1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit haben wir per Definition eine wertorientierte Ausrichtung und beachten ökologische, soziale und ökonomische Aspekte in unserem Tagesgeschäft. Unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten steuern wir mit Hilfe einer umfassenden konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie. So können wir Maßnahmen zielgerichtet umsetzen und unsere Nachhaltigkeitsleistungen weiter verbessern.

In einem mehrstufigen Strategieprozess haben wir 2019 unsere Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickelt. Dabei orientierten wir uns unter anderem an den Anforderungen des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes, des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes und an den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen.

Ausgangspunkt der Strategieentwicklung waren die Ergebnisse unserer Wesentlichkeitsanalyse von 2017, aus der wir damals die drei Handlungsfelder „Verantwortungsvolle Unternehmensführung“, „Produkte und Leistungen“ und „Personal und Soziales“ abgeleitet hatten. Beim damaligen Wesentlichkeitsprozess waren sowohl interne als auch externe Stakeholder beteiligt. Im Jahr 2018 führten wir eine Portfolioanalyse unserer Kapitalanlagen anhand von Nachhaltigkeitskriterien durch und nahmen in diesem Zuge das Thema Nachhaltige Kapitalanlagen als eigenes Handlungsfeld in unsere Strategie auf. 2019 führten wir Vorstandsinterviews sowie Workshops mit Führungskräften und dem Gesamtvorstand des ALTE LEIPZIGER - HALLESCHE Konzerns zu den Schwerpunkten der Nachhaltigkeitsstrategie durch. Ziel war es, unseren Beitrag zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs, s. Kriterium 3) herauszuarbeiten und damit die vorhanden wesentlichen Themen und Handlungsfelder auf Aktualität zu überprüfen und zu schärfen. Dabei wurde auch der betriebliche Umweltschutz als strategisches Handlungsfeld für die Strategie festgelegt. Obwohl unsere Produkte und unsere Kapitalanlage einen weitaus größeren Einfluss auf die Umwelt haben, möchten wir mit gutem Beispiel voran gehen und einen Beitrag zu mehr Umweltschutz auch in unserem Betrieb leisten.

Damit hat die aktuelle Nachhaltigkeitsstrategie fünf Handlungsfelder, auf die wir in Zukunft den Fokus legen möchten: Verantwortungsvolle Unternehmensführung, Produkte und Leistungen, nachhaltige Kapitalanlagen, Personal und Soziales sowie betrieblicher Umweltschutz. Diese sind im Folgenden kurz beschrieben.

Verantwortungsvolle Unternehmensführung
Verantwortungsvolle Unternehmensführung bedeutet für uns langfristig orientiertes wirtschaftliches Handeln nach gesellschaftlich verantwortungsvollen und ethischen Grundsätzen. Dazu gehört es unter anderem, verantwortungsbewusst mit Risiken umzugehen und uns mit unseren internen und externen Stakeholdern auszutauschen. So bringen wir ertragreiches Wachstum mit unserer gesellschaftlichen Verantwortung in Einklang.

Produkte und Leistungen
Bei der Entwicklung unserer Produkte und Leistungen berücksichtigen wir konsequent die Sichtweise unserer Kunden. Neben bezahlbaren Beiträgen und unseren langfristigen Leistungsversprechen gewinnen dabei auch weitere Nachhaltigkeitsanforderungen immer mehr an Bedeutung. Durch unsere Produkte möchten wir es unseren Kunden ermöglichen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Nachhaltige Kapitalanlage
Eine verantwortungsvolle Kapitalanlage spielt für die langfristige Finanzierung unserer Leistungen eine zentrale Rolle. Mit den uns anvertrauten Geldern haben wir aber auch einen Hebel und die Verantwortung, gezielt Einfluss auf ESG-Kriterien zu nehmen.

Personal und Soziales
Unsere Mitarbeiter sind von großer Bedeutung, um unsere Rolle als dauerhaft verlässlicher Partner für unsere Anspruchsgruppen zu erfüllen. Wir fördern eine von Wertschätzung und Respekt geprägte Unternehmens- und Führungskultur und die persönliche Entwicklung unserer Mitarbeiter in einem sicheren und verlässlichen Arbeitsumfeld. Unsere Werte tragen wir auch in die Gesellschaft, indem wir uns in verschiedenen sozialen Projekten engagieren.

Betrieblicher Umweltschutz
Den größten Einfluss haben wir beim Umweltschutz in der nachhaltigen Kapitalanlage sowie durch unsere Produkte und Leistungen. Gleichzeitig möchten wir aber mit gutem Beispiel vorangehen und setzen uns deshalb selbst Ziele zur Reduktion von Emissionen und unseres Ressourcenverbrauchs.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Bereits 2017 führte der ALTE LEIPZIGER – HALLESCHE Konzern eine Wesentlichkeitsanalyse durch, bei der interne und externe Interessengruppen eingebunden waren. Im Zuge der mehrstufigen Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie (s. Kriterium 1) überarbeiteten wir die wesentlichen Themen auf Basis der SDGs. Hierbei analysierten wir unter anderem, bei welchen Themen der ALTE LEIPZIGER - HALLESCHE Konzern positive oder negative wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Auswirkungen hat bzw. wo unsere Stakeholder Ansprüche an uns haben. Ausführlichere Angaben zu unserem Umfeld finden Sie in Kriterium 4 "Tiefe der Wertschöpfungskette".  Aus diesem Prozess ergeben sich die folgenden wesentlichen Themen in den fünf Handlungsfeldern der Nachhaltigkeitsstrategie:

Verantwortungsvolle Unternehmensführung
Produkte und Leistungen

Nachhaltige Kapitalanlage

Personal und Soziales:

Betrieblicher Umweltschutz
[1]
Eine erneute Priorisierung dieser wesentlichen Themen aus Sicht des ALTE LEIPZIGER – HALLESCHE Konzerns und eine Erhebung der Perspektive der Stakeholder ist für 2020 geplant. Die Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken beschreiben wir in den Kriterien 4 und 6 sowie in themenspezifischen Kapiteln. 
 

[1] Aufgrund des geringen Ressourcen- und Energieverbrauchs des  ALTE LEIPZIGER - HALLESCHE Konzerns ist das Handlungsfeld „Betrieblicher Umweltschutz“ nicht wesentlich im Sinne des CSR-RUG. Da wir selbst jedoch mit gutem Beispiel vorangehen möchten, ergänzten wir das Thema 2019 in unserer Nachhaltigkeitsstrategie als eigenes Handlungsfeld

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Versicherungen sind unsichtbare Produkte, die in der Herstellung außer Verwaltungsgebäuden und Rechenzentren sowie einer Vertriebsinfrastruktur keine natürlichen Ressourcen benötigen. Den größten Teil der Wertschöpfung, nämlich die Produktentwicklung, die Kapitalanlage und den Kundenservice, erbringen wir als Versicherungsunternehmen selbst. Im Bereich der Beratung von Endkunden und im Vertrieb arbeiten wir größtenteils mit unabhängigen, bei uns registrierten Vermittlern zusammen. Für verschiedene Aufgaben und Beschaffungen vergeben wir aber auch immer wieder Aufträge an Lieferanten, Berater, Händler oder sonstige Anbieter von Waren und Dienstleistungen, die in der Regel zentral über unseren Einkauf gesteuert werden.

Bei der Produktentwicklung achten wir bereits früh auf die langfristige Erfüllbarkeit der Verträge und auf Beitragsstabilität, indem wir potentielle Risiken (beispielsweise durch den Klimawandel) analysieren und bei Bedarf entsprechende Gegenmaßnahmen treffen (s. auch Kriterium 6 – Regeln und Prozesse). Daneben werden auch ökologische und soziale Aspekte bei der Produktentwicklung berücksichtigt (s. auch Kriterium 10 – Innovations- und Produktmanagement). Um Nachhaltigkeitsaspekte und -risiken noch strukturierter in den Produktentwicklungsprozess integrieren zu können, möchten wir diesen bis Ende 2020 überarbeiten und hinsichtlich ökologischer und sozialer Anforderungen systematisieren.

Der ALTE LEIPZIGER – HALLESCHE Konzern gehört mit einem Kapitalanlagevolumen von ca. 42 Milliarden € zu den großen Versicherungsgruppen in Deutschland. Dieses Anlagevolumen wollen wir verantwortungsvoll einzusetzen – allein und im Verbund mit anderen Investoren. Bei der Kapitalanlage berücksichtigen wir daher neben den Aspekten Rendite, Sicherheit und Liquidität auch zunehmend nachhaltige Aspekte als Entscheidungskriterien.

Um einen Überblick über die ESG-Performance (ESG = Environmental, Social, Governance) unseres Kapitalanlageportfolios zu erhalten, führten wir im Jahr 2018 zusammen mit imug, Hannover, eine Portfolioanalyse anhand marktüblicher Ausschlusskriterien durch. Gemäß dieser Analyse ist das Portfolio (Stichtag 31.03.18) des ALTE LEIPZIGER - HALLESCHE Konzerns weitgehend frei von ESG-Risiken. Nur ungefähr 5% der untersuchten Kapitalanlagen unterlagen einem potentiellen ESG-Risiko. Die Zusammensetzung des Kapitalanlageportfolios hat sich seit 2018 nicht wesentlich verändert. Daher gehen wir davon aus, dass sich auch das ESG-Risiko-Exposure nicht wesentlich verändert hat und die imug-Ergebnisse weiterhin relevant sind.

Das höchste Handlungspotenzial identifizierte imug im Bereich Aktien, wo wir seit 2019 verstärkt als „aktiver Investor“ auftreten. Dazu haben wir unser aktives Engagement und Stimmrechtsausübung bei einem Overlay-Manager mit anderen Investoren gebündelt. Durch die aktive Stimmrechtsausübung setzen wir uns für eine bessere ESG-Performance bei den investierten Unternehmen ein. Der Engagement-Ansatz des „aktiven Investors“ entspricht auch den „Richtlinien für verantwortungsvolles Investment“ der Vereinten Nationen (UN Princples of Responsible Investment, kurz UN PRI), die wir 2020 unterzeichnen und anwenden möchten. Diese Richtlinien beinhalten unter anderem Verpflichtungen zu ESG-Kriterien  in der Anlage, eine aktive Eigentümerschaft, Transparenz über die eigenen Aktivitäten und die Kooperation mit gleichgesinnten Partnern.

Neben der gezielten Einflussnahme auf Unternehmen möchten wir als verantwortungsvoller Investor unsere Kapitalanlagen in nachhaltige Investments ausbauen. Dies erfolgt seit 2016 durch Investitionen in Windenergie durch eigene Windparks. Darüber hinaus fördern wir eine nachhaltige Infrastruktur, indem wir in die Erzeugung und Verteilung von erneuerbarer Energie, der Kreislaufwirtschaft, der Kommunikation, nachhaltige Transportinfrastruktur und soziale Infrastruktur investieren.

Zudem nahmen wir 2019 erstmals Sustainable Bonds in unser Anleiheportfolio auf, also beispielsweise Kommunalanleihen, bei denen die Erlöse dazu genutzt werden, um Nachhaltigkeitsprojekte zu finanzieren.

So fördern und fordern wir auf allen Ebenen, die uns als Investor zur Verfügung stehen, den Gedanken des nachhaltigen Investierens. Wir suchen den Dialog mit unseren Geschäftspartnern und nehmen Einfluss in den Anlagebereichen, um ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften im Sinne unserer Nachhaltigkeitsstrategie und den PRI-Richtlinien zu gewährleisten. Weitere Informationen zu unserer Kapitelanlage finden Sie im Leistungsindikator GRI G4 - FS11 (Kriterium 10) sowie im Kriterium 17 – Menschenrechte.

Im Vertrieb setzen wir uns dafür ein, dass unsere Vertriebspartner langfristig mit uns zusammenarbeiten. Durch Anwendung des Verhaltenskodex des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft für den Vertrieb von Versicherungsprodukten sowie durch weitere Maßnahmen des Qualitätsmanagements sichern wir eine hohe Beratungsqualität. Die Einhaltung des Verhaltenskodex wurde auch 2019 wieder von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestätigt. Darüber hinaus bieten wir unseren Vermittlern elektronische Unterstützung im Antragsprozess an (z. B. Online-Antrag, E-Signatur, e-Votum, individualisierte Online-Abschluss-Module zur Einbindung auf der Vermittlerwebseite) und informieren sie regelmäßig per Mail über Neuerungen im Produktportfolio und im Konzern. Das erleichtert ihre Abläufe für die Vermittler, erhöht die Servicequalität und reduziert den Papierverbrauch. Über unsere digitalen Services und skalierbaren Schnittstellen zum Empfang von Daten und Dokumenten können die Vertriebspartner zusätzlich beispielsweise in Echtzeit Informationen zum Vertrag abrufen oder Teile des Antragsprozesses automatisieren. Ab 2020 möchten wir darüber hinaus unsere Kunden noch mehr für Nachhaltigkeitsthemen sensibilisieren und arbeiten deshalb darauf hin, entsprechende Strukturen in den Vertriebsprozess zu integrieren. 

Auch in der Beschaffung achten wir auf Integrität und soziale, ökologische und ethische Geschäftspraktiken. So haben wir Grundsätze zur nachhaltigen Beschaffung seit 2018 in unserer Beschaffungsrichtlinie festgeschrieben. Sie sieht eine regelkonforme, faire und partnerschaftliche Beziehung zu unseren Lieferanten und Geschäftspartnern vor, die neben ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte der Beschaffung umfasst. So achten wir beim Kauf von IT-Geräten beispielsweise neben dem Anschaffungspreis auch auf die Energieeffizienz oder umweltgerechte Entsorgungsmöglichkeiten der Geräte nach der Nutzung. Seit 2019 werden alle Lieferanten und Geschäftspartner bei Neuverträgen oder Vertragsnachträgen zur Beachtung unseres 2018 in Kraft getretenen Lieferanten-Verhaltenskodex aufgefordert. Dieser enthält allgemeine Prinzipien zu Compliance, Mitarbeiterschutz, Menschenrechten (einschließlich ILO-Grundkonventionen und UN-Menschenrechtscharta), Umweltschutz, Transparenz, Kartellrecht und Datenschutz.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4