1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Als Unternehmen in öffentlicher Hand verpflichtet sich die Bundesdruckerei in besonderem Maße dem Interesse von Staat, Bürgern und Gesellschaft. Deshalb verfolgt das Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz, um ökonomische, ökologische und soziale Interessen in Einklang zu bringen. Das Geschäftsmodell ist auf Langfristigkeit und eine vorausschauende, nachhaltige Wirtschaftsweise ausgelegt. Nachhaltigkeit wird über die Unternehmensstrategie koordiniert und hat Schnittstellen zu allen relevanten Bereichen des Unternehmens (z. B. Arbeitssicherheit, Energie und Umweltschutz, Human Resources, betriebliches Gesundheitswesen und Compliance).

Die zentralen Handlungsfelder der Nachhaltigkeit hat die Bundesdruckerei 2013 in einer Wesentlichkeitsanalyse identifiziert: Ressourceneffizienz, demographische Entwicklung bei Kunden und Mitarbeitern und die Optimierung der Lieferkette nach ökologischen und sozialen Kriterien.

Für die Bundesdruckerei-Gruppe ist regel- und gesetzeskonformes Verhalten der Mitarbeiter sowie die Sicherheit und Qualität der Produkte und Lösungen von großer Bedeutung. Die Unternehmensgruppe verfolgt daher höchste Sicherheits- und Qualitätsstandards und klare Compliance- und Management-Leitlinien. In der Heimatregion Berlin-Brandenburg engagiert sich das Unternehmen zudem gesellschaftlich im bildungspolitischen Bereich. Für ihre Mitarbeiter bietet das Unternehmen mit der „Initiative Gesundheit“ ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement und fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie lebenslanges Lernen durch Schulungen und Weiterbildungen. Einen hohen Stellenwert beim Nachhaltigkeitsengagement hat zudem der Umwelt- und Ressourcenschutz, genauso wie der Erhalt einer sicheren Arbeitsumgebung. Zur kontinuierlichen Kontrolle, Steuerung und Verbesserung der Betriebsabläufe hinsichtlich ökologischer Gesichtspunkte und der Arbeitssicherheit hat die Bundesdruckerei GmbH 1998 ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 sowie 2010 ein Arbeitsschutzmanagementsystem nach BS OHSAS 18001 eingeführt. Mit der Einführung des Energiemanagements nach ISO 50001 in 2014 liegen nunmehr alle wichtigen Managementsysteme bei der Bundesdruckerei GmbH integriert vor. In diesem Jahr wurde auch die D-TRUST GmbH in die Systeme integriert und im nächsten Jahr soll eine entsprechende Zertifizierung stattfinden.

Weitere Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind in den Kriterien aufgeführt: Maßnahmen zur Ressourceneffizienz in den Kriterien 11-13, zur demographischen Entwicklung in Kriterium 16, zu ökologischen und sozialen Kriterien in der Lieferkette in Kriterium 4.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Herausforderungen im Umfeld der Bundesdruckerei liegen im demographischen Wandel und damit einhergehend im Fachkräftemangel sowie in der digitalen Transformation als wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und technischer Treiber der nahen Zukunft. Anders als in vielen anderen Unternehmen des produzierenden Gewerbes unterliegt die Bundesdruckerei strengsten Sicherheitsauflagen in Bezug auf die Herstellung der eigenen Produkte sowie auf den Umgang mit Daten der Bürger.

Zur Identifikation wesentlicher Nachhaltigkeitsthemen führte die Bundesdruckerei im Jahr 2013 eine Wesentlichkeitsanalyse mit Vertretern relevanter Abteilungen durch. Auf Basis der Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse ermittelte das Unternehmen drei Schwerpunktthemen: Ressourceneffizienz, demographische Entwicklung bei Kunden und Mitarbeitern und die Optimierung der Lieferkette nach ökologischen und sozialen Kriterien. 

Durch die zunehmende Bedeutung des Internets als prozessuale Infrastruktur  kommt es besonders auf den Schutz von Identitäten in einer digitalen, mobilen und global vernetzten Welt an. Durch innovative und sichere ID-Sicherheitslösungen leistet die Bundesdruckerei einen Beitrag zum Schutz digitaler Identitäten und Daten. Dadurch unterstützt die Bundesdruckerei die digitale Transformation von Bund, Ländern und Kommunen sowie Unternehmen.

Die Bundesdruckerei hat einen Wandel vom klassischen Wertdruckunternehmen zum digitalen Dienstleister im Bereich Full ID | Management vollzogen. Für die komplexen Lösungen der Bundesdruckerei ist nunmehr ein höherer Qualifizierungsgrad des Personals notwendig. Durch Basis- und Aufbauqualifikationsprogramme und mit regelmäßigen Potenzialanalysen fördert die Bundesdruckerei ihre Talente. Unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt die Bundesdruckerei mit Stipendien, anteiligen Finanzierungen oder Bildungsfreistellungen. Zudem steigert sie ihre Attraktivität als Arbeitgeber durch ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement, flexible Arbeitszeiten, moderne Arbeitsplätze und ein zukunftsweisendes Arbeitsumfeld. Die Bundesdruckerei wendet sich dabei insbesondere auch an technikbegeisterte Frauen.

Die Bundesdruckerei übernimmt Verantwortung im Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Vermeidung von Abfall. Bei der Herstellung der Produkte ist die Verwendung von Chemikalien, teilweise Gefahrstoffen, unvermeidbar. In Bezug auf den Schutz der Umwelt setzt die Bundesdruckerei deswegen die bestmöglichen Sicherheits- und Vorsorgemaßnahmen um und beachtet Risiken (z. B. Emissionen in die Luft, Einleitungen in Gewässer, Verunreinigungen von Böden, Abfallmengen) und Chancen (z. B. Einsparung von Energie, Reduzierung von Abfall und Ressourcenverbrauch), um unerwünschte Umweltauswirkungen zu verhindern oder zu verringern. Um gefährliche Stoffe zu vermeiden, prüft die Bundesdruckerei laufend und kontinuierlich die Substitution durch weniger gefährliche Alternativen.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Übergeordnetes Ziel für Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Energiemanagement ist die Erfüllung der arbeits- und gesundheitsschutzrechtlichen, energie- und umweltrechtlichen Anforderungen und die kontinuierliche Verbesserung des Arbeitsschutzes, der Energieeffizienz und des Umweltschutzes in der Bundesdruckerei GmbH und D-TRUST GmbH durch systematische Integration in das gesamte Managementsystem. Die Bundesdruckerei GmbH und D-TRUST GmbH haben sich daher zum Ziel gesetzt, bis 2020

(im Vergleich zum Basisjahr 2014).

Alle strategischen Ziele sind von gleich großer Bedeutung. Die Führungskräfte müssen Arbeitssicherheits-, Energie- und Umweltziele für ihren Bereich festlegen und diese jährlich neu definieren. Jedes Ziel ist einem strategischen Ziel zugeordnet und mit einer konkreten Maßnahme, einer angemessenen Frist, der benötigten Ressource und der Verantwortlichkeit belegt. Der Sachstand der Einzelziele wird vierteljährlich an die Fachabteilung kommuniziert. Es erfolgt zudem ein jährliches Reporting an die Geschäftsführung zum Stand der Umsetzung und der Zielerreichung.

Im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung hat sich die Bundesdruckerei-Gruppe das Ziel gesetzt, jährlich verschiedene bildungspolitische Projekte mit Kindern und Jugendlichen in der Heimatregion Berlin-Brandenburg durchzuführen. In den letzten Jahren hat die Bundesdruckerei-Gruppe ihr Engagement und ihre Geldspenden in Projekte zur Bildung für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen systematisch ausgebaut.

Die Bundesdruckerei-Gruppe ist ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Arbeitgeber mit modernen Rahmenbedingungen und HR-Management. Dafür werden alle HR-Instrumente konsequent am Mitarbeiter-Lebenszyklus ausgerichtet. Folgende Ziele und Handlungsfelder stehen im Personalmanagement im Vordergrund:      

Überblick über das Personalmanagement der Bundesdruckerei-Gruppe:

Ziel Handlungsfeld
Strategische Personalplanung Flexibilität: Mitarbeiterstruktur, Einsatz- und Arbeitszeitmodelle Planung inkl. Nachfolgeplanung
Mitarbeitergewinnung Arbeitgeberimage Bewerbermanagement Anreizsysteme
Mitarbeiterbindung Entgeltstruktur Förderprogramme Rahmenbedingungen
Gesundheitsförderung Gesundheit als Führungsaufgabe Altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung Training am Arbeitsplatz
Relaunch Payroll / OM Berechtigungskonzept Stammdatenpflege Organisationsmanagement
Optimierte Administration Analyse und Optimierung bestehender Abläufe IT-unterstützte Prozesse

Die Bundesdruckerei-Gruppe bezieht sich in ihren Nachhaltigkeitszielen bislang nicht ausdrücklich auf die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen. Gleichwohl leisten die Nachhaltigkeitsziele der Bundesdruckerei einen Beitrag zur Erreichung der SDGs.  


Beitrag der Bundesdruckerei-Gruppe anhand von Beispielen:

SDG Beitrag der Bundesdruckerei-Gruppe
Ziel 3: „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“   Prävention und Gesundheitsförderung durch umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement und Maßnahmen zur Arbeitssicherheit; Demographie-Management und betriebliche Altersvorsorge; Hilfe in Krisensituationen (siehe Kriterium 16)
Ziel 4: „Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern“ Weiterbildung und Qualifizierung, Stipendien, anteilige Finanzierungen oder Bildungsfreistellungen  (siehe Kriterium 16); Engagement in Bildungsprojekten (siehe Kriterium 18)
Ziel 5: „Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen Förderung von Frauen in Führungspositionen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (z. B. digitales und flexibles Arbeiten, kostenlose Beratung durch externen Familienservice) (siehe Kriterium 16)
Ziel 8: „Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern“ Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch Innovationskraft und Qualität; langfristig sichere und attraktive Arbeitsplätze; Förderung der digitalen Transformation von Bund, Länder, Kommunen, Behörden und Unternehmen durch die Produkte und Lösungen.
Ziel 9: „Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen“ Produkte leisten den Schutz von digitalen Infrastrukturen und Datenströmen, sichere Standortanbindung und sichere Identitäten etwa beim Zugang zu kritischen Infrastrukturen; Innovationen und Forschungskooperationen im Bereich „Sichere Identitäten“ (siehe Kriterium 10)
Ziel 11: „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten“ Moderne, effiziente, umweltverträgliche Anlagen (siehe Kriterium 12)
Ziel 13: „Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen“ Ziele und Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Einsparung von CO2 (z. B. 100 Prozent Ökostrom, Modernisierung der Anlagen und Gebäude) (siehe Kriterium 12)
Ziel 17: „Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen“ Zur Verfügung stellen fachlicher Expertise für Politik und Verwaltung (siehe Kriterium 18)

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Lieferkette:
Nach Europäischem Vergaberecht ist die Bundesdruckerei als öffentlicher Auftraggeber ab bestimmten Schwellenwerten verpflichtet, Beschaffungen europaweit auszuschreiben. Grundsätze zu Transparenz, Nichtdiskriminierung und Wettbewerb werden in die Ausschreibungen einbezogen. Die Einkaufsrichtlinie schreibt vor, dass für die Lieferantenauswahl bei Erstkäufen die Bewertung der Leistungsfähigkeit entscheidend ist. Als beschaffungspolitisch relevante Kriterien sind das wirtschaftliche, qualitative, technische und ökologische Leistungspotential eines Lieferanten von besonderer Bedeutung. Bei Wiederholungskäufen wird zusätzlich die Bewertung der Lieferleistung wie Qualitäts-, Termin- und Mengenzuverlässigkeit in die Lieferantenauswahl hinzugezogen. Ausgewählte Lieferanten müssen u. a. Auskunft darüber geben, ob Managementsysteme im Bereich Arbeitsschutz, Umwelt- und Energiemanagement vorliegen, Arbeitsplatzbelastungen, Gefährdungsbeurteilungen und Umweltauswirkungen ermittelt werden und Energieeffizienzkriterien bei der Auswahl von Partnerunternehmen und Lieferanten berücksichtigt werden. Bei Rechnern ist insbesondere die Energieeffizienz ein Kriterium bei der Ausschreibung von Aufträgen und bei IT-Produkten werden die Bedarfsanforderung unter Beachtung von Homogenität, Ergonomie, Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit geprüft. Bei der Beschaffung von Maschinen und Anlagen werden die jeweils geltenden Rechtsvorschriften für Arbeitssicherheit und Umweltschutz geprüft. Bei einem Bedarf von neuen Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffen wird eine potentielle Gefährdung der Arbeitssicherheit vorgenommen und ggfs. Schutzmaßnahmen veranlasst. Die Beschaffung von Gefahrstoffen und wassergefährdenden Stoffen unterliegt einem definierten Prozess, der im Gefahrstoffmanagement geregelt ist. Seit 2015 müssen Geschäftspartner eine Compliance-Erklärung abgeben, mit der sie sich zur Achtung der Menschenrechte und -würde und zum Ausschluss von Zwangs- und Kinderarbeit verpflichten. Die Selbstverpflichtungen sind Voraussetzung für die Geschäftsbeziehung mit Lieferanten. Darüber hinaus führt die Bundesdruckerei Compliance-Checks für Lieferanten mit einem Jahresumsatz von über 50.000 € durch. Für Berater, Agenten und Handelsvertreter werden Checks auch unter diesem Schwellenwert durchgeführt.

Eigene Wertschöpfung:

Die Bundesdruckerei unterliegt strengsten Sicherheitsauflagen in Bezug auf die Herstellung und Entsorgung der Produkte. Für die eigenen Erzeugnisse beginnt die Verantwortung der Bundesdruckerei schon bei der Produktentwicklung und endet erst, wenn Entsorgungsfachbetriebe die verwendeten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe möglichst einer Wiederverwertung zugeführt oder korrekt entsorgt haben. Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit werden so gering wie möglich gehalten. Neue Technologien und Verfahren setzt die Bundesdruckerei daher auch mit dem Ziel ein, die Umwelt zu schonen und gleichzeitig fehlerfreie Produkte zu garantieren. Der Großteil der Produkte wird an die Bundesdruckerei zurückgeführt. Die Bundesdruckerei produziert u. a. Banknoten. Seit 2010 berichtet die Bundesdruckerei über die ökologischen Auswirkungen des Notendrucks an die Europäische Zentralbank mittels „environmental questionnaire“ und hält strenge Vorgaben zu Lieferanten ein, wie etwa die Zertifizierung von Papierlieferanten. Die Produkte der Unternehmensgruppe sind per se keine Wegwerfprodukte und die für den ordnungsgemäßen Transport notwendigen Verpackungen optimiert die Bundesdruckerei fortlaufend.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4