1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Im Rahmen eines im Jahr 2018 begonnenen Prozesses zur Erarbeitung einer neuen Gesamtstrategie hat sich die IHK Berlin eine Vision erarbeitet: Wir gestalten eine Welt, in der jedes Berliner Unternehmen durch Synergien schnellen und einfachen Zugang zu TALENTEN und RAUM hat und NACHHALTIGKEIT Basis unternehmerischen Handelns ist.

Die Schwerpunkte der Arbeit in der IHK Berlin in den nächsten Jahren werden also insbesondere auf den drei genannten Fokusthemen liegen. Für jedes dieser drei Fokusfelder wurde auch die Rolle der IHK als starker Player im Berliner Ökosystem näher definiert. Für unsere neue Nachhaltigkeitsstrategie können wir daraus unsere Mission im Bereich Nachhaltigkeit ableiten:

Als Kultivator bereiten wir den Boden für die Evolution des Berliner Ökosystems indem wir Berliner Unternehmen befähigen, ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu handeln.

Unseren größten Nachhaltigkeitshebel sehen wir als IHK Berlin also klar in der Befähigung und Unterstützung unserer mehr als 300.000 Mitglieder. Diese Mission wurde im Strategieprozess bereits mit einem strategischen Zielbild unterlegt. Für Nachhaltigkeit als Grundlage unternehmerischen Handelns lauten dies:
Vor diesem Hintergrund wurde im dritten Quartal 2020 ein Projekt im Haus initiiert, das sich zunächst mit folgenden Aufgaben beschäftige:  
Darauf aufbauend haben wir sechs Handlungsfelder definiert, in denen die IHK Berlin das Thema Nachhaltigkeit bearbeitet.




1. Governance & Organisation
Das Handlungsfeld „Governance & Organisation“ beschreibt, wie wir Nachhaltigkeit in der IHK Berlin konkret planen, managen und umsetzen. Es beinhaltet unsere Strukturen, Prozesse, Ziele und Standards rund um das große Thema und zeigt auf, wie wir Nachhaltigkeit bei unseren internen und externen Stakeholdern verankern. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Handlungsfeldes ist das gesetzes- und richtlinienkonforme Verhalten und unser Compliance-Ansatz.

2. Betriebsablauf
Das Handlungsfeld „Betriebsablauf“ beinhaltet alle klassischen Themen des Nachhaltigkeitsmanagements, die in unserer Geschäftsstelle, dem Ludwig Ehrhard Haus in Berlin aufkommen. Dies beinhaltet zum Beispiel den Ressourcenverbrauch, Emissionen, Abfall, Mobilität und Beschaffung.

3. Belegschaft
Dem Handlungsfeld „Belegschaft“ sind alle Themen rund um die ca. 340 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IHK Berlin zugeordnet. Dabei handelt es sich unter anderem um Qualifizierung & Weiterbildung, Gesundheitsförderung, Chancengleichheit & Vielfalt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch Arbeitnehmerrechte oder Vergütung.

4. Service & Hoheitliche Aufgaben
Für uns bedeutet nachhaltig zu sein vor allem, unsere Mitglieder dabei zu unterstützen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Wir sehen es daher als einen unserer größten Hebel an, unser Produktportfolio insgesamt nachhaltiger auszurichten und mit den entsprechenden Themen zu befüllen. Das Handlungsfeld „Service & Hoheitliche Aufgaben“ beschreibt die zahlreichen hoheitlichen Aufgaben, die wir als IHK übernehmen, und die Fülle an Dienstleistungen, mit denen wir die Berliner Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Im Fokus stehen hier die Sensibilisierung, Information und Unterstützung unserer Mitglieder für Nachhaltiges Wirtschaften.

5. Interessenvertretung
Im Handlungsfeld „Interessenvertretung“ geht es um unsere Rolle als Vertreter der Berliner Wirtschaft in der politischen Debatte. Im Sinne der Nachhaltigkeit liegt der Hauptfokus hier auf der systematischen Integration sozialer und ökologischer Aspekte in alle politischen Positionen der IHK Berlin.

6. Gesellschaftliches Engagement
Als sechstes Handlungsfeld sehen wir „Gesellschaftliches Engagement“ eher als zusätzliches Aufgabengebiet, welches wir in unserer besonderen Rolle als Kammer weniger strategisch als die anderen Handlungsfelder, aber dennoch mit viel Herzblut angehen. Unseren Fokus sehen wir hier in der Anerkennung und Stärkung des vielfältigen gesellschaftlichen Engagements unserer Mitglieder.


Bei der Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen uns insbesondere für die Einordnung und Entwickung unserer Service-Angebote die Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex; bei der Bewertung und Anpassung unserer politischen Positionen die Sustainable Development Goals (SDGs).

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Wesentliche Themen

Der enge Kontakt zu unseren Stakeholdern (siehe DNK-Kriterium 9) verschafft uns einen guten Überblick über die Themen, die sie bewegen. Dieser stetige Dialog ist für die Erarbeitung der IHK-Strategie Grundlage gewesen und drückt sich in den drei übergeordneten Visionsthemen aus: einfacher Zugang zu Talenten und Raum (im Sinne einer funktionieren Stadt mit Gewerbeflächen, bezahlbarem Wohnraum für Mitarbeiter:innen, Infrastruktur etc.) und Nachhaltigkeit als Grundlage unternehmerischen Handelns.

Operationalisiert werden diese Meta-Themen, indem Top-Themen für den Zeitraum eines Jahres definiert werden. Dafür werden stellvertretend für die Berliner Unternehmer die Themen der Vollversammlung und der von ihr eingesetzten Ausschüsse herangezogen. Ergänzt wird das durch Ergebnisse aus Umfragen unter den Mitgliedern. Beides wird dann mit den erkennbaren wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Entwicklungen abgeglichen. Am Ende beschließt die Vollversammlung diese Themen. Für das Jahr 2021 waren das:
Einen umfassenden konkret auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Stakeholder-Dialog als Einzelprojekt sowie eine begleitende klassische Wesentlichkeitsanalyse der ermittelten Ergebnisse hat die IHK Berlin noch nicht durchgeführt. Dies ist allerdings bis zur Veröffentlichung des nächsten Nachhaltigkeitsberichts geplant.


Einordnung des Kerngeschäfts in Bezug auf Nachhaltigkeit

Die IHK Berlin ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Rechtsgrundlage als auch Rahmen für unsere Arbeit bildet das IHK-Gesetz (siehe auch NH-Bericht 2021, Kapitel 1.6.1). Unser Aufgabenspektrum ist gesetzlich konkret festgelegt. Dieses Aufgabengebiet hat an vielen Stellen Berührungspunkte zu Nachhaltigkeitsaspekten. Seit der beschlossenen Aktualisierung des IHK-Gesetzes im August 2021 ist dieser Bezug auch ganz offiziell im Gesetz abgebildet. Es steht im Einklang mit den Leitgedanken der Bundesregierung zur nachhaltigen Entwicklung im Sinne der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, die der Umsetzung der UN-Agenda 2030 und damit den so genannten Sustainability Goals (SDGs) dient. Besonders bei folgenden UN-Nachhaltigkeitszielen ist, wie im Gesetz vermerkt, ein klarer Bezug zu unserem Kerngeschäft vorhanden:

Weitere starke Berührungspunkte mit unserer Geschäftstätigkeit sehen wir aber auch besonders bei folgenden SDGs  
Diese Nachhaltigkeitsziele sind für uns mit Chancen und Risiken verbunden. Wir sehen große Chancen darin als zukunftsorientierte und nachhaltig ausgerichtete Organisation für unsere Mitgliedsunternehmen als Multiplikator bzw. Kultivator zu dienen. Nachhaltige Ansätze befeuern oftmals Innovationsbestrebungen. Durch neue kreative Lösungen können neue Wachstumsmärkte entstehen und sich gleichzeitig die Lebensumstände in unserer Stadt in vielen Bereichen zum Besseren entwickeln. Dies trägt langfristig zur Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes Berlin bei.

Als Risiken sehen wir besonders die Auswirkungen von globalen Ereignissen auf unseren Wirtschaftsstandort und unsere Geschäftstätigkeit. Diesbezüglich muss selbstverständlich der Klimawandel und seine Folgen genannt werden, aber auch andere Beispiele mit starkem Bezug zu Nachhaltigkeitsaspekten wie die COVID-19-Pandemie oder auch globale Fluchtbewegungen. Diese Veränderungsprozesse verstärken außerdem das Bewusstsein in der Gesellschaft für nachhaltige Fragestellungen, welche unbeantwortet zu Reputationsrisiken bei unseren Mitgliedern führen können.

Deutlich wird, die Mehrheit der genannten Ziele sowie auch die Chancen und Risiken beziehen sich konkret auf unsere Außenwirkung, das heißt den Einfluss den wir als IHK Berlin auf unsere Mitglieder und den Wirtschaftsstandort Berlin haben. Schon vor der Verankerung von Nachhaltigkeit im IHK-Gesetz haben wir unseren größten Hebel dementsprechend identifiziert und unsere Rolle als Kultivator formuliert. (siehe DNK-Kriterium 1)
 
Eine systematische Analyse unserer Inside-out- und Outside-in-Perspektiven mit Darstellung der positiven und negativen Auswirkungen durch und auf unsere Geschäftstätigkeit erfolgte noch nicht. Diese soll Teil der geplanten Wesentlichkeitsanalyse sein. 

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Unser Nachhaltigkeitsprogramm bündelt unsere Ziele im Bereich Nachhaltigkeit und verdeutlicht die Priorität, den Status und wenn vorhanden, die Kennzahl, mit der wir das Ziel unterlegen.





Im Jahr 2022 richten wir auch unsere vergütungsorientierten Ziele (Hausziel und die Teamziele) ganz auf die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie aus. Unser Ziel für 2022 ist es, dass wir für unsere Mitglieder ein „ernstzunehmender Player“ und eine erste Kontaktstelle für nachhaltiges Wirtschaften darstellen. Wir wollen sie mit unseren Leistungen befähigen, ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu handeln. Das wollen wir erreichen, in dem


 
Diese Vorhaben laufen in einer Nachhaltigkeitskampagne zusammen, die das Grundgerüst unseres Hausziels für das nächste Jahr darstellen. Für die Formulierung der Ziele erarbeiten unsere Führungskräfte ihre Bereichsziele gemeinsam und mit ihrem Team. Für die Erarbeitung des auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Hausziels unterstützt ein Projektteam, welches von der Nachhaltigkeitsmanagerin unterstützt wird. Die Zielvereinbarungen sind an die variable Vergütung geknüpft. Die Ausschüttungshöhe des variablen Vergütungsanteils ist dabei abhängig vom Erreichungsgrad des Unternehmensziels und der Bereichs-/ oder Teamziele.

Die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele im Rahmen der Teamziele bzw. des Hausziels werden von den jeweilig verantwortlichen Bereichsleiter:innen und Geschäftsführer:innen kontrolliert und nachgehalten. Zum Ende des jährlichen Messungszeitraums diskutieren die Arbeitsgruppen und ihre Führungskräfte den Grad der Umsetzung und halten ihn gemeinsam fest.
Ein Prozess, der über die Umsetzung des Hausziels 2022 hinaus den Umgang mit unseren strategischen Nachhaltigkeitszielen regelt, ist in Planung. Dafür wurde bereits eine zuständige Arbeitsgruppe gebildet.

Die Berührungspunkte unserer Nachhaltigkeitsstrategie und -ziele mit den Sustainable Development Goals  werden in Kriterium 2 (Wesentlichkeit) näher beschrieben.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Als Industrie- und Handelskammer beruht unsere Wertschöpfung auf der Erhebung von Mitgliedsbeiträgen und der Einnahme von Gebühren und Entgelten für unsere hoheitliche Aufgaben und Service-Angebote. Unsere Lieferketten bzw. Beschaffung umfassen in Rahmen- und Einzelverträgen den Einkauf von:
Die IHK Berlin richtet ihre Beschaffungen nach einer internen Beschaffungsrichtlinie aus, die sich an den Vorgaben des öffentlichen Vergaberechts orientiert. Dabei stehen die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Fokus, zu denen die IHK Berlin auf Grund gesetzlicher und nachgesetzlicher Regelungen gezwungen ist.  Daneben dienen die Grundprinzipien des öffentlichen Vergaberechts - Transparenz, Diskriminierungsfreiheit und Wettbewerb – als Kompass für ein effektives und effizientes Beschaffungsmanagement. Ausschlaggebend für Beschaffungen ist final das wirtschaftlichste Angebot, also dasjenige Angebot, das unter Berücksichtigung aller Aspekte den größten Nutzen für die IHK Berlin bringt.

Bei der Ermittlung des wirtschaftlichen Angebots ist vor allem der Preis von Bedeutung. Da die IHK Berlin aber nicht das günstigste, sondern das wirtschaftlichste Angebot beauftragt, kommen neben Eignungskriterien auch weitere Wertungskriterien zur Anwendung. Dabei sollen auch Lebenszykluskosten von Produkten berücksichtigt werden. Daher hat die IHK Berlin in der Vergangenheit bereits bei vielen Beschaffungen Nachhaltigkeitskriterien angewandt – sei es auf der Ebene der Eignungs- oder aber Wertungskriterien.

Nachhaltigkeitsaspekte in unserer Lieferkette beziehen sich auf den ökologischen und sozialen Impact der von uns eingekauften Dienstleistungen und Waren, wie zum Beispiel den Arbeitsbedingungen bei unseren Dienstleistern oder erfüllten Nachhaltigkeitskriterien der von uns oder unseren Zulieferern gekauften Produkte (Recycling, fair, regional hergestellt, aus biologischem Anbau, langlebig, klimaschonend usw.).

Künftig will die IHK Berlin dem Nachhaltigkeitsaspekt bei Beschaffungen noch mehr Gewicht verleihen. Daher wird eine Änderung der Beschaffungsrichtlinie vorbereitet, die eine Ausweitung der verbindlichen Eignungskriterien in Form von Eigenerklärungen (z.B. Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen) auf der einen Seite vorsieht. Zum anderen soll den Fachbereichen aufgegeben werden, produkt- oder unternehmensbezogene Eignungskriterien zu definieren oder aber Nachhaltigkeitskriterien bei der Wertung verpflichtend vorzusehen. Damit soll die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei allen Beschaffungen der IHK Berlin sichergestellt werden.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4