1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ folgt bislang zwar noch keiner eigenständigen Nachhaltigkeitsstrategie, ist jedoch als Wissenschaftseinrichtung in dem Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft per se dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpflichtet. So ist eines der wesentlichen Forschungsziele des GFZ entsprechend seiner übergreifenden Strategie (2014) die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für eine nachhaltige Nutzung der Erde („Forschen für die Nachhaltigkeit“), was in zunehmendem Maße auch ein „nachhaltiges Forschen“ beinhaltet. Das GFZ plant, im Jahr 2021 eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln.

In den zentralen Handlungsfeldern Forschung, Organisationsführung, Personal, Gebäude und Infrastrukturen sowie unterstützende Prozesse setzt das GFZ bereits erfolgreich Nachhaltigkeitsmaßnahmen um. Das betrifft beispielsweise Forschungsvorhaben zur nachhaltigen Erschließung und Nutzung von Georessourcen und des geologischen Untergrundes, die Vorreiterrolle in der Helmholtz-Gemeinschaft bei der nachhaltigen Nutzung von Forschungsdaten, ein umfangreiches wissenschaftliches und administratives Controlling/Reporting inkl. Lage- und Risikobericht, die Bestellung eines Nachhaltigkeitsbeauftragten, die auf Chancengleichheit sowie Diversität ausgerichtete Personalpolitik, die Nutzung eines Nachhaltigkeits-Zertifizierungssystems bei Neubauvorhaben oder die Entwicklung und Umsetzung einer Richtlinie für den nachhaltigen Einkauf (seit 2020). Darüber hinaus existieren vielfältige kommunikative und partizipative Ansätze, um mit den internen und externen Stakeholdern des GFZ in den Dialog für eine nachhaltige Forschung und Zentrumsentwicklung zu treten.

Allgemein ist das GFZ als öffentlich finanzierte Forschungseinrichtung stets gehalten, mit finanziellen, materiellen, energetischen und personellen Ressourcen sparsam und verantwortungsbewusst umzugehen. Das bedeutet beispielsweise, dass Geräte und weitere Forschungsausrüstungen sorgfältig beschafft, langfristig genutzt, regelmäßig gewartet und sachgerecht entsorgt werden. Für das Nachhaltigkeitsmanagement am GFZ kommt die durch mehrere Forschungsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft) entwickelte Handreichung „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen (LeNa)“ (2015) zur Anwendung. Für die grundlegende Reflexion des Forschungsprozesses ist die Handreichung „Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“ (2016) von Belang. Von besonderer Bedeutung für die Tätigkeit jedweder Forschungseinrichtung ist der Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ (2019) der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Elemente einer Wesentlichkeitsanalyse für das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ gemäß DNK-Leitfaden (2020, S. 20ff.) sind durch verschiedene Prozesse in den letzten Jahren entstanden und dokumentiert (z.B. GFZ-Strategieprozess 2014, LeNa-Handreichung 2015, wissenschaftliche und strategische Evaluationen 2018 bzw. 2019, Helmholtz Sustainability Summit 2019). Sie ermöglichen die Bestimmung der für das GFZ besonders wichtigen Nachhaltigkeitsthemen, die sowohl durch das GFZ beeinflusst werden („Inside-­out“-­Perspektive: z.B. nachhaltige Ressourcennutzung, Anpassung an den Klimawandel, Erdbeobachtung), als auch auf das GFZ einwirken („Outside-in“-Perspektive: z.B. Lage in einem Denkmalensemble und Wasserschutzgebiet, gesellschaftliche Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit in der Forschung). Damit ist auch die Bestimmung der wesentlichen Stakeholder-Gruppen des GFZ verbunden (siehe Kriterium 9: Beteiligung von Anspruchsgruppen). Eine weitergehende systematische Wesentlichkeitsanalyse für das GFZ ist im Rahmen der für 2021 geplanten Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie vorgesehen.

Die Aufgaben, Struktur und Lage des GFZ bedingen eine Reihe von Besonderheiten, die wesentliche Nachhaltigkeitsthemen strukturieren. Die wissenschaftliche Arbeit des GFZ zielt allgemein u.a. auf Erkenntnisse für ein besseres Verständnis des Systems Erde sowie für eine nachhaltige Nutzung der Erde. Gegenstand der Arbeit des GFZ ist die Erde, woraus hervorgeht, dass seine Arbeit per se international ausgerichtet ist. Das GFZ arbeitet dafür global mit regionalen Schwerpunkten in Europa, Asien und Südamerika. Sein Hauptsitz, der Wissenschaftspark „Albert Einstein“ auf dem Potsdamer Telegrafenberg, ist ein 27 ha großer Park-Campus mit einer Vielzahl von historischen und neuen Gebäuden. Die Lage in einem Denkmalensemble und Wasserschutzgebiet stellt besondere Anforderungen an Campusbetrieb und -entwicklung. Als öffentlich finanzierte Einrichtung ist das GFZ an die forschungspolitischen Vorgaben seiner Mittelgeber (Bund/Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Land Brandenburg/Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) gebunden. Dies bedeutet, dass die Politik und weitere Rahmenbedingungen einen unmittelbaren Einfluss auf die Nachhaltigkeitspraxis am GFZ haben.

 Das GFZ leistet mit Nachhaltigkeitsbezug wissenschaftliche Beiträge insbesondere für eine nachhaltige Ressourcennutzung, zum Verständnis und zur Anpassung an den Klimawandel sowie zur Erdbeobachtung. Durch Wissens- und Technologietransfer stellt das GFZ der Gesellschaft Wissen in einem breiten Spektrum zur Verfügung. Dem GFZ ist bewusst, dass der Bau und Betrieb von Forschungsinfrastrukturen und Campus sowie die dienstlichen Reisen seiner MitarbeiterInnen finanzielle, stoffliche bzw. energetische Ressourcen in Anspruch genommen werden und zur Entstehung erheblicher Mengen an Abfall und klimawirksamen Kohlendioxid-Äquivalenten führen (siehe Kriterien 11-13: Umwelt).

Das GFZ ist wie auch andere Zuwendungsempfänger durch das BMBF aufgerufen worden, sich verstärkt an den Zielen und Herausforderungen einer globalen nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Das bedeutet, dass neben einer weiteren Profilierung des GFZ in der Nachhaltigkeitsforschung, ein auf nachhaltige Organisationsentwicklung ausgerichteter Kurs die soweit mögliche Klimaneutralität als hochrangiges Ziel einschließt. Weitere Herausforderungen für die Nachhaltigkeitspraxis des GFZ bestehen im personellen Bereich (z.B. die Erreichung von Zielquoten für die Beschäftigung von Frauen) und in der Campusentwicklung (Energieversorgung, Gebäudesanierung und -neubau).

Eine stärkere Positionierung der modernen Geoforschung zur Stärkung von nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen lässt erwarten, dass die Arbeit des GFZ von der Gesellschaft als noch bedeutsamer eingeschätzt und damit noch stärker gewürdigt wird. Weitere Chancen einer verstärkten Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsgedankens in Organisationsführung, Personal, Gebäude und Infrastrukturen sowie unterstützende Prozesse bestehen in einer potenziell höheren Zufriedenheit und einem höheren Engagement der MitarbeiterInnen. Die oben formulierten Herausforderungen bedürfen eines teilweise verstärkten Mitteleinsatzes und erfordern ein strategisches Nachhaltigkeits-management inkl. systematischer Dialog- und Partizipationsangebote, nicht zuletzt auch deshalb, weil eine verstärkt nachhaltige Organisationsführung auch finanzielle Ressourcen des GFZ bindet.   

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ wird 2021/2022 eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln. Für die zentralen Handlungsfelder Forschung, Organisationsführung, Personal, Gebäude und Infrastrukturen sowie unterstützende Prozesse werden dann auch konkrete Nachhaltigkeitsziele benannt, der Weg und Termin zur Zielerreichung definiert und die Verantwortlichkeiten vereinbart. Die systematische Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie wird unter breiter Beteiligung der internen Stakeholder (Beschäftigte, Kuratorium, Wissenschaftlicher Beirat) und ausgewählter externer Stakeholder (u.a. im Rahmen der Nutzergemeinschaft am Campus Telegrafenberg) erfolgen. Als Institution der Helmholtz-Gemeinschaft ist das GFZ dabei auch gemeinschaftsweiten, generellen Zielen verpflichtet, wie im Handlungsfeld Forschung die Erarbeitung von Beiträgen zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft oder im Handlungsfeld Gebäude und Infrastrukturen die Erreichung von Klimaneutralität bis spätestens 2050 (Stand 2019). Der Zeithorizont für die angestrebte Klimaneutralität ist allerdings für das GFZ zu weit. Hier soll mit spätestens 2022/2023 ein deutlich ambitionierteres Ziel gesteckt werden, was allerdings primär nur mit dem Erwerb von THG/CO2-Kompensationszertifikaten erreichbar sein wird.    

Hohe Priorität für das GFZ hatte bereits in den vergangenen Jahren die Minderung der CO2-Äquivalent-Emissionen. Durch den Bezug von nachhaltig produziertem Strom seit 2017 konnte der CO2-Fußabdruck des GFZ zwischen 2016 und 2019 um ca. 45 % gesenkt werden (vgl. Kriterium 13: Klimarelevante Emissionen). Die deutliche Senkung bzw. Kompensation der hauptsächlich verbleibenden Anteile für die gekoppelte Wärme- und Stromgewinnung aus der lokalen Erdgasverbrennung und dienstliche Flugreisen stellt dabei ein prioritäres Ziel mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität des GFZ in den kommenden Jahren dar. Konkretisierungen mit Blick auf Teilzeile und Maßnahmen erfolgen u.a. im weiterzuentwickelnden Masterplan des GFZ für die bauliche Entwicklung des Standortes Potsdam. Ebenfalls ein wichtiges Nachhaltigkeitsziel ist unter Berücksichtigung von Lage, Struktur und bereits stark wirksam gewordenem Klimawandel in der Region Brandenburg die Erhaltung des denkmalgeschützten Campus-Parkareals auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Weitere Ziele werden für die Handlungsfelder Organisationsführung, Personal und unterstützende Prozesse im Rahmen der künftigen Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet und betreffen beispielsweise die Einführung eines systematischen Nachhaltigkeitsmanagements, Verbesserungen im Stakeholder-Dialog, die weitere Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen und die Umsetzung einer bereits eingeführten Richtlinie zur nachhaltigen Beschaffung (2020).       

Die Erreichung der strategischen Nachhaltigkeitsziele wird mit konkreten Kennzahlen und Terminen verbunden, deren Einhaltung zentral der Vorstand kontrolliert (für Details siehe Kriterium 5: Verantwortung).

Aufgrund seines institutionellen Spezifikums als Forschungseinrichtung, seiner Forschungsziele und seiner Stakeholder orientiert sich das GFZ auch an speziellen „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen, insbesondere den Zielen „5 Geschlechtergleichheit“, „7 Bezahlbare und saubere Energie“, „9 Industrie, Innovation und Infrastruktur“, „11 Nachhaltige Städte und Gemeinden“, „13 Maßnahmen zum Klimaschutz“ sowie „15 Leben an Land“. 

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Die Haupt-„Produkte“ des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ sind wissenschaftliche Erkenntnisse, Services für die geowissenschaftliche Community, Technologieentwicklungen und wissenschaftliche Qualifikationen im Rahmen der Hochschulausbildung. Die wissenschaftlichen Fragestellungen werden entsprechend der Mission des GFZ formuliert und in der Regel im Rahmen mehrjähriger Forschungsprojekte weltweit sowie durch Einsatz verschiedener Gelände-, Labor- und IT-Methoden realisiert. Spezielle Services des GFZ sind hingegen Langzeitaufgaben (z.B. der Betrieb des seismischen Netzwerks GEOFON, die Koordination des „International Continental Scientific Drilling Program ICDP“ oder spezielle Labore). Zur Realisierung der Forschungstätigkeit finden in einem erheblichen Umfang Dienstreisen statt. Durch verschiedene Formate des Wissens- und Technologietransfers (u.a. Publikationen, Präsentationen, Debatten, Patente, Lizenzen) erfolgt eine Vermittlung der wissenschaftlichen Ergebnisse an unterschiedliche Stakeholder-Gruppen in der Gesellschaft. Im Rahmen von technologischen Großversuchen kann es fallweise zu umfangreicheren Rückbau-/Entsorgungsmaßnahmen kommen (so z.B. beim Rückbau der experimentellen CO2-Untergrund-Speicheranlage Ketzin 2013/2014). Weitere Nachhaltigkeitsaspekte betreffen den Lieferverkehr sowie die öffentliche und private Arbeitsmobilität am Standort Telegrafenberg.

Die Forschungstätigkeit inklusive Campusbetrieb führt zu einem erheblichen Bedarf an Fertigprodukten (z.B. wissenschaftliche Geräte aller Art, Fahrzeuge, IT-Ausstattung), Materialien (z.B. Chemikalien, Papier), Betriebs- und Hilfsstoffen sowie Bau- und Dienstleitungen. Diese werden durch die zentrale Einkaufsabteilung des GFZ beschafft. Nachhaltige Aspekte der Beschaffung wurden bis inklusive 2019 fast ausschließlich im Sinne der Wirtschaftlichkeit gemäß der aktuell geltenden Vergabeordnung betrachtet wie z.B. Preis/Leistung-Kriterien oder TCO-Ansatz (Gesamtkosten-Ansatz des Betriebs). Nichtdestotrotz ist der Einkauf des GFZ darauf bedacht, die wissenschaftlichen Anforderungen möglichst unter Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen. Beispielhaft sind die Beschaffung von Ökostrom seit 2017 sowie der zentral gesteuerte Einsatz von Druckern und Multifunktionsgeräten zu nennen.

Im Jahr 2019 wurden durch das GFZ Aufträge in einem Umfang von 11,8 Mio. EUR bei 267 Lieferanten in der Region Berlin-Brandenburg platziert. Bei einem Gesamtauftragsumfang von 32 Mio. EUR wird deutlich, dass das GFZ mit diesen 37 Prozent standortnah getätigten Beschaffungen sowie mit seinem Steueraufkommen und dem Konsum der Beschäftigten erhebliche ökonomische Auswirkungen auf die Region hat.

Im Jahr 2020 wurde der Transformationsprozess zu einer systematisch nachhaltigen Beschaffung eingeleitet. Im Einzelnen werden für alle Warengruppe Nachhaltigkeitsmerkmale definiert, die bei jeder Auftragsvergabe berücksichtigt werden, sofern keine technischen Aspekte oder unverhältnismäßig hohe Kosten dagegensprechen. Um den Erfolg dieses Prozesses dauerhaft zu etablieren, wird das Merkmal „Nachhaltigkeit“ im Bestellsystem für jeden Vorgang erfasst und soll in regelmäßigen Abständen in Bezug auf Zweckmäßigkeit, Effekte und Messbarkeit überprüft und kontinuierlich optimiert werden.

Etwaige soziale und ökologische Probleme mit nicht nachhaltig produzierten Gütern bzw. erbrachten Dienstleistungen sind dem GFZ bislang nicht bekannt, wurden aber auch noch nicht systematisch recherchiert. Dies ist zukünftig im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie „Nachhaltigkeit im Einkauf des GFZ“ vorgesehen. Sollten sich Probleme dieser Art zeigen, wird mit den Zulieferern und weiteren GeschäftspartnerInnen entweder über die genannten Probleme kommuniziert und gemeinsam Lösungen erarbeitet oder, falls keine Lösung in Aussicht steht, die entsprechenden Güter oder Leistungen nicht beschafft bzw. nicht in Anspruch genommen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4