1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Unsere im Jahr 2021 entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie basiert auf dem grundsätzlichen Verständnis, dass ökonomisch erfolgreiches Agieren nicht ohne die Übernahme sozialer und ökologischer Verantwortung gelingen kann. Das beinhaltet einen fairen Umgang mit unseren Anspruchsgruppen und die konsequente Berücksichtigung ihrer Interessen in unserem Handeln. Das Vertrauen, das uns Kunden, Geschäftspartner, Gesellschafter und Mitarbeiter entgegenbringen, ist dabei die nachhaltige Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs.

Unsere Nachhaltigkeitsstrategie wurde von unserem Kompetenzteam zusammen mit der Geschäftsführung erarbeitet und durch Professor Dr. Matthias Fifka von der FAU Erlangen-Nürnberg unterstützt. Dabei bestand der erste Schritt aus einer umfassenden strategischen Analyse der internen und externen Handlungsfelder des Unternehmens sowie einer Betrachtung der Wettbewerber. Auf dieser Basis haben wir zehn für die NürnbergMesse wesentliche Handlungsfelder im Bereich der Nachhaltigkeit identifiziert und in Hinblick auf ihre Relevanz für das Unternehmen in einer Wesentlichkeitsmatrix (siehe dazu Punkt 2 unten) verortet. Die zehn identifizierten Handlungsfelder sind:

•             Kundenzentrierung und -begeisterung
•             Verantwortungsbewusster und attraktiver Arbeitgeber
•             Nachhaltige Durchführung von Veranstaltungen
•             Umwelt- und Energiemanagement
•             Digitale Formate
•             Plattformen für Nachhaltigkeit
•             Regionalförderung
•             Datenschutz und IT-Sicherheit
•             Werte- und Compliance-Management
•             Gesellschaftliches Engagement  

Im Rahmen unserer Strategieentwicklung und -umsetzung sind für uns zahlreiche Rahmenwerke und Standards leitgebend. Das übergeordnete Leitbild unseres Handelns sind für uns die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN: 17 SDGs). Hier haben wir bewusst überlegt, zu welchen SDGs wir aufgrund unseres Geschäftsmodells maßgebliche Beiträge leisten können. Grundlegend für unseren Verhaltenskodex, der das ethische Fundament für nachhaltiges Handeln in unserem Unternehmen bildet, sind die zehn Prinzipen des UN Global Compact. 

Zudem ist unser Energiemanagement bereits seit 2014 nach ISO 50001 zertifiziert. Im Hinblick auf ein übergeordnetes Umweltmanagement streben wir bis 2023 die Zertifizierung nach ISO 14001 an.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die ökologischen, sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingungen, unter denen die Messebranche gegenwärtig agiert, sind äußerst vielfältig und dynamisch. Vor dem Hintergrund des Klimawandels sieht sie sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, über ein Geschäftsmodell zu verfügen, das auf intensiver Reisetätigkeit beruht. Hier liegt durchaus Potenzial im Ausbau digitaler und hybrider Formate, die die NürnbergMesse in den vergangenen beiden Jahren bereits massiv vorangetrieben hat. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass Menschen sich nach wie vor auch in physischer Präsenz treffen möchten. Messen bieten dabei die Gelegenheit, potenzielle und bestehende Geschäftspartner an einem Ort zu treffen, anstatt viele „bilaterale“ Reisen unternehmen zu müssen.

Angesichts der zunehmenden Ressourcenknappheit und einer sich verschärfenden Müllproblematik wird der Messebranche zudem häufig der Vorwurf gemacht, ein hohes Abfallaufkommen zu generieren. Auch hier sehen wir als NürnbergMesse große Potenziale, vom Einsatz wiederverwendbarer Messestände bis hin zur Vermeidung von „Food Waste“ bei Veranstaltungen, und prüfen bereits erste entsprechende Maßnahmen.

Um solche im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie wesentliche Themen zu identifizieren, haben wir zum einen analysiert, welche wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen auf unsere Geschäftstätigkeit positiv und/oder negativ einwirken (Outside-in-Perspektive); zum anderen, welche wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen durch unsere Geschäftstätigkeit beeinflusst werden, sowohl positiv als auch negativ (Inside-out-Perspektive).

Im Rahmen der Outside-in-Analyse haben wir eine Einordnung im Hinblick auf die Bedeutung der einzelnen Themen für den Geschäftserfolg der NürnbergMesse vorgenommen. Hierbei wurde die Unternehmensstrategie zugrunde gelegt, um die Konsistenz unseres Handelns zu gewährleisten.

Ebenso wurden die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit in den zehn Handlungsfeldern den drei Nachhaltigkeitsdimensionen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zugeordnet. Dabei haben wir analysiert, bei welchen Themen wir durch unsere Tätigkeit am stärksten eine nachhaltige Entwicklung fördern können, indem wir positive Auswirkungen vergrößern und negative reduzieren.

Im Anschluss wurden in einer Stakeholder-Analyse insgesamt zehn für die NürnbergMesse wichtige interne und externe Stakeholder-Gruppen identifiziert und die Relevanz der Handlungsfelder aus deren Perspektive beurteilt. Diesen Prozess werden wir im Jahr 2022 weiter optimieren und einen Stakeholder-Dialog mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen durchführen.

Wie unsere Wesentlichkeitsmatrix zeigt, sehen wir die größten Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit im Hinblick auf die vier wesentlichen Themen „Nachhaltige Durchführung von Veranstaltungen“, „Umwelt- und Energiemanagement“, „Plattformen für Nachhaltigkeit“ und „Regionalförderung“.  

Eine nachhaltige Durchführung unserer Veranstaltungen, etwa durch recyclingfähige Messestände und den nachhaltigen Transport von Ausstellungsmaterialien, kann negative Umweltauswirkungen erheblich reduzieren. Dies gilt auch für den Betrieb unserer eigenen Liegenschaften, wo wir durch eine kontinuierliche Optimierung des Ressourceneinsatzes einen wertvollen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten können. Eher ökonomischer Natur ist unser Impact im Rahmen der Regionalförderung. Als „Wirtschaftsmotor“ der Metropolregion Nürnberg wirkt sich unsere Geschäftstätigkeit unmittelbar positiv auf das Beherbergungs- und Gastgewerbe, aber auch den regionalen Einzelhandel aus.  

Den vielleicht größten Hebel haben wir, indem wir dem Thema Nachhaltigkeit in all seinen Facetten Raum auf unseren Veranstaltungen geben. Auf diese Weise fördern wir die Sensibilisierung für dieses Thema, die Generierung von Austausch und neuen Ideen sowie die Bildung von Netzwerken, auch zwischen Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen und Ländern. Durch die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in unsere Fachmessen und anderen Formate entstehen erhebliche Chancen für uns, da wir ein zunehmendes Interesse daran unter Besuchern und Ausstellern aus nahezu allen Branchen feststellen.

Umgekehrt gehen vom Klimawandel erhebliche Bedrohungen auf unser Geschäftsmodell aus, da im Zuge der Emissionsreduktion Reisetätigkeit, insbesondere auf internationaler Ebene, zunehmend in Frage gestellt wird. Das Ausbleiben von Ausstellern und Besuchern vor Ort wäre eine mögliche Folge. Deshalb sehen wir großes Potenzial in der Entwicklung digitaler und hybrider Formate, indem wir zunehmend online-Elemente in unsere Veranstaltungen integrieren.


Wesentlichkeitsmatrix_deutsch.pdf (104.83 KB)

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Zur Bestimmung von Nachhaltigkeitszielen haben wir einen systematischen Prozess eingeführt, um qualitative und quantitative Ziele in den zehn identifizierten Handlungsfeldern zu bestimmen. Für jedes der Handlungsfelder haben wir auf Basis einer umfassenden strategischen Analyse strategische Ziele entwickelt, die in einem „Sustainability Dashboard“ festgehalten sind. Aus den strategischen Zielen wiederum haben wir operative Ziele abgeleitet, die eine Umsetzung erleichtern und die Bestimmung konkreter Maßnahmen ermöglichen.  Die Priorisierung der Ziele orientiert sich dabei an unserer Wesentlichkeitsmatrix. Eine hohe Priorität messen wir Zielen innerhalb der Themenfelder bei, die für unsere Stakeholder und uns von hoher Bedeutung sind und bei denen die Auswirkungen unseres Handelns auf Nachhaltigkeitsaspekte als groß einzustufen sind. Ein wichtiger Maßstab bei der Beurteilung, bei welchen Themen wir maßgebliche Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können, waren die Sustainable Development Goals (SDGs). Hier haben wir analysiert, auf welche SDGs die von uns als wesentlich identifizierten Themen einzahlen. Die erläuternde Darstellung dazu findet sich in der nicht-finanziellen Erklärung unseres Geschäftsberichts für das Jahr 2021. 

Zum Zwecke der Messbarkeit und der Überprüfung der Zielerreichung haben wir die einzelnen Ziele, soweit möglich, mit Indikatoren hinterlegt. Dabei haben wir zum einen auf Indikatoren aus anerkannten Standards wie der GRI zurückgegriffen. In den Handlungsfeldern, wo dies aufgrund fehlender Indikatoren nicht möglich war, haben wir eigene Indikatoren entwickelt. Dieses Dashboard stellt auch ein wertvolles Instrument in unserem Reporting-System dar.

Dort, wo wir noch keine Kennzahlen definieren oder messen konnten, haben wir Zeitpunkte bestimmt, zu denen wir in der Lage sein wollen, das zu tun. Der kontinuierliche Aufbau von Kompetenzen und Fähigkeiten stellt für uns ein wichtiges übergeordnetes Ziel in unserem Nachhaltigkeitsmanagement dar.

Um klare Zuständigkeiten zu schaffen, liegt jedes unserer zehn Handlungsfelder in den Händen von Themenverantwortlichen. Ihre Aufgabe ist es, die jeweiligen Ziele zu bestimmen, deren Erreichung mit entsprechenden Maßnahmen zu unterstützen und anhand der formulierten Kennzahlen zu überprüfen. Dies geschieht stets im Verbund mit anderen Mitarbeitenden, wodurch den Verantwortlichen auch eine wichtige Multiplikatorenfunktion zukommt.

Die Sensibilisierung unserer Mitarbeitenden und ihre Einbindung in das Thema Nachhaltigkeit stellt ein weiteres wichtiges übergeordnetes Ziel für uns dar. Aus diesem Grund werden wir in den Jahren 2022 und 2023 die interne Kommunikation zu diesem Thema weiter ausbauen und die Mitarbeitenden durch Workshops fachlich weiterentwickeln. Es ist unser Ziel, Nachhaltigkeit zu einem integralen Bestandteil unseres täglichen Handelns zu machen.

Auf einzelne Ziele gehen wir in den nachfolgenden themenspezifischen Kapiteln ein, weshalb hier an dieser Stelle nur einige beispielhaft genannt werden sollen. Angesichts des sich eingangs angesprochenen und weiter beschleunigenden Klimawandels haben wir das ambitionierte Ziel, bis 2028 klimaneutral in der Energieversorgung zu werden. Dafür nehmen wir bereits jetzt zahlreiche Maßnahmen vor, wie eine konsequente Umstellung auf LED-Beleuchtung, das Nachrüsten von Wärmerückgewinnung in sechs unserer Hallen oder auch die weitere Optimierung der Hydraulik im Heizungs- und Kältenetz.

Im Hinblick auf die zunehmende Ressourcenknappheit als zweite zu Anfang dieses Kapitels angesprochene zentrale Herausforderung für die Messebranche wollen wir schrittweise gezielt auf eine großflächige Teppichverlegung (z.B. bei Gangflächen und Wegführungen) verzichten. Dies gilt auch für gedruckte veranstaltungsbezogene Beschilderungen auf unserem Gelände, die durch die konsequente Nutzung des innovativen Navigations- und Informationssystems „myLocation“ reduziert werden sollen.

Über alle Ebenen hinweg soll der Anteil von Frauen in Führungspositionen bis 2025 von gegenwärtig 32 % auf 40 % gesteigert werden. Einen wichtigen Baustein stellt dabei unser Mentoring-Programm „Jump“ zur Förderung des weiblichen Führungsnachwuchses dar. Seit dem Start des Programms im Jahr 2016 ist es uns gelungen, den Anteil weiblicher Führungskräfte um 66 Prozent zu erhöhen. Dieser Erfolg ist Motivation genug, „Jump“ in den kommenden Jahren kontinuierlich fortzuführen und auszubauen.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Die Wertschöpfung der NürnbergMesse liegt im Kern in der Planung, Organisation und/oder Durchführung von Eigen- und Gastveranstaltungen, sowohl im In- als auch im Ausland. Den eigentlichen Veranstaltungen vorgelagert sind vielfältige wirtschaftliche Aktivitäten als Teil der Wertschöpfungskette. Dies gilt auch für die in ihrer Natur häufig ähnlichen nachgelagerten Aktivitäten.

Unmittelbar vorgelagerte Aktivitäten liegen vor allem in der Bewerbung und Organisation unserer Veranstaltungen sowie der entsprechenden Kommunikation und Koordination mit Ausstellern und Besuchern. Darüber hinaus kooperieren wir mit zahlreichen Dienstleistern zur entsprechenden Vorbereitung der Messehallen und Räumlichkeiten. Weitere wichtige vorgelagerte Aktivitäten, auf die wir jedoch keinen oder nur mittelbaren Einfluss haben, da sie sich in der Hand von Besuchern und Ausstellern befinden, bestehen vor allem aus mit der Anreise verbundenen Dienstleistungen und dem Standbau. Hier arbeiten wir gegenwärtig an Konzepten, um diese Aspekte umweltfreundlicher zu gestalten, etwa durch Kompensationslösungen bei einzelnen Fachmessen oder dem Einsatz wiederverwendbarer Materialien.

Auch auf die Wertschöpfungsaktivitäten, die die eigentliche Durchführung der Veranstaltungen kennzeichnen, haben wir in unterschiedlichem Maße Einfluss. Die Inanspruchnahme von Hotel-Services etwa liegt erneut in den Händen von Besuchern und Ausstellern. Hier sind wir bestrebt, beiden Gruppen die Buchung nachhaltiger Hotels leichter zu machen, auch wenn wir dies nur empfehlen, nicht aber verbindlich machen können. Im Hinblick auf gastronomische Leistungen, die auf dem Messegelände selbst angeboten werden, haben wir als Eigentümer eines großen Catering-Unternehmens erheblichen Gestaltungsspielraum. Hier wollen wir beispielsweise durch intelligente Catering-Konzepte Lebensmittelabfälle verringern und den Bezug regionaler und biologischer Produkte stärken. Deshalb ist es unser Ziel, das regionale Einkaufsvolumen, insbesondere für unser Catering, von 80% im Jahr 2021 auf 85% im Jahr 2022 erhöhen.

Einen wichtigen Aspekt in der Durchführungsphase stellt der veranstaltungsgebundene Wasser- und Energieverbrauch dar, insbesondere intelligente Steuerung der technischen Anlagen (z.B: CO2 geführte Klimatisierung der Hallen), wassersparende WC Anlagen und das neue, dynamische LKW-Abruf-System zur effizienteren Steuerung der Verkehrsströme auf dem Messegelände während der Auf- und Abbauphase.

Aufgrund dieser signifikanten Hebel haben wir die „Nachhaltige Durchführung von Veranstaltungen“ als wesentliches Thema für unsere Nachhaltigkeitsstrategie identifiziert.

Beim Abbau der Messestände sind wir bestrebt, durch Recyclingkonzepte wertvolle natürliche Ressourcen zu schonen. 

Als Dienstleister hat die Beschaffung im Rahmen unserer Wertschöpfung eine geringere Bedeutung als bei Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Dennoch betrachten wir verantwortliches Handeln in der Lieferkette als Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie. So werden wir voraussichtlich im Jahr 2022 unseren Lieferantenkodex in unser Beschaffungssystem einbinden, um die Einhaltung von Gesetzen und Standards umfassend zu berücksichtigen. Denn wir sind bestrebt, hohe soziale, ökologische und Governance-Standards durchgängig in unserer Lieferkette zu etablieren. Gleichzeitig werden wir die Prozesse zur Prüfung unserer Geschäftspartner erweitern und risikobasierte Sanktionslistenprüfungen durchführen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4