1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit sind Teil unserer Identität. Sie bilden die Grundpfeiler für unser Handeln und die Erfüllung unseres gesetzlichen Auftrags. Als eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands mit rund 9 Millionen Versicherten sind wir ein wichtiger Akteur im Gesundheitssystem.

Nachhaltigkeit ist Teil unserer Unternehmensstrategie.
Viele wichtige Nachhaltigkeitsaspekte werden bei der BARMER schon seit langer Zeit intensiv bearbeitet. Unser gesetzlicher Auftrag entspricht dem SDG 3 "Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters und ihr Wohlergehen fördern". Nachhaltigkeit ist somit Teil unserer Unternehmensstrategie. Nachhaltigkeit gewinnt eine immer größere Bedeutung für unser Handeln und wir nehmen ein hohes Interesse von Versicherten, Mitarbeitenden und weiteren Stakeholdern an Nachhaltigkeit wahr. Dies haben wir zum Anlass genommen, 2019 ein unternehmensweites Projekt zu starten, in dem wir uns intensiv mit der Bedeutung von Nachhaltigkeit für unsere Unternehmensstrategie auseinandergesetzt haben. Dabei wurden wir durch ein externes Institut wissenschaftlich begleitet.
Viele Maßnahmen zur Umsetzung unserer Strategie setzen insbesondere im Bereich Energie an und umfassen ein breites Spektrum von der Umstellung auf Ökostrom über die Sanierung von Gebäuden bis zur Mobilität unserer Mitarbeitenden. 2021 konnten wir durch die bundesweite Nutzung von Ökostrom 3.730 Tonnen CO2 einsparen und mit dem Jobrad sind schon 1.350 Mitarbeitende mobil. Ein weiterer entscheidender Hebel ist die Digitalisierung. Die BARMER strebt eine höchstmögliche Ausschöpfung von Optimierungspotenzialen durch digitale Kommunikation und digitale Produkte an. Beispiele sind hier der Teledoktor-Service und unsere Online-Geschäftsstelle, die in einem emissionsarmen Rechenzentrum betrieben wird.   Das Projekt ist langfristig angelegt und umfasst auch den Austausch mit internen und externen Stakeholdern. Beginnend mit diesem Nachhaltigkeitsbericht stellen wir die zentralen Themen unserer Unternehmensstrategie mit Nachhaltigkeitsbezug deutlicher heraus und machen sie damit als BARMER Nachhaltigkeitsstrategie erkennbar. Über wichtige Ergebnisse und die Weiterentwicklung unserer Strategie werden wir regelmäßig berichten.

Gesundheitsversorgung ist eng verbunden mit anderen Handlungsfeldern
Das zentrale Handlungsfeld der BARMER ist die Gesundheit. Wir bieten unseren Versicherten eine hochwertige Versorgung, gestalten aktiv die medizinische Versorgung der Zukunft mit und kümmern uns um die langfristige Finanzierbarkeit der Solidargemeinschaft. Die Erfüllung unserer Aufgabe steht in enger Beziehung zu weiteren Handlungsfeldern wie Bildung, Geschlechtergleichstellung, Klima- und Umweltschutz sowie Transparenz und Krisenfestigkeit von Institutionen.

Unser Handeln basiert auf klaren Werten
Wir beziehen uns in unserer Unternehmensstrategie auf die Prinzipien des UN Global Compact, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie die ILO Kernarbeitsnormen. Wir unterstützen die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen und die Ziele des Pariser Klimaabkommens. Darüber hinaus sind wir Mitglied der Corporate Digital Responsibility Initiative des BMJ/BMUV, Unterzeichner der Charta der Vielfältigkeit und Teilnehmer bei der Aktion Glasgow-Commitment. Der BARMER Verhaltenskodex und unsere Werte zur Digitalen Ethik bilden die Grundlage unseres Handelns. Unsere Haltung haben wir in unserem Lieferantenkodex zusammengefasst.

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

Die BARMER ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, als Krankenkasse ist sie einem gesetzlich definierten, öffentlichen Auftrag verpflichtet. Wir sind Teil der sogenannten mittelbaren Staatsverwaltung. Als solcher gibt der Staat uns für unser Handeln einen gesetzlichen Rahmen vor, den wir in eigener Verantwortung ausfüllen und dessen Einhaltung staatlich kontrolliert wird.

Wir agieren in einem komplexen sozioökonomischen, politischen und ökologischen Umfeld
Als Krankenkasse finanziert sich die BARMER aus Beitragsgeldern, die über den Gesundheitsfonds zugewiesen werden. Im Gegensatz zu Unternehmen der freien Wirtschaft haben wir keine Gewinnerzielungsabsicht. Unsere finanzielle Situation hängt maßgeblich von demografischen Entwicklungen, dem medizinisch-technischen Fortschritt und politischen Entscheidungen ab, die die Kostenentwicklung und die Verteilung der finanziellen Mittel im Gesundheitssystem bestimmen. Daneben können auch allgemeine Entwicklungen wie beispielsweise steigende Energiepreise durch ihre Auswirkungen auf die Kostenstruktur von Leistungserbringern die finanzielle Situation von Krankenkassen beeinflussen. Während die demografische Entwicklung und die Kosten des medizinisch-technischen Fortschritts zu steigenden Ausgaben führen, werden sich durch die abnehmende Zahl an Personen im erwerbsfähigen Alter bei gleichzeitig steigender Zahl an Rentnern sinkende Einnahmen für die Krankenkassen ergeben. Das bedeutet, dass wir mit begrenzten finanziellen Mitteln ein permanentes Mehr an Gesundheitsleistungen finanzieren müssen.
Im deutschen Krankenkassensystem stehen wir im Wettbewerb mit anderen Krankenkassen. Dabei kann jede Krankenkasse einen individuellen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag festlegen, der zusammen mit dem Leistungsangebot die Kassenwahl der Versicherten beeinflusst. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts und in unserer Rolle als Kostenträger unterliegen wir zahlreichen Vorschriften wie z. B. dem Vergaberecht und haben bei der Wahl unserer Partner und der Gestaltung unserer Geschäftsbeziehungen nicht dieselben Freiräume wie ein Wirtschaftsunternehmen.
Ökologische Faktoren wie die Umweltbelastung und der Klimawandel haben Einfluss auf die Gesundheit der Menschen. Auch einschneidende Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder Naturkatastrophen können starke Auswirkungen haben, zum einen als medizinische Herausforderung und zum anderen als Gefahr für Lieferketten und Versorgungssicherheit. Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für Effizienzgewinne im Gesundheitssystem, gleichzeitig ergeben sich daraus Risiken im Bereich der digitalen Ethik, mit denen wir sorgsam umgehen müssen.
Mit der Entscheidung, ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement zu implementieren, und dem Ziel Klimaneutralität bis 2030 hat die BARMER wichtige Grundlagen für die nachhaltige Transformation geschaffen. Nachhaltigkeitsaspekte werden bei Management-Entscheidungen entsprechend mitberücksichtigt.

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Bei der Entwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir uns an der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen orientiert. Entlang der Sustainable Development Goals (SDGs) haben wir folgende Ziele definiert:

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen
Es ist unser Ziel, unseren Versicherten erstklassige Gesundheitsleistungen und einen hervorragenden Service zu bieten. Unsere rund 13.800 Beschäftigten setzen sich täglich für die Gesundheit von Millionen Kunden ein: Wir helfen Menschen, gesünder zu leben und bei Krankheit die bestmögliche Versorgung zu erhalten. Zudem unterstützen wir bei nachhaltiger Prävention.

SDG 4: Hochwertige Bildung
Es ist unser Ziel, unseren Versicherten eine hochwertige Gesundheitsbildung im Sinne von Aufklärung, Beratung und Prävention zu bieten. Unsere Mitarbeitenden wollen wir mit hochqualitativen Aus- und Weiterbildungsangeboten und unserem betrieblichen Gesundheitsmanagement für die Erfüllung ihrer Aufgaben rüsten. Innerhalb der BARMER und mit unseren Partnern im Gesundheitswesen möchten wir die notwendige Expertise für eine erfolgreiche nachhaltige Transformation aufbauen.

SDG 5: Geschlechtergleichstellung
Es ist unser Ziel, Geschlechtergleichstellung in der Gesundheitsversorgung zu erreichen. Bei unseren Beschäftigten streben wir einen ausgewogenen Anteil der Geschlechter an, 50% der Führungspositionen in unserem Unternehmen möchten wir mit Frauen besetzen.

SDG 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion
Es ist unser Ziel, unsere Effizienz kontinuierlich zu steigern und Ressourcen achtsam zu nutzen.

SDGs 13, 14 und 15: Klima- und Umweltschutz
Es ist unser Ziel, bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden und die negativen Umweltauswirkungen unserer Geschäftstätigkeit so weit wie möglich zu reduzieren. Da der Klimawandel ein enormes Gesundheitsrisiko darstellt, hat er für uns besondere Priorität.

SDG 16: Transparenz und Krisenfestigkeit als starke Institution
Es ist unser Ziel, Arbeitsabläufe, Entscheidungsprozesse und Leistungsqualität der BARMER für unsere Versicherten besser nachvollziehbar machen. Als wichtiger Akteur im Gesundheitswesen wollen wir unsere eigene Krisenfestigkeit sicherstellen und die Menschen in Krisensituationen unterstützen.

Die Erreichung unserer Ziele lässt sich anhand verschiedener interner Kennzahlen überprüfen. Für die Berechnung unserer CO2-Emissionen arbeiten wir mit externen Experten zusammen. Die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie ist eine unternehmensweite Aufgabe, die Koordination erfolgt im Bereich Zentrale Dienste. In verschiedenen Gremien, z. B. im Vorstand und im Verwaltungsrat wird regelmäßig über Nachhaltigkeitsthemen berichtet. Für Mitarbeitende werden Informationsveranstaltungen angeboten und Informationen im Intranet bereitgestellt.

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Als Krankenkasse fungiert die BARMER wie ein Dienstleister und betreibt keine eigene Produktion. Grundlage für unsere Tätigkeit sind unsere Büro- und Geschäftsräume sowie unsere IT-Infrastruktur. Damit verbunden sind im Geschäftsraummanagement die Anmietung von Immobilien, die Instandhaltung von Eigenimmobilien, Bauprojekte sowie der Betrieb und die Bewirtschaftung. Für unsere IT-Infrastruktur nutzen wir Hardware, Software, externe Rechenzentren und nehmen IT-Beratung im Rahmen von Entwicklungsprojekten in Anspruch. Darüber hinaus benötigen wir für unsere Tätigkeit Papier und Druckprodukte, Postdienstleistungen, Marketingleistungen, Büroartikel und Werbemittel.

Seit 2019 ermitteln wir mit einem externen Partner unsere CO2-Emissionen und haben bereits Maßnahmen umgesetzt, um diese zu reduzieren. Ein wichtiger Schritt war hier die bundesweite Umstellung auf Ökostrom. Für eine optimierte Flächennutzung und Mobilität nutzen wir verschiedene Hebel wie Desk Sharing, Home Office, digitale Meetings und Angebote zu nachhaltiger Mobilität wie unser JobRad-Angebot.

Für die maßgeblichen Wertschöpfungsketten haben wir Nachhaltigkeitsrisiken analysiert und entsprechende Anforderungen definiert. Dazu zählen Nachweise in Ausschreibungen wie z. B. für die Zahlung des Mindestlohns bei Dienstleistungen wie Reinigung, Nachhaltigkeitsstandards wie Blauer Engel, FSC oder GOTS sowie veränderte Spezifikationen wie Recyclingqualität bei Büropapier. Darüber hinaus überprüfen wir regelmäßig Möglichkeiten, Plastik einzusparen und Kreislaufwirtschaft zu fördern.

Im Bereich IT und Digitalisierung spielen für uns Datenschutz, Datensicherheit und Digitale Ethik eine wichtige Rolle. Wir sind Mitglied der Corporate Digital Responsibility (CDR) - Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und veröffentlichen ab 2022 einen regelmäßigen CDR-Bericht.

Unsere Partner leisten wichtige Beiträge für unsere Tätigkeit, sie treiben mit uns zusammen Innovationen voran und spielen eine bedeutende Rolle für Krisenfestigkeit und Versorgungssicherheit. Daher ist es uns ein zentrales Anliegen unsere Haltung transparent in einem Lieferantenkodex zusammenzufassen. Der Kodex unterstützt den vertieften Austausch mit unseren Partnern. Unabhängig davon stellen uns Lieferanten Informationen zu ihrer Nachhaltigkeitsperformance ebenso zur Verfügung, wie Daten für die Erfassung unserer CO2-Emissionen.

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4

Leistungsausgaben
Im Jahr 2021 sind die Leistungsausgaben der BARMER im Vergleich zum Vorjahr um 5% von 33.330.007 Mrd. EUR auf 34.995.950 Mrd. EUR gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg je Versicherten von 6,8 %.

In der Pflegekasse sind die Leistungsausgaben 2021 um 8,9 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Ausgaben stiegen von 5.878.934 Mrd. EUR auf 6.404.364 Mrd. EUR, das entspricht einem Anstieg je Versicherten von 10,8 %.
Präventionsausgaben
Im Jahr 2021 beliefen sich die Präventionsausgaben auf 44.724 Mio. EUR, im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausgaben um 31,2% je Versicherten.