1. Strategische Analyse und Maßnahmen

Das Unternehmen legt offen, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Es erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Als landeseigenes Unternehmen sieht die berlinovo eine besondere Verpflichtung gegenüber der Stadt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern. Die berlinovo unterstützt die Ziele des Bündnisses für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten (Mietenbündnis) und der Kooperationsvereinbarung (KoopV), die der Berliner Senat mit den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften geschlossen hat. Da die berlinovo dieser Kooperationsvereinbarung aus juristischen Gründen nicht beitreten kann, sie aber ihre Mitverantwortung für gutes und bezahlbares Wohnen in Berlin unterstreichen möchte, hat sie sich erstmalig im Jahr 2016 eine Vermietungscharta gegeben und diese seitdem fortgeschrieben. Damit bekräftigt die berlinovo GmbH, dass sie ihrer Verantwortung als fairer Vermieter gerecht wird. Bei der Vermietungscharta handelt es sich um eine speziell auf die berlinovo Situation maßgeschneiderte Ableitung der o. g. Kooperationsvereinbarung. Die berlinovo Gruppe bezieht die Vermietungscharta in ihre zukünftige Geschäftsstrategie ein und übernimmt somit auch die Bezüge zu ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsaspekten im Berliner Wohnungsbau als Kern:   Die berlinovo ist als verantwortlich agierender Wohnungsanbieter ein strategischer Partner für das Land Berlin und unterstützt dessen Ziele hinsichtlich Asbestfreiheit, Klimaneutralität und Ressourceneffizienz.

 
Die berlinovo legt beim Wohnungsneubau einen Schwerpunkt auf in der Stadt erforderliche besondere Wohnformen und entwickelt Immobilienprojekte mit dem Ziel, Auszubildenden, Studierenden, jungen Fach- und Führungskräften, Senioren und besonderen Bedarfsgruppen in Berlin Wohnraum zu fairen Mieten zur Verfügung zu stellen. Sie trägt damit zu einer ausgewogenen Wohnraum- und Quartiersentwicklung bei. Die sogenannte „Berliner Mischung“ – das Schaffen lebendiger Quartiere – ist für die berlinovo ein wichtiger Aspekt. Die Beteiligung wichtiger Stakeholder spielt bei den Projekten der berlinovo eine zentrale Rolle.  

Die berlinovo will sich am Bestandszuwachs beteiligen. Dafür möchte sie sich von einem verwaltenden Dienstleister für Fonds hin zu einem aktiven Bestandshalter entwickeln, der seinen Markt unternehmerisch weiterentwickelt. Dabei soll die Position als verantwortlicher Player am Berliner Wohnungsmarkt durch gezielte Neubauaktivitäten ausgebaut werden, um damit in Zukunft noch stärker zur sinnvollen Wohnraumversorgung in Berlin beizutragen. Diese Entwicklung hat eine Umstrukturierung und Neuausrichtung sowie den Rückbau der Fonds- und Garantiestrukturen und die Aufhebung der Neuordnungsvereinbarung mit dem Land Berlin zur Konsequenz.  

Das Land Berlin und die berlinovo verfolgen das Ziel, Neubauten in direkter Kooperation mit dem Land oder in Kooperation mit anderen Beteiligungsgesellschaften des Landes Berlin zu verwirklichen, um weitere Flächen für Wohnungsneubau zu nutzen. Gespräche zum Abschluss von Kooperationen mit anderen Landesbeteiligungen werden aktiv geführt.

Die berlinovo gibt mit dieser Erklärung zum deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht ab. Zum Einsatz kam das Rahmenwerk des DNK. Ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement wird sukzessive aufgebaut und es wird im zweijährigen Turnus darüber berichtet.
 

2. Wesentlichkeit

Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der eigenen Geschäftstätigkeit wesentlich auf Aspekte der Nachhaltigkeit einwirken und welchen wesentlichen Einfluss die Aspekte der Nachhaltigkeit auf die Geschäftstätigkeit haben. Es analysiert die positiven und negativen Wirkungen und gibt an, wie diese Erkenntnisse in die eigenen Prozesse einfließen.

In mehreren Workshops mit der Geschäftsführung und der Stabsstelle Unternehmenskommunikation wurden die wesentlichen Berichtsthemen festgelegt. Grundlage für diesen Prozess war die Stakeholderstruktur.  

Weitere wesentliche Themen ergeben sich aus der Stellung als landeseigenes Unternehmen. Viele Punkte sind bereits sehr gut organisiert und verankert und entsprechen einem starken Nachhaltigkeitsgedanken, so zum Beispiel Personal-, Mitbestimmungs-, Chancengerechtigkeits- sowie Compliance-Themen. Weiterhin hat die Wesentlichkeitsanalyse bereits auf dem Plan stehende Themen wie verstärkte Partizipation und den Einsatz Erneuerbarer Energien bestätigt.  

 
Bei der berlinovo wurden insgesamt 55 Themen auf ihre Wesentlichkeit überprüft. 22 Themencluster wurden als relevant identifiziert – davon 15 mit sehr hoher Relevanz:

Übersicht der 22 wesentlichen Berichtsthemen der berlinovo

Wesentliche Themen berlinovo


In zwei nachfolgenden Prozessen wird diese Wesentlichkeitsanalyse durch ausgewählte interne und externe Stakeholder bestätigt. In diesem Prozess werden Chancen und Risiken noch weiter konkretisiert und im Folgebericht (2022) dargelegt.  

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt konnten Kundenorientierung, Erneuerbare Energien, Energieverbrauch und -effizienz sowie eine weitere Ausarbeitung der Digitalisierungsstrategie als Chancen eingeordnet werden. Risiken wurden im Bereich Bestandserhaltung und -pflege sowie beim Neubau im Bereich der Lieferkette und des Umweltmanagements identifiziert. Weiterhin birgt Partizipation in Stakeholderdialogen sowohl Chancen als auch Risiken. Auch im Bereich Produkt- und Prozessinnovation gilt es, verschiedene Zielkonflikte abzuwägen (beispielsweise Giftstofffreiheit gegenüber Energieeffizienz oder CO2-Effizienz (KfW52) mit einer akzeptablen Zielmiete).

 

3. Ziele

Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Die berlinovo befindet sich am Anfang eines systematischen Nachhaltigkeitsmanagements. Die Beurteilung wird sich dabei zum Beispiel im Bereich Erstellung und Modernisierung auf wissenschaftlich anerkannte und praxisorientierte Methoden der Ökobilanzierung und Lebenszykluskostenrechnung stützen. Der vorliegende Bericht ist der erste Nachhaltigkeitsbericht der berlinovo.  

Gemäß dem unternehmensspezifischen bedarfsorientierten Auftrag werden insbesondere städtebauliche, gestalterische, technische und funktionale Qualitäten berücksichtigt.  

Ziel ist es, ein Managementsystem einzuführen, das einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) im Bereich der Nachhaltigkeit initialisiert. In einem regelmäßigen (zweijährigen) Berichtszyklus wird die berlinovo über den erreichten Status quo, Ziele, aber auch Herausforderungen bei der Umsetzung ihres Nachhaltigkeitsmanagements berichten. Um die Leistungen zu dokumentieren, werden nach und nach quantitative sowie qualitative Kennzahlen und Indikatoren eingeführt.  

Im Rahmen unseres Auftrages und in Bezug zur vorgenommenen Wesentlichkeitsanalyse haben wir die folgenden Ziele im Jahr 2020 formuliert und priorisiert:  

Wohnungsbestand erhöhen  Urbane und nachhaltige Boden- und Liegenschaftspolitik fördern  
Kundenorientierte Bestandsbewirtschaftung verstärken  
Zukunftsfähiges und ökologisches Bauen ermöglichen  
Partizipation ermöglichen und Beteiligung als Ressource stärken
Um diese Ziele bestmöglich zu erreichen, wird die berlinovo eng mit der Wohnraumversorgung Berlin AöR zusammenarbeiten und den jährlichen Bericht zur Kooperationsvereinbarung mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften Berlins (KoopV) unterstützen. Die berlinovo plant, ihre Vermietungscharta dementsprechend fortzuschreiben.
 

4. Tiefe der Wertschöpfungskette

Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Die berlinovo ist ein vorwiegend bestandshaltendes Unternehmen im Bereich Wohn- und Gewerbeimmobilien im Eigentum des Landes Berlin. Dabei wurde der Bestand in jüngster Vergangenheit bereinigt. Nun fokussieren wir uns mit unseren Stärken auf unser Kernportfolio mit Schwerpunkt in Berlin, um damit in Zukunft noch stärker zur sinnvollen Wohnraumversorgung in Berlin beizutragen. Weitere Bestandsbereinigungen durch Verkäufe werden angestrebt. Die Besonderheit hierbei bilden die drei Bereiche Wohnen, Apartment und Gewerbe, da diese alle unter einem Dach gehandhabt werden.  

Das Kerngeschäft besteht aus dem Bestandsmanagement – der Verwaltung, Bewirtschaftung und Vermietung von Wohn- und Gewerberaum – sowie der Bewirtschaftung von Apartments und der Projektentwicklung durch Ankauf, Errichtung und Modernisierung von Wohnraum. 

Begleitende Prozesse (siehe Abbildung „Wertschöpfungskette“) unterstützen den reibungslosen Geschäftsverlauf.  

Die Tiefe der Wertschöpfung unterscheidet sich je nach Geschäftsbereich. Dabei ist die berlinovo in der Wertschöpfung auch auf externe Dienstleister angewiesen – insbesondere bei Bautätigkeiten (inkl. Materialbeschaffung und Entsorgung) im Zuge von Neubauprojekten sowie bei Modernisierungs-, Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen.  

Die berlinovo ist sich der Nachhaltigkeitsrisiken in der Lieferkette bewusst. Als landeseigenes Unternehmen ist die berlinovo der Stadt verpflichtet, und dies bringt eine besondere Sorgfaltspflicht mit sich.  

Die Dienstleistung der Vermietung und Verwaltung von Wohnraum und die Planung von Neubauprojekten erbringt die berlinovo in Berlin eigenständig.

 
Die Wertschöpfungskette der berlinovo Gruppe

Wertschöpfung berlinovo

Bereits jetzt werden Nachhaltigkeitsaspekte in den Kern- und begleitenden Prozessen berücksichtigt. Gesetze und Verordnungen verpflichten die Dienstleister der berlinovo bereits dazu, verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte einzuhalten, zum Beispiel: Einhaltung des Mindestlohns, Konformität zur Datenschutz-Grundverordnung etc.  

In Zukunft werden die bestehenden Aspekte auf Chancen und Risiken sowie Stärken und Schwächen evaluiert und verstetigt sowie neue Nachhaltigkeitsaspekte evaluiert und gegebenenfalls in die Prozesse eingesteuert. Die Grundlage dafür bietet die Vermietungscharta (siehe 1. „Strategie“)

Leistungsindikatoren zu den Kriterien 1 bis 4