1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Das ZDF verfolgt als erster deutscher TV-Sender seit 2010 eine eigenständige Nachhaltigkeitsstrategie, die sich beim Reporting im Sinne einer Fortschrittsberichtserstattung seit 2016 systematisch auf den Deutschen Nachhaltigkeitskodex stützt, der sich mit seinen insgesamt 20 Kriterien auf ausgewählte Leistungsindikatoren internationaler Normen und Standards und hier für diesen Bericht, auf die Global Reporting Initiative (GRI) in der Version GRI SRS bezieht.  

Die Nachhaltigkeitsstrategie des ZDF basiert auf einer nachhaltigkeitsbezogenen Umwelt- und Unternehmensanalyse sowie auf der Berücksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen für ein öffentlich-rechtliches Medien­unternehmen. Sie übersetzt die als relevant erachteten Ziele im Sinne einer mittel- und langfristigen Zielerreichung in konkrete Maßnahmen. Betrachtet man als weiteren Rahmen für die Nachhaltigkeitsstrategie des ZDF das Triple-Bottom-Line-Konzept (Vereinbarkeit ökonomischer, ökologischer und sozialer Dimensionen) oder die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), wird klar, dass die auf ökologische, gesellschaftliche und soziale Wirkungen abzielende und zugleich ökonomisch sinnvolle und verantwortungsbewusste Unternehmensführung eine Vielzahl von zum Teil interdependenten Zielen zu berücksichtigen hat. So geht es dabei etwa sowohl um die gesellschaftlichen Wirkungen der Rezeption der medialen Inhalte (Public Value) als auch um den ökologischen Impact der hier erforderlichen Wertschöpfungsprozesse (Carbon Footprint).  

Den engeren Rahmen für die Nachhaltigkeitsstrategie des ZDF setzen die Sustainable Development Goals (SDGs) im Kontext der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Bereits im Jahr 2017 hat der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Anhörung zum Thema “Nachhaltigkeit in der Medienproduktion” das ZDF mit Blick auf vier als relevant erachtete Nachhaltigkeitsziele (SDGs) eingeladen und angehört. Dabei wurde Bezug genommen auf die SDGs 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und 15 (Leben an Land), die vor allem mit einem gemeinsamen Fokus auf die Themen faire Arbeitsbedingungen, klimarelevante Ressourcenschonung und Grüne Medienproduktion diskutiert wurden. Aus der Perspektive des ZDF stellt dies eine angemessene und zweckmäßige Priorisierung dar.   

Bei der hier erfolgten strategischen Fokussierung auf die ressourcenschonende Produktion seiner Inhalte (“Green Production”) hat das ZDF 2021 gemeinsam mit den Partnern im Arbeitskreis „Green Shooting“ hierfür erstmals einheitliche ökologische Mindeststandards für nachhaltige Produktionen entwickelt. Das ZDF ist seit 2015 Mitglied in diesem Bündnis von Branchenteilnehmern mit Vertreter*innen von Sendern, Produktionsunternehmen und Filmförderern, das sich 2021 mit der Aufnahme von VOD-Diensten und weiteren Sendern noch breiter hat ausrichten können. Im Rahmen dieser verbindlichen Kriterien für die Herstellung von Kino-, TV- und Online-/VoD-Produktionen stellen die Bündnispartner ab dem 01.01.2022 einen großen Teil der Inhalte nach detaillierten Vorgaben zu Energieversorgung, Transport, Unterbringung, Verpflegung, Materialien oder Entsorgung klima- und ressourcenschonend her.  

Organisatorisch ist die Nachhaltigkeitsstrategie des ZDF mit einer Stelle „Nachhaltigkeitskoordination“ unmittelbar beim Intendanten und mit einem direktionsübergreifenden „Nachhaltigkeitsteam“ im Haus verankert (siehe DNK-Kriterium 5 „Verantwortung“). Deren Aufgabe ist es, Nachhaltigkeitsziele zu entwickeln, eine zweckmäßige Erhebung von Daten und deren Analyse zu initiieren und die Fortschritte und Entwicklungen der Unternehmensführung unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit zu bewerten sowie neue Impulse zu geben. Die Nachhaltigkeitskoordinatorin berichtet direkt an den Intendanten.  

Über die vielfältigen Vorhaben und Maßnahmen mit Blick auf Nachhaltigkeit im ZDF wird auch fortlaufend unter nachhaltigkeit.zdf.de informiert.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die Besonderheiten des Umfelds des ZDF ergeben sich vornehmlich aus seiner öffentlich-rechtlichen Verfasstheit. Das Unternehmen unterliegt in seiner Geschäftstätigkeit detaillierten rechtlich kodifizierten Zielvorgaben. Neben nationalem Recht und internen Vorschriften regeln europäische und internationale Vorschriften den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Staatsverträge konkretisieren den Rahmen für das Handeln des ZDF. Das ZDF produziert Programme, die seinem Auftrag entsprechend informieren, bilden und unterhalten. Seine Programme sind den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness verpflichtet.  

Aspekte der Nachhaltigkeit wirken sich als externe Einflüsse mit unterschiedlichsten Effekten auf das ZDF aus. Auch wenn aktuell vor allem ökologische Dimensionen den Diskurs prägen, ist sich gerade das dem Gemeinwohl verpflichtete ZDF auch der umfassenden gesellschaftlichen, sozialen und auch ökonomischen Ansprüche an seine Geschäftstätigkeit bewusst. Nicht zuletzt spiegeln die vom ZDF verwendeten Reportingdimensionen des DNK und die hier im Rahmen der 20 Kriterien berichteten Inhalte wider, wie sich Aspekte der Nachhaltigkeit mit Blick auf sich wandelnde politische und gesetzlich-regulatorische Bedingungen oder auf die Anforderungen der Rezipienten und Marktpartner auf die eigene Geschäftstätigkeit auswirken.   

Gerade die Wahrnehmung eines beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Senders mit seinem besonderen, am Gemeinwohl orientierten publizistischen Auftrag (Public Value) kann bei als zu gering geschätzten nachhaltigen Aktivitäten zu kritischer Distanz und zu einem gesellschaftlichen Vertrauensverlust führen. Das ZDF analysiert journalistisch kritisch das Wirken von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik und muss daher dieselben hohen Maßstäbe an das eigene Handeln ansetzen. Auch hier sind wiederum neben den derzeit im Vordergrund stehenden ökologischen Dimensionen, gesellschaftliche und soziale Aspekte sowohl bei den Wertschöpfungsprozessen als auch bei der Nutzung und den Wirkungen der medial vermittelten Inhalte zu berücksichtigen.  

Neben den Auswirkungen von Aspekten der Nachhaltigkeit auf das ZDF resultieren umgekehrt Einflüsse aus der eigenen Geschäftstätigkeit. Diese ergeben sich nicht nur im Zusammenhang mit der Medienproduktion, die dabei häufig abseits der kreativen und publizistischen Prozesse aus einer eher technologischen Perspektive in Hinsicht auf den daraus resultierenden ökologischen Fußabdruck beurteilt wird. Es sind vor allem die Wirkungen des mit den Inhalten einhergehenden gesellschaftlichen Mehrwerts in den Blick zu nehmen. Diese positiven externen Effekte eines überzeugenden Public Value differenziert dieser Bericht in den entsprechenden Rubriken in den einzelnen DNK-Kriterien (Abschnitt IV Gesellschaft u.a. Chancengerechtigkeit, Gemeinwesen). Denn gerade für das ZDF sind Qualität und Wirkung der erstellten und genutzten Inhalte wesentlich. In einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft mit sich stark ausdifferenzierenden Medienrezeptionsmustern leisten die auf unterschiedlichen Kanälen und Plattformen verbreiteten Inhalte des ZDF viele wichtige Beiträge zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes.  

Die zunehmende Bedeutung der durch international agierende Medien- und Plattformunternehmen dominierten digitalen Geschäftsmodelle erschwert eine auf sachliche und räumliche Aspekte beruhende Abgrenzung relevanter (Medien-) Märkte enorm. Während auf der einen Seite Bezahlmodelle individuelle Nutzenerfüllung versprechen, sind es auf der anderen Seite vor allem persönliche und häufig auch schützenswerte Daten, deren umfassende Vermarktung und Verwertung die Währung für einen letztlich werbemarktbezogenen ökonomischen Erfolg darstellen. Wesentlich für das ZDF ist vor diesem Hintergrund die unabhängige Ausgestaltung der verantwortungsbewussten Erfüllung seines gesellschaftlichen, öffentlich-rechtlich Auftrags über seine Inhalte und deren Zugang. Zielgruppen werden spezifisch und divers angesprochen ohne neue Filterblasen zu schaffen. Ermöglicht wird dies durch die Beiträge der Nutzer*innen – ein Privileg, dessen sich das ZDF sehr bewusst ist.    

Als Schlussfolgerungen für das Nachhaltigkeitsmanagement des ZDF lässt sich daraus vor allem ableiten, sich weiter auf gesellschaftlich-integrative Akzeptanz durch sowohl publizistische als auch prozessual glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategien zu konzentrieren sowie die sorgfältige Analyse und Evaluation von Nachhaltigkeitsherausforderungen zu intensivieren. Erkenntnisse, Strategien und Maßnahmen, die in die eigenen Prozesse der programmbildenden Bereiche (Programmdirektion und Chefredaktion) wie auch in die der Dienstleisterbereiche (Produktionsdirektion und Verwaltungsdirektion) einfließen, lassen sich in diesem Bericht ablesen und werden zudem in den jeweiligen ZDF-Jahresabschlüssen transparent gemacht.  

Ein besonderer Fokus gilt derzeit der umwelt- und ressourcenschonende Film- und Fernsehproduktion als ein wesentlicher Beitrag der Film- und Medienbranche zur Reduzierung des CO2-Verbrauchs. Das ZDF initiiert damit einen technologischen Transformationsprozess, der gleichermaßen seine technischen Investitionen wie administrativen Prozesse umfasst. Die besondere Verantwortung der ZDF-Gruppe in der deutschen Film- und Medienbranche erwächst dabei aus seiner Rolle als größter Einzelauftraggeber im deutschen Produzentenmarkt und zugleich aus der Rolle als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen mit seinem gesellschaftlichen Auftrag.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Programm und integrative FunktionZDF für alle
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland hat den Auftrag, das Zusammenleben in unserer pluralistischen Gesellschaft und eine Kultur des Verstehens zu befördern. Diese Integrationsaufgabe hat auch in Zeiten zunehmender Fragmentierung der Mediennutzung einerseits und einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung anderseits nichts an Bedeutung verloren. Die Sendungen und Onlineangebote der ZDF-Familie leisten aus Sicht der Bevölkerung einen Beitrag zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Sowohl informierende als auch unterhaltende Angebote übernehmen gesellschaftlich relevante Funktionen (siehe dazu auch „Das ZDF und der gesellschaftliche Zusammenhalt“,
https://www.zdf.de/zdfunternehmen/medienforschung-studien-100.html).
Insbesondere der Genremix ist für die Zukunft des ZDF wichtig, um auch weiterhin ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, vor allem auch die jungen und die integrationskritischen Zielgruppen mit öffentlich-rechtlichen Inhalten in Kontakt zu bringen. Das ZDF bietet publizistische Qualität, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Auf diesen Werten basieren die inhaltlich-programmlichen Ziele, die das ZDF gemäß § 11 Abs. 4 Rundfunkstaatsvertrag im zweijährigen Turnus in Form einer Selbstverpflichtungserklärung dem Fernsehrat vorlegt, der über diese Ziele berät und sie im entsprechenden Rhythmus evaluiert.  Die ZDF-Selbstverpflichtungserklärung 2021/2022 “Die Chancen des Wandels ergreifen – Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern” setzt den Fokus darauf, wie sich das ZDF als nationaler öffentlich-rechtlicher Anbieter für künftige Generationen fortlaufend erneuern muss. https://www.zdf.de/zdfunternehmen/positionen-berichte-100.html  

Zielorientiertes Managementsystem
Die Formulierung von Zielen und die Entwicklung von Strategien zur Zielerreichung folgen im ZDF im Kontext der Balanced-Scorecard-Systematik (BSC) der Logik zielorientierten Führens (Management by Objectives). Dabei setzt sich das ZDF programminhaltliche und erfolgsbezogene Akzeptanzziele ebenso wie Ziele, die die Effizienz und Effektivität des unternehmerischen Handelns betreffen. Mit der Aufnahme der Kernziele zur Nachhaltigkeit in die Balanced Scorecards finden die unternehmerischen Vorgaben Eingang in die Zielvereinbarungen der einzelnen Bereiche.  

Mit Blick auf Potenziale der Zielerreichung werden Nachhaltigkeitsrisiken als externe Einflüsse mit unterschiedlichsten Wirkungen auf das Unternehmen interpretiert. Umgekehrt resultieren aus der Rezeption der unternehmerischen Produkte und den für die Wertschöpfung erforderlichen Prozessen Wirkungen (Impact) auf die Mikro- und die Makro-Umwelt des ZDF. Während man in den Wertschöpfungsprozessen bei der Risikoreduktion mit Blick auf die Umwelt derzeit vornehmlich Schwerpunkte auf den ökologischen Fußabdruck setzt (CO2-Reduktion im Unternehmen, Green Production etc.), sind umgekehrt die Risiken des Klimawandels für das ZDF (physische Risiken: z. B. Extremwetter, Transitions­risiken: z. B. steigende Energiepreise) nur sehr unspezifisch zu bewerten. Grundsätzlich sind Schadenshöhen und Eintrittswahrscheinlichkeiten von Risiken mit Blick auf die relevanten Dimensionen von Nachhaltigkeit nicht einfach zu quantifizieren. Betrachtet man hier das Triple-Bottom-Line-Konzept oder die ESG-Kriterien, wird klar, dass die auf ökonomische, ökologische sowie soziale und gesellschaftliche Wirkungen einer mit verantwortlicher Unternehmensführung abzielenden CSR-Strategie (Corporate Social Responsibility) eine Vielzahl von zum Teil interdependenten Zielen zu berücksichtigen hat. Dieser Komplexität begegnet das ZDF mit einer aktuellen Konzentration auf einen schonenden und effizienten Umgang mit natürlichen Ressourcen.  

Sustainable Development Goals
Eine Zuordnung der SDGs zu den DNK-Kriterien und vice versa erfolgt in der Systematik des Deutschen Nachhaltigkeitskodex nicht in expliziter Form. Das ZDF folgt aber dem Vorschlag des vom Rat für Nachhaltige Entwicklung in Auftrag gegebenen Gutachtens “Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex – Betrachtung des DNK im Kontext der aktuellen EU-Nachhaltigkeitsregulierungsmaßnahmen und der SDGs als internationaler Referenzrahmen” (Prof. Dr. Kerstin Lopatta, Universität Hamburg, 28.02.2022), der eine nachvollziehbare Zuordnung der 17 SDGs zu den 20 DNK-Kriterien bietet. Insofern sieht das ZDF in seinem DNK-Reporting eine Berücksichtigung der SDGs gewährleistet.  

Und auch den engeren Rahmen für die Nachhaltigkeitsstrategie des ZDF setzen die Sustainable Development Goals in Form einer Priorisierung auf vier ausgewählte SDGs. Bereits im Jahr 2017 hat der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Anhörung zum Thema “Nachhaltigkeit in der Medienproduktion” das ZDF mit Blick auf vier als relevant erachtete Nachhaltigkeitsziele (SDGs) eingeladen und angehört. Dabei wurde Bezug genommen auf die SDGs 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und 15 (Leben an Land), die vor allem mit einem gemeinsamen Fokus auf die Themen faire Arbeitsbedingungen, klimarelevante Ressourcenschonung und Grüne Medienproduktion diskutiert wurden. Aus der Perspektive des ZDF stellt die Priorisierung des parlamentarischen Beirats ein angemessenes und zweckmäßiges Vorgehen dar. Hieraus ergeben sich die priorisierten Nachhaltigkeitsziele des ZDF.  

Mit der Änderung des Klimaschutzgesetzes mit Wirkung vom 31. August 2021 hat die Bundesregierung die Klimaschutzvorgaben verschärft und das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verankert. Auch die meisten Bundesländer orientieren sich an dieser Zielsetzung.  

Für das ZDF steht das Ziel der Klimaneutralität ebenfalls an erster Stelle. Ein konkretes Datum der Zielerreichung kann nicht festgelegt werden, da Klimaneutralität nur durch Kompensation stets verbleibender Treibhaus­gasemissionen erlangt werden kann. Die zweckgebundenen Erträge des ZDF dürfen hierzu in dem derzeit geltenden verfassungsrechtlichen und gesetzgeberischen Rahmen nicht eingesetzt werden. Daher konzentriert sich das ZDF auf die möglichst weitreichende Reduktion seines CO2-Fußabdrucks.    

Nachhaltigkeitsziele  

  1. Das ZDF strebt Klimaneutralität an
Die Gebäude- und Studioinfrastruktur des ZDF-Sendezentrums in Mainz wird durch den Einsatz von Ökostrom und Fernwärme bereits in wesentlichen Teilen klimaneutral betrieben. Um die übrigen CO2-Emissionen noch weiter zu senken, werden alle Investitionen und Reinvestitionen unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit untersucht.  

Die Untersuchung auf Nachhaltigkeitsaspekte wird gegenüber dem zuständigen Aufsichtsgremium, dem Verwaltungsrat, dokumentiert oder begründet, wenn Nachhaltigkeitsaspekte im Sinne von ressourcenschonenden und umweltbewussteren Alternativen keine Berücksichtigung gefunden haben.  

Für die Reduzierung des CO2-Wertes entscheidend ist der Einsatz von Ökostrom aus regenerativen Quellen. Dieser essentiellen Voraussetzung kommt das ZDF seit 2019 nach. Auch nach Auslaufen der aktuellen Stromlieferungsverträge 2023 verpflichtet sich das ZDF, dem Bezug von Ökostrom Vorrang einzuräumen. Außerdem wird das ZDF den Ausbau eigener regenerativer Energien prüfen.
 
  1. Das ZDF steigert weiter den Anteil nachhaltiger Eigen- und Auftragsproduktionen
Das ZDF wird bis 2023 die Hälfte seiner fiktionalen Auftragsproduktionen nach den ökologischen Mindeststandards des Arbeitskreises Green Shooting produzieren. Alle weiteren Eigen- wie Auftragsproduktionen orientieren sich an diesen branchenweiten Kriterien für klimaschonende TV-, Film-, und VOD-Produktionen. Der Anteil der nach den ökologischen Mindeststandards produzierten Inhalte wird sukzessive gesteigert und soll langfristig die gesamte Programmproduktion umfassen.     
 
  1. Das ZDF beschafft nachhaltig und ist ein fairer Partner in seinen Lieferketten
Im Jahr 2022 wird der erarbeitete Leitfaden für nachhaltige Beschaffung in Kraft gesetzt und durch begleitende Schulungen im Haus etabliert. Er wird auch die in Bezug auf Lieferanten geltenden Vorgaben zu sozialen und umweltbezogenen Kriterien in der Lieferkette aufzeigen.
   
  1. Das ZDF fördert nachhaltige Mobilität der Mitarbeitenden
Zur Feststellung von Bedarfen und Potentialen werden 2022 eine durch externe Expertise begleitete Mobilitätsanalyse durchgeführt und konkrete Maßnahmen abgeleitet.    

Nachhaltigkeitskoordination
Die Erreichung der genannten strategischen Nachhaltigkeitsziele wird von der Nachhaltigkeitskoordination des ZDF evaluiert und im Austausch mit der Geschäftsleitung und dem Nachhaltigkeitsteam nachgehalten (s. Kriterium 5 “Verantwortung”).

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Spezifische Wertschöpfung
Die Inhalteproduktion eines auf nationaler Ebene agierenden Fernsehsenders weist im Vergleich zu anderen Branchen einen wenig komplexen Wertschöpfungsprozess auf. Schlüsselressourcen in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld sind hier eher immaterielle Produktionsfaktoren wie Kreativität, Innovationsfähigkeit und Flexibilität mit Blick auf sich stetig wandelnde Rahmenbedingungen in der digitalen Welt. Die Wertschöpfungskette des ZDF bedarf also nur wenig komplexer Lieferkettenstrukturen und basiert im Einkaufs- und Beschaffungsmanagement unter Einhaltung aller relevanten vergaberechtlichen Vorgaben auf einem eher nationalen Sourcing. Vornehmlich in Deutschland produziert, in erster Linie selbst erstellt oder direkt redaktionell betreut, beim Erwerb von Urheber- und Leitungsschutzrechten für die fiktionalen und non-fiktionalen Produktionen des ZDF, unterscheidet man bei den Beschaffungsarten zwischen Eigen- und Auftragsproduktionen, Lizenzeinkäufen, Übernahmen sowie kofinanzierten Sendungen. Etwa zwei Drittel der Sendeminuten und Sendungen werden dabei durch Eigenproduktionen bestritten.  

Eine detaillierte Betrachtung, Analyse und Beurteilung von sozialen und ökologischen Problemen mit Blick auf ihre spezifische Relevanz für die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette erfolgt nicht. Gleichwohl werden einzelne Aspekte und Problemfelder in den nachfolgenden Abschnitten beschrieben und Maßnahmen erläutert. Sowohl im institutionalisierten Stakeholderdialog (Gremien, Branchenvertreter, Rechnungshof, Rezipienten etc.) wie auch in spezifischen Initiativen wie dem Arbeitskreis Green Shooting, in dem Sender, Förderer, Dienstleister und Produktionsunternehmen vertreten sind, werden beispielsweise Herausforderungen grüner Produktionen thematisiert und Lösungen zugeführt (Ökologische Mindeststandards).  

Verlässlicher Partner der Kreativwirtschaft
Wichtige Akteure der für das ZDF relevanten Wertschöpfungskette mit Blick auf den für Medienproduktion essentiellen Faktor Kreativität sind etwa die Drehbuchautor*innen, mit denen gemeinsam „Grundsätze für eine faire Zusammenarbeit“ entwickelt und verabschiedet wurden. „Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren schaffen mit ihrer Arbeit die wesentliche Grundlage für jeden Film und jede Serie. Die Produktion wiederum entsteht im kreativen Zusammenwirken von Drehbuchautor*in, Regisseur*in, Produzent*in und ZDF-Redaktion mit allen weiteren Gewerken und Beteiligten. Das ZDF als größter Einzelauftraggeber des deutschen TV-Produktionsmarktes versteht sich als verlässlicher Partner auf Augenhöhe und erster Ansprechpartner der Kreativen. Das ZDF fördert Drehbuchautor*innen und bemüht sich um einen kontinuierlichen Dialog zur fortwährenden Modernisierung des fiktionalen Programmangebots und zur gemeinsamen Entwicklung von Innovationen, die den sich verändernden Nutzungsgewohnheiten Rechnung tragen.“  

Im der jüngsten Selbstverpflichtung des ZDF gegenüber den Produzent*innen werden unter anderem Regelungen zum ressourcenschonenden und nachhaltigen Produzieren festgehalten. Neben der Aufnahme eines Green Consultants wird auch hier festgehalten, dass das ZDF das ressourcenschonende Produzieren fördert und bis 2023 mehr als 50 % seines fiktionalen Auftragsvolumens ressourcenschonend und nachhaltig umsetzen wird. Entsprechende Vereinbarungen werden mit den Produzentinnen und Produzenten im Rahmen des Kalkulationsgesprächs getroffen und im Vertrag festgehalten. Nach Prüfung vergibt das ZDF für diese Produktionen das Label „green motion“. Detaillierte Informationen zur “Zusammenarbeit mit Produzent*innen und der Kreativwirtschaft” finden sich im Transparenzportal des ZDF unter https://www.zdf.de/zdfunternehmen/transparenz-100.html.

Nachhaltiger Rahmen für Produktionsunternehmen
Klare Rahmenbedingungen für die Fernsehproduzenten, die als wichtige Partner in der Wertschöpfungskette des ZDF fungieren, sind explizit formuliert und tragen dabei der Protokollerklärung der Länder zum 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrag Rechnung. Darin haben die Länder die Fortschritte hinsichtlich ausgewogener Vertragsbedingungen zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Film- und Fernsehproduktionsunternehmen anerkannt, die in den letzten Jahren durch Vereinbarungen der Partner erreicht wurden, und eine Fortschreibung angemessener Vertragsbedingungen eingefordert. Mit den vorliegenden Rahmenbedingungen verpflichtet sich das ZDF zu fairen und angemessenen Vertrags­bedingungen mit Produzenten. Sie berücksichtigen einen intensiven und konstruktiven Dialog mit deutschen Produzentenverbänden, insbesondere der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e. V.  

Nachhaltige Produktion und ökologische Mindeststandards
Das ZDF steigert den Anteil nachhaltiger Produktionen kontinuierlich. Das ZDF ist seit 2015 Mitglied des Arbeitskreises „Green Shooting“. In den Jahren 2020 und 2021 beteiligte sich das ZDF gemeinsam mit den Mitgliedern des Arbeitskreises an der Nachhaltigkeitsinitiative der 100 grünen Produktionen. Hier waren einheitliche ökologische Kriterien für nachhaltige Produktionen einzuhalten. Aus den Erfahrungen dieser Nachhaltigkeitsinitiative entwickelte der AK Green Shooting ökologische Mindeststandards für deutsche Kino-, TV- und Online-/VoD-Produktionen. Das ZDF hat sich in einer Selbstverpflichtungserklärung ab dem 01.01.2022 zu deren Einhaltung zunächst bei über 50 % der fiktionalen Produktionen verpflichtet. Die abgestimmten ökologischen Mindeststandards umfassen 15 Bereiche, die in Muss- und Soll-Vorgaben unterteilt sind. Von den 21 Muss-Vorgaben sind zwingend 18 Kriterien zu erfüllen. Die so hergestellten Produktionen werden zukünftig mit dem vom AK Green Shooting eigens entwickelten Label “green motion” gekennzeichnet (siehe auch im Detail https://www.oekologische-mindeststandards-greenmotion.de/). Die Kriterien des Arbeitskreis Green Shooting bieten aber zudem eine zunächst grundsätzliche und künftig stärker auch verbindliche Orientierung für sämtliche Eigen- und Auftragsproduktionen des ZDF in allen Genres.  

Nachhaltigkeit im Beschaffungsprozess
Aspekte der Qualität, Innovation sowie soziale und umweltbezogene Aspekte finden in den Beschaffungsvorhaben des ZDF in allen Stufen des Beschaffungsprozesses und der Vergabeverfahren Berücksichtigung. Von der Bedarfsanalyse, über die Leistungsbeschreibung bis hin zur Festlegung der Eignungs- und Zuschlags­kriterien sowie den Ausführungsbedingungen und Verträgen des ZDF. Bei der Analyse des Bedarfs wird beispielsweise auch hinterfragt, ob eine bestimmte Leistung überhaupt beschafft werden muss oder nachhaltigere Alternativen in Frage kommen, wie etwa die Nutzung von Videokonferenzsystemen anstelle von Dienstreisen. Auch wird bei der Frage der Neubeschaffung in der Bedarfsanalyse u. a. abgewogen, ob nicht etwa die Reparatur eines Arbeitsmittels anstelle einer Neuanschaffung die nachhaltigere Variante darstellt. In der Leistungsbeschreibung werden auftragsbezogene nachhaltige Aspekte vergaberechtskonform integriert, gleiches gilt für die Festlegung von Eignungs- und Zuschlagskriterien. Das Vorliegen zwingender und fakultativer Ausschlussgründe, auch mit Nachhaltigkeitsbezug, kann (soweit gesetzlich vorgesehen) im Rahmen der Ermessensausübung des ZDF als öffentliche Auftraggeberin zum Ausschluss von Bietern führen. Nachhaltige Aspekte werden nicht nur im Rahmen der Gestaltung der vertraglichen Regelungen berücksichtigt. Der Beschaffungsprozess erfolgt weitestgehend digital und ressourcenschonend. Die Bedarfsanforderungen werden elektronisch durchgeführt. Der Großteil der Bestellungen erfolgt in Textform und im Oberschwellenbereich über eine elektronische Vergabeplattform. Die Aktenführung findet im Rahmen eines Dokumentenmanagementsystems statt. Zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Kompetenzen der nachhaltigen Beschaffung wird u. a. auch auf Angebote von Institutionen oder Portalen wie die der Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung, des Umweltbundesamtes, des Kompetenzzentrums innovative Beschaffung, Forum Vergabe e. V. oder Plattform Kompass Nachhaltigkeit zurückgegriffen.

So wird etwa die Anzahl von Printpublikationen stetig reduziert: Einladungen zu Veranstaltungen werden digital verschickt. Auch Pressemappen werden hauptsächlich digital erstellt. Print-Pressemappen werden fast nur noch zu Präsenz-Presseterminen hergestellt. Bei der Herstellung der wenigen Printprodukte wurde auf zertifiziertes Papier und auf eine Zertifizierung der Druckereien geachtet. Auflagen wurden nach einer genauen Bedarfseinschätzung gewählt. Außerdem wurde ein klimafreundlicher Versand gewählt.  

Bei Veranstaltungen und Events, bei Shootings, bei der Durchführung von Presseterminen, bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern sowie bei der Auswahl und Produktion der Werbemittel sowie bei der Herstellung von Pressepublikationen wird auf Nachhaltigkeit geachtet.  

Bei der Beschaffung von Endgeräten wie Notebooks, Tablets, Druckern oder Bildschirmen stellen ZDF-Vorgaben besondere Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Hardware bzw. den Hersteller, deren Erfüllung durch entsprechende Produkt-Zertifizierungsstandards vom Hersteller nachzuweisen sind. Gleichzeitig wird für die Zukunft der Einsatz von bereits im Bereich des ZDF erstgenutzter Hardware ermöglicht, anstelle stets Neugeräte im Bedarfsfall an den Endnutzer auszuliefern. Dieser Mehrfacheinsatz von initial für das ZDF angeschaffter Endgeräte-Hardware führt zu einem verminderten Verbrauch an neu zu produzierender Hardware insgesamt und unterstützt damit ein nachhaltiges Wirtschaften innerhalb des IT-Endgerätebetriebs. Bei der Auswahl von Dienstleistern wurde im Rahmen der Ausschreibung besonderes Augenmerk auf transparentes, nachhaltiges und nachweisbares, möglichst umweltverträgliches Wirtschaften des künftigen Marktpartners gelegt. Zur Sicherstellung wurden im Bereich der Wertungs- und Zuschlagskriterien eine Reihe von Kriterien eingeführt, die ein nachhaltiges Wirtschaften des Anbieters im Rahmen der Vergabe unter Beweis stellen und darüber hinaus über die Vertragslaufzeit, soweit möglich, messbar machen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4