1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Als kommunales Unternehmen haben wir eine besondere Verantwortung für die Stadt Norderstedt und die umliegende Region. Nachhaltigkeit ist deshalb als Grundsatz bereits 2013 in unsere Unternehmensstrategie aufgenommen worden. In einem mehrjährigen Prozess haben wir auf Basis einer Wesentlichkeitsbefragung unsere Nachhaltigkeitsthemen identifiziert und im Jahr 2021 in unserer Nachhaltigkeitsstrategie zusammengefasst. Sie gilt für die gesamte Unternehmensgruppe. Folgende sieben Handlungsfelder definiert unsere Nachhaltigkeitsstrategie:
  1. Sichere und bezahlbare Grundversorgung
  2. Nachhaltig-innovative Produkte und Dienstleistungen
  3. Klimaschutz
  4. Mobilitätswende
  5. Nachhaltige Beschaffung
  6. Zufriedenheit von und Verantwortung gegenüber Mitarbeiter:innen
  7. Bildung für nachhaltige Entwicklung
Ende des Jahres haben wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie in die übergreifende Unternehmensstrategie 2030, die parallel erarbeitet wurde, integriert. Nachhaltigkeit und Qualitatives Wachstum gehören nun zu den übergeordneten Leitideen der Unternehmensgruppe. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir das Handlungsprinzip, Ressourcen nicht stärker nutzen zu dürfen, als sie sich regenerieren können. Ressourcen sind sowohl natürliche, ökologische als auch menschliche, soziale und wirtschaftliche Ressourcen. Qualitatives Wachstum bedeutet, dass wir uns weiterentwickeln, ohne dieses Prinzip zu verletzen. Damit setzen wir bewusst ein Gegengewicht zu einer quantitativen Wachstumsvorstellung, die primär auf die Steigerung des Umsatzes ausgerichtet ist.

Ferner hat unser Tochterunternehmen, die Stadtpark Norderstedt GmbH, im Jahr 2021 eine Wesentlichkeitsbefragung durchgeführt und den Prozess zur Entwicklung einer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie für den Stadtpark begonnen. Auch diese wird Teil unserer übergeordneten, integrierten Unternehmensstrategie 2030.     

Ein Schwerpunkt unserer Maßnahmen lag bislang im ökologischen Bereich als Energieversorger. Wir haben unsere CO2-Emissionen in Übereinstimmung mit der ISO 14064-1 und dem Green House Gas Protocol kompensiert und entwickeln Kennzahlen im Energiemanagement nach ISO 50001:2018. Maßnahmen der sozialen Nachhaltigkeit sind für uns als kommunales Unternehmen selbstverständlich. Wir beachten unter anderem die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen und unterstützen Vereine, Initiativen und Veranstaltungen in der Region. Als Eigenbetrieb der Stadt Norderstedt stehen wir zudem in einer besonderen Verantwortung, nachhaltig zu wirtschaften.  

Leitbild und Grundlage der nachhaltigen Ausrichtung der Unternehmensgruppe sind für uns die 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (https://nachhaltigkeit.stadtwerke-norderstedt.de/nachhaltigkeit/sdg). Des Weiteren dienen uns die Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex als Rahmenwerk. Mit der Entsprechungserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex und unserem Geschäftsbericht möchten wir die bisherigen Maßnahmen benennen und für eine transparente Kommunikation gegenüber allen Anspruchsgruppen sorgen. 

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die Unternehmensgruppe Stadtwerke Norderstedt ist ein ausschließlich regional tätiges kommunales Unternehmen und agiert nach deutschem Recht. Wir erbringen die Grundversorgung der Bevölkerung mit Energie, Trinkwasser, Telekommunikation, Öffentlichem Nahverkehr und Freizeitangeboten. Vorrangig verantworten wir im Stadtgebiet und im regionalen Umfeld der Stadt Norderstedt Infrastrukturleistungen. In den Bereichen Energie- und Telekommunikationsversorgung erfolgen diese Leistungen in einem stark wettbewerblich und bezogen auf das originäre Infrastrukturangebot in einem regulatorisch geprägten Umfeld. Die Versorgung von Kundinnen und Kunden mit Leistungen der Telekommunikation und Energie ist auch außerhalb der Stadtgrenze zu gewährleisten. In den Geschäftsfeldern der Fernwärme- und Wasserversorgung erfolgt unsere Infrastrukturleistung weitgehend innerhalb eines Gebietsmonopols. Mit diesen wesentlichen Aufgabenfeldern gehören wir zu den Betreibern sogenannter „kritischer Infrastrukturen“. Kritische Infrastrukturen sind Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.  

Die Verpflichtung zu gesellschaftlicher Verantwortung und nachhaltigem Handeln haben wir daher 2013 in unseren Grundsätzen festgeschrieben. Um Handlungsfelder im Bereich Nachhaltigkeit zu definieren, haben wir im Sommer 2019 eine umfangreiche Befragung unserer Anspruchsgruppen durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung dienten als Grundlage für die Entwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Folgende Nachhaltigkeitsaspekte hoher Wesentlichkeit wurden von den Stakeholdern priorisiert:

1. Versorgungssicherheit von Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation
2. Bezahlbarkeit der Grundversorgung
3. Senkung von CO2-Emissionen und Treibhausgasen
4. Versorgung mit erneuerbaren Energien
5. Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen
6. Datensicherheit und Datenschutz
7. Zufriedenheit der Mitarbeiter
8. Mobilitätswende
9. Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit           

Die Aspekte sichere und bezahlbare Grundversorgung, nachhaltig-innovative Produkte und Dienstleistungen sowie neue Mobilitätsangebote wirken auf unser Kerngeschäft ein und werden in Zukunft im Produktmanagement noch stärker berücksichtigt. Bei den Handlungsfeldern Klimaschutz, Nachhaltige Beschaffung und Zufriedenheit von und Verantwortung gegenüber Mitarbeiter:innen tragen wir als Energie- und Telekommunikationsversorger und als großer regionaler Arbeitgeber Verantwortung. Als Betreiber von „kritischen Infrastrukturen“ sind von uns sowohl hinsichtlich der Datensicherheit als auch des Schutzes personenbezogener Daten besondere Vorkehrungen zu treffen. Die Anforderungen an die gebäudebezogene IT-Sicherheit werden in eigenen dafür extern zertifizierten Rechenzentren erbracht. Bildung für nachhaltige Entwicklung fördern wir in Norderstedt und der Region mit unseren Angeboten der Stadtpark Norderstedt GmbH sowie mit unserem gesellschaftlichen Engagement.  

Bei den Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt stehen die klimatischen Auswirkungen im Vordergrund. Mit dem CO2-Ausstoß unserer BHKWs haben wir Anteil am fortschreitenden Klimawandel. Durch undichte Stellen an Gas-Förderanlagen und Pipelines unserer Lieferanten kann Methan in die Atmosphäre entweichen. Wirkungen von Luftschadstoffen haben auch Folgen auf die Biodiversität. Zum jetzigen Zeitpunkt sind unsere Auswirkungen nur schwer vollumfänglich zu erfassen. Uns ist gleichwohl bewusst, dass auch die Geschäftstätigkeiten unserer Rohstofflieferanten bei der Gewinnung von Erdgas negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt haben. Wir greifen wir mit dem Ausbau unserer Infrastruktur, der Glasfaser-, Wasser- und Stromnetze und unseren Gebäuden in Ökosysteme ein und versiegeln Flächen. Ferner verbrauchen wir natürliche Ressourcen wie Erdgas und Wasser, um unsere Tätigkeiten auszuführen. Durch den Betrieb unserer Rechenzentren, unser Glasfasernetz und unsere Telekommunikationsdienste wirken wir auf die Datensicherheit von Tausenden von Menschen und zahlreichen Unternehmen. Darüber hinaus prägen wir mit unserer Geschäftstätigkeit die Belange der Stadt Norderstedt und deren Region, da wir als Eigenbetrieb unseren Gewinn abführen und somit auch direkt finanzielle Spielräume für die Entwicklung der Stadt und deren Bürger:innen erwirtschaften. Unser Risikomanagementsystem berücksichtigt bereits diverse Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeit: Gasexplosion, Verunreinigung von Wasser, Organisationsrisiken wie Personalausfall im Bereich IT, steigende Energiepreise u.a.. Risiken aufgrund des Klimawandels, die beispielsweise durch die EU-Taxonomie berücksichtigt werden, werden wir in den kommenden Jahren in unser Risikomanagement aufnehmen.  

Da Megatrends, wie Neo-Ökologie und Konnektivität, die Energiewende, der demografische Wandel sowie Anforderungen unserer Anspruchsgruppen unsere Geschäftsfelder stetig verändern, sind wir als verantwortungsbewusster Versorger in den meisten der oben genannten Nachhaltigkeitsaspekten bereits seit Jahren aktiv, denn wir begreifen diese Anforderungen auch als Chance für neue Produkte und Dienstleistungen. Besonders den Herausforderungen der Energiewende und des Klimaschutzes begegnen wir mit einem umfangreichen Energiekonzept (www.
Energiekonzept (stadtwerke-norderstedt.de) und bieten unseren Kundinnen und Kunden vielfältige Lösungen im Bereich Mobilität u.a. Aus den genannten Nachhaltigkeitsaspekten, den Risiken und Anforderungen ergeben sich auch vielfältige Aufgaben für unser Nachhaltigkeitsmanagement wie die Entwicklung von Maßnahmen im Bereich betrieblicher Nachhaltigkeit.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir uns Ziele gesetzt, denn wir sehen es als unsere Aufgabe, den Wandel hin zu einer Versorgung der Menschen in unserer Region mit nachhaltiger Energie, Konnektivität und Mobilität zu gestalten. Gemeinsam mit unseren Kunden, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unseren Partnern möchten wir weiterhin einen wesentlichen Beitrag zu einer hohen Lebensqualität und einer nachhaltigen Entwicklung in Norderstedt und der Region leisten.
  1. Sichere und bezahlbare Grundversorgung
Wir versorgen die Norderstedter:innen und die Menschen in der Region mit Strom, Wärme, Wasser und Internet. Als Teil der örtlichen und regionalen Gemeinschaft bieten wir auch künftigen Generationen eine effiziente und zukunftssichere Versorgungsinfrastruktur. Wir legen großen Wert auf die Sicherheit und Qualität dieser Grundversorgung. Dies bedeutet für uns mehr als die Ausfallsicherheit unserer Netze und Technik. Wir wollen mit den uns anvertrauten persönlichen Daten verantwortungsvoll umgehen, unsere Leistungen zu fairen und transparenten Bedingungen erbringen und den gleichberechtigten Zugang zu unserem Versorgungsangebot sicherstellen.
  1. Nachhaltig-innovative Produkte und Dienstleistungen
Über unseren Auftrag als Grundversorger hinaus bieten wir Produkte und Dienstleistungen an, die den Bedürfnissen der Bürger:innen nach einer verantwortungsvollen Lebensweise in besonderem Maße entsprechen. Unsere intelligente Energie- und Kommunikationsinfrastruktur ist dabei das Rückgrat für nachhaltig-innovative Produkte und Dienstleistungen, die den Anforderungen gesellschaftlicher Entwicklungstrends entsprechen. Es ist unser Anspruch und Ziel, unsere Infrastruktur sowohl innovativen Marktpartnern als Plattform für ihre Angebote anzubieten als auch sie selbst für die Umsetzung eigener Ideen für nachhaltige Versorgungsdienste zu nutzen. So wollen wir allen Bürger:innen die Teilhabe an den großen gesellschaftlichen Trends wie Konnektivität, Mobilität und Neo-Ökologie ermöglichen. Die Beurteilung dieser Trends stellen wir unter nachhaltige Kriterien.
  1. Klimaschutz
Als Energie- und Telekommunikationsversorger nehmen wir unsere Verantwortung für den Klimaschutz sehr ernst. Unser Ziel ist es, die Unternehmensgruppe bis zum Jahr 2030 1,5°-kompatibel und weitgehend ressourcenneutral aufzustellen. Dabei wollen wir unsere Maßnahmen zur Reduktion und Anpassung an Klimawandelfolgen intensivieren.
  1. Mobilitätswende
Als Infrastrukturgeber für einen Teil des Öffentlichen Nahverkehrs in Norderstedt (z.B. durch den Betrieb einer Teilstrecke der U-Bahnlinie U1 in Norderstedt sowie den Bau und die Instandhaltung von Bushaltestellen im Stadtgebiet) wollen wir unsere Kompetenzen nutzen und nachhaltige Mobilitätsformen für die so genannte letzte Meile entwickeln. Dabei legen wir besonderen Wert auf das Teilen von Ressourcen. Bis 2030 werden wir eine Sharing-Plattform aufbauen, unser Netz der Mobilitätsstationen ausbauen und nachhaltige Fortbewegungsmittel zur Verfügung stellen. Nachhaltig bedeutet für uns, dass die Fortbewegungsmittel klimaschonend sind und eine gemeinsamen Nutzung von Ressourcen fördern. Wir wollen unser Pilotprojekt BewegungUmdenken gemeinsam mit Partnern ausweiten und für die öffentliche Nutzung zugänglich machen. Damit wollen wir zur Mobilitätswende in Norderstedt beitragen.
  1. Nachhaltige Beschaffung
Als moderner Infrastrukturdienstleister wollen wir bis zum Jahr 2030 die Auswahl von Lieferant:innen und Dienstleiter:innen in unseren Beschaffungsprozessen an Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Damit kommen wir unserer ökologischen und sozialen Verantwortung nach, die wir als großes regionales Unternehmen tragen.
  1. Zufriedenheit von und Verantwortung gegenüber Mitarbeiter:innen
Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter:innen liegt uns besonders am Herzen. Als großer regionaler Arbeitgeber tragen wir für sie und ihre Familien Verantwortung. Wir wollen den Bedürfnissen der verschiedenen Generationen gerecht werden und Lösungen für eine sich ändernde Arbeitswelt anbieten. Bis zum Jahr 2030 wollen wir daher die Maßnahmen u.a. in den Bereichen Partizipation, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Förderung von Vielfalt, Chancengerechtigkeit, Betriebliches Gesundheitsmanagement und New Work weiter intensivieren. Damit wollen wir eine Unternehmenskultur der Wertschätzung weiter fördern und unsere Mitarbeiter:innen in ihrem beruflichen Umfeld stärken.  
  1. Bildung für nachhaltige Entwicklung
Wir fördern die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Norderstedt und der Region. Bis zum Jahr 2030 wollen wir eigene BNE-Projekte bei den Stadtwerken und der wilhelm.tel GmbH etablieren, bereits bestehende BNE-Projekte unterstützen und die Integration von BNE-Aspekten in bereits bestehende Angebote intensivieren. Wir sind überzeugt, dass wir dadurch die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft fördern und die Norderstedter:innen bei einer nachhaltigen Lebensweise unterstützen.    

Unsere Ziele leisten auch einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (
SDG (stadtwerke-norderstedt.de).  

Die genannten Ziele sind Ende des Jahres in die Handlungsfelder und Fokusthemen der Unternehmensstrategie 2030 integriert worden. Im Rahmen der Strategieumsetzung werden abteilungsübergreifende Projektteams diese im kommenden Jahr mit messbaren Kennzahlen und zeitlichen Vorgaben hinterlegen. Die Ziele werden zwar gleichwertig verfolgt. Durch die Vorgaben, die in den Projektteams erarbeitet werden, werden sich allerdings zeitliche Priorisierungen ergeben. 
Zuständig für die Zielerreichung sind die Fachabteilungen, Projektteams sowie das Nachhaltigkeitsmanagement als Teil der strategischen Umsetzungorganisation. Das zukünftige Monitoring der Unternehmensstrategie 2030 wird auch die Überprüfung der Nachhaltigkeitsziele beinhalten. Die Verantwortung liegt bei der Geschäftsführung.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Die Geschäftsfelder der Unternehmensgruppe Stadtwerke Norderstedt haben unterschiedliche Wertschöpfungsketten. Wesentlicher Bestandteil unserer Wertschöpfungskette im Bereich Energie ist die Versorgung der Stadt Norderstedt mit Strom und Wärme. Für die Erzeugung von Fernwärme kaufen wir Erdgas ein, erzeugen in 13 Blockheizkraftwerken Wärme und Strom und verteilen diese über unsere Netze an unsere Kundinnen und Kunden. Weitere Bausteine sind der Vertrieb und die Vermarktung sowie die Ablesung der Zähler und die Abrechnung.
Als Energieversorger tragen wir eine besondere Verantwortung, die Energiewende aktiv zu gestalten, Klimaschutz zu betreiben und Versorgungskonzepte für die Zukunft auf den Weg zu bringen. Unser Energiekonzept orientiert sich an den Zielen der Stadt Norderstedt, bis 2040 klimaneutral zu sein, ebenso wie an den Zielen des Klimaschutzplans der Bundesregierung, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen. 
Einer der wichtigsten Bausteine für eine 1,5-Grad-konforme Energieversorgung ist die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung. Zur Erreichung dieses Ziels ist die Nutzung verschiedener klimafreundlicher Lösungen zur Wärmeerzeugung notwendig. Die Basis für einen wesentlichen Schritt hin zur klimaneutralen Wärmeversorgung ist ein zukunftsfähiges Fernwärmenetz. Dieses zeichnet sich durch ein hohes Maß an Flexibilität bei gleichzeitigem Erhalt der Versorgungssicherheit aus.
Des Weiteren sind einige unserer BHKW mit einem Elektrokessel ausgestattet, so dass Strom auch zur Erzeugung von Wärme genutzt werden kann (Power-To-Heat). Wir planen zunehmend Wärmepumpen in die Wärmeerzeugung zu integrieren und erkunden Geothermiequellen und Abwärme. Ferner suchen wir nach Freiflächen, um Solarthermieanlagen zu installieren. Um den Einsatz von Erdgas weiter zu reduzieren, soll die Wärmenetztemperatur insgesamt abgesenkt werden.
Bis 2050 werden auch grüne Gase wie Wasserstoff und Biogas einen erheblichen Anteil am Brennstoff ausmachen.  


Für eine 1,5-Grad-konforme Entwicklung ist auch die klimaneutrale Erzeugung von Strom unabdingbar. Kern ist dabei auch hier der Ausbau der dezentralen Stromversorgung in Norderstedt, die Stärkung ihrer Resilienz, die Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien und der Ausbau intelligenter Netze. Um den wachsenden Strombedarf zu decken, planen wir daher PV-Anlagen auf städtischen und stadtwerkeeigenen Liegenschaften sowie PV-Mieterstrom-Anlagen zu errichten. Wir werden ein Wasserstoff-Hub installieren, die individuelle Steuerung des Strombedarfs unserer Endkunden ermöglichen sowie unser Netzmonitoring ausbauen.  

Wir beschaffen Strom und Erdgas am Markt und verkaufen diese Produkte weiter. Die Wertschöpfungsketten der Strom- und Gasbelieferung durchlaufen folgende Bausteine: Handel und Beschaffung, Verarbeitung und Verteilung Netze, Vertrieb und Marketing sowie Ablesung und Abrechnung. Für nachhaltig orientierte Kundinnen und Kunden beziehen wir Ökostrom, der nach Standard TÜV Süd EE zertifiziert ist.
Anfang des Jahres 2021 haben wir unseren TuWatt Ökostromtarif komplett auf Windstrom aus Schleswig-Holstein umgestellt und im Laufe des Jahres zwei neue TuWatt-Tarife eingeführt, die sich gezielt an die wachsende Zielgruppe der Fahrer:innen von E-Fahrzeugen richtet. Ferner versuchen wir durch unsere CO2-Neutralstellung 2021 der Strom- und Gas-Produkte und die Maßnahmen unseres Energiemanagements klimatische Auswirkungen zu reduzieren. 
  
Für die Versorgung der Stadt Norderstedt mit Trinkwasser betreiben wir 16 Brunnen und drei moderne, energieeffiziente Wasserwerke. Auch hier reicht die Wertschöpfungsklette von der Wassergewinnung über die Aufbereitung und Verteilung, dem Vertrieb bis zur Ablesung und Abrechnung.
Bei der strategischen Planung unserer Infrastrukturen berücksichtigen wir die Klimaveränderungen und betrachten Zeithorizonte bis zu 30 Jahren. Im Jahr 2021 sind zwei neue Brunnen gebaut worden. Zusätzliche Standorte erhöhen die Flexibilität der Trinkwasserförderung und verteilt auf eine größere Fläche sorgen sie für eine schonendere Entnahme aus dem Grundwasserleiter. Bei der Wertschöpfung von Wasser ist uns besonders die Reinhaltung im Hinblick auf chemische Stoffe wichtig. Um die Qualität des Wassers zu sichern, sind wir Teil einer Allianz aus dem Bauernverband Schleswig-Holstein und dem Landesverband der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holstein. Eine von uns finanzierte Grundwasserschutzberatung unterstützt Bauern bei der umweltschonenden Düngung ihrer Felder und dem Anlegen von Blühstreifen in Wasserschutzgebieten.

Neben den Leistungen der Grundversorgung mit Energie und Wasser bieten wir Marktpartnern auch im Bereich unserer seit 2008 in Norderstedt und der Region umfassend ausgebauten Versorgungsinfrastruktur der Telekommunikation einzelne Teilbausteine unserer Wertschöpfung auf der Grundlage unterschiedlicher Modelle als Vorleistungsprodukte an. Kernprodukt ist die Bereitstellung der eigenen Glasfaser-Infrastruktur gemäß den Richtlinien des EEC (European Electronic Communications Code) auf der Grundlage wechselseitiger Vertragsbeziehungen für vermarktbare Vorleistungsprodukte an dritte Endkundenprovider der Telekommunikationsbranche. Im Rahmen horizontaler Kooperationen mit regionalen City-Carriern werden überdies Vorleistungsprodukte für die Endkundenversorgung mit Internet- und Telefondiensten sowie Netzmanagementdienstleistungen verkauft. Der weitere Ausbau der Festnetz- und WLAN-Infrastruktur in der Metropolregion erfolgt ebenfalls kooperativ mit strategischen Marktpartnern zum Beispiel der Wohnungs- oder Verkehrswirtschaft. Schließlich beteiligt sich die wilhelm.tel GmbH in der Rolle des Betreibers kommunal bereitgestellter passiver Glasfasernetze auch am Ausbau der Breitbandversorgung im eher ländlichen Raum. Die Wertschöpfungskette besteht aus den Bausteinen Produktentwicklung, Verarbeitung, Verteilung und Netze, Vertrieb und Auftragsabwicklung sowie Ablesung bzw. Abrechnung. Die Aufgaben beinhalten auch die Einholung von Genehmigungen zur Erschließung neuer Gebiete über die Verlegung bis hin zur Netz-Dokumentation und Störungsbeseitigung. Insgesamt hat der Infrastrukturausbau auch hier einen sehr langfristigen Horizont. Wir haben daher beispielsweise einen eigenen Standard für unsere Leerrohre entwickelt. Der Hohlraum im Erdreich wird größer als derzeit nötig angelegt, um auf zukünftige Entwicklungen im Bereich Glasfaser ohne erneute Erdbauarbeiten reagieren zu können. Darin sehen wir einen nachhaltig ökologischen und ökonomischen Beitrag. Bei der Produktentwicklung wird in Zukunft vermehrt auch Green-IT wichtig werden.
 

Ferner gehören uns zwei zertifizierte Rechenzentren, deren Kapazität auch an dritte Betreiber kritischer Infrastrukturen und Kunden mit entsprechend hohen Anforderungen an IT-Sicherheit vermarktet wird. Ein Rechenzentrum betreiben wir selbst. Dessen Abwärme soll in Zukunft in unser Wärmenetz eingespeist werden.
 
Die Beschaffung von Materialien ist für alle beschriebenen Geschäftsbereiche ein wesentlicher Baustein in der Wertschöpfungskette. Als kommunale Unternehmen unterliegen wir dabei dem öffentlichen Vergaberecht. Um Materialbeschaffung zu bündeln und Synergieeffekte zu erzeugen, sind wir an mehreren Einkaufsgemeinschaften wie der Einkaufgemeinschaft SÜD beteiligt. Darüber hinaus haben wir mit der IKT Regio-Netzwerk GmbH & Co. KG eine eigene Einkaufsplattform gegründet. Ein gemeinsamer Auftritt am Markt bedeutet nicht nur bessere Preise, sondern verfolgt auch das Ziel, Standards festzulegen. Die Prüfung von Energieeffizienz und nachhaltigen Qualitätsmerkmalen ist mittlerweile ein standardisierter Vorgang bei der Neubeschaffung. Die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen gem. §18 TTG wird, sofern sinnvoll, auch bei nicht gesetzlichen Anforderungen vom Anbieter verlangt. Die Nachhaltige Beschaffung wurde als wesentliches Handlungsfeld in der Nachhaltigkeitsstrategie und als Fokusthema in der Unternehmensstrategie festgelegt. Ziel ist es, in den kommenden Jahren einen umfassenden Kriterienkatalog zu erarbeiten und in der gesamten Unternehmensgruppe einzuführen. Dazu werden wir auch mit zuliefernden Betrieben Gespräche führen.

Auch die Entsorgung bzw. die Abfallwirtschaft unterliegt dem Bereich Materialwirtschaft. Die Mülltrennung, Entsorgung bzw. Rückführung in den Wertstoffkreislauf unterliegt gesetzlichen Vorschriften. In Zusammenarbeit mit der Stadt Norderstedt und lokalen Entsorgern wird die Entsorgung abgewickelt. Verpackungsmaterial, Papier und Pappe finden wieder Verwendung bzw. werden recycelt. Auch unsere Fritz!Boxen werden, sofern möglich, refurbisht. Insgesamt konnten im Jahr 2021 6.974 Stück wiederverwendet werden. Multifunktionsgeräte wie Drucker leasen wir für einen Zeitraum von fünf Jahren. Unsere Büromöbel beziehen wir von ein und demselben Hersteller, damit sie leicht ergänzt, repariert und unter Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht werden können.
 

Das Erlebnisbad Arriba und die Stadtpark Norderstedt GmbH ergänzen unsere Leistungen im Bereich Freizeit. Der Stadtpark ist ein zertifizierter Naturerlebnisraum mit den Schwerpunkten „Erlebnis und Begegnung“. „Kultur und Unterhaltung“, „Natur und Bildung“, Sport und Bewegung“ sowie „Erholung und Entspannung“. Der Stadtpark Norderstedt ist ein freier, offener und inklusiver Ort. Wir betreiben, gestalten und pflegen diesen und die technische Infrastruktur. Wir kümmern uns um die Sicherheit und halten den Park sauber. Dabei werden die Belange des Naturschutzes und die öffentliche Nutzung durch die Besucher:innen in Einklang gebracht und nachhaltige Kriterien beim Parkmanagement in Zukunft noch verstärkt einbezogen.  


Wir haben uns auf den Weg gemacht, die Bausteine der beschriebenen Wertschöpfungsketten unserer Geschäftsfelder und Tochterunternehmen in den kommenden Jahren auf ökologische und soziale Probleme zu analysieren und nachhaltige Kriterien stärker zu prüfen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4