1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Berlin wächst. Um den Mietwohnungsmarkt zu entlasten und breite Bevölkerungsschichten lange mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen, erweitern wir stets den Bestand durch Ankäufe und Neubau.

Grundlage hierfür: die mit dem Berliner Senat vereinbarte „Roadmap 2016“ sowie die im April 2017 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung „Leistbare Mieten, Wohnungsneubau und soziale Wohnraumversorgung“. Sie definieren Kriterien einer sozialen Bestandsbewirtschaftung sowie einer sozialen Wohnungsbaupolitik und stärken die städtischen Wohnungsbaugesellschaften, ihre besondere Versorgungspflicht umzusetzen. Im April 2021 wurde die Kooperationsvereinbarung von den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften ergänzt – damit betonen sie ihr gemeinwohlorientiertes Engagement und ihre Rolle als sozialer Anker für die wachsende Stadt.

Nachhaltigkeit ist seit 2010 ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie und -kultur. Wir setzen auf systematisches Nachhaltigkeitsmanagement. Wir müssen und wollen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit verbinden sowie negative Effekte der Geschäftstätigkeit geringhalten und positiv zu nachhaltiger Entwicklung beitragen.

Grundgerüst unserer Nachhaltigkeitsstrategie: vier Handlungsfelder nachhaltiger Entwicklung – „Unternehmenskultur“, „Zukunftsfähiges Bauen & Wohnen“, „Lebenswerte Quartiere“ und „Beteiligung & Kooperationen“ – innerhalb derer wir die Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung als symbiotisch betrachten. Sie bilden auch den strategisch-konzeptionellen Rahmen unseres Nachhaltigkeitsprogramms, in dem wir unsere überprüfbaren kurz- und mittelfristige Ziele sowie konkrete Maßnahmen umsetzen.

Wir befolgen kommunale und (inter-)nationale regulatorische Anforderungen und freiwillige Rahmenwerke. Besonders verpflichtet sind wir dem Land Berlin als unserem alleinigen Anteilseigner.

Folgende landespolitische Gesetze und Vereinbarungen sind für uns verpflichtend und haben auf die GESOBAU regulatorische Auswirkungen:
  • Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Berlin
  • Gesetz über die Neuausrichtung der sozialen Wohnraumversorgung in Berlin
  • Kooperationsvereinbarung „Leistbare Mieten, Wohnungsneubau und soziale Wohnraumversorgung“
  • Klimaschutzvereinbarung zwischen dem Land Berlin und den städtischen   Wohnungsunternehmen
  • Energiewendegesetz Klimaneutrales Berlin 2050
  • Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses zum Nachhaltigkeitsmanagement

Folgende Rahmenwerke dienen lediglich als Leitlinien:
  • Klimanotlage Berlin
  • Charta für das Berliner Stadtgrün
  • Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt „Bestäuberfreundliche Stadt“
  • Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030)
  • Berliner Zero-Waste-Strategie
  • Agenda 2030
  • Klimapolitisches Übereinkommen von Paris
  • Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie
  • Berliner Corporate Governance Kodex


Nachhaltigkeitsbericht 2020/2021, Unser Verständnis von Nachhaltigkeit, S. 28ff.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Um die für uns wesentlichen Themen zu erkennen, blicken wir: auf unser Umfeld; auf wichtige Trends und regulatorische Entwicklungen im Nachhaltigkeitskontext, die für die GESOBAU relevant sind; auf negative und positive Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit. 

Zentrale Aspekte, die unsere Geschäftstätigkeit beeinflussen:
  • Urbanisierung: Immer mehr Menschen ziehen in Städte wie Berlin. Laut Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen wächst Berlin bis 2030 auf knapp vier Mio. Menschen an. Damit verändern sich auch Sozial- und Bevölkerungsstruktur. Das stellt die GESOBAU vor Herausforderungen: Es gilt, mehr bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen. Gleichzeitig sehen wir eine Chance, uns an nachhaltiger Entwicklung zu beteiligen, lebenswerte Quartiere zu entwickeln und mehr Menschen ein Zuhause zu bieten.
  • Soziale Wohnungspolitik und Klimaschutz: Bis 2050 müssen wir in klimaneutralen Wohnungsbestand investieren. Nur so können wir zu (inter-)nationalen Klimaschutzzielen beitragen und aktuellen Gesetzgebungen entsprechen. Dazu bedarf es hoher Investitionen in entsprechende Maßnahmen – speziell die technische Optimierung der Wärmeversorgung. Häufig stehen die Kosten im Spannungsfeld zu den Anforderungen an bezahlbaren Wohnraum. Unsere Herausforderung: Einen sozial gerechten Weg finden, um die Klimaziele zu erreichen.

Zentrale Aspekte, die wir mit unserer Geschäftstätigkeit beeinflussen:
  • Energie- und Ressourcenverbrauch: Der Gebäudesektor ist energie- und ressourcenintensiv. Gebäudebetrieb verursacht laut Global Alliance for Buildings and Construction ca. 30 % der weltweiten CO2-Emissionen – mit Bauindustrie-Emissionen sind es 40 %. Zudem verbraucht mit Wohnungs- und Infrastrukturbau viel Fläche. Die Wohnungswirtschaft kann und muss entscheidend zu Klima- und Umweltschutz beitragen. Die GESOBAU kommt dem nach. Emissionen vermeiden und Ressourcenverbrauch senken, ist für uns wesentlich. Zentrale Stellhebel: nachhaltige Bestandsentwicklung sowie klimafreundliches Bauen und Wohnen.

Die wesentlichen Punkte spiegeln sich in den Ergebnissen unseres ersten strukturierten Dialogs mit internen und externen Stakeholdern (s. NHB 2017, S. 28) von 2015. Die für sie sehr relevanten Themen wurden dabei in unseren vier Handlungsfeldern nachhaltiger Entwicklung analysiert.

Auf weitere Aspekte wie Chancen und Risiken resultierend aus dem demografischen Wandel oder der Altersstruktur der Mitarbeiter*innen gehen wir unter DNK 16 Qualifikationen ein.



Materialitätsmatrix


Nachhaltigkeitsbericht 2020/2021, Unser Verständnis von Nachhaltigkeit, S. 31ff.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Im Nachhaltigkeitsprogramm bündeln wir überprüfbare, an den Handlungsfeldern nachhaltiger Entwicklung ausgerichtete Ziele und Maßnahmen. Sie werden in unseren Fachbereichen umgesetzt. Das Nachhaltigkeitsmanagement prüft jährlich, inwieweit die Ziele erreicht wurden, und aktualisiert das Programm. Ein fester Monitoring- und Evaluierungsprozess ist bislang nicht etabliert, soll aber zusammen mit einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet werden.

Unsere übergeordneten Unternehmensziele höchster Priorität: Wohnungsbestand erhöhen, Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten bereitstellen und angemessene Mieten gewährleisten. Zudem fokussieren wir uns aufgrund gesetzlicher Vorgaben von Land und Senat auf klimaneutralen Wohnungsbestand bis 2050 und wollen Partizipation im Wohnungsbau stärken. Auch haben wir weitere Ziele nachhaltiger Entwicklung priorisiert:
  • Nachhaltiges Personalmanagement
  • Frauenförderung und Diversität in der Belegschaft
  • Förderung von nachhaltiger Mobilität in den Betriebsstätten und den Quartieren
  • Schutz und Förderung der Biodiversität
  • Digitale Transformation von Prozessen und Dienstleistungen
  • Erprobung innovativer Bau- und Wohnkonzepte

Klimaschutz ist zentral für die GESOBAU. Übergeordnetes Ziel: Bis 2050 klimaneutralen Gebäudebestand realisieren. Dafür werden wir bis 2030 aus Kohle und Öl als Energieträger aussteigen – also die CO2-Emissionen des Bestands weiter senken.

Unsere Nachhaltigkeitsziele beziehen sich noch nicht explizit auf die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Allerdings befasst sich der Nachhaltigkeitsausschuss mit den SDGs und plant einen Vorschlag zu erarbeiten, welche der Ziele mit welcher Priorisierung bei der Nachhaltigkeitsarbeit im Unternehmen zukünftig eine Rolle spielen sollen.


Nachhaltigkeitsbericht 2020/2021, Unser Verständnis von Nachhaltigkeit, S. 37.
Nachhaltigkeitsbericht 2020/2021, Unser Nachhaltigkeitsprogramm 2020+, S. 39ff.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Wertschöpfungskette

Das Kerngeschäft der GESOBAU umfasst Wohnungsbewirtschaftung und Vermietung an breite Bevölkerungsschichten. Damit einher gehen Modernisierungen, Instandhaltungen und mieternahe Dienstleistungen. Auch erhöhen wir den Bestand durch Neubau und Ankäufe. Je nach Geschäftsfeld sind ökologische und soziale Aspekte innerhalb der Wertschöpfungskette unterschiedlich gewichtet.

  1. Planung & Beschaffung: Wir arbeiten mit Dienstleistern und Lieferanten zusammen. Wichtig für uns: umfassendes Lieferantenmanagement, das die Einhaltung nachhaltiger Standards priorisiert. Schon in den Neubauplanungen suchen wir nach nachhaltigeren Wegen und versuchen umweltschonendere Materialien zu nutzen.
  2. Bau: Unsere Gebäude sollen möglichst energieeffizient zu betreiben sein. Neubaudächer sind meist begrünt. Das verringert versiegelte Fläche und das Aufheizen der Umgebung, hält Regenwasser teils im Gebiet und fördert Biodiversität. Um ressourcenschonender und kostengünstig zu bauen, erproben wir neue Bauarten wie Basis- (NHB 2020, S. 67) und Standardtypenhaus (ebd., S. 67).
  3. Nutzung: Wir bauen möglichst energieeffiziente Gebäude und decken den Energiebedarf verstärkt aus regenerativen Quellen. Im Gebäudemanagement setzen wir zunehmend auf Digitalisierung, um unsere Wertschöpfung nachhaltiger zu gestalten.
  4. Instandhaltung: Wir konzentrieren uns bei Instandhaltungen auf möglichst energieeffiziente, energiesparende und CO2-Emissionen senkende Maßnahmen.
  5. Recycling: Wir versuchen die Gebäudelebensdauer durch Instandhaltung weitestmöglich zu erhöhen. Gebäude werden nur abgerissen, wenn so mehr und neuer Wohnraum entsteht.  Abfall von Instandhaltungen wird durch unsere Dienstleister fachgerecht getrennt und ist so weithin recyclingfähig.

Lieferantenmanagement

Die Vergabe von Aufträgen unterliegt bei der GESOBAU als landeseigenem Unternehmen besonders strengen Vorgaben in Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten und Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards. Dazu zählen u. a.:
  • Einsatz umweltgerechter und zugelassener Materialien und Verfahren sowie Berücksichtigung von Vorgaben aus der Berliner Verwaltungsvorschrift „Beschaffung und Umwelt“,
  • Einhaltung von Umweltvorgaben zur Abfallbeseitigung,
  • Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO),
  • Achtung der Vorgaben zu Mindest- und Tariflöhnen, zu Arbeitnehmerschutz und zur Frauenförderung.

Unsere Auftragnehmer*innen und ihre Nachunternehmer*innen müssen diese strikt einhalten. Ab einem bestimmten Auftragsvolumen schließen wir mit allen Auftragnehmer*innen einen Integritätsvertrag ab. Für fairen Wettbewerb schreiben wir Verträge mit mehrjährigen Laufzeiten regelmäßig neu aus.

Ob Auftragnehmer*innen unsere Vorgaben einhalten, überprüfen wir mit einer Anwaltskanzlei. Wir beauftragen externe Sicherheitsfirmen, unangekündigte Kontrollen auf unseren Baustellen durchzuführen.  So wollen wir Schwarzarbeit verhindern und sicherstellen, dass die von uns beauftragten Firmen ihre Mitarbeiter*innen ordnungsgemäß etwa bei der Sozialversicherung anmelden.


Nachhaltigkeitsbericht 2020/2021, Zukunftfähiges Bauen und Wohnen, S. 64ff.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4