1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Unser Kerngeschäft, Unternehmensanspruch und Managementansatz

Unser Kerngeschäft ist die Produktion von Tee, Kaffee und Gewürzen in feinster Bioqualität. Wir setzen dafür auf den feinen, unverfälschten Geschmack der Natur und auf Herstellungsprozesse, die unseren hohen Qualitätsanspruch mit ökologischer Weitsicht und sozialer Verantwortung verbinden.

Ob Teeblätter aus Darjeeling, Arabica-Bohnen aus Mexiko oder Pfefferminze aus Oberösterreich: Damit, wie man Tee, Kaffee und Gewürze anbaut, erntet und verarbeitet, lassen sich Enzyklopädien füllen. Lieferanten und Mitarbeiter leben davon, sie zu kultivieren und zu veredeln. Auf jedem Kontinent dieser Erde, die Antarktis ausgenommen, kultivieren Anbaupartner für uns Rohwaren. Die Wege vom Feld ins Regal sind vielfältig. Um Qualität und Nachhaltigkeit zu sichern, beginnt unsere Arbeit daher schon in den Teegärten und auf den Feldern unserer Anbaupartner. Den Fenchel wollen wir schon kennen, wenn er noch Saatgut ist. Und dann begleiten wir ihn: Schritt für Schritt, entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Unser Versprechen und unsere Herausforderung ist es, bei aller Vielfalt der Herkünfte die Herstellung von Produkten aus 100% Bio-Anbau, ohne Aromazusätze, ohne Gentechnik, strengstens qualitätskontrolliert, klimafreundlich produziert und aus fairen Partnerschaften zu gewährleisten. Entlang der Wertschöpfungskette wollen wir dabei aktiver Mitgestalter einer positiven und nachhaltigen Entwicklung von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft sein. Über den Ansatz der bloßen Vermeidung oder Minimierung negativer ökologischer und gesellschaftlicher Auswirkungen gehen wir hinaus. Genauso auch über gesetzliche und Normvorgaben. Um dies zu gewährleisten haben wir unsere Grundsätze in unserer Unternehmenspolitik entsprechend festgeschrieben. 

Weiterführende Richtlinien und Vorgaben spezifizieren die Unternehmenspolitik: von einer Sozialrichtlinie über Führungsgrundsätze bis hin zu einer Reihe von spezifischen Richtlinien und Betriebsvereinbarungen. Eine Antikorruptionsrichtlinie und unsere Markenkernwerte sind explizit festgelegt. Ebenso die Handlungsgrundsätze für Lieferanten, in denen z. B. die Einhaltung ökologischer Standards und die Vermeidung von Kinder- und Zwangsarbeit vorgeschrieben sind.

Wir setzen auf einen integrierten Managementansatz, der übergreifend für alle wesentlichen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsherausforderungen gültig ist. Er basiert über die Unternehmenspolitik hinaus auf maßgeblichen internationalen Normen und Standards und ist in Form eines Integrierten Managementsystems mit fest geregelten Prozessen bei uns verankert. Ergänzend haben wir unser Lebensbaum Partnersystem entwickelt, mit dem wir entlang der Wertschöpfungskette systematisch unsere Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanforderungen managen. 

Ermittlung der wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen 


Die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen sowie Chancen und Risiken unseres unternehmerischen Handelns ermitteln wir durch verschiedene Verfahren, die wir nach festen Kriterien in einer regelmäßig aktualisierten Wesentlichkeitsanalyse zusammenführen. Zu diesen Verfahren zählen Prozessanalysen, Stakeholderbefragungen und -dialoge, Auswertungen von Lebenszyklus-Analysen, Auswertungen externer Studien und Publikationen sowie Gefährdungsbeurteilungen und Risikoanalysen. Die in der Wesentlichkeitsanalyse herausgearbeiteten Themen verdichten wir zu fünf Kernhandlungsfeldern: Für die einzelnen Handlungsfelder setzen wir uns grundlegende strategische Ziele und legen, davon ausgehend, konkrete operative Ziele fest. Strategische und operative Ziele werden jährlich überprüft und ggf. angepasst oder ergänzt.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit unseres Managementsystems bewertet die Geschäftsführung jährlich auf der Grundlage der in unserem Nachhaltigkeitsbericht dargestellten und weiterer Leistungsindikatoren. Außerdem bilden interne wie externe Audits, Stakeholder-Rückmeldungen und andere Informationsquellen, die in jährlichen Leistungsberichten zusammengeführt werden, eine Basis der Bewertung. Verschiedene monats- und quartalsweise intern verfasste Berichte ermöglichen zudem eine unterjährige Überprüfung der Unternehmensentwicklung. Wo notwendig oder sinnvoll wird im Rahmen des Managementsystems mit Verbesserungsmaßnahmen an Weiterentwicklungen gearbeitet, es werden neue Ziele formuliert oder Projekte gestartet. An Anreizmechanismen koppeln wir unsere Ziele gleichwohl nicht.

Mit Blick auf Nachhaltigkeit lassen wir unsere Leistungen darüber hinaus seit 2017 ergänzend zu EMAS und ISO 14001 jährlich auch durch ein Sozial, Nachhaltig & Fair-Audit der Kiwa International Cert prüfen. Darüber hinaus haben wir uns seit 2013 wiederholt an externen Benchmarkings und Wettbewerben wie dem CSR-Preis der Bundesregierung, dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und dem Ranking der Nachhaltigkeitsberichte von IÖW und future extern prüfen lassen. 2014 sind wir mit dem CSR-Preis der Bundesregierung und 2015 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis als nachhaltigstes mittelgroßes Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet worden. Unser Nachhaltigkeitsbericht ist 2016 als bester Nachhaltigkeitsbericht des deutschen Mittelstands 2015 ausgezeichnet worden.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Unsere wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen

Nachhaltigkeit ist ein weites Feld. Daher haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, welche Aspekte der Nachhaltigkeit für Lebensbaum wesentlich sind. Nicht nur damit unser Nachhaltigkeitsmanagement handhabbar bleibt, sondern auch damit wir in diesem weiten Feld nichts Wichtiges vergessen und den Überblick behalten.

Als Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft, das seine landwirtschaftlichen Rohwaren aus der ganzen Welt bezieht und viele vergleichsweise selten angebaute Sonderkulturen verarbeitet, bewegen wir uns dabei in einem sehr herausfordernden und komplexen Umfeld. Klimawandel, Umweltverschmutzung und regionale Umweltveränderungen verändern und erschweren vielerorts den Anbau hochwertiger Rohwaren. In vielen Herkunftsländern sind die politischen Verhältnisse weit weniger stabil als in den meisten europäischen Staaten. Existenzsichernde und menschenwürdige Arbeits- und Sozialstandards sind in diesen Ländern häufig keineswegs selbstverständlich. Zugleich nimmt die Nachfrage nach Bioprodukten zu und verschärft weltweit den Wettbewerb um Rohware, während zeitgleich der Preisdruck im Einzelhandel getrieben durch die Bio-Eigenmarken großer Handelsketten in den von uns bedienten Märkten steigt. Auch die Anforderungen an die Wahl des Verpackungsmaterials werden herausfordernder: Es muss nicht nur das Produkt bestmöglich vor Qualitätsverlust und Schadstoffmigration schützen, sondern soll auch aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt, bestmöglich recyclingfähig und am besten zugleich noch plastikfrei sein. Politik und Standardgeber reagieren auf die steigenden Nachhaltigkeitsrisiken mit neuen Anforderungen, die von der Energieeffizienz, über Verpackungs- und Entsorgungsanforderungen, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten usw. bis hin zu Berichtspflichten reichen. All diese Aspekte fließen deshalb im Sinne der Komplexitätsbewältigung in unsere Wesentlichkeitsanalyse ein.

Um eine auf unser Unternehmen zugeschnittene Wesentlichkeitsanalyse zu erhalten, haben wir zunächst auf Grundlage unserer eigenen Prozesse, der Anmerkungen unserer Stakeholder und der GRI-Liste von Nachhaltigkeitsaspekten alle Themen gesammelt, die relevant sein könnten. Die für uns nicht relevanten Aspekte haben wir gestrichen. Denjenigen Aspekten, die für uns relevant sind, haben wir zum leichteren Umgang passende Begriffe aus dem Lebensbaum Kosmos zugeordnet, zum Beispiel Produkttransparenz, Bio-Landwirtschaft und Wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Im nächsten Schritt haben wir die Wesentlichkeit aus Unternehmenssicht anhand neun spezifischer Kriterien in Bezug auf ihre strategische, operative und stakeholderbezogene Bedeutung bewertet.

Um die Wesentlichkeit auch aus Sicht unserer Stakeholder zu bewerten, haben wir zunächst ermittelt, welche Stakeholdergruppen überhaupt von den herausgearbeiteten Aspekten betroffen sind – und in welchem Ausmaß. Für einen allgemeinen Eindruck haben wir die Aspekte von Studenten mehrerer Nachhaltigkeitsstudiengänge priorisieren lassen. Außerdem haben wir in einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 Bio-Kunden ermittelt, welche Aspekte sie für wesentlich halten. Eine weitere Stakeholdergruppe sind unsere Mitarbeiter, von denen wir mehr als 100 befragt haben. Auch unsere Erfahrungen aus dem Austausch mit weiteren Stakeholdern, wie Handelspartnern und Lieferanten, sind in die Analyse eingeflossen. Darüber hinaus haben wir eine Studie der GRI* und Wesentlichkeitsanalysen anderer Unternehmen ausgewertet. Anhand wissenschaftlicher Gesichtspunkte haben wir entlang der Wertschöpfungskette bewertet, welche Aspekte an welchen Gliedern der Kette gegebenenfalls von besonderer Bedeutung sind.

Im Ergebnis haben wir 22 wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte erhalten, die wir jeweils einem der folgenden fünf Nachhaltigkeitshandlungsfelder zugeordnet haben:
Eine Wesentlichkeitsgrafik stellt die einzelnen Nachhaltigkeitsaspekte, ihre relative Bedeutung und ihre Zuordnung zu den fünf Handlungsfeldern dar. Eine detailliertere Beschreibung der Nachhaltigkeitsaspekte spezifiziert näher, wer betroffen ist und welche Auswirkungen, Chancen oder Risiken mit Aspekten verknüpft sind. 

*GRI 2013: Sustainability Topics for Sectors: What do stakeholders want to know?

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen sowie Chancen und Risiken unseres unternehmerischen Handelns ermitteln wir durch verschiedene Verfahren, die wir nach festen Kriterien in einer regelmäßig aktualisierten Wesentlichkeitsanalyse zusammenführen. Die in der Wesentlichkeitsanalyse herausgearbeiteten Themen verdichten wir zu Kernhandlungsfeldern. Für die einzelnen Handlungsfelder setzen wir uns grundlegende strategische Zielsetzungen und legen, davon ausgehend, konkrete operative Ziele fest. Strategische und operative Ziele werden jährlich überprüft und ggf. angepasst oder ergänzt. Eine Liste unserer Ziele und des Grads der Zielerreichung ist in unserem Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Über unsere umweltrelevanten Ziele und den Stand der Zielerreichung berichten wir außerdem jährlich in unserer Aktualisierten Umwelterklärung (Seite 15ff.).

Im Zuge der Weiterentwicklung unseres Nachhaltigkeitsmanagements arbeiten wir derzeit daran, unser Nachhaltigkeitsmanagement, einschließlich der im Nachhaltigkeitsprogramm gesetzten Ziele, ebenso wie unsere Nachhaltigkeitsberichterstattung in den Kontext der Entwicklungsziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu stellen (Sustainable Development Goals = SDGs). Ab 2019 werden wir auch in der Nachhaltigkeitsberichterstattung die entsprechenden Bezüge herstellen.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Unsere Werte und unsere Qualitäts- und Nachhaltigkeitsansprüche setzen wir nicht nur intern in unserem Managementsystem um, sondern beginnen damit, ganz im Einklang mit den Erkenntnissen aus unserer Wesentlichkeitsanalyse, auf den Feldern unserer Anbaupartner. Am Beispiel unseres Fenchel-Anis-Kümmel-Tees haben wir exemplarisch in einer Grafik den Weg vom Feld ins Regal aufbereitet und stellen unsere Qualitätssicherungsschritte entlang der Wertschöpfungskette dar. In ähnlicher Weise begleiten wir die Produkte hinsichtlich der Umwelt- und Sozialstandards entlang ihres Weges durch unser Einkaufsmanagement in Form unseres Lebensbaum Partnersystems. Dieses baut auf den Kriterien unserer Unternehmenspolitik auf und orientiert sich an international maßgeblichen Standards. Wir setzen auf Einkauf im Ursprung und auf langfristige, partnerschaftliche Beziehungen mit unseren Lieferanten. Außerdem ist die konsequente Förderung und Ausweitung eines sozial verantwortungsvollen, ökologischen Landbaus wesentliche Grundlage unseres unternehmerischen Handelns.

Die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten begreifen wir als kontinuierlichen Abstimmungs- und Verbesserungsprozess. Regelmäßig führen unsere Einkäufer und Qualitätsverantwortlichen Audits vor Ort durch. Jährlich bewerten nicht nur der Einkauf, sondern auch die Abteilungen Qualität und Forschung & Entwicklung die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten. Anschließend legen wir, wenn nötig, gemeinsam mit unseren Lieferanten Verbesserungsziele fest. Diese enge Verzahnung auf mehreren Ebenen ist die Essenz unserer Qualitätspartnerschaften.

Über Qualität hinaus steht unser Lebensbaum Partnersystem für transparente Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette. Dafür wurde das System mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2014 mit dem CSR-Preis der Bundesregierung. Seit 2015 haben wir unser System signifikant weiterentwickelt und in 2017 als Pilotunternehmen die neue Zertifizierung "Sozial, Nachhaltig, Fair" der Kiwa International Cert bei uns eingeführt. Dadurch lassen wir Nachhaltigkeit insbesondere auch mit Blick auf die sozialen Aspekte an unseren Standorten und in unserem Lieferkettenmanagement jährlich extern prüfen. Wir selbst prüfen bei Anbaupartnern aus Risikoländern*, ob zusätzlich zur Bio-Zertifizierung und dem dokumentierten Einverständnis mit unseren Handlungsgrundsätzen (Code of Conduct) weitere Nachweise über die Einhaltung anerkannter Arbeits- und Sozialstandards vorliegen, z. B. durch eine Fairtrade-, Naturland- oder SA 8000-Zertifizierung. Wenn nicht, beauftragen und finanzieren wir bei Naturland die Durchführung eines Umwelt- und Sozialaudits bei dem entsprechenden Lieferanten gemäß der Anforderungen unseres Partnersystems. Das Audit wird im Abstand von drei Jahren wiederholt.
Von den 4.379 Tonnen Rohwaren, die wir in 2017 bezogen haben, erfüllen 95 Prozent diese erweiterten Anforderungen erfüllt. Diesen Anteil wollen wir auch zukünftig mindestens auf diesem Niveau halten.

*Ländereinstufung gemäß der Risikoländerliste der BSCI (Business Social Compliance Initiative)

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4

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