1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Der Eigentümer Malte Karau führt die beiden Betriebe Anker's Hörn und Hilligenley im Einklang mit den besonderen naturräumlichen Verhältnissen einer Hallig. Das Leben wird hier in ganz besonderem Maße durch die Natur und den Wechsel der Jahreszeiten geprägt. Meer und Gezeiten, Wetter und Landschaftsformen prägen den Alltag der Menschen hier in einzigartiger Weise. Das betrifft alle: Einheimische und Touristen gleichermaßen. Daraus ist ein sorgsamer Umgang mit der Natur entstanden, der seinesgleichen auf der Welt wohl nur im Wattenmeer findet. Das spiegelt sich natürlich auch im Selbstverständnis der Unternehmers Malte Karau und der von ihm geführten Hotellerie und Gastronomie wieder. Vieles basiert auf jahrhundertealter Tradition, die im Verlaufe technologischer und sozialer Veränderungen bis heute ihre wesentlichen Merkmale erhalten hat. 

Das unternehmerische Ziel von Herrn Karau ist es, die natürlichen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen für eine selbstbestimmte Zukunft zu sichern und soweit wie möglich vorausschauend mitzugestalten. Er hat sich deshalb für die Einführung des deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) entschieden, um die strategische Ausrichtung seiner Geschäftstätigkeit auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Vor allem strebt er an, die dabei notwendig werdenden Veränderungen frühzeitig in sein Unternehmenskonzept zu integrieren.

Im Rahmen von drei Workshops wurden dafür die betrieblichen und unternehmerischen sowie die gesellschaftlichen und ökologischen Gegebenheiten aufbereitet. Aufgrund der einleitend skizzierten engen kultur- und naturräumlichen Verflechtungen wurde dabei schnell deutlich, das wesentliche Aspekte der Nachhaltigkeit sowohl im Unternehmensbild als Ganzes, als auch im Arbeitsalltag der unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Mitarbeiter bereits verankert sind. Es fehlte allerdings zu diesem Zeitpunkt noch eine allgemeine, systematische Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesamtunternehmen, bestehend aus den Betrieben Anker's Hörn und Hilligenley, umfasst.

Der erfasste Ist-Zustand dient als Grundlage für die weitere Operationalisierung von Nachhaltigkeitsanforderungen und -leistungen des Unternehmens. Die daraus erwachsenen Anforderungen für die künftige Entwicklung des Unternehmens, sollen bis Ende 2017 in einer Wesentlichkeitsmatrix erfasst und einem Leitbild verschriftlicht und kommuniziert werden. Bereits praktizierte Maßnahmen, und im Rahmen der Workshops für die Zukunft definierte Aufgabenstellungen, finden sich in weiteren Abschnitten der Entsprechenserklärun, insbesondere bei den Kriterien 2, 3, 6, 9, 11, 13, 16 und 18. Sie sollen 2018 in konkrete Arbeitspakete überführt und unter Bezugnahme auf die Wesentlichkeitsmatrix in einen "Projektplan Nachhaltigkeitsberichterstattung", mit definierten Arbeitsschritten und Zeitabschnitten, übertragen werden. Eine begleitende Evaluation soll die Qualität der Ergebnisse und Fortschritte gewährleisten.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Entsprechend der unternehmerischen Kerntätigkeiten Zimmervermietung (Hotellerie), der Zubereitung hochwertiger Speisen und Getränke (Gastronomie) und der Erarbeitung eines nachhaltigen touristischen Gesamtangebots im Umfeld eines einzigartigen und gleichzeitig räumlich sehr begrenzten Natur- und Kulturraums, stehen die Standorte Anker's Hörn und Hilligenley vor besonderen Herausforderungen. Neben der Balance zwischen den Wünschen der Gäste und dem Schutz eines filigranen Ökosystemgefüges, müssen Geschäftsführung und Mitarbeiter auch den besonderen Charakter des Sozial-Raum-Gefüges einer Hallig berücksichtigen. Ein gutes Konfliktmanagement und eine einfühlsame Kooperation mit der Anwohnergemeinschaft, ist daher genauso wichtig wie das eigentliche Erholungs- und Wohlfühlangebot für die Urlauber und Tagesgäste. Die Geschäftsführung misst daher der Einbeziehung der lokalen Stakeholder eine hohe Priorität zu. Das Motto heißt: "möglichst alle ins Boot holen!"

Die genauso wichtige Einbindung in überörtliche, regionale Aktivitäten und Maßnahmen ist dabei nicht immer konfliktfrei. Dazu gehört z.B. die beantragte Nationalpark-Partnerschaft, bei der es um die Kooperation von Betrieben/Unternehmen, Universitäten/Forschungseinrichtungen und juristische und privaten Personen geht. Mit der Partnerschaft verpflichten sich beide Seiten, so zusammenzuarbeiten, dass nicht nur die Beteiligten sondern auch der Nationalpark insgesamt davon profitiert.

Dazu gehört auch, das norddeutsche Wattenmeer als UNESCO Welterbe zu erhalten. Denn es steht auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Grand Canyon in den USA oder den Galapagos-Inseln: Als erste deutsche Naturlandschaft ist es zum Welterbe der Menschheit erklärt worden. Das UNESCO-Welterbekomitee würdigte das Wattenmeer als eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde. Das Gebiet sei ein einzigartiges Ökosystem mit besonderer Artenvielfalt.

Das Wattenmeer der Nordsee umfasst das gesamte Küstengebiet samt Inseln, Dünen, Sandbänken, Prielen und Salzwiesen. Als Watt wird die Fläche bezeichnet, die im Wechsel aus Ebbe und Flut trocken fällt oder überflutet wird. Es erstreckt sich zwischen der niederländischen Insel Texel und der dänischen Ho Bucht. Damit ist es in Europa neben den Alpen eines der letzten verbliebenen natürlichen Großökosysteme.

Und mittendrin liegt die Hallig Langeness. Familie Karau unterstützt den Erhalt dieser vielfältigen Naturlandschaft, verbunden mit einem hochwertigen Service und gelebter Freundlichkeit, hoher Professionalität seiner Mitarbeiter sowie der gesundheitsfördernden Qualität seiner Produkte und Dienstleistungen - einschließlich und insbesondere durch die Wohlfühlatmosphäre ihrer Räumlichkeiten an beiden Standorten: Anker's Hörn und Hilligenley.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Mit der Einführung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex hat die Geschäftsführung begonnen, die implizit vorliegenden strategischen Überlegungen in einen schlüssigen Rahmen zu übertragen. Die Fortführung dieses Prozess hat hohe Priorität. Der Erfolg dieser Strategie wird ganz wesentlich von der Formulierung und Umsetzung der für das Unternehmen als wichtig - und gleichzeitig realistisch - erkannten Ziele abhängen. Das gilt gleichermaßen für die langristigen und kurzfristigen Ziele.

Inzwischen hat die strategische Analyse begonnen und einige Fokusfelder wurden benannt. Die Herausforderung liegt dabei in der Balance zwischen der Schaffung von "Mehr-Wert" für das Unternehmen unter Berücksichtigung der regionalen und lokalen Stakeholder und dem Mehr-Wert für die Kunden bei gleichzeitiger Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks durch eine Steigerung von Ressourceneffizienz und Sicherung/Erhalt der Ökosystemleistungen des Wattenmeers und der küstennahen Ökosysteme.

Eine erste Nennung von Schwerpunkten sieht vor, dass z. B. die Energieversorgung komplett auf regenerative Energieträger umgestellt wird. Gegenwärtig erfolgt die Wärmeversorgung durch eine Kombination von Erdwärme und Sonnenenergie (Solarthermie). Auch die Versorung mit elektrischer Energie erfolgt inzwischen zu 3/4 über eine eigene Fotovoltaikanlage. Der rest wird durch externe Versorger vom Festland übernommen. Angestrebt wird auch hier eine 100% Versorung mit "grüner" Enerige. Weitere Überlegungen werden zur Einsparung von Energieverbräuchen im Bereich der Kühlsysteme angestellt. In der Planung befindet sich die Umstellung von derzeit 4 Kühlsystemen auf eine zentrale Kühleinheit. Weitere Einspareffekte werden durch die schrittweise Erneuerung der Küchengerate realisiert.  

Im Bereich des gastronomischen Angebots wird der Anteil von Bio-Produkten seit geraumer Zeit gezielt erweitert. Das gilt auch für den Einkauf regionaler Produkte. Das Ziel ist ein kulinarisches Angebot, dass zu 100% aus biologischem Anbau und/oder regional produziert wird. Insbesondere dieser Bereich zeigt eine deutliche Steigerung der Nachfrage. Seit der Eröffnung von Anker's Hörn in 2010 hat sich eine hohe Nachfrage nach hoher Qualität in diesem Bereich bestätigt. DIe Einführung der hohen Qualitätsstandards mit der Eröffnung von Anker's Hörn, hat zu einer ganzjährig hohen Auslastung in diesem Premiumsegment geführt. Das hohe Qualitätsniveau wird abgerundet durch die Weiterbildung der Mitarbeiter im Produkt- und Servicebereich, z. B. beim Gastro-Experten Citti Märkte GmbH. Das Weiterbilungsangebot ist auch Teil der Maßnahmen zur Fachkräftesicherung an den Standorten Anker's Hörn und Hilligenley. 

Qualtitative und quantitative Zielgrößen wurden noch nicht definiert. Dasselbe gilt dann konsequenterweise auch für die Einführung von Kontrollen zur Erfassung ihres Erreichungsgrads. Dies wird im Zusammenhang mit der Fortführung und Vertiefung der strategischen Analyse zur nachhaltigen Führung des Unternehmens und der daran anknüpfenden Konkretisierung von Fokusfeldern und Zielen  geschehen. Das betrifft auch die Hinterlegung mit Indikatoren. Dafür sollen konkrete Projekt benannt werden, die sich aus der Geschäftsführung und ausgewählten Mitarbeitern zusammen setzen werden.

Das übergeordnete Ziel ist eine Bewertung, Priorisierung und Zielerreichungskontrolle (Evaluation) der Strategie und ihrer Maßnahmen. Sie soll den Orientierungsrahmen für die Weiterentwicklung und den Realisierungsgrad des Nachhaltigkeitskonzepts bilden. Bis zur Neuauflage der Entsprechenserklärung 2017/2018, soll erstmalig die Veröffentlichung eines unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsberichts erfolgen. Dieser soll 1 x jährlich erscheinen und die Fortschritte bei der Realisierung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagementsystem dokumentieren.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Waren und Dienstleistungen werden zum größten Teil von Anbietern aus der Region bezogen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur regionalen Wertschöpfung geleistet.

Rahmenvereinbarungen zur Berücksichtigung von Grundsätzen gesellschaftlicher Verantwortung mit Produzenten, Lieferanten, Handwerksbetrieben und anderen Gewerken, zu denen Geschäftsbeziehungen bestehen, wurden bisher nicht vereinbart. In der Zeit bis zur ersten Aktualisierung der DNK-Entsprechenserklärung, soll jedoch die Ausrichtung der Geschäftsbeziehungen, zunächst in ausgewählten Bereichen (Umweltschutz, Beitrag zum Gemeinwohl, Arbeitnehmerrechte, Verbraucherinteressen, etc.), nach den Grundsätzen der "nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen" (SDGs) neu ausgerichtet werden. In diesem Zusammenhang soll auch eine erste, möglichst komplette Erfassung und Analyse der Wertschöpfung an den Standorten Anker's Hörn und Hilligenley erfolgen. Die zentralen Wertschöpfungsbereiche liegen in der Zimmervermietung und der Gastronomie. Es gilt hier die Prozesse der Leistungserstellung im Detail zu analysieren. Im Kontext der Wertschöpfungskette betrifft das sowohl den Einsatz der unternehmenseigenen Ressourcen und Kompetenzen, als auch diejenigen der Geschäftspartner.

In der Hotellerie und Gastronomie sind die Wertschöpfungsketten relativ kurz und unverzweigt. Hier wird es im Wesentlichen um Rohstoffbeschaffung, Vorfertigung, Veredlung sowie den Lebenszyklus der Produkte gehen; auch den, der noch darüber hinausgeht: das betrifft vor allem Recycling und Entsorgung. Die dafür notwendige Informationen sollen beschafft und aufbereitet werden. Hinzu kommen Fragen der Nutzerfreundlichkeit der in den Gasträumen und Hotelzimmern sowie in den Freizeit- und Wellnessbereichen verwendeten Produkte.Welche ökologischen und gesundheitlichen Fragen stellen sich in der Beschaffung und dem Gebrauch? Sind sie rücknahme - und recyclingfähig? Welche Risiken ergeben sich für bestimmte Produkte in ihrer "end of life" Phase? Oder bieten sie eventuell noch unberücksichtigte Wertschöpfungsstufen für das Unternehmen?

Im Bereich Betten und Wäsche hat das Unternehmen bereits grundlegenden Maßnahmen vollzogen. Allergiefreie Bettenausstattung gehört genauso zum Standard, wie die Abgabe der Wäsche an eine zertifizierte Wäscherei auf dem Festland (Kappelner Wäscherei). Begrenzende Faktoren der Wertschöpfungssteigerung liegen in den eingeschränkten Möglichkeiten der räumlichen Erweiterung. Im Gastronomiebereich betrifft dies vor allem die Küche (nur Platz für einen Koch). In der Vermietung betrifft dies die Anzahl der Zimmer; trotz hoher Ausnutzung ist eine Erweiterung nicht möglich (Sicherung des besonderen naturräumlichen Charakters der Hallig). Hinzu kommt der sehr begrenzte Wohnraum für das Personal. Ein Neubau ist in Planung, wird aber das Problem nur teilweise lösen können.

Bis zur Aktualisierung der Entsprechenserklärung durch den ersten unternehmensspezifischen Nachhaltigkeitsbericht 2017/2018 (mit eigenem Themenschwerpunkt), sollen die Ebenen und Zweige der Wertschöpfungskette fortlaufend auf ihre Relevanz für das nachhaltige Geschäftsmodell des Unternehmens überprüft werden. Die Wertkettenschritte werden dabei in Beziehung zu ihrem Gewinn betrachtet. Insbesondere solche mit hoher Wertschöpfung, jedoch geringem Gewinn oder sogar Verlust sowie schwacher strategischer Bedeutung, werden einer kritischen Überprüfung unterzogen.Teil-Outsourcing oder die Kooperation mit anderen Unternehmen werden überprüft, um die angestrebten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4