1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Interseroh steht für eine Welt ohne Abfall. Um diese Vision zu verwirklichen, setzen wir uns dafür ein, die Wertschöpfung kreislauffähig und damit zukunftsfest zu machen. Wir unterstützen Unternehmen mit ganzheitlichen Lösungen darin, Ressourcenverbräuche und Treibhausgasemissionen zu senken und entwickeln uns gemeinsam mit unseren Kunden stetig weiter: Wir konzipieren neue Design-for-Recycling-Ansätze, realisieren Upcycling-Lösungen, bereiten Produkte für ihre Wiederverwertung auf und entwerfen neue Sharing Economy-Modelle. Wir wollen die Kreislaufwirtschaft auch europaweit stärken und gestalten – dafür stellen wir uns zunehmend international auf. Unser Nachhaltigkeitsbericht 2020 stellt die Leistungen von Interseroh transparent dar. Wir zeigen, wie wir Nachhaltigkeit im Kerngeschäft, an unseren Standorten und in Kooperation mit anderen Branchenakteuren vorantreiben. Der Bericht macht – unter anderem durch die Darstellung unserer Leistungskennzahlen – deutlich, wie wir uns in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt haben, wo wir mit der Erreichung der Ziele unserer Nachhaltigkeitsstrategie stehen, und welche Herausforderungen wir in Zukunft meistern wollen.

Nachhaltigkeitsstrategie
Um einen konkreten Beitrag zu den globalen Herausforderungen der Nachhaltigkeit zu leisten, richten wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie an den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen aus. Mithilfe einer Wesentlichkeitsanalyse haben wir jene Themen und Ziele identifiziert, zu denen wir den größten Beitrag leisten können – und die unsere Stakeholder als besonders relevant erachten. 2020 haben wir die Wesentlichkeitsmatrix vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen überprüft und die Bewertung der Themen leicht angepasst. Die aus dem Prozess abgeleiteten vier strategischen Schwerpunkte blieben davon unberührt.
Mit strategischen Stoßrichtungen setzt sich Interseroh dafür ein, dass weder Ressourcen, Wissen, Talente oder Ideen verschwendet werden.

Das Nachhaltigkeitsmanagement von Interseroh ergänzt das integrierte Managementsystem, das alle Prozesse und Abläufe für Qualität, Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz umfasst. Grundlage für die Ausweitung des integrierten Managementsystems auf zusätzliche Nachhaltigkeitsaspekte waren die Aussagen des internationalen Leitfadens zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen (ISO 26000). Es erfüllt die Vorgaben der internationalen Normen ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001 (Umweltmanagement), ISO 50001 (Energiemanagement), ISO 22000 (Lebensmittelsicherheit) und BS OHSAS 18001 (Arbeitsschutzmanagement). Zudem entspricht es allen Anforderungen für die Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb (Efb).

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Globale Megatrends wie die Verknappung von Ressourcen oder der Klimawandel haben dazu beigetragen, dass die Relevanz von Interserohs Dienstleistungen in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Laut einem Bericht der OECD wird der weltweite Ressourcenverbrauch auf rund 90 Milliarden Tonnen Rohstoffe geschätzt. Damit hat sich die Zahl seit 1970 nahezu vervierfacht – damals wurden rund 22 Milliarden Tonnen Rohstoffe genutzt. Doch die Ressourcen sind begrenzt, Rohstoffe werden immer knapper und teurer. Entsprechende Lösungen zur Steigerung der Ressourceneffizienz und zur Kreislaufführung sind darum zunehmend gefragt.

Im Rahmen der Strategieüberarbeitung führte Interseroh im Jahr 2017 eine umfangreiche Wesentlichkeitsanalyse basierend auf den Sustainable Development Goals (SDGs) durch. Der Prozess ist ausführlich im Nachhaltigkeitsbericht 2018 D, S. 21/22 beschrieben. 2020 überprüfte Interseroh in einem Workshop mit Unterstützung der Nachhaltigkeitsberatung akzente kommunikation und beratung GmbH die daraus entstandene Wesentlichkeitsmatrix. Dafür wurden aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft sowie im Unternehmen einbezogen und alle Themen in den drei Dimensionen Stakeholder-Erwartungen, Wirkungspotenzial und Wertbeitrag überprüft.

Daraus ergaben sich folgende Veränderungen:

Stakeholder-Erwartungen
Bewegungen wie Fridays for Future sowie politische Entwicklungen wie der EU Green Deal oder das Klimapaket der Bundesregierung kennzeichnen weiter gestiegene Erwartungen der Stakeholder im Bereich Ressourcenschonung und Klimaschutz. Entsprechend wurden die Unterziele Effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen (SDG 12.2), Verbesserung der Ressourceneffizienz in Produktion und Konsum (SDG 8.4) sowie das <1,5-Grad-Ziel in dieser Dimension höher bewertet. Zudem hat das Thema sichere Arbeitsbedingungen (SDG 8.8) durch Corona weiter an Bedeutung gewonnen.

Wirkungspotenzial
Einen zentralen Ansatzpunkt für eine nachhaltige Entwicklung sieht Interseroh in der globalen Zusammenarbeit aller Akteur*innen. Entsprechend sieht das Unternehmen ein gewachsenes Wirkungspotenzial in der Stärkung der Politik-Kohärenz (SDG 17.14) sowie von Partnerschaften und Multi-Stakeholder-Initiativen (SDG 17.16).

Wertbeitrag
Die aktive Beteiligung an Partnerschaften und offenem Dialog wirkt sich auch unmittelbar auf den Erfolg von Interseroh aus. Entsprechend wurde die Unterstützung von Unternehmen bei der Einführung nachhaltiger Praktiken (SDG 12.6), die Weitergabe notwendigen Wissens zu Nachhaltigkeit (SDG 12.8) sowie die Stärkung der Politik-Kohärenz (SDG 17.14) bezüglich ihres Wertbeitrags höher bewertet. Die veränderten Bewertungen machen Schwerpunkte deutlich. Als wesentlich werden weiterhin alle SDG-Unterziele definiert, die besonders großes Wirkungspotenzial aufweisen sowie für die Stakeholder und/oder das Geschäft von Interseroh sehr relevant sind. Trotz der veränderten Bewertungen ergab sich keine Veränderung in der Auswahl der wesentlichen Themen und ihrer GRI-Zuordnung (siehe GRI 102-47).

Chancen und Risiken
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit. Interseroh hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ressourcen zu schonen, Verschwendung zu vermeiden und so auch CO2 einzusparen. Den größten Einfluss hat das Unternehmen über die Lösungen und Dienstleistungen, die es für Kunden entwickelt. Durch die Recyclingaktivitäten und sonstigen Dienstleistungen von Interseroh konnten allein 2019 9,5 Millionen Tonnen Resourcen und 1,3 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden werden. Die Nachfrage nach emissionsarmen Produkten und Prozessen wird immer stärker. Das ist für viele Leistungen von Interseroh der Ansatzpunkt und damit Chance für den Ausbau des Geschäfts. Interseroh macht den Kunden die Einsparungen bezogen auf Emissionen und Ressourcen mithilfe wissenschaftlicher Studien und darauf basierender Zertifikate transparent. Die Entwicklung hin zu mehr Ressourcenschonung und CO2-Einsparung spiegeln auch die jüngsten regulatorischen Änderungen wie die EU-Kunststoffstrategie, das neue Verpackungsgesetz und die WEEE-Novelle zur Rücknahme von Elektroaltgeräten wider. Direkte negative Auswirkungen durch den Klimawandel auf das Geschäft entstehen für Interseroh nicht. Jedoch können Standorte von regulativen Einzelmaßnahmen wie zum Beispiel energetischen Sanierungsmaßnahmen betroffen sein. Eine Quantifizierung der Folgen dieser Chancen und Risiken wurde nicht vorgenommen.


3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Gemeinsam mit den Bedürfnissen der Kunden und den Kernkompetenzen des Umweltdienstleisters bildeten die Sustainable Development Goals (SDGs) den Rahmen, innerhalb dessen die strategischen Stoßrichtungen formuliert wurden. Für jede strategische Stoßrichtung hat Interseroh spezifische Ziele und Kennzahlen hinterlegt. Das daraus resultierende Nachhaltigkeitsprogramm beinhaltet Querschnittsaufgaben für alle Unternehmensbereiche. Damit integriert Interseroh den Nachhaltigkeitsgedanken in alle Geschäftsprozesse. Anhand der Ziele steuert das Nachhaltigkeitsmanagement seine Aktivitäten und überprüft seine Erfolge.

Die Ziele werden fortlaufend mittels einem Nachhaltigkeitsindex überprüft und jährlich im 1. Quartal aktualisiert. Da der Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung maßgeblich in Verbindung mit der Ausweitung unserer Dienstleistungen steht, sind die strategischen Sotßrichtungen mit Geschäftsbezug höher priorisiert als die internen Zielstellungen (60/40 Prozent). Ein beispielhafter KPI lautet: Jährlich neue Wertstoff- und Logistikkreisläufe schließen, sodass wir insgesamt mindestens 5,5 Millionen Tonnen Ressourcen beziehungsweise 800.000 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen." 2019 und 2020 wurde dieses Ziel zu 100 % erreicht. Für alle 2020 terminierten Ziele, lag die Zielerreichung bei ca. 86%.

Verantwortungsvolle Führung, nachhaltiges Denken und Handeln sowie eine offene Unternehmenskultur sind die Leitlinien für ihr tägliches Handeln. Die Geschäftsführung ist für die Umsetzung der wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen verantwortlich. Innerhalb des Teams wird das Thema Nachhaltigkeit insbesondere von Markus Müller-Drexel verantwortet. An ihn berichten auch die Nachhaltigkeitsmanager*innen, die alle Nachhaltigkeitsthemen koordinieren. Sie verfolgen die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in den Unternehmensbereichen und binden die Ländergesellschaften mit ihren marktspezifischen Nachhaltigkeitsaktivitäten ein. Unterstützt werden sie dabei von sieben Steuerkreisen, die die Umsetzung der strategischen Stoßrichtungen der Nachhaltigkeitsstrategie in folgenden Bereichen verantworten: Vertrieb, Digitalisierung, Mediär, Mitarbeiter*innen, Compliance, Lieferkette und Umwelt.

Die Nachhaltigkeitsziele von Interseroh beziehen sich auf die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Weitere Informationen zur Wesentlichkeitsanalyse und der Einbettung der Nachhaltigkeitsstrategie sind in Kriterium 2 dargestellt.

Das Nachhaltigkeitsmanagement von Interseroh ergänzt das integrierte Managementsystem, das alle Prozesse und Abläufe für Qualität, Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz umfasst. Grundlage für die Ausweitung des integrierten Managementsystems auf zusätzliche Nachhaltigkeitsaspekte waren die Aussagen des internationalen Leitfadens zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen (ISO 26000).

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Als Systemdienstleister koordiniert Interseroh allein in Deutschland rund 1.900 externe Dienstleister und Lieferanten. Insgesamt bietet Interseroh 23 Kerndienstleistungen an, sodass sich die Wertschöpfungstiefen in den Geschäftsbereichen deutlich unterscheiden (vgl. Kriterium 10.).

Nachhaltigkeit entlang des gesamten Wertschöpfungsprozesses konsequent zu verankern, ist  eine komplexe Herausforderung. Beispielsweise ist Interseroh einer der führenden Anbieter von Sortierdienstleistungen für Leichtverpackungen (LVP) und Wertstoffgemische in Europa. In diesem Geschäftsbereich führt das Unternehmen den gesamten Recyclingprozess in Eigenregie durch – von der Beratung zur Verpackungsoptimierung, der Lizenzierung der Verpackungen über die Sortierung in eigenen Sortieranlagen bis zur Aufbereitung der Recycling-Kunststoffe. Nachhaltigkeitskriterien dienen zur Steuerung der Leistung und werden somit in jedem Schritt der Wertschöpfungskette berücksichtigt. Weitere Informationen zu Interserohs Leistungen finden Sie unter https://www.interseroh.de/leistungen/

Für Interseroh endet die eigene Verantwortung nicht an den Unternehmensgrenzen. Deshalb achtet das Unternehmen auch bei seinen Lieferanten, die im Rahmen von Entsorgungs- oder Logistikaufträgen mittelbar für Kunden tätig werden, auf ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Handeln. Interseroh hat daher als Basis für die Zusammenarbeit einen Lieferantenkodex entwickelt, der auch Bestandteil von Vertragsverhandlungen und regelmäßigen Audits bei Interseroh ist. Außerdem sind Lieferanten seit 2014 verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsfragebogen zu beantworten, der in die Entscheidung der Auftragsvergabe einbezogen wird. Im Jahr 2019 führte Interseroh 120 dieser Audits durch. 2020 konnten bedingt durch die COVID-19-Pandemie nur 39 Audits, ausschließlich digital, abgehalten werden. Menschenrechtliche Aspekte sind nicht Teil der Audits, da ein Großteil der Zulieferbetriebe in Deutschland ansässig ist und hier nicht von einer Gefährdung der Menschenrechte auszugehen ist.


Die von Lieferanten geforderte Transparenz lebt Interseroh auch selbst. Seit 2020 dokumentiert Interseroh seine Nachhaltigkeitsleistungen auf den Plattformen EcoVadis und Supplier Assurance für mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungsketten.

Soziale Risiken in der Wertschöpfungskette sind in diesem Zusammenhang nicht bekannt (vgl. Kriterien 15, 16 und 17). Risiken ergeben sich für Interseroh vor allem aus den volatilen Rohstoffpreisen. Ihre Entwicklung ist oftmals schwer vorherzusagen, wirkt sich aber mittelbar auf die Nachfrage nach Interserohs Dienstleistungen aus. Durch stetige Analysen, die Beobachtung entsprechender Märkte und  darauf basierenden Prognosen versucht Interseroh, diesem Risiko entgegenzuwirken. Ein weiteres Risiko sieht das Unternehmen im Recruiting qualifizierter Mitarbeiter, insbesondere IT-Fachkräfte. Der Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte verstärkt sich weiter, zugleich sind sie gerade im Zuge der Digitalisierung, die auch Interserohs Geschäftsbereiche stark verändert, Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Unternehmen. Interseroh setzt daher auf eine vorausschauende Personalplanung und verstärktes Recruiting.

Auf Basis des Corporate Carbon Footprint (CCF) hat das Unternehmen 2017 eine Klimastrategie formuliert und Ziele definiert. Aus den Nachhaltigkeitsaspekten stellen die Treibhausgasemissionen aus beauftragten Dienstleistern (insbesondere Logistik) in der Wertschöpfungskette eine besondere Herausforderung dar. Mit Blick auf die Logistik sucht Interseroh kontinuierlich nach Optimierungspotenzialen und arbeitet an einem Ziel zur Reduktion der dadurch bedingten Emissionen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4