1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Das Unternehmensleitbild der WBM ist in: “Selbstverständnis WBM2020+, WIR SIND MITTENDRIN” niedergelegt. Damit ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens formuliert. Dieses Leitbild beinhaltet drei übergeordnete strategische Perspektiven, mit denen sich die WBM als attraktive und kompetente Partnerin für eine nachhaltige Stadtentwicklung und die Wohn- und Gewerbeentwicklung mitten in Berlin positioniert.  

  • “Wir stellen unseren Kunden in den Mittelpunkt“
Soziales und kulturelles Engagement in den Quartieren zur Förderung einer guten Nachbarschaft mit Vernetzung und Unterstützung der Institutionen vor Ort sowie bezahlbaren Mieten im Bestand und Neubau. Dies gilt speziell auch für Empfänger von Wohnberechtigungsscheinen und Gruppen mit besonderem Bedarf. Außerdem fördern wir die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Neubauprogramms.  

  • „Wir gestalten komplexe Quartiere“
Nachhaltige, ganzheitliche Quartiersentwicklung zum Werterhalt und zur Wertsteigerung der Bestände unter besonderer Berücksichtigung des demografischen Wandels. Priorisierung des Neubau- und Ankaufprogramms zur Vergrößerung des Bestandes in landeseigener Hand, Klima- und umweltfreundliche Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes im Bestand inkl. Qualifizierung des Wohnumfeldes.

  • „Wir sind ein lernendes Unternehmen“
Aufgreifen der bereichsübergreifenden und komplexer werdenden Aufgaben, sowie Förderung einer nachhaltigen Projektkultur und Prozessführung. Implementierung einer transformativen, internen und externen Digitalisierungsstrategie. Positionierung der WBM als attraktiver Arbeitgeber mit hohem Potential für individuelle Karrieren und attraktivem Sozialprogramm.

Innerhalb dieses Leitbildes werden die Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung (Ökologie, Ökonomie und Soziales) sowie die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) integriert betrachtet, gefördert und gleichberechtigt verfolgt.
Das Thema der Wertschöpfung sowie die Betrachtung der Wertschöpfungskette und die durch unsere wirtschaftlichen Aktivitäten ausgelösten Materiallieferketten, werden maximal bis zur zweiten Stufe betrachtet, wobei nur zertifizierte Materialien zum Einsatz kommen dürfen.   Der Bereich Arbeitnehmerrechte als weiterer strategischer Schwerpunkt verlangt die Tariftreue unserer Auftragnehmer, die wir bei Bedarf auch prüfen. Wir versuchen dabei die Auftragsvergabe möglichst regional durchzuführen, um Emissionen für notwendige Transport zu minimieren.

Die WBM berücksichtigt hierbei im Bereich der Arbeitnehmerrechte die Normen der ILO. Weiterhin orientiert sich die WBM bei ihren Aktivitäten im Umgang mit ihren Stakeholdern an den SDGs und arbeitet nach DIN, EN, ISO-Standards im Bereich Umwelt und Energie, wobei eine Zertifizierung zu einem späteren Zeitpunkt angestrebt wird.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die WBM nimmt als landeseigenes Unternehmen eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum und der Erweiterung des kommunalen Wohnungsbestandes ein. Dabei setzen das Wohnraumversorgungsgesetz und die Kooperationsvereinbarung „Leistbare Mieten, Wohnungsneubau und soziale Wohnraumversorgung" sowie die „Roadmap für 400.000 bezahlbare Wohnungen im Landeseigentum“ den politischen Rahmen des ökologischen, ökonomischen und sozialen Handelns der WBM. Darüber hinaus wird das ökologische Handeln durch das „Klimaschutzabkommen der zweiten Generation“ geprägt und gibt den Weg zu einer klimaneutralen Stadt 2050 (Programm Berliner Senat) vor. Die wesentlichen Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit sind somit bereits weitestgehend definiert und finden sich in den drei Handlungsfeldern (vgl. Kriterium 1) wieder.  

Im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Nachhaltigkeits-Managementsystems haben wir die wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte unserer Geschäftstätigkeiten analysiert und Nachhaltigkeitsthemen im Rahmen einer Wesentlichkeitsanalyse formuliert und bewertet. Die Bewertung dieser Themen erfolgte intern auf Grundlage der Inside-Out-Perspektive der GRI-Leitlinien.
Es sind dies:

  • Compliance & Antikorruption
  • Instandhaltung
  • Modernisierung
  • Schaffung neuen Wohnraums
  • Dienstleistungsmanagement
  • Transparenz
  • Stadterneuerung und städtebauliche nachhaltige Entwicklung / Wachstum
  • Angemessene / bezahlbare Mieten
  • Energieverbrauch im Bestand
  • Abfall im Bestand

und im Bereich der Outside-In-Perspektive:

  • Gefahrstoffe (Bau, Reinigungsmittel, Infrastruktur, TGA)
  • Digitalisierung / Digitale Prozesse
  • Datensicherheit
  • Beschaffung und Lieferantenauswahl

Durch diese Wesentlichkeitsanalyse haben wir eine Risiko-und-Chancen-, sowie eine Priorisierungsanalyse der Hauptthemen innerhalb unserer Nachhaltigkeitsstrategie erstellt, die als Grundlage für zukünftige Entscheidungen sowie die Formulierung von Maßnahmen genutzt wird. Dieses Verfahren erfolgt in einem Drei-Jahres-Zyklus und kann, sofern sich politische bzw. rechtliche Rahmenbedingungen ändern, angepasst werden. Dies entspricht auch unserem Grundsatz “Wir sind ein lernendes Unternehmen”. Dadurch können wir schnell auf sich ändernde gesellschaftliche und politisch/gesetzliche Rahmenbedingungen reagieren.

Unser Management kann so auf die sozialen und ökologischen Chancen eingehen, die durch entsprechende sozial-, wie naturwissenschaftliche Erkenntnisse erarbeitet wurden. Dies kann beispielhaft im Bereich des sozialen z.B. die Belegung von Wohnraum betreffen, um soziale Spannungen und Ghettobildung zu vermeiden. Im ökologischen Bereich kann es die Verwendung von nachhaltigen und unschädlichen Einsatzstoffen beim Neubau bzw. bei Sanierungsarbeiten betreffen.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Die Ziele der WBM sind im Gesellschaftervertrag, den Gesetzesvorgaben, unserer sozialen und ökologischen Verantwortung als landeseigenes Unternehmen sowie durch die Priorisierung unserer Nachhaltigkeitsthemen innerhalb der Nachhaltigkeitsstrategie begründet, formuliert und definiert.  

Die Festlegung der strategischen Nachhaltigkeitsziele erfolgt federführend durch das Nachhaltigkeitsmanagement. Dieses koordiniert und priorisiert in Abstimmung mit den Fachbereichen und der Geschäftsführung. Das Erfolgsmonitoring erfolgt anhand festgelegter Kennzahlen. Mit dem Aufsichtsrat erfolgt eine Abstimmung zur Nachhaltigkeitsstrategie im Allgemeinen. Strategische Fragen und Festlegungen werden regelmäßig beraten. Unsere Ziele sind infolge sich ständig ändernder externer und interner Rahmenbedingungen in einem ständigen Weiterentwicklungs- und Anpassungsprozess.
 
  • „Wir stellen unseren Kunden in den Mittelpunkt“
    • Optimierung der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Neubauprogramms.
    • Prüfung der digitalen Partizipationsmöglichkeiten.
    • In Summe werden bei Neubauprojekten mindestens 50 % mietpreis- und belegungsgebundene Wohnungen an WBS-Berechtigte und die anderen 50 % im freifinanzierten Neubauanteil mit durchschnittlich unter 10 Euro/m² mtl. erstellt.
    • Erhebung einer Mieterzufriedenheitsanalyse.

  • „Wir gestalten komplexe Quartiere“
    • Jährlich durchschnittlich 1.000 neue Wohnungen durch Neubau, Ankauf & Einbringungen bis 2026.
    • Erweiterung des Konzeptes Grün – und Wohnungsfeldgestaltung in den Quartieren.
    • Fortlaufende Reduktion des CO2-Ausstoßes gemäß des „Klimaschutzabkommens der zweiten Generation“.

  • „Wir sind ein lernendes Unternehmen“
    • Kontinuierliche Identifizierung von Potenzialen für die Digitalisierungsstrategie.
    • Ausbau des Personalmanagementsystems.
    • Stärkung der Personalentwicklung.
    • Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements.

Weitere Ziele sind im Gesellschaftervertrag definiert.  

Eine Zuordnung der Nachhaltigkeitsziele zu den von den UN definierten Sustainable Development Goals kann erfolgen (siehe hierzu auch Kriterium 4). Die Sustainable Development Goals wurden jedoch nicht ausschließlich als Entscheidungskriterium bei der Definition der Nachhaltigkeitsziele herangezogen. 

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Die Wertschöpfung der WBM besteht in der Vermietung und Bewirtschaftung unserer Liegenschaften (Wohnen und Gewerbe), deren Instandhaltung, Sanierung und Modernisierung sowie der Erweiterung unseres Bestandes durch Neubau und Ankauf von Immobilien mit vornehmlicher Wohnnutzung. Die Wertschöpfungskette unseres Immobilienbestandes durchläuft dabei die nachfolgenden Stufen:  

  • Entwickeln und planen
  • Bauen, ankaufen, einbringen
  • Vermieten
  • Bewirtschaften
  • Instandhalten, sanieren, modernisieren bzw. umbauen/ umnutzen

Die Lieferanten- und Dienstleisterkette ist für die WBM von großer Relevanz. Die WBM ist eine öffentliche Auftraggeberin im Sinne des § 99 Nr. 2 GWB und wendet die europäischen und die nationalen Vorschriften, einschließlich des Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetzes (BerlAVG) und die Leitlinien des Berliner Senats zur einheitlichen Vergabe von Aufträgen an. Als solches vergibt sie ihre Aufträge im Zuge transparenter Verfahren (bspw. Wettbewerb). Dabei werden die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und der Verhältnismäßigkeit gewahrt. Aufträge werden nur an fachkundige und leistungsfähige Auftragnehmer vergeben. Darüber hinaus fordert die WBM entlang ihrer Wertschöpfungskette von allen Partnern gesetzes- und richtlinienkonformes Handeln ein. Unter anderem werden beispielhaft die nachfolgenden Bedingungen an die Teilnehmer der Vergabeverfahren gestellt:  

  • Abfrage des Korruptionsregisters
  • Eigenerklärung zur Tariftreue und Mindestlohn

Darüber hinaus wird bei der Auftragsvergabe auf die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen und weiterer Sozialstandards durch die Geschäftspartner geachtet und die Einhaltung unseres gesetzverpflichtenden „Verwendungsverbote und Verwendungsbeschränkungen von Baustoffen“ gefordert.   Zur Minimierung des Flächenverbrauchs streben wir an, das Verhältnis von Gebäudegrundfläche zum Gebäudevolumen bei Neubauten so gering wie möglich zu halten. Der Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe ist für uns –soweit technisch, baurechtlich und wirtschaftlich möglich– eine Selbstverständlichkeit. Beispielhaft wird seit 2017 der Baustoff Polystyrol für die Fassadendämmung eigener Objekte und im Neubau nicht mehr verwendet.   Bei der Auswahl der Baustoffe berücksichtigen wir sowohl beim Neubau als auch im Bestand den Lebenszyklusansatz. Entsprechend den Anforderungen der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) werden gefährliche und nicht gefährliche Bauabfälle entsorgt oder, wenn möglich, recycelt. Dazu verpflichten wir auch unsere Auftragnehmer.   Die Stromversorgung unserer Geschäftsräume sowie öffentliche und gemeinschaftlich genutzte Bereiche unserer Bestände erfolgt ausschließlich durch elektrische Energie aus erneuerbaren Energiequellen. Darüber hinaus prüfen wir fortlaufend nachhaltigere Wärmeversorgungstechnologien für unseren Bestand. Insbesondere bei angekauften Liegenschaften mit Kohle-, Öl- oder Gasheizungen streben wir eine schnelle Umstellung auf umweltfreundliche Wärmeversorgungssysteme an.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4