1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Die Firma Stengele ist seit Jahren bestrebt ihr Nachhaltigkeitsmanagement auszubauen und zu systematisieren. 2018 wurde erstmals ein abteilungsübergreifender Nachhaltigkeitskreis gebildet und mit der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes begonnen.

Nachdem die Initiative zwischenzeitlich aufgrund interner Veränderungen an Schwung verloren hatte, wurde sie 2021 mit externer Unterstützung wieder neu belebt. Der Nachhaltigkeitskreis wurde im Frühjahr 2021 wieder aktiviert und es konnten interne Strukturen und Verantwortlichkeiten nachgeschärft werden (vgl. Kriterium 5).

Im Fokus der Nachhaltigkeitsstrategie steht der Aufbau und die für Ende 2022 geplante Zertifizierung eines Umwelt- und Qualitätsmanagementsystems. Die einzelnen Handlungsfelder wurden 2021 im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse neu definiert (siehe Kriterium 2). Die Bereiche Entwicklung und Vertrieb sind in den Nachhaltigkeitskreis integriert und prüfen nun permanent Verbesserungsmöglichkeiten im Kerngeschäft. Mit der Tochtergesellschaft Tiny House Kisslegg GmbH besteht zudem ein Produktsegment, in dem mehr Freiraum bei der Auswahl von Materialien besteht und dass aufgrund ihres Anwendungsgebietes eine große Affinität zu Nachhaltigkeit hat.

Neben den Management-Normen ISO 9001:2015 sowie ISO 14001:2015 (bzw. EMAS III) orientiert sich die Firma insbesondere am Deutschen Nachhaltigkeitskodex.
 

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Unser Betrieb befindet sich in Kißlegg im Allgäu. In der Allgäu-Gemeinde sind wir der größte Arbeitgeber. Unsere Region ist sehr ländlich geprägt und hat eine gute Luft- und Wasserqualität. Wir sind ein Familienunternehmen mit mehreren Standorten in Kißlegg. Unternehmerisch stehen wir als "b2b" Unternehmen zwischen Rohstoffproduzenten und Fertigprodukthersteller. Wir bedienen große interanational bekannte Kunden aus der Caravan-Industrie, welche ihren Hauptsitz in naher Distanz zu uns haben.

In unserer 2021 völlig neu erstellen Wesentlichkeitsanalyse haben wir folgende Themen als wesentlich priorisiert. Aus der Analyse ergab sich eine Top 4:

  1. Kundenorientierung
  2. Nachhaltige Unternehmenssteuerung
  3. Biodiversität
  4. Personalmanagement
Insgesamt stellt sich die Themenpriorisierung (Wesentlichkeit) wie folgt dar:


 

Die Kundenorientierung sehen wir vor allem als "inside-out" - Thema der Stakeholdergruppen Kunden und Eigentümern. Mit kreativen Ideen können wir negative Umweltwirkungen reduzieren. Qualitätsmängel wollen wir präventiv vermeiden oder schnellstmöglich beheben; unsere Produkte pünktlich liefern. Dieser Themenkomplex ist für uns existenziell. Daher wollen wir ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 aufbauen.

Im Bereich der nachhaltigen Unternehmensführung sehen wir einige Stakeholdergruppen und haben das Thema auch intern mit hohem Handlungsbedarf bewertet, sehen es auch vorrangig als "inside-out" -Thema. Wir wirken mit guter Unternehmensführung auf viele Bereiche, insbesondere auf unsere Mitarbeiter (-bindung); sie ist wichtig für unsere Zukunftsfähigkeit (Beirat) und auch für unsere Geschäftspartner (v.a. Kunden und Lieferanten). Als Schlussfolgerung wollen wir unsere Prozesse verbessern, sowohl in Produktion und Verwaltung als auch im Hinblick auf Umwelt und Klima. Im Falle einer Stagnation im Feld der nachhaltigen Unternehmensführung sehen wir Reputationsrisiken bei wichtigen externen Stakeholdern, weshalb das Thema hoch priorisiert wurde.

Die Firma Stengele ist in den letzten Jahren auch räumlich gewachsen. Gebäude und Flächen zerstören Naturraum und erhöhen den Wasserverbrauch. Daher haben wir auch Biodiversität als wesentliches Topthema  identifiziert (ebenfalls als "inside-out"- Thema).

Schließlich gehört die Weiterentwicklung unseres Personalmanagements zu unseren Top-4 Handlungsfeldern. Auch hier wirken wir auf unser Umfeld (inside-out), leiden aber auch unter Fachkräftemangel und streben nach höherer Mitarbeiterbindung.

Wir haben auch einige vorrangige "outside-in" Felder identifiziert, wie z.B. "verbesserte Prozesse für Regeln und Richtlinien" oder "Langfristige Partnerschaften". Diese sind aber in unserer Liste nicht im Top-Bereich.

Die wesentlichen Themen sind gleichzeitig unsere Handlungsfelder, die wir im Nachhaltigkeitskreis mittels Projekte und Zielen bearbeiten.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Für das Familienunternehmen ist das oberste Ziel die Existenz der Firma nachhaltig zu sichern.
Langfristig wollen wir zudem klimaneutral produzieren und ein besonders attraktiver Arbeitgeber werden, der Fachkräfte anzieht jedoch auch fair bezahlte Arbeitsplätze für weniger ausgebildete Menschen bietet.

Als wichtiges Instrument der Unternehmensführung planen wir für 2021/22 die Erstellung eines Firmenleitbildes, in dem auch unsere Werte und der Einbezug der Mitarbeitenden festgeschrieben werden. Zudem formulierten wir eine Mission, nach der wir der umweltfreundlichste Zulieferer der Branchen werden möchten.
Wir streben für 2023 Zertifizierungen im Bereich Qualität und Umwelt an. Außerdem soll der Ausstoß von Klimagasen (CO2-Bilanz) der Firma deutlich reduziert werden. Durch eine weitere Hallenerweiterung wollen wir mehr Arbeitsplätze schaffen und diese sichern.
Der Reduzierung des Abfallaufkommens soll in nächster Zeit die höchste Priorität eingeräumt werden. Wir sehen im Ressourcenverbrauch der Firma ein großes Risiko.
Wir haben einen Nachhaltigkeitskreis gegründet. In diesem finden regelmäßige Treffen statt. Es wird der Stand aktueller Projekte besprochen und es werden neue Projekte initiiert. Zudem kann durch unser Projektboard der Fortschritt verfolgt werden. Der Nachhaltigkeitskreis wird koordiniert durch den Nachhaltigkeitsmanager und derzeit durch einen externen Berater. Die Verantwortung für das Thema Nachhaltigkeit liegt bei der Geschäftsführung.

Unsere Ziele im Bereich der Nachhaltigkeit entstehen aus dem Betrieblichen Umfeld heraus, dabei werden automatisch einige Überschneidungen mit den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen entstehen. Z.B:

DG 7 Bezahlbare und saubere Energie (Schaffung / Nutzung erneuerbarer Energien durch unser Unternehmen)

SDG 8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (Faire Arbeitsbedingungen, Einführung BGM)

SDG 12.6 Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster (Einführung Nachhaltigkeitsmanagement und Erstellung Nachhaltigkeitsbericht)

SDG 13 Maßnahmen zum Klimaschutz (Reduktion unseres Energieverbrauches und unserer Treibhausgasemissionen)"

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Wir bewerten die Nachhaltigkeitsaspekte entlang der Wertschöpfungskette bzw. dem Lebenszyklus unserer Produkte und unterteilen sie in folgende Bereiche:

Entwicklung:
Als Entwicklungsdienstleister sind wir in ständigem engem Austausch mit unseren Kunden und versuchen ökologisch sinnvolle Produkte zu entwickeln. Wir müssen uns bei den Entwicklungen sehr stark an die Vorgaben unserer Kunden halten. Diese beinhalten oft genaue Materialvorgaben und Zulieferer. Wir achten bei der Verarbeitung der Rohmaterialien, auf möglichst wenig Verschnitt. Außerdem gehen wir sorgsam mit Klebstoffen und Lacken um.

Einkauf:
Wir beziehen die meisten unserer Produkte als vorverarbeitetes Material (Plattenmaterial) und verarbeiten es zu Verbundwerkstoffplatten oder zu Baugruppen aus verschiedenen Materialien weiter.
Bei der Beschaffung unsrer Rohstoffe arbeiten wir ausschließlich mit Lieferanten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zusammen. Dadurch können wir sicherstellen, dass unserer Zulieferer nach dem deutschen bzw. EU- Standards bezüglich Arbeitnehmerrechts und Umweltverträglichkeit arbeiten. Wir achten bei der Beschaffung auf die Verordnungen wie zum Beispiel REACH und RoHs. Durch Anforderung dieser Konformitäten wird dies bei jedem Rohstoff überprüft und in unserem ERP System gekennzeichnet.

Wir pflegen mit unseren Lieferanten eine langjährige und vertrauensvolle Geschäftsbeziehung mit einem regelmäßigen Austausch.

Von unseren Top 10 Zulieferern fordern wir in regelmäßigen Abständen eine Selbstauskunft, in der wir ökologische und soziale Themen abfragen. Diese Information fließt in unsere Lieferantenbewertung mit ein.

Im Jahr 2022 soll ein Verhaltenskodex entwickelt werden. Dieser Kodex soll Themenfelder wie Menschenrecht und Gleichberechtigung, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit, Umweltverantwortung und Umweltschutz sowie ethisches Handeln beinhalten.

Produktion:
Bei unseren Arbeiten wird mit Pressen, CNC-Fräsen und Verformungsapparaten gearbeitet. Wir sind ständig dabei unseren Maschinenpark zu modernisieren um mit modernster Technologie umweltfreundlich, schnell, flexibel und kostensparend zu produzieren.
Um den Arbeitsprozess für den Mitarbeiter sicher zu gestalten, sind wir kontinuierlich dabei die Arbeitssicherheit für den Mitarbeiter zu verbessern.
Unsere Produktion findet ausschließlich in Deutschland am Standort Kisslegg statt. Daher sehen wir im Wesentlichen ökologische und keine sozialen Aspekte als bedeutend für unsere Wertschöpfungskette an.
Die Risiken betreffen insbesondere den nachhaltigen Bezug von Holz- und Kunststoffrohstoffen. Darüber hinaus beschäftigt uns die Entsorgung der auf Kundenwunsch erstellten Produkte, da diese häufig schwer zu recyclen sind (Verbundwerkstoffe).
Wie unter Kriterium 11-12 näher ausgeführt, ist der Energieverbrauch unserer Firma ein zentraler Umweltaspekt für uns.
Unsere Produkte liefern wir dann zu unseren Kunden, wo sie im Endprodukt verbaut werden. Über den weiteren Produktlebenszyklus haben wir keine Informationen.

Logistik:
Unsere Hauptkunden befinden sich in einem Umkreis von ca. 30 km. Dadurch können wir als Just-in Time/Just-in-Sequence-Lieferant unsere Kunden schnell beliefern. Die Lieferungen erfolgen durch eine beauftragte Spedition.

Der Verbrauch und die Fahrkilometer von unserem werkseigenen Fuhrpark wird im Umweltmanagementsystem kontrolliert.
Beim Transport der Waren fällt nur wenig Verpackungsmaterial an, da wir Transportgestelle und Mehrwegpaletten im Einsatz haben.

Kunde:
Eine kurze Kundenbefragung zu Nachhaltigkeitstrends (insbesondere auf Produktebene) haben wir 2021 gestartet sie soll im 2. Quartal 2022 abgeschlossen sein

 
 
 

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4