1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Nachhaltigkeitsstrategie des RBB   

Der RBB verfügt über keine beschlossene Nachhaltigkeitsstrategie im engeren Sinne, jedoch sind im Kerngeschäft wesentliche Nachhaltigkeitsbezüge bereits seit der Grundsteinlegung in den 1990er Jahren verankert. Die Nachhaltigkeitsdimensionen Wirtschaft, Umwelt und Soziales werden beim RBB gleichwertig und gleichzeitig betrachtet. Dies manifestiert sich auch in der vorliegenden DNK-Erklärung (vgl. in diesem Zusammenhang insbesondere die Kriterien 11 bis 20). Die Mehrdimensionalität bezieht sich auf das Restmüllheizkraftwerk, das Biomasseheizkraftwerk und die geplante Klärschlammverwertungsanlage gleichermaßen.   

Ziel ist es, auf der Basis dieser Erklärung im kommenden Berichtszeitraum eine Nachhaltigkeitsstrategie in der Verbandsversammlung vorzustellen und ggf. in die Satzung aufzunehmen.  


Handlungsfelder und Nachhaltigkeitsaspekte   

Im Folgenden sind die zentralen Handlungsfelder und Nachhaltigkeitsaspekte aufgeführt:

Umwelt  
Soziales  
Unternehmensführung  

Die Handlungsfelder und Nachhaltigkeitsaspekte wurden im Rahmen der Qualifizierung des Kern-Nachhaltigkeitsteams (vgl. Kriterium 5) in Anlehnung an die DNK-Kriterien herausgearbeitet. Eine gesonderte Methode kam dabei nicht zum Einsatz. Die Handlungsfelder korrespondieren weitgehend mit den in der Branche üblichen Nachhaltigkeitsaspekten.       

Nachhaltigkeitsrelevante Standards     

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) bildet im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanage­ments des RBB künftig den zentralen nachhaltigkeitsrelevanten Standard. Darüber hinaus wird die Auszeichnung als „Zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb“ angestrebt (vgl. Kriterium 3).

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Das Umfeld des RBB  

Der wirtschaftsstarke Raum im Südwesten Deutschlands zeichnet sich durch zahlreiche große und innovative Unternehmen aus. Der Fachkräftemangel ist in dieser Region daher besonders ausgeprägt.

Beim Anteil des motorisierten Individualverkehrs nimmt der Landkreis Böblingen den Spitzenplatz n der Region Stuttgart. Politisches Ziel ist es daher im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes, klimafreundliche Alternativen zu entwickeln. Die periphere Lage des RBB am Rande des ca. 600 ha großen Böblinger Truppenübungsgeländes der amerikanischen Streitkräfte stellt hier eine besondere Herausforderung dar (vgl. dazu Kriterium 15 – Betriebsfahrräder als Beitrag zum Klimaschutz).  


Nachhaltigkeitsthemen und Aspekte  

Kriterium 1 benennt die zentralen Handlungsfelder und Nachhaltigkeitsaspekte, die durch die Geschäftstätigkeit des RBB beeinflusst werden (Inside-out-Perspektive). Die positiven und negativen Auswirkungen werden vor allem in den Kriterien 4, 11 bis 13 und 14 bis 16 dargestellt.  

Outside-in-Perspektive: Die in Kriterium 1 unter „Ökologie“ genannten Themen und Aspekte wie etwa Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Landnutzung sind im Hinblick auf die geplante Klärschlammverwertung wesentlich (vgl. Kriterium 12). Das Thema „Klimaschutz“ hat nicht zuletzt durch die öffentliche Debatte im Berichtsjahr 2019 Auswirkungen. Hier leistet der RBB mit seinen Anlagen und den entsprechenden Klimawirkungen einen substanziellen Beitrag (vgl. u.a. Kriterium 13).

Zur Erarbeitung der oben genannten Handlungsfelder, Themen und Aspekte vgl. Kriterium 1.   


Chancen und Risiken  

Eine Herausforderung wird in der Nachhaltigkeits­kommunikation gesehen. Die Stakeholder des RBB gilt es, entsprechend zu informieren und zu beteiligen (vgl. u.a. Kriterium 4). Der RBB beabsichtigt daher eine nachvollziehbare Darstellung der Nachhaltigkeits­leistungen. Die DNK-Erklärung leistet in diesem Zusammenhang einen wichtigen Beitrag, da der ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz des RBB im Sinne der Mehrdimensionalität (vgl. Kriterium 1) dargestellt werden kann (Chancen).

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Ziele im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie   

Die DNK-Erklärung soll im zweijährigen Rhythmus fortgeschrieben werden. Auf dieser Basis wird das Nachhaltigkeitsmanagement sukzessive etabliert.   

Neben dem derzeitigen Kern-Nachhaltigkeitsteam gilt es, weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Nachhaltigkeitsmanagement zu involvieren.   

Im kommenden Berichtszeitraum ist es ferner das Ziel, die Nachhaltigkeitsstrategie in der Verbandssatzung zu verankern (vgl. Kriterium 1).   

Der RBB strebt künftig zudem die Auszeichnung als „Zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb“ an. Dieser wirkt laut § 56 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes an der Sicherstellung des Schutzes von Mensch und Umwelt bei der Erzeugung und Bewirtschaftung von Abfällen mit. 

Weitere Ziele werden in den entsprechenden Kriterien genannt (insbesondere 12/kbb, 16 und 17).

Kontrolle der Ziele  

Die Ziele werden von der Geschäftsführung priorisiert und kontrolliert. Die oben genannten Nachhaltigkeitsziele werden dabei gleichermaßen prioritär behandelt. Die Verbandsversammlung wird regelmäßig über die Bestandteile des Nachhaltigkeitsmanagements informiert. Der DNK-Prozess soll im zweijährigen Rhythmus zu einer Verstetigung und Evaluierung dieses Prozesses beitragen.

Die UN-Nachhaltigkeitsziele  

Für den RBB sind folgende UN-Nachhaltigkeitsziele wesentlich:   

3. Gesundheit und Wohlergehen
4. Hochwertige Bildung
7. Bezahlbare und saubere Energie
9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
12. Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion
13. Maßnahmen zum Klimaschutz
15. Leben an Land
17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele   

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Wertschöpfungskette des Restmüllheizkraftwerks

Im Folgenden wird beispielhaft die Wertschöpfungskette des Restmüllheizkraftwerks vorgestellt. Die Nachhaltigkeitsaspekte sowie die ökologischen und sozialen Probleme bzw. Lösungen werden integriert behandelt:

Anlieferung

Die Anlieferungen setzen sich im Durchschnitt zu 72 Prozent aus Hausmüll, zu 7 Prozent aus Sperrmüll sowie zu 21 Prozent aus Gewerbe- und Baustellenabfällen aus dem Entsorgungsgebiet zusammen.

Strom- und Fernwärmeerzeugung


Die bei der Verbrennung freigesetzte Energie erzeugt Dampf. Der erzeugte Strom wird zum größten Teil in das öffentliche Stromversorgungsnetz eingespeist. Nur ein geringer Anteil wird als Eigenbedarf zum Betrieb der Anlage genutzt.
Seit 2002/2003 wird nicht nur Strom produziert, sondern auch das höchstmögliche Potenzial an Fernwärme, welches das Restmüllheizkraftwerk erzeugen kann, in die Netze von Böblingen und Sindelfingen ausgekoppelt.

Abgasreinigung

Die Abscheidung der säurebildenden Schadstoffe im Abgas (vor allem Chlorwasserstoff und Schwefeldioxid) erfolgt in mehreren Stufen.
Zunächst sind zwei Gewebefilter in Reihe geschaltet. Vor dem ersten Gewebefilter wird Kalkhydrat in den Abgasstrom dosiert. Die entstehenden Reaktionsprodukte, hier vor allem Kalziumchlorid und Kalziumsulfat, werden zusammen mit dem Flugstaub aus dem Kessel im ersten Gewebefilter abgeschieden. Über den Flugstaub werden zusätzlich die daran gebundenen Schadstoffe wie z.B. Schwermetalle und unverbrannte Kohlenwasserstoffe abgeschieden.


Vor dem zweiten Gewebefilter wird dem Abgas Bicarbonat zudosiert. Zur Erhöhung der Verweilzeit des Abgases und damit der vollständigen Reaktion ist der Abgaskanal zu einem Reaktionsraum aufgeweitet. Im folgenden zweiten Gewebefilter werden die entstehenden Reaktionsprodukte (Natriumsalze, hauptsächlich Natriumchlorid und Natriumsulfat) abgeschieden.

Das Abgas hat hinter dem zweiten Gewebefilter noch eine Temperatur von ca 180°C.  In einem anschließenden Abgas-Wärmetauscher wird das Abgas auf ca. 125°C abgekühlt. Die Wärme wird als Fernwärme zur Verfügung gestellt.


Zur Nachreinigung des Abgases durchströmt es anschließend einen mit Aktivkoks gefüllten Filter. In diesem Filter werden Restmengen der säurebildenden Schadstoffe, der Schwermetalle und der Dioxine, Furane abgeschieden.


Zur Entstickung der gereinigten Abgase durchströmen die Abgase im nächsten Schritt einen SCR-Katalysator. Als Betriebsmittel wird an dieser Stelle Ammoniakwasser eingesetzt. Das Ammoniak reagiert mit den im Abgas enthaltenen Stickoxiden zu Stickstoff und Wasser.


Hinter dem SCR-Katalysator wird das Abgas noch einmal gekühlt, bevor es über den Kamin gereinigt an die Umgebung abgegeben wird.
Auch diese ausgekoppelte Wärme wird als Fernwärme genutzt.
 

Reststoffe

Schlacke und Flugstaub werden als Material für den Bergbauversatz oder den Deponiebau weitergegeben und das verbrauchte Katalysatormaterial wird vom Hersteller zurückgenommen. Das für Sanitär, Werkstatt und Kessel verbrauchte Wasser wird in der Kläranlage Böblingen-Sindelfingen gereinigt. Lediglich geringe Mengen Ionenaustausch­material und beladene Aktivkohle können nicht verwertet werden. Das bedeutet, dass deutlich weniger als 1 Prozent, bezogen auf den Restmülleinsatz von 140.000 Jahrestonnen, als Sondermüll entsorgt werden muss.

Die Wertschöpfungskette der Klärschlammverwertungsanlage wird vereinfacht in Kriterium 12 dargestellt.

Kommunikation mit den Geschäftspartnern  

Der RBB arbeitet in erster Linie mit regionalen Geschäftspartnern (regionale Wertschöpfung und kurze Anfahrtswege) und zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben (Qualitätsorientierung) zusammen.
Allgemeine Einkaufsbedingungen sowie eine Fremdfirmenverordnung des RBB regeln wesentliche Teile der Zusammenarbeit.
Die Geschäftspartner werden über den DNK-Prozess des RBB informiert, um die Nachhaltigkeitsstrategie des RBB transparent zu machen und eine weitere Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsfragen in der Liefer- und Wertschöpfungskette zu erzielen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4