begleitet und mit dafür gesorgt, dass aus neuen Entwicklungen auch Chancen für die Bevölkerung sowie die mittelständischen Unternehmen entstehen.

Auch heute erleben wir eine Zeitenwende: Klimawandel, Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern unser Leben grundlegend. Als Sparkasse stellen wir uns der Herausforderung, die Transformation zu einer emissionsärmeren, ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft ohne soziale Verwerfungen zu meistern und die digitale Welt menschlich zu gestalten. Dabei engagieren wir uns dafür, das breit angelegte Wohlstandsversprechen der sozialen Marktwirtschaft als Orientierungspunkt des deutschen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells zu erhalten.

Relevante Nachhaltigkeitsrisiken als Risikotreiber
Als Kreditinstitut sind wir gefordert, die Folgen des Klimawandels und der Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise als Risikotreiber zu bewerten und zu steuern. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) definiert Nachhaltigkeitsrisiken im „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ als „Ereignisse oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf die Reputation unserer Kreissparkasse Steinfurt haben können“. Nachhaltigkeitsrisiken wirken als Risikotreiber auf die bekannten Risikoarten Adressenrisiken, Marktpreisrisiken, Liquiditätsrisiken und operationelle Risiken und stellen somit keine eigenständige Risikoart dar.

Nachhaltigkeitsaspekte wirken bei Finanzierungen durch den Eintritt physischer und/oder transitorischer Risiken auf den Wert der Vermögensgegenstände (Outside-in-Perspektive). Physische Risiken betreffen die Auswirkungen des Klimawandels, z. B. infolge extremer Wetterereignisse, die direkt und indirekt über die Kundinnen und Kunden auf die Sparkasse wirken und sich beispielsweise in Form von Kreditausfällen materialisieren. Transitionsrisiken bzw. Übergangsrisiken ergeben sich aus den Auswirkungen von (politischen) Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Gestaltung des Übergangs in eine kohlenstoffarme Wirtschaft. Transitionsrisiken können die Sparkasse indirekt betreffen, wenn etwa Kundinnen und Kunden aufgrund stark steigender CO2-Preise in ihrer Existenz bedroht sind.

Die von der Sparkasse finanzierten Wirtschaftsaktivitäten wirken ihrerseits auf den Klimawandel und auf andere Nachhaltigkeitsaspekte, wenn zum Beispiel bestimmte Branchen von Finanzierungen ausgeschlossen werden oder die Sparkasse im Dialog mit den Kundinnen und Kunden die nachhaltige Weiterentwicklung auf Ebene einzelner Engagements thematisiert (Inside-out-Perspektive).
Nachhaltigkeitsverständnis.

Wesentliche Einflussfaktoren auf das Geschäftsmodell der Sparkasse waren bislang die Negativzinspolitik, die Digitalisierung und der demografische Wandel. Ergänzend dazu hat die Transformation der europäischen Wirtschaft hin zu einer emissionsärmeren, ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft und damit auf die Sparkasse.

Corona-Pandemie verstärkt bestehende Trends
Die pandemiebedingten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen haben die finanzielle Substanz vieler Haushalte, Unternehmen und Selbstständiger in der Region schwer getroffen. In der Folge sind Finanzierungsbedarfe gestiegen, während die durch Negativzinsen ohnehin erschwerte Ersparnisbildung der Menschen mit geringeren Einkommen noch weiter unter Druck geraten ist. Die Anpassung der Eigenvorsorge unserer Kundinnen und Kunden an die veränderten Rahmenbedingungen ist und bleibt eine zentrale Aufgabe für uns als Sparkasse.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf etwaige Wertberichtigungsbedarfe in der Sparkasse werden sich erst im Jahr 2021 in vollem Umfang zeigen. Um die Erfüllung ihres öffentlichen Auftrags in einem wettbewerbsintensiven Umfeld langfristig zu sichern, optimiert die Sparkasse ihre Aufwände und Kosten konsequent. Darüber hinaus wurde das Produkt- und Dienstleistungsangebot im Rahmen der „digitalen Agenda“ in den vergangenen Jahren zu einer modernen integrierten Plattform für Finanzdienstleistungen ausgebaut.

Die Corona-Pandemie hat die Aufstellung der Sparkasse als Multikanalbank ganz eindeutig bestätigt: Unser Filialnetz und die persönliche Beratung sind verzahnt mit der Sparkassen-Internetfiliale, mit mobilen Anwendungen und kontaktlosen Bezahlverfahren. Unsere Beschäftigten bleiben ein wichtiger Erfolgsfaktor und bringen neben ihrer digitalen auch ihre soziale Kompetenz voll mit ein. Mit dieser Infrastruktur hat die Sparkasse während der Einschränkungen in der Corona-Pandemie die finanzwirtschaftliche Versorgung der Unternehmen, Selbstständigen und Privatpersonen jederzeit und flächendeckend sichergestellt.

Nachhaltigkeit als übergeordnetes politisches Leitbild
Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens sowie die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDGs) zu erreichen und die Wettbewerbsposition der EU zu stärken, soll eine emissionsärmere, ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft in Europa etabliert werden. Diese Transformation wird einige Wirtschaftssektoren vor enorme Herausforderungen stellen. Die EU-Kommission rechnet mit einem jährlichen Investitionsbedarf von 180 Milliarden Euro für den nachhaltigen Umbau der EU-Wirtschaft. Mit dem „Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ wurde im März 2018 eine weitreichende europäische Regulierung und nachhaltige Ausrichtung der Finanzwirtschaft angestoßen, die zur Mobilisierung des notwendigen privaten Kapitals beitragen wird.

Der ohnehin bestehende Handlungsdruck für die Erreichung der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung hat sich durch die massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie in vielen Bereichen deutlich verstärkt. Vor diesem Hintergrund hat auch die Bundesregierung die Nachhaltigkeit als übergeordnetes politisches Leitbild nochmals in den Mittelpunkt gestellt. Die Politik erwartet ein stärkeres Engagement der Finanzwirtschaft und hat entsprechende Initiativen gestartet. Deutschland soll ein führender Standort für nachhaltige Finanzwirtschaft werden.  

Nachhaltigkeit und Klimawandel als Treiber von Risiken und Geschäftschancen in der Finanzwirtschaft
Im Bereich der Nachhaltigkeit entstehen neue Geschäftsfelder, in denen die Sparkasse aus ihrem Geschäftsmodell heraus eine gute Ausgangsposition hat. So entwickelt sich der Markt für nachhaltige Geldanlagen seit Jahren dynamisch. Stiftungen und andere institutionelle Anleger erwarten eine nachhaltige Produktpalette von der Sparkasse. Aber auch immer mehr private Kundinnen und Kunden geben an, dass ihnen eine nachhaltige Ausrichtung ihres Finanzpartners wichtig ist. Ein erkennbares Nachhaltigkeitsprofil ist zudem ein wichtiger Aspekt der Arbeitgeberattraktivität. Junge Nachwuchskräfte legen Wert darauf, in einem Unternehmen zu arbeiten, das Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt übernimmt und Sinn stiftet.

Der Bedarf an neuen nachhaltigen Technologien und klimafreundlichen Lösungen eröffnet für Unternehmen bedeutende neue Geschäftschancen. Insofern bietet ein vergrößertes Angebot an nachhaltigen Anlageprodukten und Investitionsfinanzierungen auch Chancen in der Bindung und Gewinnung von Kundinnen und Kunden.

Identifizierung wesentlicher Themen für die Kreissparkasse
Wir stellen fest, dass Kundenanfragen zur nachhaltigen Geldanlage deutlich zunehmen. Ebenso steigt die Relevanz bei Kunden auch mit der bereits eingeführten Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen im Beratungsprozess Geldanlage.

Aufgrund dem von der EU-Kommission errechneten jährlichen Investitionsvolumen für den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft gehen wir davon aus, dass hierzu zukünftig verstärkt Finanzierungsbedarf bei unseren Firmenkunden entsteht. Durch unsere Netzwerkarbeit im Kreis Steinfurt (energieland2050) sind wir eng mit diversen Partnern vernetzt. In der Vergangenheit nahmen gerade die Themen Biomasse, Windenergie und Photovoltaik großen Raum unseres Finanzierungsgeschäftes ein. Zukünftig gehen wir davon aus, dass verstärkt in verbesserte Produktionsbedingungen zur CO2-Reduzierung investiert wird. So greifen Unternehmen möglichen Steuerbelastungen aus einer möglichen CO2-Steuer vorweg. Zudem vermeiden Unternehmen mögliche Reputationsrisiken und damit mögliche Umsatzeinschränkungen. 

Die Analyse unseres CO2 Verbrauches für das Geschäftsjahr 2020 zeigt uns konkrete Handlungsfelder auf, um selbst zukünftig unseren Ausstoß zu verringern.