1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Langfristige Entwicklungen wie Niedrigzinsumfeld, wachsende regulatorische Anforderungen sowie die Digitalisierung verlangen von allen Versicherern kontinuierliche Verbesserungen. Die SIGNAL IDUNA Gruppe hat deshalb schon frühzeitig mit dem auf fünf Jahre angelegten Transformationsprogramm – der VISION2023 – die Weichen neu gestellt. Dabei handelt das Unternehmen nach dem übergreifenden Ziel: „Gemeinsam mehr Lebensqualität schaffen!“.

Die Strategiebausteine des Transformationsprogramms können dem Oberbegriff „Nachhaltiges Handeln“ zugeordnet werden und zielen auf Service-Exzellenz, stärkere Fokussierung auf die berufsständischen Zielgruppen Handwerk, Handel und öffentlicher Dienst, digitale Transformation der Gruppe und Lösungen für die Kunden sowie die Weiterentwicklung und Erneuerung der Unternehmenskultur ab. So kann die SIGNAL IDUNA Gruppe auch in den kommenden Jahren neue Wachstumsimpulse setzen.

Dabei gilt im Sinne der Mitglieder und des Unternehmens: „Die SIGNAL IDUNA Gruppe richtet ihr unternehmerisches Handeln an den Grundprinzipien einer ökonomischen sowie ökologisch und sozial verträglichen Wirtschaftsweise aus.“ Dieses Prinzip ist in der Geschäftsstrategie der SIGNAL IDUNA Gruppe verankert.

Im Berichtsjahr wurde eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe vom Vorstand beauftragt, einen ganzheitlichen Aktionsplan für die SIGNAL IDUNA Gruppe zum Thema Nachhaltigkeit zu erarbeiten. Ein erster Aktionsvorschlag wurde im Berichtsjahr bereits erarbeitet. Wichtiger Teil der Vorlage ist die weitere Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Geschäftsstrategie, deren Umsetzung für 2020 vorgesehen ist. Die Sustainable Developement Goals der UN (SDG`s) werden dabei berücksichtigt und integriert. Folgende Handlungsfelder wurden definiert: 

Derzeit werden die Details zu den Handlungsfeldern erarbeitet.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Der Vorstand hat sich bei der Vorstandsklausurtagung im Berichtsjahr umfassend mit Themen der Nachhaltigkeit beschäftigt. Im Nachgang dazu wurde eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe vom Vorstand beauftragt, einen ganzheitlichen Aktionsplan für die SIGNAL IDUNA Gruppe zum Thema Nachhaltigkeit zu erarbeiten.

Die wesentlichen Themen wurden in Bezug auf die eigene Geschäftstätigkeit und wesentlichen aufsichtsrechtlichen Veröffentlichungen ausgearbeitet. Durch die Verabschiedung des Aktionsplans zur Nachhaltigkeitsstrategie der SIGNAL IDUNA wird eine ganzheitliche Integration von Nachhaltigkeitszielen in die Geschäftsstrategie sowie den wesentlichen Geschäftsprozessen der Versicherungsgesellschaften der SIGNAL IDUNA gewährleistet. Dabei stehen gleichzeitig die Bedürfnisse der Kunden, die aufsichtsrechtlichen Anforderungen sowie die Auswirkungen auf die mittel- bis langfristige Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaften im Fokus. Die bestehenden Ziele aus dem Transformationsprogramm VISION2023 werden durch den integrativen Ansatz bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele maximal unterstützt.

Folgende wesentliche Handlungsfelder wurden definiert:
Die Konzepte zu den dargestellten Handlungsfelder werden im Rahmen der nichtfinanziellen Erklärung dargestellt. Derzeit werden diese Konzepte für das Jahr 2020 weiter ausgearbeitet und erweitert. Die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken werden in den themenspezifischen Kriterien beschrieben.

Der Vorstand der SIGNAL IDUNA Gruppe  ist vollumfänglich in sämtlichen hier dargestellten Themen eingebunden und wird regelmäßig über den Fortschritt informiert.

Ausblick
Auf europäischer Ebene werden derzeit mit der Veröffentlichung der Transparenz-Verordnung, der Anpassung der IDD sowie der Trilog-Einigung zur grünen Taxonomie wesentliche aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen verabschiedet. Die BaFin hat zudem im Dezember 2019 ein Merkblatt mit Umsetzungshinweisen veröffentlicht. Diese neuen aufsichtsrechtlichen Hinweise und Rahmenbedingungen werden bei der Umsetzung des Aktionsplans vollumfänglich berücksichtigt.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Der Vorstand verabschiedete im Berichtsjahr die Bildung einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe, die mit der Erarbeitung einer Richtungsentscheidung zum Thema Nachhaltigkeit betraut wurde. Im Rahmen der ESG-Arbeitsgruppe (ESG: Environment, Social, Government) konnte ein Aktionsplan „Nachhaltigkeitsstrategie“ mit verbindlichen Endterminen erarbeitet werden, die 2020 umgesetzt werden sollen. Die Sustainable Development Goals der UN (SDGs) werden dabei berücksichtigt und integriert. Die Priorisierung der Ziele wurde in Bezug auf die eigene Geschäftstätigkeit und wesentlichen aufsichtsrechtlichen Veröffentlichungen ausgearbeitet.

Der entwickelte Aktionsplan enthält u.a. folgende Handlungsfelder für 2020:
Die Erreichbarkeit wird im Jahr 2020 mit fest definierten Fristen überprüft und nachgehalten.

Darüber hinaus wurde Anfang 2020 ein Nachhaltigkeitskomitee mit Beteiligung des Vorstandsvorsitzenden, des Finanzvorstands sowie des Vertriebsvorstands gegründet.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Versicherungsdienstleistungen sind immaterielle Güter. Ihnen liegt daher kein klassischer Produktionsprozess zugrunde.

Die Produktentwicklung der SIGNAL IDUNA Gruppe folgt einem klar definierten Prozess. Alle Schritte, von der Marktbeobachtung und Ideengewinnung bis hin zur Produktentwicklung, -einführung und -kontrolle, werden genauestens geplant und überprüft. Als Versicherer ist es dabei die Hauptaufgabe, Leistungen sicherzustellen und zu erbringen, z. B. beim Eintritt eines Schaden- und Rentenfalls.

Die SIGNAL IDUNA Gruppe nutzt ein einheitliches Produktgenehmigungsverfahren, was für sämtliche Sparten gleich aufgesetzt ist. Dies führt zu einem einheitlich hohen Qualitätsniveau neu entwickelter Produkte. Zusätzlich wird schon bei der Entwicklung neuer Produkte oder größerer Änderungen an bestehenden Produkten der Kunde ins Zentrum der Entwicklung gestellt. Dies soll zu einem dem Kunden dienen, aber auch dem Vertrieb, da die Produkte noch näher am Kunden entwickelt werden.


Vertriebspartner beeinflussen den Wert der Produkte durch den Kundenkontakt und ein passgenaues, individuelles Angebot.

Im Rahmen der VISION2023 sind die sogenannten „Journeys“ gestartet, in denen die Mitarbeiter nach agilen Methoden und mit starker Kundenzentrierung neue Zielgruppen erschließen sowie Produkte und Services entwickeln. Zur Unterstützung dieser neuen Form zielgruppenspezifischer Produkte und Services wird auch der Vertrieb weitergebildet. Außendienstpartner und Freie Vertriebe erhalten die Möglichkeit, sich zusätzlich auf einzelne Zielgruppen oder auch Berufsgruppen zu spezialisieren. Die ersten Spezialisierungen sind bereits erfolgt. 

Die Versicherungsunternehmen der SIGNAL IDUNA Gruppe haben sich mit Beitritt zum „Verhaltenskodex des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft für den Versicherungsvertrieb von Versicherungsprodukten“ freiwillig verpflichtet, eine hohe Qualität der Kundenberatung sicherzustellen. Das wesentliche Ziel des Kodex ist, die Interessen der Kunden konsequent in den Mittelpunkt zu rücken und die Qualität der Kundenberatung weiter zu verbessern. 


Die SIGNAL IDUNA Gruppe beobachtet die Veränderung des Klimas genau und analysiert mit mathematischen Modellen die Auswirkungen auf ihren Bestand und leitet daraus Merkmale für die Tarifierung von Risiken ab; dies ist bereits jetzt in der Sachversicherung, z. B. bei Elementarereignissen, relevant.

Für die SIGNAL IDUNA Gruppe bedeutet Nachhaltigkeit bezogen auf den Einkauf, dass Waren und Dienstleistungen so zu beschaffen sind, dass sie von der Herstellung bis zur Entsorgung alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Faktoren berücksichtigen und sich dabei so gering wie möglich auf Umwelt und Mensch auswirken. Alle Einkäufer sind für diese Kriterien sensibilisiert. Wenn sinnvoll, wird bereits im Stadion der Ausschreibung von Waren und Dienstleistern das Thema Nachhaltigkeit mit abgefragt bzw. vorgegeben. So wird z. B. bei bestimmten Dienstleistungen vertraglich vorgegeben, dass der Auftragnehmer sich verpflichtet, im Rahmen der wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten umweltfreundliche Produkte und Verfahren einzusetzen sowie umweltfreundliche Transportwege zu nutzen.

Im Rahmen des im Berichtsjahr erarbeiteten Aktionsplans sollen im Jahr 2020 alle bestehenden Leit- und Richtlinien einer Prüfung hinsichtlich der Aufnahme von ESG-Prinzipien unterzogen werden.


Der Dreiklang aus ökonomischer, aber auch ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in den Anlageentscheidungen des Unternehmens wider. Das Kapitalanlageportfolio der SIGNAL IDUNA Gruppe besteht bereits zu einem großen Teil aus Anlagen, die unter den sog. ESG-Aspekten (Environment, Social, Governance - Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung) als nachhaltig klassifiziert werden.

Auf Grundlage des vom Vorstand beschlossenen konzernweiten Aktionsplans erfolgt die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Kapitalanlagestrategie und die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagement der Kapitalanlagen in einem noch stärkeren Maß. Die grundsätzliche Orientierung hierbei erfolgt nach an den UN Principles for Responsible Investment (UNPRI). Mittelfristig ist die Unterzeichnung der UNPRI geplant.

Im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie analysiert die SIGNAL IDUNA Gruppe dabei ihre Bestände an direkt und indirekt gehaltenen Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen mittels des ESG-Scoring-Systems von MSCI, des weltweit führenden Anbieters von ESG-Research. Im Zuge eines komplexen analyseprozesses werden Unternehmen und Staaten hinsichtlich ihrer Berücksichtigung von Nachhaltikeitsanforderungen geratet. Bezogen auf den Bestand der gerateten Anlagen in diesem Portfolio beträgt das durchschnittliche Rating A.  

Auch im Private Equity-Segment achtet die SIGNAL IDUNA Gruppe auf Nachhaltigkeit. So wird die überwiegende Mehrheit der von dem Tochterunternehmen SIGNAL IDUNA Select Invest GmbH gehaltenen Beteiligungsfonds von Managern verantwortet, die die UN Principles for Responsible Investment (UNPRI) unterzeichnet haben und/oder eine eigene ESG-Policy haben.


Bei der Berücksichtigung des ESG-Aspekts „Soziales“ spielt weiterhin die Vergabe von Hypothekendarlehen zur Finanzierung von privatem Wohneigentum und von Mehrfamilienhäusern für die Versicherungsunternehmen der Gruppe eine wesentliche Rolle. Damit unterstützt die SIGNAL IDUNA Gruppe die private Vermögensbildung und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum in Deutschland. Im Bereich des privaten Wohneigentums bietet die SIGNAL IDUNA Gruppe auch die Einbindung der Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau an, mit denen insbesondere energieeffizientes Bauen gefördert wird.

Der Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit gewinnt in der Kapitalanlage immer mehr an Bedeutung. So investiert die SIGNAL IDUNA Gruppe verstärkt in das Segment „Erneuerbare Energien“ z. B. in Solar- und Windenergie. Dadurch hat sich in diesem Segment das Exposure in den letzten drei Jahren deutlich erhöht. Die für wesentliche Investitionen in diesem Bereich ermittelte durchschnittliche CO2-Einsparung p.a. betrug zum 30.06.2019 rd. 387 Tonnen[1].

Des Weiteren achtet die SIGNAL IDUNA Gruppe bei Neuinvestments im Immobilienbereich zunehmend auf eine Zertifizierung nach internationalen Standards. Hierzu gehören beispielsweise das britische Nachhaltigkeitszertifikat BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method), das älteste und am weitesten verbreitete Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen, die Zertifizierung nach LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) sowie der Standard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Die SIGNAL IDUNA Gruppe beschäftigt sich außerdem verstärkt mit der Berücksichtigung von erneuerbaren Energiequellen bei der Energieversorgung ihrer Immobilien.

Darüber hinaus hat die SIGNAL IDUNA Gruppe in ihrer Kapitalanlageleitlinie klare Ausschlusskriterien für Investments definiert. Demnach sind Investitionen in Hersteller von Waffensystemen, welche gegen die international anerkannten Konventionen gegen Antipersonenminen, Streumunition sowie Bio- und Chemiewaffen verstoßen, laut Anlageuniversum nicht zulässig. Von einer Investition in Rüstungskonzerne oder Unternehmen mit offensichtlich fragwürdigem Geschäftszweck nimmt die SIGNAL IDUNA Gruppe grundsätzlich Abstand. Im Rahmen der ständigen Überprüfung und Verfeinerung der Ausschlusskriterien wurden des Weiteren ebenfalls Unternehmen ausgeschlossen, die nachweislich mit ausbeuterischer Kinderarbeit gemäß ILO-Standard in Verbindung gebracht werden sowie Investitionen in Unternehmen und Staaten, denen eine systematische Verletzung der Menschenwürde nachgewiesen wurde, z.B. Landvertreibung und Unterstützung bzw. Tolerierung menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen.

Auf Basis des vom Vorstand verabschiedeten Aktionsplans wird die Integration von Nachhaltigkeitskriterien auch in 2020 weiter vorangetrieben. 


[1] Durchschnittliche jährliche Einsparung ab Inbetriebnahme bzw. Investment bis zum 30.06.2019. Die Prüfung dieser Kennzahl ist nicht Bestandteil der gesonderten betriebswirtschaftlichen Prüfung nach ISAE 3000 mit begrenzter Sicherheit durch die KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4